Völlig misslungener Wochenauftakt

Stand: 01.12.2008, 20:02 Uhr

Gleich zu Wochenbeginn erhielten die Aktionäre eine kalte Dusche. Belastet von enttäuschenden deutschen und US-Konjunkturdaten sackten die Indizes in den Keller. Die Wall Street konnte die Stimmung nicht drehen.

Im Gegenteil, eine Reihe Besorgnis erregende Konjunkturzahlen belastete die Kurse in New York beträchtlich. Der Dow Jones verlor bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt fast fünf Prozent.

Der Einkaufsmanager-Index fiel stärker als erwartet auf 36,2 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit 1982. Ein Ende der Talfahrt der US-Volkswirtschaft sei derzeit nicht abzusehen, kommentierten Analysten. Offiziell ist die US-Wirtschaft nun seit einem Jahr in der Rezession. Wie das National Bureau of Economic Research mitteilte, ging im Dezember 2007 der rund sechsjährige Aufschwung in den USA zu Ende.

Die schwache US-Wirtschaft und die fallenden Kurse an der Wall Street belasteten den Dax im späten Nachmittagshandel kräftig. Der Leitindex, der schon zuvor unter miesen deutschen Konjunkturnachrichten zu leiden hatte, baute seine Verluste bis zum Handelsende auf 5,9 Prozent aus.

Einzelhandel und VDMA
Zerschlagen hatte sich am Morgen die kleine Hoffnung, dass der Konsum die Schwäche der exportlastigen deutschen Industrie auffangen könnte. Der Umsatz im deutschen Einzelhandel schrumpfte im Oktober unerwartet um 0,5 Prozent. Immerhin sprach der Einzelhandelskonzern Arcandor von einem vielversprechenden Auftakt in das Weihnachtsgeschäft.

Die Wirtschaftskrise trifft auch die deutschen Maschinenbauer mit voller Wucht. Der Verband der Maschinenbauer VDMA verzeichnete im Oktober einen Einbruch der Aufträge um zehn Prozent, die Auslandsaufträge gingen gar um ein Fünftel zurück. Aktien der deutschen Maschinenbauer brachen am Montag regelrecht ein.

Hypo Real Estate einziger Gewinner
Lediglich einen Dax-Gewinner gab es auf dem Parkett. Die Aktie der krisengeschüttelten Hypothekenbank Hypo Real Estate legte um 2,8 Prozent zu. Händler vermuteten, nach deutlich Kursverlusten der HRE-Aktie in den vergangenen Wochen, Schnäppchenjäger.

Verluste überall
Neben den Finanztiteln - Deutsche Bank-Aktien verloren elf Prozent - wurden am Montag vor allem die klassischen Industrietitel und Autoaktien verkauft. Auf den Stahlwerten lastete eine Gewinnwarnung des finnischen Unternehmens Rautaruuki. Dieser senkte seine Prognose für Gewinn und Umsatz, im Dax verlor die ThyssenKrupp-Aktie 5,2 Prozent, Salzgitter verbilligt sich am MDax-Ende um fast neun Prozent.

Die Salzgitter-Tochter Klöckner-Werke senkte am Montag zudem ihre Gewinnprognose. Bislang war der Konzern davon ausgegangen, mindestens die im Vorjahr erzielten 52 Millionen Euro zu erreichen. Dies könne man nicht mehr erreichen, erklärte Firmenchef Roland Flach. Der Rückgang bei den Auftragseingängen habe sich seit dem Ende des dritten Quartals deutlich verschärft.

Autokonzerne müssen kürzer treten
Die Autobranche meldet ebenfalls Ungutes. Daimler will die Lkw-Produktion einschränken, der Zulieferer Continental die Reifenproduktion in Hannover ab dem 4. Dezember für einen Monat stoppen. Außerdem warnte der Branchenverband ZDK vor einem kräftigen Absatzrückgang im kommenden Jahr. Daimler-Aktien verloren 7,3 Prozent, Continental-Aktien 4,5 Prozent.

Ford erwägt Volvo-Verkauf
Der stark angeschlagene amerikanische Autokonzern Ford prüft den Verkauf der schwedischen Tochter Volvo. Wegen der Probleme der globalen Autobranche würden die "strategischen Optionen" bei Volvo geprüft, teilte Ford mit. Ford-Aktien legen etwa zehn Prozent zu.

Qimonda und die Suche nach dem Investor
Auch Qimonda-Aktien sind gefragt, sie steigen in New York um acht Prozent. Die Infineon-Tochter meldete Fortschritte bei ihren Gesprächen mit möglichen Investoren. Es gebe mindesten zwei Interessenten, mit einer Entscheidung rechnet der Speicherchiphersteller in den kommenden zwei Wochen. Falls diese Gespräche erfolglos blieben, sei im März kommenden Jahres allerdings die Insolvenz möglich. Infineon-Aktien verloren 8,9 Prozent.

Altana streicht Prognose
Der im MDax notierte Spezialchemiekonzern Altana hat seine Jahresprognose zusammengestrichen. Zugleich empfahl der Vorstand den Aktionären, das Übernahmeangebot der Milliardärin Susanne Klatten anzunehmen. Klatten bietet über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion 13 Euro je Aktie und hatte Anfang November angekündigt, Altana ganz übernehmen zu wollen.

Erbitux erfolgreich
4,1 Prozent im Minus notiert die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck. Die EU-Kommission hat das Krebsmedikament Erbitux nun auch für die Erstbehandlung von Kopf- und Halskrebs zugelassen. Bisher war Erbitux lediglich für die spätere Behandlung erlaubt.

Hochtief von Großprojekt-Aus belastet
Die Aktie des im MDax notierten Baukonzerns Hochtief fiel um 5,2 Prozent. Ein Großprojekt in Dubai, an dem die australische Hochtief-Tochter Leighton beteiligt ist, sei auf Eis gelegt worden, teilte der Konzern mit.

Solar-Aktionäre verkaufen panisch
Die im TecDax notierten Solarwerte verloren erheblich. Der Chef der Solarfirma Q-Cells, Anton Milner, hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, dass der Markt für Photovoltaik langsamer wachsen werde als erwartet. Für die Unternehmen sei es schwieriger geworden, die Kapazitäten auszubauen. Schuld daran sei die Finanzkrise, so Milner. Q-Cells-Aktien verloren 18,4 Prozent, Conergy-Aktien schlossen 16,6 Prozent schwächer, und Solarworld-Titel gaben 12,7 Prozent ab.

Aufkeimende Fusionsfantasie
Air Berlin-Aktien gewannen 2,4 Prozent. Die Aktie profitierte von frischer Konsolidierungsfantasie im Sektor. Am Morgen hatte der größte europäische Billigflieger Ryanair ein konkretes Übernahmeangebot für den irischen Konkurrenten Aer Lingus abgegeben. Aer Lingus wies das Angebot zurück, die Aktie steigt dennoch um fast 30 Prozent.

Wirecard meldet Auftrag
Der im TecDax notierte Zahlungsabwickler Wirecard hat einen neuen Auftrag gemeldet. Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines werde ihren Online-Ticketverkauf mit Produkten von Wirecard abwickeln, teilte das Unternehmen mit. Zum Volumen des Auftrags machte Wirecard keine Angaben. Die Aktie verlor 6,4 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr