Volatiler geht es kaum

Karsten Leckebusch

Stand: 11.05.2007, 20:02 Uhr

Das war kein Freitag für Genießer. Zunächst ließ der Dax bis knapp über 7.300 Punkte seine Federn, dann erholte er sich am Nachmittag bis auf 7.479 Punkte. Amerikanische Zinsfantasien halfen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Der Dax beschloss den Freitag nach einem turbulenten Handelsverlauf mit einem Tagesplus von 0,9 Prozent bei 7.479 Punkten. Am Vormittag lag der Leitindex zeitweise mit mehr als einem Prozent im Minus. Die deutlichen Abschläge bereinigte der Dax am Nachmittag mit Hilfe von der Wall Street, wo freundliche Konjunktursignale für steigende Kurse sorgten.

Dabei waren die Zahlen, die Anleger aus den USA erhielten, eher gemischt. Der amerikanische Einzelhandel meldete für April einen um 0,2 Prozent schwächeren Umsatz, was schlechter war als erwartet. Die Erzeugerpreise im April blieben jedoch, anders als erwartet, unverändert, was andeutet, dass sich die Inflationsgefahr in den USA etwas abgeschwächt hat. Anleger rechnen jetzt offenbar mit einer baldigen Zinssenkung der amerikanischen Notenbank.

Nachrichten von den Unternehmen
Unbestätigte Übernahmefantasien trieben das RWE-Papier in einsame Höhen. Angeblich will der französische Energiekonzern EdF den deutschen Gasriesen kaufen. Obwohl EdF die Gerüchte dementierte und RWE sich nicht dazu äußerte, legte die Aktie um 6,1 Prozent zu.

ThyssenKrupp verteuerte sich um 0,5 Prozent. Der Konzern meldete wegen einer EU-Kartellstrafe ein deutlich niedrigeres Vorsteuerergebnis. Die Jahresprognose hob der Stahlkonzern jedoch an. Die WestLB senkte ihr Anlageurteil für ThyssenKrupp-Aktien nach der Zahlenvorlage von "Add" auf "Hold". Nach der starken Kursentwicklung gebe es nicht mehr viel Potenzial, so die Analysten der Bank.

Der Reisekonzern Tui hat im ersten Quartal einen deutlich gestiegenen Verlust gemeldet. Die Aktie schlug sich trotzdem recht ordentlich, Analysten hatten Schlimmeres als 267 Millionen Euro operativen Verlust erwartet. Die Aktie gewann 0,8 Prozent.

Die Deutsche Börse legte um 0,2 Prozent zu. Auf der Hauptversammlung hat der Handelsplatzbetreiber, wie vom Hedgefonds Atticus gewünscht, seine geplante Kapitalerhöhung aufgegeben.

Größter Verlierer im Dax war die Aktie von MAN, die mit Dividendenabschlag gehandelt wurde und 1,8 Prozent verlor. Auch die Papiere von Postbank, SAP und Adidas notierten wegen des Dividendenabschlages alle leichter.

Noch mehr Bilanzen
Die im MDax notierte Aareal Bank hat im ersten Quartal sowohl Gewinn als auch Umsatz gesteigert. Im operativen Ergebnis von 39 Millionen Euro war allerdings eine Sonderzahlung von 37 Millionen enthalten. Die Aktie verlor 0,9 Prozent.

Euroshop, ein Betreiber von Einkaufszentren, hat im Jahresvergleich etwas weniger verdient, jedoch mehr als die Analysten prognostiziert hatten. Das Papier schlug sich mit einem Plus von 2,5 Prozent besser als der Markt.

KarstadtQuelle hat eine schwache Quartalsbilanz vorgelegt. Belastet von Restrukturierungskosten meldete der Kaufhauskonzern einen Nettoverlust von 140,9 Millionen Euro, die Aktie verlor 1,5 Prozent.

Premiere gewann drei Prozent. Angeblich soll es Übernahmegespräche zwischen dem Investor Guy Wyser Pratte und dem Sender geben. Außerdem hat die Commerzbank die Aktien des Fernsehsenders von "Hold" auf "Buy" hochgestuft.

Freenet zahlt Sonderdividende
Die Aktie des TecDax-Internetdienstleisters Freenet gewann 1,3 Prozent. Die Börsenzeitung Euro am Sonntag berichtete, dass das Unternehmen wie geplant eine Sonderdividende von fünf bis sechs Euro je Aktie ausschütten werde.

Nokia und die paar Chinamilliarden
Einen Auftrag in Höhe von 1,9 Milliarden Euro meldete der finnische Mobilfunkhersteller Nokia. Noch in diesem Jahr soll der Konzern Handys an den chinesischen Handyverkäufer China Postel liefern. Nokia teilte mit, schon im vergangenen Jahr hätte man Geräte im Wert von 1,5 Milliarden an den chinesischen Marktführer geliefert.

IBM investiert in die Umwelt
Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM will künftig viel Geld investieren, um den Stromverbrauch von Computern und Rechenzentren zu senken. Die Einsparmöglichkeiten seien enorm, teilte IBM mit. Etwa 42 Prozent Strom könnte eine durchschnittliche Rechenanlage einsparen. Eine Milliarde Dollar will IBM künftig jedes Jahr in Energiespartechnologien investieren.

16 Millionen für Halloren
Eine süße Krönung der Woche gab es am Freitag auf dem Frankfurter Parkett: Deutschlands älteste Schokoladen-Fabrik Halloren kugelte an die Börse. Die Anteilsscheine waren zu sieben Euro zugeteilt worden und begannen den Handel im Entry Standard mit 7,10 Euro. Bis zum Handelsschluss verbesserte sich der Kurs auf 7,45 Euro. Der Börsengang von Halloren hat ein Volumen von 16 Millionen Euro, davon fließen dem Unternehmen rund neun Millionen Euro zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr