Vier-Monats-Hoch

Stand: 08.05.2009, 20:02 Uhr

Die Kursrally hat sich in dieser Woche fortgesetzt. Damit hat der Dax seit seinem Tiefstand im März um mehr als ein Drittel zugelegt. Gestützt wird die Rally von der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise. Doch Börsianer warnen vor Rückschlägen.

Die Rally stehe auf sehr wackeligen Beinen, da sie überwiegend von der Hoffnung auf eine nachhaltige wirtschaftliche Belebung getragen werde, warnen die Experten. Ein Rückschlag in den nächsten Wochen sollte daher nicht verwundern. Tatsächlich bleibt die Konjunktur äußerst geschwächt. Ein Aufschwung ist bisher nicht in Sicht. Bisher hat sich der Abwärtstrend lediglich verlangsamt. Aber es gibt Grund zur Hoffnung.

In den USA hat sich der Arbeitsplatzabbau im April deutlich verlangsamt. Statt der befürchteten 590.000 Stellen, sind nach offiziellen Angaben 539.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft weggefallen. Damit bleibt die Arbeitslosenquote unverändert bei 8,9 Prozent.

Hoffnung auf baldiges Ende der Krise
Hoffnungsschimmer auf ein baldiges Ende der Krise gibt es auch aus Deutschland. Erstmals seit einem halben Jahr ist die Produktion hierzulande im März preis- und saisonbereinigt zum Vormonat nicht weiter gesunken. Volkswirte hatten mit einem abermaligen Rückgang um 1,1 Prozent gerechnet. Der Rückgang im Februar war mit 3,4 Prozent allerdings kräftiger ausgefallen als bislang mit 2,9 Prozent ausgewiesen. Im Jahresvergleich ergibt sich allerdings ein dramatischer Einbruch. Die Produktion sank im März noch um 12,2 Prozent.

Am Morgen war bereits bekannt geworden, dass die Exporte in Deutschland zum ersten Mal seit September wieder gestiegen sind, und zwar um 0,7 Prozent. "Ein Silberstreif am Horizont", kommentierten Marktteilnehmer.

Auch der deutsche Mittelstand ist wieder optimistischer. Laut KfW-Barometer beurteilten die Unternehmen ihre Lage im April etwas besser - zum ersten Mal seit elf Monaten. Und die Industrie meldet erstmals seit einem halben Jahr wieder mehr Auftragseingänge.

Kein Wunder also, dass der Dax weiter zulegt und die Marke von 5.000 Zählern ins Visier nimmt. Beflügelt von steigenden Kursen an der Wall Street geht der Dax am Abend mit einem Zugewinn von 143 Punkten, drei Prozent, auf 4.931 Punkten aus dem Handel. Den elektronischen Handel hatte der Leitindex bei 4.913 beendet, knapp 110 Punkte oder 2,3 Prozent mehr als gestern.

Ölpreise steigen weiter
Die optimistische Stimmung schiebt auch den Ölpreis weiter an. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostet am Nachmittag 57,72 US-Dollar, gut ein Dollar mehr als am Vortag. "Wir sind aber noch nicht über den Berg", warnte ein Händler. Die Wirtschaft müsse sich erst noch erholen und es könne immer noch zu einem erneuten Preisrückgang am Ölmarkt kommen.

BMW größter Verlierer im Dax
Die Absatzzahlen von BMW ziehen die Aktie des bayerischen Autoherstellers bis zum Xetra-Schluss um knapp vier Prozent ins Minus. Im April sackten die Absätze des Gesamtkonzerns um 23,8 Prozent ab, auch die Marke Mini verbuchte trotz Abwrackprämie ein Minus von 19,3 Prozent.

Commerzbank will es allein schaffen
Auch die Commerzbank-Aktie schwächelt, dreht bis zum Handelsschluss aber wieder ins Plus. Trotz eines gewaltigen Nettoverlusts von 861 Millionen Euro und einer drastisch gestiegenen Risikovorsorge im ersten Quartal, sieht sich Deutschlands zweitgrößte Bank ausreichend kapitalisiert. Aus heutiger Sicht gebe es keine Notwendigkeit für weitere Staatshilfen, sagte Vorstandschef Martin Blessing. Letztlich hänge dies aber von der Entwicklung der Märkte ab. Daher könnten weitere Staatshilfen auch nicht kategorisch ausgeschlossen werden. "Wir haben die Talsohle zwar durchschritten, wissen aber nicht, wieviele Täler noch kommen", warnte der Bankchef. Die Rezession habe gerade erst begonnen. Erst 2011 will die Bank wieder Gewinne schreiben.

Daimler hat genug Geld
Auch Daimler will ohne weitere Kapitalerhöhungen durch die Wirtschaftskrise kommen. Dank der außerordentlich hohen Bruttoliquidität könne der Konzern auch über eine längere Phase schwierige Marktbedingungen aushalten, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir hatten auch im März keine zwingende Notwendigkeit, das Kapital zu erhöhen", sagte Zetsche mit Blick auf den Einstieg des staatlich kontrollierten Fonds Aabar aus dem ölreichen Emirat Abu Dhabi. Die Aktie schließt unverändert.

Rheinmetall peilt wieder Gewinn an
Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall erwartet für das laufende Jahr wieder schwarze Zahlen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern werde auch inklusive Sonderbelastungen aus der Autosparte positiv sein, teilte das Unternehmen am Mittag mit. Die Einmalkosten für Kapazitätsanpassungen, Restrukturierungen und Sonderabschreibungen sollen hier bei bis zu 100 Millionen Euro liegen. Trotzdem fällt die Aktie um 3,7 Prozent.

Grove verkauft HRE-Anteile an Bund
Auch der US-Investor Grove ist bei der maroden Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) ausgestiegen. Wie der Investor mitteilte, hatte er zuletzt noch mehr als fünf Prozent an der Hypo Real Estate gehalten. Grove war 2008 zusammen mit dem verbündeten US-Investor J.C. Flowers bei der HRE eingestiegen, als es dem früheren Dax-Konzern noch besser ging. Die HRE-Aktie steigt um acht Prozent.

Fresenius bekräftigt Jahresziele
Der Gesundheitskonzern Fresenius hat auf der Hauptversammlung die Geschäftsplanung bestätigt. "Der Umsatz soll währungsbereinigt um mehr als zehn Prozent wachsen", sagte Vorstandsvorsitzender Ulf Schneider. Beim Gewinn erwartet Fresenius zehn Prozent mehr. Die Tochter Kabi, die auf klinische Ernährung und Infusionstherapien spezialisiert ist, soll jedoch deutlich schneller wachsen. Hier erwartet Fresenius eine Ebit-Marge von bis zu 21 Prozent, was deutlich mehr ist als bisher erwartet.

Puma hält sich besser als gedacht
Der Sportartikelhersteller Puma hat das erste Quartal mit einem um zehn Prozent niedrigeren Gewinn abgeschlossen. Das von der französischen PPR-Gruppe kontrollierte, aber noch im MDax notierte Unternehmen erwirtschaftete ein operatives Ergebnis von 114 Millionen Euro, knapp ein Zehntel weniger als vor einen Jahr. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um 3,1 Prozent zurück. Aber: "Wir gehen außerdem davon aus, dass wir 2009 deutliche Gewinne erzielen werden", sagte Puma-Chef Jochen Zeitz. Die Aktie fällt trotzdem um fünf Prozent.

Pfundverfall belastet Celesio
Der Pharmahändler Celesio sieht im schwachen britischen Pfund eine Belastung für das erste Quartal. Das Ergebnis werde allein durch den Umrechnungseffekt um rund 15 Millionen geschmälert, sagte Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle auf der Hauptversammlung des MDax-Konzerns. Umsatz und Ebitda lägen deshalb unter Vorjahresniveau, bekräftigte er. Celesio will am 14. Mai seinen Quartalsbericht veröffentlichen.

Comdirect mit weniger Aufträgen
Die Onlinebank comdirect hat im April weniger Wertpapieraufträge abgewickelt als im Vormonat. Die Zahl der Orders sank im Vergleich zum März leicht auf rund 628.000, teilte die im SDax notierte Tochter der Commerzbank mit. Die Aktie legt um knapp drei Prozent zu.

Marseille Kliniken rutschen in die Miesen
Der Klinikbetreiber Marseille Kliniken hat den Umsatz im abgelaufenen Quartal leicht um zwei Prozent auf 174,3 Millionen Euro gesteigert. Das Konzernergebnis betrug minus 3,0 Millionen Euro, teilte das im Prime Standard notierte Unternehmen mit. Marseille Kliniken begründete den Verlust vor allem mit der "hohen Wettbewerbsintensität".

Mediclin mit höheren Kosten
Der Krankenversorger Mediclin hat im ersten Quartal des Jahres ein Umsatzplus von 2,9 Prozent auf 112,5 Millionen Euro verbucht. Gleichzeitig führten gestiegene Kosten − insbesondere die Energiekosten − dazu, dass das Betriebsergebnis in Höhe von minus 0,1 Millionen Euro um eine halbe Million Euro niedriger ausfiel als der Vergleichswert des Vorjahres. Die Aktie reagiert kaum.

Toyota erstmals mit Jahresverlust
Der japanische Autokonzern hat zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte einen Verlust gemacht. Im Geschäftsjahr 2008/09 lag das Minus bei umgerechnet 3,3 Milliarden Euro, teilte Toyota mit. Der Umsatz brach wegen der Absatzkrise um ein Fünftel auf 155 Milliarden Euro ein. Für das seit April laufende Geschäftsjahr erwartet Toyota sogar noch schwächere Absätze.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
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Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen