Marktbericht 20:06

Wall Street rettet den Tag Viele Zahlen helfen dem Dax nicht

Stand: 25.02.2014, 20:06 Uhr

Nach dem heutigen Zahlenreigen wachsen die Sorgen, dass die hohen Aktienkurse der Gewinnentwicklung der Unternehmen zu stark vorgelaufen sind. Wieder einmal war es dann die Wall Street, die einen ansonsten mäßigen Tag im späten Geschäft rettete.

Der deutsche Leitindex hat sich wie am Vortag im späten Geschäft auf eine anziehende Wall Street gehängt und auf den letzten Metern einen Großteil seiner Tagesverluste wieder ausgbügelt. Fast hätte es sogar noch zum Sprung ins Plus gereicht, in der Spitze stand der Index schon bei 9.710 Punkten. Am Ende gab es dann aber doch ein Mini-Minus von 0,1 Prozent und einen Schlussstand bei 6.999 Punkten.

Viele Zahlen, wenig Inspiration

Damit bleibt das führende deutsche Börsenbarometer in der Nähe seines Rekordstandes bei 9.794 Punkten, auch wenn die heutigen Unternehmenszahlen am Markt mehrheitlich mit Zurückhaltung aufgenommen wurden.

Nicht wegen den absoluten Zahlen an sich, sondern wegen der überwiegend verhaltenen Ausblicke, die einen Schatten auf die aktuell hohen Bewertungen am Aktienmarkt werfen. Aber der Schlussspurt im Sog der Wall Street hat den fundamentalen Bedenkenträgern dann ganz schnell wieder den Wind aus den Segeln genommen. Denn selbst wenn Gewinne mitgenommen werden, wohin dann damit ?

US-Konjunkturdaten verunsichern

Im Februar ist das Verbrauchervertrauen nach Daten des privaten Conference Board in den USA auf 78,1 Punkte gefallen nach 79,4 im Januar. Experten hatten einen Wert von 80,0 Punkten erwarette.

"Die Serie schwacher US-Daten reißt nicht ab, wobei zu beachten ist, dass die Indikatoren wohl auch wegen der kalten Witterung gedämpft ausfallen. Die Frühjahrsmonate müssen nun zeigen, dass es sich nur um ein temporäres Phänomen handelt", kommentierte Ralf Umlauf von der Lamdesbank Hessen-Thüringen.

Am Immobilienmarkt ziehen die Preise jedoch weiter an, wie der ebenfalls veröffentliche Case-Shiller-Hauspreisindex ausweist, allerdings für den Dezember. Er stieg um 13,42 Prozent, das war der stärkste Anstieg seit Februar 2006.

Anleger an den Kapitalmärkten sind derzeit verunsichert, wie weit der jüngste Wetter-Effekt wirklich trägt und ob sich dies möglicherweise auch auf den derzeit laufenden Tapering-Prozess der Fed auswirken könnte.

Der New Yorker Aktienmarkt ist derweil nach schwächerem Start ins Plus gedreht. Er verschnauft, nachdem der S&P-500-Index zuletzt mit 1.858 Punkten einen neuen Rekord aufgestellt hatte. Der Dow bewegt sich in der Nähe seines Schlusstandes, an der Nasdaq und im S&P-500 tendiert der Markt leicht im Plus.

Nervosität am Devisenmarkt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Nach den schwächeren US-Konjunkturdaten sackte am Mittag der Euro zunächst kräftig um über eine halben Cent ab und notierte im Tagestief nur noch bei 1,3715 Dollar. Aber der Spuk war genau so schnell vorbei wie er gekommen war, die Gemeinschaftswährung erholte sich schnell wieder und steht aktuell bei 1,3749 Dollar. Der Referenzkurs war von der EZB noch mit 1,3754 Dollar festgestellt worden. Auch am Devisenmarkt sind die Anleger hoch nervös, wie das Kurs-Zick-Zack gezeigt hat.

Analysten mögen BASF

Beim Ludwigshafener Chemieriesen läuft das Geschäft gut, wie die jüngsten Geschäftszahlen zeigen. Bei Analysten finden sie Zustimmung, so auch bei Nadeshda Demidova von der Investmentbank Equinet, die auf die guten Öl- und Gasgeschäfte sowie starke Umsätze im Chemiebereich verweist. Allerdings sei die Bewertung ambitioniert.

Die Anleger waren denn auch zurückhaltender, das Papier fiel 0,22 Prozent, schloss allerdings nach Avancen im späten Geschäft deutlich über Tagestief. Die BASF-Aktie war zuvor traumhaft gelaufen und hatte mit über 83 Euro erst in diesem Monat ein neues Rekordhoch aufgestellt.

Fresenius enttäuscht mit Ausblick

Der Medizinkonzern Fresenius hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn stieg um zwölf Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Die Dividende steigt um 15 Cent auf 1,25 Euro je Aktie. Das ist die 21. Anhebung der Ausschüttung in Folge. Die Aktie, die zunächst kräftig einbrach, erholte sich im Verlauf. Am Ende stand ein Minus von über vier Prozent. Vor allem der Ausblick war der Börse zu vorsichtig.

FMC verdient weniger

Im Schlepptau ging es auch für die Tochter Fresenius Medical Care (FMC) an der Börse kräftig nach unten. Der Dialysekonzern hat im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2001 einen Gewinnrückgang verbucht. Das Minus lag bei sechs Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Grund waren Kürzungen im US-Gesundheitssystem. Die Dividende für die Aktionäre soll um zwei Cent auf 0,77 Euro je Aktie steigen - damit hebt FMC seine Ausschüttung zum 17. Mal in Folge an.

Telekom fährt Achterbahn

Die T-Aktie hat nach den Zahlen der US-Tochter T-Mobile US für das vierte Quartal zunachst ebenfalls Federn lassen müssen, legte aber zum Schluss wieder zu und schloss bei 12,63 Euro am Tageshoch. Die Amerikaner haben zwar die Anzahl der Neukunden um netto 869.000 gesteigert, dabei aber wegen hoher Werbeausgaben weniger verdient. Das Betriebsergebnis (Ebitda) sank um acht Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar.

Immerhin, der Kundenzuwachs war der höchste seit acht Jahren. Die Telekom hält 67 Prozent an der US-Tochter. Mittelfristig wollen sich die Bonner aus dem sehr wettbewerbsintensiven amerikanischen Markt zurückziehen. Die T-Mobile US-Aktie liegt vorbörslich gut ein Prozent im Minus.

HeidelbergCement nutzt die niedrigen Zinsen

Die Aktie des Baustoffkonzerns gehörte heute zu den Favoriten im Dax und legte gegen den Markt zu. Das Unternehmen hat die Gunst der Stunde genutzt und sich eine günstigere Kreditlinie über drei Milliarden Euro beschafft. Der Zins beträgt nun 95 Basispunkte über Libor oder Euribor, eine Ersparniss von 30 Basispunkten.

Damit sei die Liquidität des Konzerns zu deutlich besseren Konditionen abgesichert, erklärte Firmenchef Bernd Scheifele. Die neue Vereinbarung gilt bis Anfang 2019, die bisherige Linie wäre im Dezember ausgelaufen. Die Aktie war zweitbester Dax-Wert mit einem Plus von 1,56 Prozent.

Aixtron immer noch tiefrot

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aixtron-Aktien standen im TecDax hingegen massiv unter Druck und zierten mit deutlichem Abstand das Indexende. Das Spezialmaschinenunternehmen hat im vergangenen Jahr immer noch hohe Verluste geschrieben. Analysten bezeichneten zudem den Ausblick als schwach. Aixtron rechnet nur mit einem stagnierenden Umsatz.

Xing mit Sonderausschüttung

Die Aktie des Internet-Netzwerks Xing führte den Technologieindex hingegen an und stiegt auf ein Allzeithoch. Das Unternehmen will für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 0,62 Euro je Anteilsschein zahlen. Hinzu kommt eine Sonderdividende von 3,58 Euro je Aktie.

Dürr-Ausblick gefällt nicht

Der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn um mehr als ein Viertel auf 140,9 Millionen Euro verbessert. Treiber war die starke Nachfrage der Autoindustrie in Nord- und Südamerika. Allerdings stagniert der Umsatz bei rund 2,4 Milliarden Euro. Firmenchef Ralf Dieter will Umsatz- und Ertrag 2014 mindestens auf Vorjahresniveau halten, die Zeit des stürmischen Wachstums sei aber vorbei. Das gefällt manchen Anlegern nicht, die Aktie war schwächster Wert im MDax.

KWS gibt viel für Forschung an

Der Saatguthersteller KWS hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2013/14 einen Verlust von 94 Millionen Euro gemacht. Das rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Das SDax-Unternehmen begründete das unter anderem mit höheren Ausgaben für Forschung. Die Investoren griffen aber trotzdem zu, die Aktie gehörte zu den Gewinnern im SDax.

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen gefiel bei KWS der Ausblick. "KWS Saat hat seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2013/14 bekräftigt", erklärten die Analysten von Warburg Research. Ihr Kursziel setzten sie um sieben auf 287 Euro herauf und bekräftigten ihre Kaufempfehlung.

Rihanna und Helene Fischer erfreuen CTS Eventim

Der Veranstaltunsspezialist aus dem SDax hat im abgelaufenen Jahr die Erlöse um 21 Prozent auf 698 und das Betriebsergebnis (Ebit) auf 111 Millionen Euro gesteigert. Wieder waren es bekannte Namen, die das Geschäft beflügelten, unter anderem die Pop-Gruppe Depeche Mode und die beiden Sängerinnen Helene Fischer und Rihanna. Die Aktie, die zunächst anzog, rutschte danach ins Minus.

Loewe: Investoren springen ab

Aktien des insolventen TV-Herstellers Loewe fallen noch weiter. Die Käufer des operativen Geschäfts des Unternehmens wollen laut Loewe vom Vertrag zurücktreten. Fundamental hat die Nachricht auf die Aktien allerdings keine Bedeutung. Ärgern müssen sich nur die Gläubiger von Loewe.

Home-Depot-Zahlen kommen gut an

Die US-Baumarktkette hat im vierten Quartal zwar etwas an Gewinndynamik verloren, die Investoren greifen aber trotzdem zu. Die Aktie steht an der New Yorker Börse aktuell 2,5 Prozent im Plus.

Die Erlöse sanken im Schlussquartal um drei Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar, der Gewinn um knapp ein Prozent auf gut eine Milliarde Dollar. Mit 0,73 Dollar je Aktie wurden die Erwartungen aber übertroffen. Zudem soll die Quartalsdividende um 21 Prozent auf 47 Cent je Aktie steigen. Im Ausblick zeigte sich Firmenchef Frank Blake zuversichtlich, er erwartet 2014 einen Umsatzzuwachs von 4,8 Prozent.

Dropbox sammelt Kapital ein

Der Cloud-Speicher-Dienst verfügt nach einer Eingabe bei der Börsenaufsicht SEC bisher über ein Kapital von 325 Millionen Dollar. Darüber berichtet das Magazin Fortune. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten bis zu einem Betrag von 450 Millionen US-Dollar sind noch offen. Das Unternehmen würde mit der bisherigen Kapitalsumme von 350 Millionen Dollar auf eine Bewertung von zehn Milliarden US-Dollar kommen.

Seit Januar, als der Standard des Eigenkapitals nach Berichten noch bei 250 Millionen Dollar lag, haben sich die Gerüchte verstärkt, dass das Unternehmen einen Börsengang vorbereitet.

rm

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr