Vierter Verlusttag in Folge

Notker Blechner

Stand: 17.11.2011, 20:06 Uhr

Die dramatische Lage an den Anleihenmärkten hat den Börsianern am Donnerstag die Laune vermiest. Der Dax setzte seine Talfahrt fort und schloss den vierten Tag hintereinander im Minus. Neues Sorgenkind ist Spanien. Dort kletterten die Renditen auf ähnlich hohe Niveaus wie in Italien.

Drei Tage vor den Parlamentswahlen spitzte sich die Situation auf der iberischen Halbinsel zu. Das hochverschuldete Land konnte sich am Donnerstag nur zu Rekordzinsen Geld am Kapitalmarkt besorgen. Bei der Auktion von zehnjährigen Anleihen musste Spanien Zinsen von knapp sieben Prozent bieten - so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Der spanische Arbeitgeberverband sieht das Land "am Rande des Abgrunds". Der noch amtierende Ministerpräsident José Luis Zapatero forderte die EU und die Europäische Zentralbank auf einzugreifen.

Mon dieu, la France!
Auch Frankreich wurde seine Anleihen nur mit höheren Zinsen los. Die Renditen französischer Staatspapiere stiegen auf bis zu 3,85 Prozent. Die Risikoprämie im Vergleich zu Bundesanleihen kletterte auf zwei Prozentpunkte und erreichte einen neuen Rekord seit der Euro-Einführung.

Wall Street rutscht ab
Die erneuten Turbulenzen an den Anleihenmärkten vertrieben den Börsianern die Lust auf Aktien. Bei dünnen Umsätzen rutschte der Dax um ein Prozent auf 5.850 Punkte ab - nach einer nervösen Berg- und Talfahrt. Bis zum Mittag hatte der deutsche Leitindex noch zwei Prozent nachgegeben, am Nachmittag drehte er dann zeitweise ins Plus. Im späten Parketthandel rutschte der L/E-Dax unter 5.800 Punkte - im Sog der schwachen Wall Street. Der Dow büßte nach anfänglichen leichten Gewinnen 1,5 Prozent ein, die Nasdaq gar zwei Prozent. Tausende Demonstranten der "Occupy Wall Street"-Bewegung belagerten am Donnerstag das Finanzdistrikt in New York. Dennoch konnte der Handel ordnungsgemäß gestartet werden.

Gefahr für US-Banken
Zusätzlich belastet wurden die Märkte von einer Warnung der Rating- Agentur Fitch. Sie befürchtet, dass die europäische Schuldenkrise auch die US-Banken treffen könnte. "Die Risiken eines negativen Schocks steigen", teilten die Fitch-Experten mit.

Monti verkündet Reformprogramm
Nur in Italien machte sich leichte Entspannung breit. Die Renditen zehnjähriger Anleihen fielen auf unter sieben Prozent - nach der Rede von Ministerpräsident Mario Monti vor dem Parlament. Er kündigte eine Renten- und Steuerreform sowie den Kampf gegen Steuerhinterziehung an und versprach eine strenge Haushaltsdisziplin. "Super-Mario" rief die Italiener zum Kampf gegen die Krise auf. "Wir müssen dafür sorgen, dass Italien nicht mehr für das schwache Glied in der Kette Europas gehalten wird", erklärte er.

Ferrari-Chef träumt von neuem Geist
"Es gilt, schnell zu handeln", forderte Ferrari-Chef Luca di Montezemolo in Frankfurt. Beim 100-jährigen Jubiläum der deutsch-italienischen Handelskammer beschwörte er einen neuen Geist, den Italien brauche. Zudem müsse die Regierung sparen und Privatisierungen vorantreiben. In die Politik will sich di Montezemolo vorerst nicht einmischen. Auch einen Börsengang von Ferrari lehnte er ab.

Griechenland-Anleihentausch im Januar?
Auch für Dauerpatient Griechenland gibt es Hoffnung. Die privaten Gläubiger drücken beim geplanten Schuldenschnitt aufs Tempo. Um die Verhandlungen mit Athen und Brüssel zu beschleunigen, haben sich 45 Gläubiger, darunter Banken, Versicherer und Hedgefonds, zu einem Gläubigerausschuss zusammengeschlossen. Sie wollen über einen Anleihentausch auf nominal 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Über die Modelle wird jetzt verhandelt. Der Tausch könnte Anfang des Jahres umgesetzt werden. Charles Dallara, Geschäftsführer des Weltbankenverbandes IIF, glaubt, dass 90 Prozent der privaten Griechenland-Gläubiger dem Deal zustimmen.

Philly-Fed trübt sich ein
Aus den USA fehlte am Donnerstag ebenfalls der erhoffte Rückenwind. Neue Konjunkturdaten fielen zwiespältig aus. Zwar fiel die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend um 5.000 auf 388.000. Volkswirte hatten mit einem Anstieg gerechnet. Dagegen trübte sich der Philly-Fed-Index im November überraschend ein. Das Barometer, das das Geschäftsklima in der Region Philadelphia misst, fiel von 8,7 Punkten auf 3,6 Zähler. Volkswirte hatten einen Anstieg auf neun Punkte erwartet.

Metro ganz oben auf dem Dax-Kaufzettel
Im Dax gab es nur vier Gewinner. Spitzenreiter waren die Metro-Titel mit einem Plus von 1,5 Prozent - im Sog starker Quartalszahlen des Einzelhändlers Ahold. Der niederländische Konzern verdiente im dritten Quartal 300 Millionen Euro und damit fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat von Metro und bestimmt einen neuen Chef des Gremiums. Außerdem wird der scheidende Vorstandschef Eckhard Cordes über den Stand des Verkaufsprozesses für die Tochter Kaufhof informieren.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,34
Differenz relativ
+8,45%

Schlechter Tag für Stahlwerte
Die Jahresprognose-Senkung von Voestalpine riss die Stahlwerte tief nach unten. Die Aktie von ThyssenKrupp verlor knapp sechs Prozent und war Dax-Schlusslicht. Die Aktie von Voest Alpine sackte um neun Prozent ab.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,45
Differenz relativ
-0,48%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,25
Differenz relativ
-0,58%

Commerzbank-Aktie auf Tiefstand
Die Fitch-Warnung drückte weltweit die Bankenwerte ins Minus. Zudem belastete die Herunterstufung mehrerer deutscher Landesbanken durch Moody's die Bankaktien. Die Aktien der Deutschen Bank büßten fast vier Prozent ein. Die Titel der Commerzbank fielen um über vier Prozent auf ein Allzeit-Tief von 1,46 Euro.

HeidelDruck am MDax-Ende
Im MDax brachen die Aktien der HeidelDruck über sechs Prozent ein und rangierten am Ende des Index. Laut Medienberichten wird die Fusion der Heidelberger mit Konkurrent MAN Roland immer unwahrscheinlicher. Ein neuer Großaktionär steht bei MAN Roland vor dem Einstieg.

Leichte Bremsspuren bei SAF Holland
Ähnlich stark unter Druck standen die Aktien von SAF-Holland. Sie büßten sechs Prozent ein und zählten zu den größten SDax-Verlierern. Für 2011 bekräftigte SAF seine Ziele, für 2012 wagte das Unternehmen aber keine Prognose. Die Aussichten seien zwar weiter positiv, aber bei Produkten für Anhänger und Auflieger gebe es dagegen Anzeichen, dass die Dynamik etwas nachlasse. Die Kunden verschöben Bestellungen.

Zooplus braucht Kapital
Fast sieben Prozent purzelten die Aktien von Zooplus nach unten. Der Internet-Händler für Tierfutter kündigte am Donnerstag eine Kapitalerhöhung an, diue fast 20 Millionen Euro in die Kassen spülen soll. 469.000 neue Aktien sollen ausgegeben werden. Aktionäre haben ein Bezugsrecht, das sie vom 25. November bis 8. Dezember ausüben können. Der Preis wurde auf 42 Euro je Aktie festgelegt.

Filmriss bei Constantin Medien
Erneut rote Zahlen hat der Medienkonzern Constantin Medien in den ersten neun Monaten des Jahres erlitten. Der Verlust verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 3,6 Millionen Euro. Der Umsatz ging leicht auf 309 Millionen Euro zurück. Vor allem im Filmgeschäft lief es für Constantin schlecht, beim Sportkanal Sport.1 konnten dagegen die Erlöse gesteigert werden. Die Aktie verlor fast drei Prozent.

Gigaset auf Kurs
Quartalszahlen gab es ebenfalls von Gigaset. Der Telefonhersteller Gigaset schaffte trotz leicht rückläufiger Umsätze in einigen südeuropäischen Ländern ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 14,4 Millionen Euro. Das TecDax-Unternehmen bekräftigte seine Prognose für das laufende Jahr. Nach den guten Ergebnissen des dritten Quartals werde auch in den letzten drei Monaten des Jahres eine starke Geschäftsentwicklung erwartet, teilte Gigaset mit. Die Aktie gab etwas nach.

Wirecard hebt Prognose an
Besonders gut aufgenommen wurden die Zahlen und der Ausblick von Wirecard. Die Aktie sprang um fast fünf Prozent nach oben. Der Zahlungsverkehrsabwickler Wirecard fürchtet keine dämpfenden Effekte durch den aufziehenden Konjunkturabschwung. Für das Gesamtjahr 2011 gab sich das Unternehmen aus München einen Tick optimistischer als zuletzt: Das operative Ergebnis (Ebitda) soll auf 83 bis 89 Millionen Euro steigen. Bisher waren 81 bis 89 Millionen Euro erwartet worden. Im dritten Quartal verdiente der Konzern unter dem Strich nach 13,77 Millionen Euro im Vorjahr 16,7 Millionen.

Finanzspritze für DAB Bank
Die HypoVereinsbank hat ihre Mehrheit am Online-Broker DAB Bank aufgestockt. Über eine Kapitalerhöhung klettert der Anteil der HVB von 77,5 auf 79,5 Prozent. 7,5 Millionen neue Aktien zu je 3,16 Euro sollen ausgegeben werden. Der DAB fließen 23,76 Millionen Euro zu. Die DAB-Aktie legte fast zwei Prozent zu.

UBS speckt ab
Die Schweizer Großbank kündigte am Donnerstag auf dem Investorentag in New York eine Verkleinerung des Investmentbankings-Sparte an. Bestimmte Bereiche des Zinsgeschäftes und der Eigenhandel mit Aktien sollen aufgegeben werden. Bis Ende 2016 sollen rund 2.000 der 18.000 Stellen im Investmentbanking gestrichen werden. Ab 2013 will die UBS eine Eigenkapitalrendite von zwölf bis 17 Prozent schaffen. UBS-Aktionären winkt für dieses Jahr erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise wieder eine Dividende von zehn Rappen pro Aktie. Die UBS-Titel büßten rund zwei Prozent ein.

Schäumende Gewinne bei SABMiller
Der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern SABMiller steigerte seinen Gewinn im ersten Halbjahr dank der Nachfrage aus Lateinamerika, Asien und Afrika seinen Gewinn deutlich. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei um zehn Prozent auf 2,7 Milliarden US-Dollar gestiegen. Der Umsatz kletterte auf 15,7 Milliarden - ein Anstieg von ebenfalls zehn Prozent.

BHP Billiton warnt
Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton blickt angesichts der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft indes pessimistischer in die Zukunft. Die hohe Volatilität und Unsicherheit an den Märkten sei zu einer Belastung für die Bergbaubranche geworden. Man sei deshalb nun etwas vorsichtiger als noch vor einem Monat, sagte BHP-Chef Marius Kloppers. BHP Billiton hatte im vergangenen Geschäftsjahr dank gestiegener Rohstoffpreise einen Rekordgewinn von 21,7 Milliarden Dollar eingefahren.

Comeback von Delphi
In den USA ist der einst insolvente Autozulieferer Delphi erneut an die Börse gegangen. Der Start war holprig. Die Aktien fielen unter den Ausgabepreis von 22 Dollar. Ein Händler sprach angesichts des widrigen Umfelds von einem guten Debüt. Delphi hatte für seine Aktien schon weniger Geld verlangt als ursprünglich erhofft.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr