Vom Tagestief erholt

Stand: 27.02.2012, 20:02 Uhr

Aus Furcht vor einem Rückschlag der Konjunktur wegen des zuletzt stark gestiegenen Ölpreises ist der Dax zu Wochenbeginn auf Talfahrt gegangen und verlor in der Spitze bis zu 1,6 Prozent. Doch dann kommt es zu einer spektakulären Aufholjagd.

Befeuert von den besser als erwartet ausgefallenen US-Immobiliendaten und gestützt auf die sich erholenden Kurse an der Wall Street macht der Dax bis zum Börsenschluss seine Tagesverluste wieder wett und schließt bei 6.849 Punkten, mur 0,2 Prozent unter seinem Niveau vom Freitag. Auch im Abendhandel halten sich die Einbußen bei 0,25 Prozent in engen Grenzen. Der Euro erholt sich ebenfalls von seinem Schwächeanfall am Nachmittag und notiert am Abend nahe der Marke von 1,34 Dollar

Derweil pendelt der Dow Jones-Index am Abend um die Marke von 13.000 Punkten und damit rund 20 Zähler über dem Schlussstand vom Freitag. Zwar war es aus Furcht vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung wegen der stark gestiegenen Ölpreise auch an der New Yorker Börse zunächst zu Kurseinbußen gekommen. Doch die stärker als erwartet gestiegenen, noch nicht abgeschlossenen US-Hausverkäufe im Januar erwiesen sich als Initialzündung für die Trendwende.

Positiv aufgenommen wurde auch die leichte Entspannung beim Ölpreis. Nach seinem jüngsten Anstieg wegen der neuen Spannungen im Atomstreit mit dem Iran fiel der Ölpreis am Montag wieder etwas. Hintergrund waren Erklärungen der Öl produzierenden Länder, Lieferengpässe im Zuge der Iran-Sanktionen durch eine höhere Fördermenge entgegenzuwirken.

Zudem hat der Bundestag dem zweiten Rettungspaket für Griechenland mittlerweile erwartungsgemäß mit großer Mehrheit zugestimmt, und auch dies erweist sich als Stütze für die Aktienmärkte.

Neuer Tender steht an
Auch die für Mittwoch geplante zweite Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank an die Geschäftsbanken sorgt offenbar für Vorfreude. "Die Schätzungen schwanken zwischen 300 und 750 Milliarden Euro", sagte Ralf Umlauf von der Helaba zum Umfang des EZB-Tenders.

Am Morgen hatten Konjunktursorgen wegen des stark gestiegenen Ölpreises sowie der unentschiedene Ausgang des Treffens der Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Entwicklungsländer am Wochenende in Mexiko für Kurseinbußen gesorgt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,94
Differenz relativ
+5,61%

Coba-Titel unter Druck
Commerzbank-Aktien bleiben auch am Montag unter Druck. Die Anteile des zweitgrößten deutschen Geldhauses verlieren knapp drei Prozent. Seit der Bilanz-Vorlage für 2011 am vergangenen Donnerstag rutschte das Papier um bis zu 11,40 Prozent ab.

Börsianern zufolge belastet weiterhin die in der Vorwoche mit den Zahlen angekündigte, erneute Kapitalmaßnahme. Ohnehin stehe der Bankensektor unter Druck. Das Commerzbank-Papier sei besonders schwankungsfreudig und rutsche daher ans Indexende.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
72,77
Differenz relativ
+1,95%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,42
Differenz relativ
+1,55%

Auto-Aktien im Rückwärtsgang
Die Aktien der deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW fallen ebenfalls zurück. Händler verwiesen auf Berichte, wonach die chinesische Regierung ihren Provinzbeamten nicht mehr erlauben will, Dienstwagen ausländischer Hersteller zu fahren. Ein Börsianer sagte: "Damit droht für die deutschen Autobauer wie vor allem Audi ein riesiger Markt zu verschwinden." Zusätzlich belastend wirkte sich ein Kommentar der Analysten von JPMorgan aus, die den Autosektor von "Overweight" auf "Neutral" gesenkt hatten.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,68
Differenz relativ
+2,63%
Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,44
Differenz relativ
-0,69%

Gleich zwei Sorgen für Lufthansa
Zu den größten Verlierern im Dax zählen auch die Aktien der Lufthansa, die sowohl unter den hohen Ölpreisen als auch dem erneuten Streik am Frankfurter Flughafen litten. Die Papiere geben mehr als zwei Prozent nach. Die Aktien des im Mdax notierten Flughafenbetreibers Fraport notieren ebenfalls schwächer.

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2,54
Differenz relativ
+2,41%

Gerry Weber kann nicht punkten
Die im MDax notierten Aktien von Gerry Weber büßen nach der Bekanntgabe endgültiger Zahlen für das Geschäftsjahr 2010/11 und des Ausblicks für 2011/12 ein halbes Prozent ein. Die finalen Kennziffern der Modekette für das Geschäftsjahr 2010/11 hätten im Rahmen der zuvor veröffentlichten Vorläufigen Eckdaten gelegen, sagte ein Händler.

Sky ohne Ausstrahlung
Einer der größten Verlierer im MDax ist die Aktie von Sky. Dabei ist der Mobilfunkbetreiber Vodafone aus dem Bieterkampf um die Übertragungsrechte der Bundesliga ausgestiegen. Der Bezahlsender steht jetzt in Konkurrenz zur Deutschen Telekom, die ebenfalls an der Übertragung interessiert ist.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
137,00
Differenz relativ
+0,22%

Barclays lobt Wirecard
Ein positiver Analystenkommentar von Barclays hat die Aktie von Wirecard an die TecDax-Spitze getrieben. Die Aktien des Zahlungsdienstleisters verteuern sich um über drei Prozent. Die Analysten von Barclays bescheinigen dem Unternehmen weiterhin gute Wachstumsaussichten. Wirecard profitiere von der Stärke des E-Commerce-Marktes und Zukäufen in Asien, hieß es in einem Kommentar. Die Experten setzten das Kursziel hoch auf 18 (15) Euro und beließen die Bewertung bei "Overweight".

Gläubiger entscheiden über Q-Cells
Im TecDax gehört die Aktie von Q-Cells zu den größten Verlierern. Die Gläubigerversammlung des Solarkonzerns ist am Montag in Frankfurt/Main zusammengekommen. Sie muss über eine am 28. Februar fällig werdende Anleihe im Volumen von rund 200 Millionen Euro entscheiden. Nach dem Willen des Unternehmens soll die Fälligkeit zunächst um zwei Monate verschoben werden. Demnach sollen den Gläubigern künftig 95 Prozent des Unternehmens gehören. Einzelne Gläubiger lehnen das Vorhaben aber ab und pochen auf ihr Geld.

Norma Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
46,56
Differenz relativ
+0,78%
CTS Eventim: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
32,38
Differenz relativ
+2,21%

Rekordumsatz bei Norma
Zulegen kann dagegen das Papier von Norma. Der Industrie- und Autozulieferer Norma aus dem SDax hat im vergangenen Jahr von der guten Konjunktur profitiert und Rekordergebnisse erzielt. Der Spezialist für Verbindungstechnik, der unter anderem Schlauch- und Rohrschellen herstellt, verbesserte 2011 sein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebita) um 20,2 Prozent auf 103 Millionen Euro.

CTS Eventim mit Umsatzrückgang
Kaum Bewegung gibt es dagegen bei den Papieren von CTS Eventim. Tatsächlich hat der ebenfalls im SDax notierte Ticketverkäufer sein operatives Ergebnis (Ebit) im vergangenen Jahr nur um 1,3 Prozent auf 72 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz ging um 3,2 Prozent zurück.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr