Marktbericht 20:00 Uhr

Montags Euphorie, Dienstags Katzenjammer Vom Kursfeuerwerk zum Strohfeuer

Stand: 28.04.2015, 20:00 Uhr

Die Montagsgewinne des Dax sind komplett verdampft. Offenbar sind die Investoren mit der Gesamtsituation unzufrieden, sonst wären sie nicht so schnell bereit, ihre jüngsten Gewinne sofort wieder vom Tisch zu nehmen. Die 12.000 Punkte sind in weitere Ferne gerückt.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 1,9 Prozent auf 11.811,66 Punkten. Damit sind die Kursgewinne des Vortages ziemlich genau wieder Geschichte. Der L-Dax büßte 1,6 Prozent auf 11.822,80 Punkte ein. "Der allgemeine Aufwärtstrend des Marktes ist noch intakt", betonte Unicredit-Aktienstratege Christian Stocker. "Damit dies in den kommenden Wochen auch so bleibt, brauchen wir aber eine weitere Verbesserung der Unternehmensbilanzen."

Und die bleibt bislang aus, denn die bisherigen Ergebnisse der US-Berichtssaison sind allenfalls durchwachsen. "Bei den meisten großen Unternehmen stehen die Umsätze unter Druck, und das wird an den Märkten zu spüren sein, denn die Bewertungen sind hoch", sagte Marktökonom Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. Der Dow Jones lag am Abend rund 0,4 Prozent im Plus.

US-Verbrauchervertrauen bricht ein

Immerhin: Frische Daten aus den USA nährten die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed die Zinswende nicht so schnell vollziehen wird. Das Verbrauchervertrauen des Conference Boards sank im April deutlich; Fachleute hatten mit einer Verbesserung gerechnet.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

"Die Zahl enttäuscht und lässt befürchten, dass sich die Konsumnachfrage zu Beginn des zweiten Quartals moderat entwickelt, ungeachtet der positiven Arbeitsmarktentwicklung und den gestiegenen Realeinkommen", meint Helaba-Experte Ralf Umlauf. Zinserhöhungserwartungen im Vorfeld der morgigen FOMC-Entscheidung würden nicht forciert, schreibt Umlauf.

Vielleicht ist das eine Chance auf einen frischen Kaufimpuls am Aktienmarkt: "Zeigt sich die Fed in ihrem Statement expansiv und deutet erste Zinsschritte erst für das Jahr 2016 an, dann könnte dies dem Dax noch einmal Flügel verleihen und ihn in Richtung Allzeithoch um 12.400 Punkte befördern", meint Jens Klatt, Marktanalyst bei DailyFX.

Euro und Dax aneinander gekettet

Die Konjunkturenttäuschung gab natürlich dem Euro Rückenwind, was wiederum den Druck auf den Dax erhöhte. "In der jüngsten Vergangenheit liegt zwischen dem heimischen Börsenbarometer und dem besagten Währungspaar eine so genannte inverse Korrelation vor", kommentiert Christian Henke von IG Markets. Dies bedeute, wenn der Euro gegen den Dollar falle, steige der Dax. Der Goldpreis legte ebenfalls leicht zu.

Kurz vor dem Ende des Monats April stellt sich der ein oder andere Anleger die Frage nach dem Gehalt von Börsenweisheiten: Wissen zum Thema "Sell in May" können Sie hier erwerben. Ob der Rat in diesem Jahr zutrifft, erfahren Sie im aktuellen Interview mit dem Experten Robert Rethfeld.

Daimler ist auf Kurs

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den stärksten Werten in einem schwachen Umfeld gehörte die Daimler-Aktie. Der Autokonzern hat zum Jahresauftakt seinen Umsatz um 16 Prozent auf 34,2 Milliarden Euro verbessert - währungsbereinigt immerhin noch um neun Prozent. "Nach Jahren des Hinterherfahrens schließt Daimler bei der Marge im Pkw-Bereich endlich zu den Premium-Konkurrenten BMW und Audi auf", kommentiert NordLB-Experte Frank Schwope die Zahlen.

Die Commerzbank holt mehr als eine Milliarde rein

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Dax-Ende lag dagegen die Commerzbank. Die Bank hat ihr Grundkapital um zehn Prozent erhöht und dabei 113,85 Millionen neue Aktien am Markt bei institutionellen Anlegern platziert. Der Platzierungspreis lag bei 12,10 Euro. Die Bank nahm dadurch knapp 1,4 Milliarden Euro ein.

United Internet greift bei Drillisch zu

Der Internet-Dienstleister United Internet hat sich über eine Tochter 9,1 Prozent der Drillisch-Aktien gesichert. Allerdings muss das Bundeskartellamt noch zustimmen. Dann hielte United unter Berücksichtigung bereits erworbener und weiterer vertraglich gesicherter Anteile insgesamt mittelbar 20,7 Prozent an Drillisch, teilte der Konzern mit. United Internet plant laut eigener Aussage seinen Anteil an Drillisch derzeit nicht auf 30 Prozent oder mehr auszubauen.

Fielmann auf Wachstumskurs

Der Optikerkette Fielmann ist mit einem Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 317 Millionen Euro ins neue Jahr gestartet. Der Vorsteuergewinn legte sogar um fast sieben Prozent auf 62,8 Millionen Euro zu. Hilfreich war der Trend zu teuren Gleitsichtbrillen.

DMG Mori Seiki liegt auf Kurs

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki, ehemals Gildemeister, hat im ersten Quartal einen Umsatz von 538 Millionen Euro verbucht - ein Plus von sieben Prozent. Das operative Ergebnis kletterte um sechs Prozent auf 30 Millionen. Die Aktie reagierte positiv und stieg auf ein Rekordhoch.

MTU hebt ab

Der Triebwerksbauer MTU ist mit seinen Umsatz im ersten Quartal um ein Fünftel auf rund 1,1 Milliarden Euro gewachsen. Ebenso stark wuchs der Gewinn um 68,2 Millionen Euro. Der starke Dollar war sehr hilfreich. Gut läuft das Wartungsgeschäft. Der Auftragsbestand des MDax-Konzerns erreichte mit 7,7 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert.

Wirecard wächst kräftig

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Online-Abrechnungsspezialist Wirecard hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 26 Prozent auf 159,1 Millionen Euro verbessern könnten. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um rund 31 Prozent auf 46 Millionen. Das TecDax-Mitglied profitierte vom Boom beim Online-Shopping.

Aixtron kommt nicht vom Fleck

Der angeschlagene Spezialmaschinenbauer Aixtron steckt weiter in der Krise. Der Umsatz sank von Januar bis März um acht Prozent auf 40,3 Millionen Euro. Der Verlust ging von 11,8 auf 9,5 Millionen Euro zurück. Noch immer geizt die unter Überkapazitäten leidende LED-Branche mit neuen Aufträgen für die Maschinen von Aixtron. Der Auftragseingang stagnierte praktisch bei 48,9 Millionen.

Comdirect profitiert vom Börsen-Boom

Die Online-Bank Comdirect hat in den ersten Monaten des laufenden Jahres ihre Erträge um zehn Prozent auf 98,1 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. "Unsere Kunden haben im ersten Quartal so viel gehandelt wie nie zuvor", sagte Finanzvorstand Holger Hohrein. Dennoch ging der Gewinn um 1,5 Prozent auf 17,6 Millionen Euro zurück. Grund waren höhere Kosten.

Ströer hebt Prognose an

Die Werbefirma Ströer erwartet für 2015 nun ein Einnahmenwachstum im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Das Betriebsergebnis werde voraussichtlich bei mindestens 180 Millionen Euro liegen. Bislang hatte Ströer mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich und einem Ergebnis von 170 bis 180 Millionen Euro gerechnet. Nach einem Rekordjahr 2014 begann auch 2015 mit kräftigen Zuwächsen. Das operative Ergebnis sei im ersten Quartal um 60 Prozent auf 26 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz habe um etwa elf Prozent auf 162 Millionen Euro zugelegt, teilte Ströer mit.

Wird Metro Kaufhof los?

In den Verkaufsprozess um die Warenhauskette Kaufhof könnte Insidern zufolge wieder Bewegung kommen. Der kanadische Handelsriese Hudson's Bay habe seine Fühler nach der Metro -Tochter ausgestreckt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche befänden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium. Über ein mögliches Interesse der Kanadier hatte auch die Zeitschrift "Women's Wear Daily" berichtet. Sowohl Metro als auch Hudsons's Bay lehnten eine Stellungnahme ab.

T-Mobile US wächst

Der Zustrom neuer Vertragskunden kurbelt bei dem US-Mobilfunker T-Mobile US auch im neuen Jahr weiter das Wachstum an. Im ersten Quartal zog der Umsatz im Jahresvergleich um gut 13 Prozent auf 7,78 Milliarden Dollar an, weil bei der Tochter der Deutschen Telekom nach Abzug von Kündigungen mit 1,1 Millionen neuen Vertragskunden unter eigener Marke überraschend viele Abonnenten dazu kamen. Unter dem Strich reduzierte T-Mobile US den Verlust auf 63 Millionen Dollar - vor einem Jahr hatte er bei 151 Millionen Dollar gelegen.

Merck & Co übertrifft Erwartungen

Bei Merck & Co brach der Gewinn im ersten Quartal um 44 Prozent auf 953 Millionen Dollar ein. Hier haben vor allem Kosten für Teilverkäufe und Akquisitionen belastet. Der Umsatz sank um ach Prozent auf 9,425 Milliarden Dollar. Währungseinflüsse schlugen hier mit drei Prozentpunkten zu Buche, der Rest geht auf Verkäufe von Unternehmensteilen zurück. Am Finanzmarkt übertraf der US-Pharmariese mit seinem bereinigten Gewinn je Aktie die Erwartungen aber deutlich.

Ford macht Verluste in Europa

Beim US-Autohersteller Ford führten schwache Ergebnisse in Europa und Südamerika im ersten Quartal zu einem Gewinnrückgang um sieben Prozent auf 924 Millionen Dollar. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 33,9 Milliarden Dollar. In Europa verlor der Konzern weiter Geld - allerdings wurde der Verlust vor Steuern leicht auf 185 Millionen Dollar verringert.

Pfizer kappt Prognose

Der starke Dollar vermiest dem US-Pharmakonzern Pfizer das Geschäft. Der einst weltgrößte Pharmakonzern rechnet für 2015 nur noch mit Einnahmen zwischen 44 und 46 Milliarden US-Dollar. Damit liegt der Erwartungshorizont nun eine halbe Milliarde Dollar tiefer. Auch beim Gewinn je Aktie senkte Pfizer die Prognose. Im ersten Quartal musste der Konzern einen Umsatzrückgang um vier Prozent im Jahresvergleich auf 10,9 Milliarden Dollar hinnehmen. Analysten hatten allerdings mit noch etwas weniger gerechnet.

Invision: wolkig bis bedeckt

Der im Prime Standard notierte Cloud-Softwareanbieter Invision ist mit schwachen Zahlen ins neue Jahr gestartet. Der Umsatz ging um zehn Prozent auf 2,9 Millionen Euro zurück. Grund war ein rückläufiges Projektgeschäft. Das Ebit brach um knapp 40 Prozent auf 0,5 Millionen Euro ein. Besser lief es für die Cloud-basierten Produkte.

Philips dankt dem Euro

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im ersten Quartal seinen Umsatz um 14 Prozent auf 5,34 Milliarden Euro gesteigert. Philips profitierte dabei vom schwachen Euro. Ohne diesen Effekt hätte er nur um zwei Prozent zugelegt. Das Ebitda wuchs um knapp acht Prozent auf 327 Millionen Euro.

Santander hat weniger faule Kredite

Die spanische Großbank Santander hat zum Jahresauftakt ihren Nettogewinn um 32 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro verbessert. Analysten hatten im Schnitt mit 1,69 Milliarden gerechnet. Hilfreich waren deutliche Fortschritte im Kreditgeschäft.

Ölpreis belastet BP

Der britische Ölkonzern BP hat im ersten Vierteljahr 2015 einen Rückgang beim bereinigten Ergebnis zu Wiederbeschaffungskosten von 3,2 auf knapp 2,6 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Analysten hatten angesichts des Ölpreisverfalls auf Jahressicht noch weniger erwartet. Das Raffineriegeschäft half dabei.

Total im Branchensog

Auch beim französischen Konkurrenten Total hat der Ölpreis-Verfall tiefe Spuren hinterlassen. Der Gewinn sank um 20 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar - mehr als erwartet. Der Umsatz brach trotz der um zehn Prozent erhöhten Produktion um 30 Prozent auf 42,3 Milliarden Dollar ein.

Amazon hat Unternehmen im Visier

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Amazon baut eine eigene Plattform speziell für Geschäftskunden auf. Bei Amazon Business sollen Firmen günstigere Preise auf ausgewählte Artikel bekommen. Die Lieferung ist ab einer Bestellung von 49 Dollar kostenlos. Der Service ist zunächst nur für Kunden in den USA verfügbar, mit der Zeit könnte er aber international ausgebaut werden, erklärte Amazon-Manager Prentis Wilson dem "Wall Street Journal".

TNT schreibt Verlust

Der niederländische Paketdienst TNT Express kommt vor der erhofften Übernahme durch den US-Rivalen FedEx nicht aus den roten Zahlen. Im ersten Quartal sorgten hohe Sanierungskosten und der Preiskampf in der Branche unter dem Strich für ein Minus von 19 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte hier noch eine Million Euro Gewinn gestanden. Bis bei der Übernahme Klarheit herrscht, will TNT-Chef Tex Gunning den Umbau des Konzerns weiter vorantreiben.

UPS überzeugt

Der weltgrößte Paketdienst UPS hat seinen Quartalsgewinn um zehn Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar gesteigert. Dazu trugen unter anderem Preisanhebungen bei.

Gewinnrückgang bei Honda

Eine riesige Rückrufserie wegen defekter Airbags hat den japanischen Autobauer Honda im abgelaufenen Geschäftsjahr ausgebremst. Der Nettogewinn belief sich auf 522,7 Milliarden Yen (rund vier Milliarden Euro) und lag damit um 8,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau, wie der Konzern am Dienstag bekanntgab. Es war der erste Ergebnisrückgang seit drei Jahren.

Panasonic steigert Gewinn

Der japanische Elektronikkonzern Panasonic steigerte den Nettogewinn dank guter Geschäfte im Bereich Wohn- sowie Autotechnik im abgelaufenen Geschäftsjahr um 49 Prozent zum Vorjahr auf 179,5 Milliarden Yen (rund 1,4 Milliarden Euro). Der Umsatz verringerte sich indes leicht um 0,3 Prozent auf 7,7 Billionen Yen.

ts

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