Viele Zahlen, wenig Gewinner

Stand: 28.07.2011, 20:05 Uhr

Ein Mix aus Angst, Enttäuschung und Gewinnmitnahmen hat am "Super Thursday" den Dax in die Tiefe gedrückt. Die Anleger reagierten ernüchtert auf die Zahlenflut der Dax-Konzerne. Die Ausblicke waren zu trübe. Zudem sorgt der anhaltende Schuldenstreit in den USA für Verunsicherung.

Gut ist oft nicht gut genug- vor allem an der Börse. Das bekamen am Donnerstag acht Dax-Konzerne zu spüren, die ihre Bilanzen vorlegten. Zwar stiegen bei den meisten Gewinn und Umsatz - teilweise sogar kräftig -, doch die Analysten hatten sich noch mehr versprochen. Prompt gingen die Kurse auf Talfahrt.

Das blieb nicht ohne Folgen für den Dax. Der deutsche Leitindex rauschte um fast ein Prozent nach unten und ging mit 7.190 Punkten aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L/E-Dax schloss bei knapp 7.195 Zählern. Zeitweise war das Minus noch deutlich größer gewesen. Doch der Rückenwind von der Wall Street bremste den Kursrutsch. Der Dow Jones stieg bis zum Abend leicht, hat inzwischen aber wieder seine Gewinne fast aufgebraucht. Die Nasdaq zog um 0,6 Prozent an.

Erfreuliches von der US-Konjunkturfront
Positiv kamen die Arbeitsmarktdaten aus den USA an. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sei um 24.000 auf 398.000 gefallen, teilte das US-Arbeitsministerium. Volkswirte hatten mit 420.000 Anträgen gerechnet. Auch die neuesten Immobiliendaten waren erfreulich. Die Zahl der noch nicht abgeschlossenen ("schwebenden") Hausverkäufe stiegen überraschend um 2,4 Prozent im Vergleich zum Mai. Volkswirte hatten einen Rückgang prophezeit.

US-Schuldendrama: Die Zeit läuft davon
An der Wall Street überwog die Hoffnung auf einen Durchbruch im US-Schuldenstreit. Noch immer nicht haben sich die politischen Lager auf eine Anhebung der Schuldengrenze einigen können. Zwar rechnen die meisten Experten mit einer Lösung, "das Ganze ist aber ein Weckruf", meint David Thebault, Chef-Händler von Global Equities. Man beginne nun, "die Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft einzupreisen". Mit einem Brandbrief forderten die Vertreter der größten Finanzkonzerne die Politiker zu einer Einigung im Schuldendrama auf.

Italien muss höhere Prämien zahlen
Dass die Schuldenkrise in Südeuropa auch noch längst nicht ausgestanden ist, zeigt das Beispiel Italien. Das Land zapfte zwar den Kapitalmarkt erfolgreich um fast acht Milliarden Euro an, musste Anlegern aber zunehmend höhere Risikoprämien anbieten. Die Bruttorendite von zehnjährigen Papieren kletterte auf 5,77 Prozent - das ist das höchste Niveau seit Februar 2000. Außerdem gab es Gerüchte um einen Rücktritt des italienischen Finanzministers. Der Euro rutschte zeitweise auf unter 1,43 Dollar.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Rote Dax-Laterne für BASF
Im Rampenlicht standen am Donnerstag die Quartalszahlen der Dax-Konzerne. Acht von ihnen legten ihre Bilanzen vor - und schrammten an den zu hohen Erwartungen vorbei. Vor allem BASF enttäuschte. Die Aktien von BASF rutschten um gut vier Prozent ab und waren Dax-Schlusslicht. Der Umsatz kletterte nur dank des Zukaufs von Cognis zweistellig um 14 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg auf 1,5 Milliarden Euro. Analysten meinten, die Erwartungen seien auf allen Ebenen verfehlt worden.

Deutsche Börse macht weniger Umsatz
Die Deutsche Börse, die nach Xetra-Schluss ihre Zahlen bekannt gab, verfehlte ebenfalls die Prognosen. Der Frankfurter Börsenbetreiber erlitt wegen schwächerer Handelsaktivitäten im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von sechs Prozent auf 528,6 Millionen Euro. Der Gewinn stieg dank Kostensenkungen um gut elf Prozent auf 178,8 Millionen Euro. Analysten hatten mehr erwartet. Die Aktie weitete im späten Parketthandel ihre Kursverluste aus.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Milliardengewinn von VW, Aktie rutscht ab
Die Aktien von VW büßten über vier Prozent ein. Zwar hat der Autobauer im ersten Halbjahr sein operatives Ergebnis auf 6,1 Milliarden Euro nahezu verdoppelt und seinen Umsatz um 26 Prozent gesteigert. Doch die Experten hatten mit einem noch stärkeren Gewinnzuwachs gerechnet. Da nützte es auch nichts, das VW die Jahresprognose aufpolierte und mit deutlichen Steigerungen beim Umsatz und operativen Ergebnis rechnet. Vielen Experten war der Ausblick zu vage.

MAN im Brummi-Fieber
Nicht viel besser erging es MAN, die vom VW-Konzern übernommen werden sollen. Die MAN-Aktie büßte nach einer Berg- und Talfahrt 2,6 Prozent ein. Dabei hat der LKW-Bauer hat im zweiten Quartal den Gewinn fast verdoppelt auf 289 Millionen Euro. MAN hob die Jahresprognose an und rechnet nun mit einem Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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63,84
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Bayer und Infineon nicht gut genug
Nicht überzeugen mit ihren Zahlen konnten ebenfalls nicht Bayer und Infineon. Die Aktien verloren drei Prozent. Bayer hat gute Zahlen im Chemiegeschäft, aber schlechte Zahlen im Pharmageschäft präsentiert. Die Erwartungen beim Umsatz und Ergebnis wurden verfehlt. Immerhin bekräftigte Bayer seine Prognosen für 2011.

Bei Infineon sank der Gewinn wegen des Verkaufs der Handychipsparte von 572 Millionen auf 190 Millionen Euro. Der Umsatz stieg dank des Autobooms um fünf Prozent.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,24
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Lufthansa auf Talfahrt
Ebenfalls um drei Prozent abwärts ging es mit den Aktien von Lufthansa. Die Unruhen in Nordafrika, das Erdbeben in Japan und teures Kerosin haben der Airline im ersten Halbjahr in die roten Zahlen fliegen lassen. Unter dem Strich verdoppelte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr auf 206 Millionen Euro. Auch im operativen Geschäft schaffte es der Dax-Konzern nur knapp in die Pluszone. Trotzdem hält der Vorstand an dem Ziel fest, bei Umsatz und operativem Ergebnis in diesem Jahr besser abzuschneiden als 2010.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gewinneinbruch bei Siemens
Am besten konnte sich noch die Siemens-Aktie mit einem Minus von einem Prozent halten. Dabei haben Sonderlasten in Höhe von 1,4 Milliarden Euro haben dem Unternehmen das Quartalsergebnis verhagelt. Der Gewinn nach Steuern brach um zwei Drittel auf 501 Millionen Euro ein. Der Umsatz stieg vor allem wegen Währungseffekten lediglich um zwei Prozent auf 17,84 Milliarden Euro. Für das fortgeführte Geschäft bleibt Siemens allerdings bei seiner Prognose. Demnach soll der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr auf mindestens 7,5 Milliarden Euro steigen.

Hugo Boss zieht Anleger nicht an
Auch aus der zweiten Reihe meldeten sich zahlreiche Unternehmen mit Quartalszahlen. Die Aktien von Hugo Boss sackten nach den Zahlen um über vier Prozent ab. Das Unternehmen bestätigte seine vor zwei Wochen vorab veröffentlichten Zahlen und gab einen konkreten Ausblick. Demnach sollen die Erlöse im Gesamtjahr um bis 17 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro nach oben klettern.

Schuldenkrise macht Wincor zu schaffen
Gut wurden dagegen die Zahlen von Wincor aufgenommen. Die Aktien steigen um knapp ein Prozent. Der Geldautomatenhersteller steigerte den Umsatz um drei Prozent auf 536 Millionen Euro, verdiente aber fünf Prozent weniger. Der Überschuss sank auf 19 Millionen Euro wegen der Euro-Schuldenkrise.

Comdirect und Takkt überraschen
Im SDax stiegen die Aktien von Comdirect und Takkt nach den vorgelegten Zahlen. Der Online-Broker Comdirect peilt in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von mehr als 90,5 Millionen Euro an. Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2007 solle damit übertroffen werden. Takkt stockte nach unerwartet guter Nachfrage nach Büromöbeln und Lagerausstattung ihre Prognose abermals auf. "Wir rechnen nunmehr für das Jahr 2011 mit einem organischen Umsatzwachstum von rund sechs Prozent", sagte der Ende August zur Haniel-Gruppe wechselnde Finanzvorstand Florian Funck.

Auftrieb für Wacker Neuson
Aller guten Dinge sind drei im SDax: Der deutsch-österreichische Baumaschinenhersteller hat kurz vor Xetra-Schluss gute Quartalszahlken vorgelegt und die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz stieg um fast 35 Prozent auf 478,7 Millionen Euro. Der Gewinn versechsfachte sich auf 31,5 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr geht Wacker Neuson nun von einem Umsatz von 910 bis 930 Millionen Euro aus. Bisher waren 880 bis 920 Millionen Euro angepeilt worden. Die Aktie drehte daraufhin ins Plus.

Software AG schöpft Zuversicht
Im TecDax gab es nur zwei Gewinner, sonst nur Verlierer. Zu ihnen zählten die Aktien der Software AG, die sich mit einem Minus von 1,3 Prozent noch achtbar schlugen. Der Software.Hersteller rechnet im dritten Quartal mit einem deutlich besseren Geschäft als zuletzt. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller ist optimistisch, die Ziele im laufenden Jahr zu erreichen. Demnach soll der Erlös um fünf bis sieben Prozent zulegen, der Gewinn um 10 bis 15 Prozent.

Bechtle wächst rasant
Der IT-Dienstleister Bechtle aus dem TecDax hat dank starker Technikinvestitionen seiner Kunden auch im zweiten Quartal Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. Die Erlöse stiegen von April bis Juni um 21 Prozent auf rund 457 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) soll den bisherigen Berechnungen zufolge 80 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum bei 19 Millionen Euro liegen. Für das Gesamtjahr peilt Bechtle beim Umsatz erstmals die Zweimilliarden-Marke an.

Aixtron auf Berg- und Talfahrt
Lange war die Aktie des Chipanlagenbauers Aixtron größter Gewinner im TecDax, rutschte dann aber um gut drei Prozent nach unten. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal unter dem starken Euro gelitten. Zudem hätten Finanzierungsengpässe einiger Kunden und Projektverzögerungen die Geschäfte belastet, teilte der Aachener Konzern am Donnerstag mit. Umsatz und Gewinn sanken daher im zweiten Quartal unter die Vorjahreswerte und lagen unter den Analystenschätzungen. Dennoch bestätigte der Vorstand seine Jahresziele.

Villeroy Boch verdient mehr
Villeroy & Boch hat im ersten Halbjahr fast vier Prozent mehr umgesetzt mit Geschirr- und Badkeramik. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 2,5 Millionen auf 10,6 Millionen Euro. Einzig die Sparte Tischkultur gingen die Erlöse zurück - wegen der politischen Unruhen im arabischen Raum. Für das Gesamtjahr peilt Villeroy & Boch einen Anstieg des Umsatzes auf 760 Millionen Euro und des Ergebnisses auf 30 Millionen Euro an. Das reicht den Anlegern nicht. Die Aktie stürzt um sechs Prozent ab.

PSI setzt auf die Energiewende
Die Software-Firma PSI hat im ersten Halbjahr seinen rasanten Wachstumskurs nicht fortsetzen können. Der Umsatz stagnierte bei 76,2 Millionen Euro. Der Gewinn schrumpfte auf 1,9 Millionen Euro. PSI setzt künftig alle Hoffnungen auf die Energiewende. Das Software-Unternehmen will von den steigenden Investitionen in die intelligente Netzführung (Smart Grids) profitieren. PSI erwartet deshalb ein starkes zweites Halbjahr. Die Anleger sind skeptisch. Die Aktie fällt um knapp zwei Prozent.

Credit Suisse streicht Stellen
Aus dem Ausland meldete Credit Suisse erschreckend schwache Zahlen. Der Gewinn der Schweizer Bank ist im zweiten Quartal unerwartet eingebrochen. Unter dem Strich verdiente das Institut mit 768 Millionen Franken (663 Millionen Euro) die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum. Vor allem das Investmentbanking enttäuschte auf der ganzen Linie. Nun will Credit Suisse 2.000 Stellen streichen. Die Aktie gab zwei Prozent nach.

Swatch läuft wie ein Uhrenwerk
Ein anderer Schweizer Konzern beglückte dagegen die Anleger: Swatch. Der Uhrenhersteller verkaufte trotz des starken Frankens mehr Uhren der Luxusmarken Breguet, Blancpain und Omega. Der Gewinn kletterte im ersten Halbjahr um knapp ein Viertel auf 579 Millionen Franken (504 Millionen Euro). Der Umsatz wuchs um 11 Prozent auf 3,36 Milliarden Franken.

Südamerika treibt Telefonica an
Nicht ganz so stark wächst der spanische Telekomanbieter Telefonica. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um sechs Prozent auf 30,9 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich um knapp vier Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Das Wachstum kam freilich nur aus Lateinamerika. Im Heimatmarkt Spanien schrumpften die Erlöse um sechs Prozent. Die Telefonica-Aktie büßt rund ein Prozent ein.

Shell und Exxon im Ölrausch
Vom gestiegenen Ölpreis und höherer Margen im Raffinerie-Geschäft hat Shell profitiert. Der Ölkonzern hat im zweiten Quartal sein Ergebnis auf 8,66 Milliarden Dollar verdoppelt. Der Umsatz stieg um rund ein Drittel auf 124,56 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende liegt unverändert bei 0,42 Dollar je Aktie. Die Shell-Aktie zog leicht an.

Dagegen enttäuschte der Konkurrent Exxon. Der weltgrößte Ölkonzern verdiente zwar 10,7 Milliarden Dollar - 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum -, doch Analysten hatten sich mehr ausgerechnet. Die Aktie fiel ans Dow-Ende.

Dupont schraubt Ziel nach oben
Aus den USA meldete auch der Chemieriese Dupont Zahlen - und die konnten sich sehen lassen. Dupont steigerte den Umsatz um 19 Prozent auf 10,26 Milliarden Dollar und verdiente 1,22 Milliarden Dollar oder 1,37 Dollar je Aktie. Analysten hatten drei Cent weniger erwartet. Zudem hob der Chemieriese überraschend die Jahresprognose an. Der Gewinn je Aktie soll auf 3,90 bis 4,05 Dollar klettern. Bislang waren nur 3,65 bis 3,85 Dollar angepeilt worden.

Börse hat Heißhunger auf Dunkin Donuts
Besonders auf den Geschmack gekommen sind die Wall Street-Börsianer bei Dunkin Donuts. Die US-Fastfood-Kette hat ein famoses Börsendebüt hingelegt. Am gestrigen ersten Handelstag schossen die Papiere um über 40 Prozent nach oben. Am Donnerstag geht der Höhenflug weiter. Die Donuts-Titel steigen auf mehr als 28 Dollar. Die Papiere waren zu 19 Dollar ausgegeben worden.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr