Vier Prozent in zwei Tagen

Stand: 17.04.2012, 20:30 Uhr

Die ersten beiden Wochen im April waren ein Desaster für den Dax. Jetzt sieht es aber danach aus, als hätten die Börsen die Sorgen abgeschüttelt. Die neue Zuversicht in Zahlen ausgedrückt: vier Prozent Gewinn in zwei Tagen.

Welch ein Tag: Die Dax-Skala zeigte heute 6.801 Punkte, der L-Dax noch drei Pünktchen mehr. Damit hat das Börsenbarometer der 30 deutschen Börsengrößen zwar noch nicht die eisige Bilanz der ersten beiden April-Wochen wettgemacht. Bis zur alten Betriebstemperatur fehlen noch rund 400 Punkte, immerhin stand der Dax Ende März einmal bei fast 7.200 Punkten.

Doch der Stimmungsumschwung ist überdeutlich. Kein Vergleich zu den frostigen 6.548 Punkten, bei denen der Dax gestern früh den Handel eröffnet und damit ein mehrwöchiges Zwischentief markiert hatte. Anleger schüttelten die beklemmend unterkühlte Stimmung gestern schon im Laufe des Tages ab - dank guter Konjunkturdaten aus den USA.

Aufputschmittel für den Dax
Heute gab es noch ein paar Aufputschmittel mehr: Zuallererst war das der starke ZEW-Index, der die Stimmung der Finanzmarktexperten abbildet. Und deren Stimmung stieg im April überraschend.

Stimmungsaufhellend wirkte außerdem, dass die Auktion in Spanien glatt ging. Zwar waren es nur Geldmarktpapiere, über die sich das Land frisches Geld besorgte, also kurzfristige Titel. Auch musste Spanien mehr Zinsen zahlen. Aber die Nachfrage nach den Papieren war robust, Spanien konnte mehr Geld aufnehmen als geplant. Das senkte das Misstrauen, abzulesen an den Renditen am Anleihemarkt. Sie gaben in allen Laufzeiten spürbar nach. Der Markt vertraut also darauf, dass auch die Auktion am Donnerstag mit zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen glücken wird.

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
197,56
Differenz relativ
+2,69%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-1,88%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,65
Differenz relativ
-0,95%

Goldman gibt Bankaktien Glanz
Auch Amerika steuerte seinen Teil zur guten Börsenstimmung bei. Die Wall Street ist dick im Plus, der Dow Jones notiert im New Yorker Mittagshandel 1,5 Prozent im Plus. Das war nicht allein Spanien, das die Ängste der Anleger vor einem neuen Aufflammen der Eurokrise milderte. Die guten Nachrichten kamen auch aus dem eigenen Land.

Goldman Sachs präsentierte sich mit seiner Quartalsbilanz in Bestform. Der Gewinnsprung war so groß, dass er bis in den Dax reichte. Commerzbank und Deutsche Bank gehörten zu den größten Gewinnern im Deutschen Aktienindex mit Kursgewinnen von sechs und 4,5 Prozent. Im MDax rückte die Aareal Bank an die Spitze vor mit fast neun Prozent Tagesgewinn.

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
39,76
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-0,25%

Starke US-Bilanzen
Auch Coca Cola und Johnson & Johnson begeisterten mit ihrem Zahlenwerk. Dazu kam ein Highlight von der amerikanischen Konjunkturfront, aus dem so leidgeplagten Immobiliensektor: Die Baugenehmigungen stiegen wieder. Zwar gab es auch gegenläufige Signale: die Baubeginne sanken. Außerdem stagnierte die Industrieproduktion im März - Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet. Doch an der Wall Street ließen sich Anleger die Freude dadurch nicht vermiesen.

IWF erhöht Deutschland-Prognose
Gute Stimmung verbreitete zudem der IWF, der die Wachstumsaussichten ein wenig besser beurteilt. Die Weltwirtschaft werde in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen. Die bisherige Wachstumsprognose lag bei plus 3,3 Prozent. Ähnlich kleine Verbesserungen gab es für die deutsche Wirtschaft. Nunmehr hält der IWF 0,6 Prozent Wachstum für möglich statt bisher 0,3 Prozent. Für die Eurozone allerdings gelten diese optimistischen Prognosen nicht, schränkte der IWF ein. Hier erwarte man in diesem Jahr aufgrund der Schwäche Griechenlands und Italiens sowie Spaniens und Portugals eine leichte Rezession. Doch Börsianer hörten nur die guten Botschaften.

Sky im Fußball-Freudentaumel
Unter den deutschen Aktien stand ein Nebenwert aus dem MDax im Rampenlicht. Die Aktie von Sky Deutschland, die in der Spitze 26 Prozent zulegte. Die Aktie war so begehrt, weil sich der Bezahl-Fernsehsender die Live-Übertragungsrechte für die Fußball Bundesliga bis 2017 sicherte. Allerdings reduzierten sich die Kursgewinne am Ende auf sieben Prozent, weil sich Sky die Rechte teuer erkaufte. Pro Saison werden 485,7 Millionen Euro fällig.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,55
Differenz relativ
+1,08%

Dass die Deutsche Telekom bei der Versteigerung leer ausging, hatte keine Auswirkung auf die Aktien. Auch an den Axel-Springer-Papieren, die ebenfalls im Plus notierten, ging die Entscheidung geräuschlos vorbei. Die "Bild-"Mutter darf die Bundesliga eine Stunde nach Spielschluss gegen Bezahlung im Internet zeigen und am Folgetag auch kostenlos.

Wincor-Aktie stürzt ab
Am unteren Ende des MDax rangierten die Titel von Wincor Nixdorf mit einem Minus von zehn Prozent. Der Geldautomaten- und Kassensystem-Hersteller rechnet nach einem schwachen ersten Halbjahr mit einem kräftigen Gewinnrückgang und stagnierenden Umsätzen im Gesamtjahr.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,20
Differenz relativ
+0,75%

Schweizer Konkurrent treibt Rückversicherer
Im Dax konnte die Aktie der Münchener Rück von positiven Nachrichten der Konkurrenz profitieren. Der Rückversicherer Swiss Re rechnet in seinen beiden wichtigsten Sparten in den kommenden Jahren mit einem profitableren Geschäft. Auf Titel des MDax-Konzerns Hannover Rück färbte das ebenfalls ab.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,36
Differenz relativ
-0,88%

Wackelt der Siemens-Gewinn?
Siemens-Aktien rutschten zeitweise ins Minus, die Angst vor einer Gewinnwarnung verschreckte Anleger. Der Industriekonzern hat massive Probleme mit den Windparks an der deutschen Küste, die Anbindung an das Stromnetz läuft nur schleppend. Deshalb könnten millionenschere Rückstellungen nötig werden, schrieb die "Financial Times Deutschland", die Gewinnprognose von sechs Milliarden Euro könnte daher gekippt werden.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,10
Differenz relativ
+0,39%

Henkel ex Dividende
Die im Dax gelisteten Vorzugsaktien von Henkel wurden ex Dividende gehandelt. Der Konsumgüterkonzern schüttete an seine Anteilseigner 0,80 Euro je Vorzugsaktie und 0,78 Euro je Stammaktie aus.

Erfolg für Qiagen
Im TecDax räumte Qiagen drei Prozent Kursgewinn ab. Das Biotech-Unternehmen erhielt zwei Freigaben der US-Arzneimittelbehörde FDA, für das Analysegerät "Rotor-Gene Q Mdx" und für einen Influenza-Test.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
170,45
Differenz relativ
-3,70%

Wirecard-Dividende stabil
Die Titel von Wirecard dagegen standen auf der Verliererseite im Technologieindex. Der Zahlungsverkehrsabwickler profitiert zwar vom Trend zu mehr Einkäufen im Internet. Aber die Aktionäre haben nichts von dem Gewinnanstieg des Konzerns, die Dividende bleibt bei 0,10 Euro je Aktie.

KWS legt nach
Im SDax stürzten sich Anleger auf Aktien von KWS Saat, weil der Saatguthersteller seine Jahresziele angehoben hatte. Die Titel kletterten auf ein Rekordhoch.

Schwach dagegen die Papiere des SDax-Kollegen Grammer. Sie litten unter einem negativen Kommentar des Börsenbriefs "Der Aktionär", der den Autozulieferer aus seinem Musterdepot verkauft, da sich das Chartbild eingetrübt habe.

Repsol unter Druck
Die spanische Repsol-Aktie geriet unter die Räder. Anleger nehmen reißaus, weil die argentinische Tochter Repsol YPF verstaatlicht werden soll. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez kündigte an, sie werde den Kongress um die Zustimmung für die Enteignung bitten. Das wäre schlecht für Repsols Gewinnbilanz, die Tochter trägt zu einem Viertel zum Betriebsergebnis bei.

Anleger befürchten, dass es dem italienischen Stahlröhren-Hersteller Tenaris ähnlich ergehen könnte. Bislang sei zwar offenbar nur Repsol von diesen Plänen betroffen, sagte ein Mailänder Aktienhändler. "Dennoch: Dies ist eine ernstzunehmende Entscheidung, die zu Verunsicherung führt." Die Tenaris-Aktie verlor zeitweise sechs Prozent.

Rio Tinto fördert weniger Erz
Kursgewinne verbuchte indes die Aktie von Rio Tinto, obwohl der britisch-australische Bergbaukonzern zu Jahresbeginn weniger Eisenerz förderte als im Schlussquartal 2011. Das Wetter war schuld, heftige Regenfälle in Australien hatten die Minen überschwemmt. Auch die gebremste Wirtschaftsentwicklung in China machte sich bemerkbar. Aber im Jahresvergleich stand Rio Tinto besser da, der Absatz legte um neun Prozent zu.

Burberry: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,66
Differenz relativ
-2,50%

Danone-Aktien legten ebenfalls zu. Der französische Nahrungsmittelhersteller hatte im ersten Quartal seinen Umsatz stärker als am Markt erwartet gesteigert.

Europas größte Hotelkette Accor ist ebenfalls mit höheren Erlösen in das neue Jahr gestartet. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 1,2 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Der Aktie gab das Kraft.

Derweil kam der britische Einzelhändler Marks & Spencer im vierten Quartal kaum von der Stelle. Mit einem knappen Umsatzanstieg von 0,8 Prozent verfehlte er die Erwartungen, so dass die Aktie heute mehr als zwei Prozent nachgab. Die Aktien des Modekonzerns Burberry rutschten um fast sechs Prozent ab - trotz guter Umsatzsteigerungen von 18 Prozent gesteigert. Händler begründeten das Minus mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Erwartungen zuletzt zu schnell in den Himmel gewachsen seien. In diesem Jahr sind die Titel um 28 Prozent nach oben geklettert.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr