Marktbericht 20:05 Uhr

Dax geht zum "Hexensabbat" die Luft aus Vierte Verlustwoche in Folge

Stand: 19.06.2015, 20:05 Uhr

Das griechische Schuldendrama zermürbt die Anleger. Der Dax konnte am Freitag seine anfänglichen Gewinne nicht halten und beendete die Woche erneut im Minus. Andere europäische Börsen zeigten sich dagegen stabil. Lag's an den Hexen?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Es klingt etwas paradox: Während in Griechenland der Staatsruin droht und die Kunden ihre Bankkonten leeräumen, steigt die Athener Börse - um 0,6 Prozent. Offenbar setzen die griechischen Anleger doch noch auf eine Lösung in letzter Minute im griechischen Schuldenstreit. Auch an anderen europäischen Aktienmärkten ging es zum Wochenschluss nach oben: der EuroStoxx50 legte rund 0,2 Prozent zu, der französische Cac40 verabschiedete sich mit einem Plus von 0,25 Prozent ins Wochenende.

Hexen bewegen die Kurse

In Deutschland hingegen ging der Dax auf Talfahrt und büßte 0,5 Prozent ein. Dabei hatte es am Vormittag noch nach einer anhaltenden Erholung ausgesehen. Der so genannte "Hexensabbat" lenkte die Anleger von der Hellas-Krise ab. Nach dem Ablauf der Wetten am Terminmarkt zur Mittagszeit verlor der Dax jedoch seinen Schwung. "Am Markt zeigte sich eine erste Abkühlung nach Abrechnung der Indizes am Mittag", erklärte Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Zum großen Verfallstermin an den Options- und Future-Märkten versuchen Investoren, die Kurse derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in die gewünschte Richtung zu bewegen. Ist die Abrechnung vorbei, schrauben sie ihr Engagement wieder zurück.

Zusätzlicher Gegenwind kam von der Wall Street. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsende 0,3 Prozent im Minus. Am Donnerstag noch waren Dow und S&P 500 kräftig angesprungen. Die Nasdaq hatte gar ein neuerliches Rekordhoch erklommen.

Dax mit Negativ-Serie

Nach Ansicht von Franz-Georg Wenner vom Börsenmagazin "Index-Radar" hält der Abwärtstrend im Dax an. Auf Wochen-Sicht verlor der deutsche Leitindex 1,4 Prozent. Damit verbuchte der Dax den vierten Wochenverlust in Folge. Das ist die längste Negativ-Serie seit gut drei Jahren.

Die Tage für Griechenland sind gezählt

Im Schuldenstreit mit Hellas ist weiter keine Lösung in Sicht. Das Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstagabend brachte keine Fortschritte. Nun ruht die letzte Hoffnung auf den Staats- und Regierungschefs der Euroländer, die sich am kommenden Montag zum Sondergipfel treffen.

Kunden räumen Konten leer

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

Damit den Griechen nicht vorher das Geld ausgeht, stockte die Europäische Zentralbank (EZB) die ELA-Nothilfen für die griechischen Banken auf. Laut Finanzkreisen soll die griechische Zentralbank um eine Erhöhung von mehr als drei Milliarden Euro gebeten haben. In Griechenland droht ein "Bankrun". Aus Angst vor einer Staatspleite Athens heben die Verbraucher und Unternehmen viel Geld von ihren Bankkonten ab, um es ins Ausland zu transferieren oder als Bargeld zu horten. Dieses Geld fehlt den Banken in ihrem Tagesgeschäft.

Der Regierung in Athen läuft allmählich die Zeit weg. Bis Ende Juni müssen 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückgezahlt werden. Zudem endet das griechische Hilfsprogramm am 30. Juni - und damit der Anspruch auf weitere Hilfen von bis zu 18 Milliarden Euro.

Euro kämpft sich zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1432
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Der Euro konnte seinen Juni-Höhenflug  nicht fortsetzen und geriet etwas unter Druck. Er fiel zeitweise unter 1,13 Dollar. Am Abend zog die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf über 1,1350 Dollar an.

Analysten treiben Stahlaktien

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax und MDax waren am Freitag Stahlwerte gefragt - dank positiver Analystenkommentare. ThyssenKrupp führte die Liste der Dax-Gewinner mit einem Plus von 2,4 Prozent an. Die Aktien profitierten von einer Kaufempfehlung der Citigroup. Sie sieht einen attraktiven Einstiegszeitpunkt für ThyssenKrupp.

KlöCo stürmte mit einem Aufschlag von rund fünf Prozent an die MDax-Spitze. Die Analysten von Goldman Sachs setzten die Aktien auf "Buy". Die Rahmenbedingungen für das Stahlgeschäft hätten sich verbessert.

VW kommt in den USA nicht genug voran

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Autowerte behaupteten sich knapp im Minus. Die Aktien von VW schlossen 0,1 Prozent tiefer. Der Wolfsburger Autobauer wird möglicherweise seine langfristigigen Ziele in den USA trotz neuer Modelle verfehlen. "Wir werden bis 2017 eine Phase mit begrenztem Wachstum haben", warnte US-Chef Michael Horn gegenüber Reuters. Bis 2018 will VW rund 800.000 Fahrzeuge der Kernmarke in den USA auzzsliefern. Im vergangenen Jahr waren es jedoch nicht einmal die Hälfte.

Fünf Milliarden Euro für Mobilfunkfrequenzen

Die Versteigerung von deutschen Mobilfunkfrequenzen ist die Telekom-Konzerne teuer zu stehen gekommen. Sie mussten über fünf Milliarden Euro bieten, teilte die Bundesnetzagentur mit. Bei der letzten Versteigerung vor fünf Jahren waren lediglich 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt worden. Am meisten Geld blätterte Vodafone mit 2,1 Milliarden Euro hin, die Deutsche Telekom zahlte 1,8 Milliarden Euro. Und Telefonica begnügte sich mit 1,2 Milliarden Euro.

Hochtief baut Zug-Schnellstrecke in den USA

Der Baukonzern Hochtief hat über seine US-Tochter Flatiron einen Großauftrag erhalten. Der Konzern baut mit einem Partner einen Teil der neuen Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke von San Francisco nach Los Angeles. Der Gesamtvolumen liegt bei 1,23 Milliarden Dollar. Die Hochtief-Aktie gewann knapp ein Prozent.

Kuka hebt Prognose an

Zu den größten MDax-Gewinnern zählte Kuka. Der Roboterbauer hat Konzernbereiche an den Sportwagenbauer Porsche verkauft. Dank des zu erwartenden Buchgewinns von 15 Millionen Euro erhöht Kuka seine Prognose für das Betriebsergebnis (Ebit) von 154 auf 169 Millionen Euro.

Vorsicht Dividende!

Eine Reihe von Aktien lag am Freitag auf den ersten Blick deutlich im Minus. Doch dabei handelte es sich in erster Linie um die Dividendenabschläge nach den gestrigen Hauptversammlungen. Im MDax hat die Einkaufszentrum-Betreiber Deutsche Euroshop 1,30 Euro je Aktie ausgeschüttet, im TecDax der IT-Dienstleister Cancom 50 Cent und im SDax der Finanzdienstleister MLP 17 Cent.

Wechsel im SDax

Der finnische Kleinkredit-Anbieter Ferratum wird in den SDax aufgenommen. Das Unternehmen ersetzt dort den Wohnungskonzern Westgrund wegen eines zu geringen Anteils beim Streubesitz. Die Änderung wird am 23. Juni wirksam. Einen Tag vorher gibt es weitere umfangreiche Änderungen.

Chorus Clean Energy bringt neuen Wind

Am Freitagabend gab der bayerische Solar- und Windanlagenbetreiber Chorus Clean Energy Details zu seinem geplanten Börsengang bekannt. Von Montag an können die Aktien des Unternehmens zu einem Preis zwischen 9,75 und 12,50 Euro gezeichnet werden. Damit sollen dem Eigentümer von 62 Solar- und Windparks und Betreiber von fünf weiteren Windanlagen mindestens 100 Millionen Euro zufließen.

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Chorus Clean Energy

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr