Marktbericht 20:02 Uhr

Deutsche Bank besonders im Blick Viel Nervosität an der Börse

Stand: 27.09.2016, 20:02 Uhr

Der Punktsieg von Hillary Clinton im TV-Duell mit Donald Trump hat nicht gereicht. Zahlreiche Hiobsbotschaften deutscher Großunternehmen verhinderten Besseres. Der Dax schloss nach zuvor größeren Schwankungen letztlich aber nur moderat im Minus.

Im Plus gestartet, ins Minus gedreht und dabei wild geschwankt - so lässt sich der Tagestrend des Dax am Dienstag kurz und prägnant formulieren. Am Ende verlor der deutsche Leitindex bei sehr nervösem Handelsgeschehen moderate 0,31 Prozent auf 10.361 Punkte und bewegte sich dabei in einer Handelsspanne zwischen 10.265 und 10.455 Punkten. Im späten Geschäft folgte der Index dann noch der Wall Street nach oben. Der Leitindex Dow Jones steht aktuell 0,7 Prozent höher, auch die anderen großen US-Indizes legen zu.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.195,70
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+0,27%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.483,67
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+1,28%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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2.838,01
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+0,70%

Im Mittelpunkt des Geschehens hierzulande stand zuerst der nächtliche US-Präsidentschaftswahlkampf, danach aber zunehmend die Deutsche Bank. Zunächst waren die Anleger erfreut über das gute Abschneiden von Hillary Clinton in der ersten direkten TV-Konfrontation mit ihrem Rivalen Donald Trump um das Präsidentenamt in den USA.

Bullenfalle Deutsche Bank

Wer geglaubt hatte, die gute Stimmung würde den Markt nach oben tragen, wurde aber schon bald eines Besseren belehrt. Vor allem die zunehmende Sorge des Marktes um die Zukunft der Deutschen Bank hielt/hält die Börse in Atem. Die Angst vor einer europäischen Bankenkrise sei jüngst wieder hoch gekocht, sagte Analyst Jasper Lawler vom Broker CMC Markets.

Bei der Deutschen Bank stehen zweistelligen Milliardenforderung der US-Behörden als Folge dubioser Hypothekengeschäfte im Raum, die an die Existenz der Bank rühren, in jedem Fall aber auf eine Kapitalerhöhung in erheblichem Ausmaß hindeuten. Die Aktie fiel zwischenzeitlich auf ein neues Rekordtief von 10,18 Euro, erholte sich aber nach Äußerungen aus US-Behördenkreisen und war zwischenzeitlich sogar im Plus.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,87
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+0,76%

Am Ende schloss das Papier unverändert (!) bei 10,55 Euro. Laut Bill Baer, dem Leiter der Kartellabteilung im US-Justizministerium, können straffällig gewordene Banken die Höhe ihrer Strafe durch Kooperation reduzieren.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 19.00 Uhr

Laut einem Händler ist dies "eine Art Wink mit dem Zaunpfahl, dass es für die Deutsche Bank in den USA letztlich keine 14 Milliarden US-Dollar schwere Strafe wegen krummer Immobiliendeals geben sollte". Das nehme etwas den Druck aus den Papieren und "passt außerdem zu den vorher zu Volkswagen getroffenen Aussagen".

Volkswagen ebenfalls unter Druck

Apropos VW. Das VW-Papier gehörte ebenfalls zu den schwächsten Dax-Werten, denn auch die Wolfsburger blicken besorgt auf die Höhe der zu erwartenden Strafe im Diesel-Skandal. Allerdings hatten die US-Justizbehörden mit Blick auf die Strafe für VW gesagt, dass bei der Festlegung der Strafhöhe auch das finanzielle Wohl des Unternehmens eine Rolle spielen solle. An einem Kollaps der Deutschen Bank und VW sind die US-Behörden offensichtlich also nicht interessiert.

Zu den Tagesverlierern gehörten auch Lufthansa (als schlechtester Dax-Wert), die eine Anleihenplatzierung abblasen musste. Auch die Übernahme von 40 Maschine des taumelnden Konkurrenten Air Berlin kam nicht gut an. Mit in die Tiefe gezogen wurde die Allianz. Am Abend wurde noch bekannt, dass die Gesellschaft strategische Gespräche zur Zukunft ihrer Banktochter Oldenburgische Landesbank führt. Der Aktie half das aber nicht, sie verlor 1,59 Prozent auf 130,20 Euro.

Commerzbank ohne Dividende?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,23
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+0,82%

Zu den größten Dax-Verlierern gehörte auch die Commerzbank-Aktie. Die Bank will laut einem "Handelsblatt"-Bericht in den nächsten Jahren rund 9.000 Arbeitsplätze streichen. Das sehe die Strategie des neuen Vorstandschefs Martin Zielke vor, über die der Aufsichtsrat in dieser Woche beraten werde. Der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank solle bis 2020 dauern und bis zu eine Milliarde Euro an Restrukturierungskosten verursachen, berichtete die Zeitung. Angesichts der Kosten wolle die Bank die Dividende für das laufende Jahr streichen. Sie hatte bisher eine konstante Ausschüttung von 20 Cent je Aktie in Aussicht gestellt.

Euro und Öl geben nach

Die Gemeinschaftswährung hat sich am frühen Nachmittag dem Abwärtstrend der Banken angeschlossen und ging ebenfalls auf Tauchstation. "Die Probleme europäischer Banken und die Verwerfungen an den Aktienmärkten lasten auf dem Euro", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Zunächst hatte der Euro wenig auf die Fernsehdebatte zwischen Clinton und Trump reagiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1220 (Montag: 1,1262) Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1392
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+0,41%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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70,87
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-0,22%

Auf die Stimmung an den Aktiernmaärkten drückte auch die schwachen Ölpreise. Diese gaben am Dienstag ihre starken Vortagesgewinne wieder ab. Bis zum späten Nachmittag fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November auf 45,79 US-Dollar. Das sind 1,56 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 1,52 Dollar auf 44,44 Dollar.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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65,15
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-0,23%

Eine Einigung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran auf eine Begrenzung der Förderung ist noch nicht in Sicht. Während der Energiekonferenz in der algerischen Hauptstadt Algier, die noch bis morgen andauert, dürfte es wohl nicht dazu kommen. "Es steht nicht auf unserer Agenda, eine Einigung innerhalb von diesen zwei Tagen zu erreichen", sagte Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh am Dienstag.

Autobauer schließen sich zusammen

Deutsche Autobauer wollen gemeinsam mit IT- und Telekommunikationsfirmen die Technik für vernetzte und selbst fahrende Autos vorantreiben. Audi, BMW und Daimler schließen sich dazu mit den Netzwerkanbietern Ericsson, Huawei und Nokia sowie den Chipherstellern Intel und Qualcomm zur "5G Automotive Association" zusammen, wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten.

Der Verein wolle dafür sorgen, die Möglichkeiten des künftigen Mobilfunkstandards 5G bestmöglich auszuschöpfen und Fahrzeuge optimal zu vernetzen. "In der Automobilindustrie ist 5G von besonderer Bedeutung für die Digitalisierung und auf dem Weg hin zum autonomen Fahren", erklärte Christoph Grote, Bereichsleiter Elektronik von BMW. Allerdings ist die Mobilfunkindustrie selbst noch nicht so weit, 5G ist noch in der Versuchsphase.

Sehr viel Nachfrage für Innogy-Aktie

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,07
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-0,47%

Der Börsengang des RWE-Tochter Innogy dürfte ein voller Erfolg werden. Bereits am ersten Tag der Zeichnungsfrist lagen nach Angaben der begleitenden Investmentbank Bank of America Merrill Lynch Kaufaufträge für das gesamte Emissionsvolumen einschließlich der Aufstockungsoption vor. Innogy bietet bis zum 6. Oktober bis zu 139 Millionen Aktien in einer Spanne von 32 bis 36 Euro an. Die RWE-Aktie verlor heute trotzdem überproportional 1,39 Prozent und gehörte damit zu den schwächeren Aktien im Dax.

Vonovia bleibt in Bochum

Das größte deutsche Wohnungsunternehmen Vonovia bleibt seinem bisherigen Standort treu und baut seine neue Zentrale in Bochum. Das Gebäude werde ab dem Frühjahr 2018 Platz für bis zu 1000 Mitarbeiter bieten, kündigte das Unternehmen am Dienstag aus Anlass der Grundsteinlegung an. Die Vonovia-Aktie war heute Tagessieger im Dax.

KTG Energie ist insolvent

Nun ist auch KTG Energie AG, frühere Tochter der insolventen KTG Agrar, zahlungsunfähig. Die Restrukturierung soll im Rahmen der Eigenverwaltung durchgeführt werden. Man zwei "Restrukturierungsexperten" in den Vorstand bestellt. Die Aktie des Unternehmens brach ein.

Gegenwind für Credit Suisse

Credit Suisse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,10
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-0,27%

Die Aktie der Schweizer Großbank gab nach, nachdem Bankchef Tidjane Thiam ein schwächeres drittes Quartal angedeutet hat. Er erklärte bei einem Investorentreffen, dass vor allem in der Schweiz mit Abflüssen aus der Vermögensverwaltung zu rechnen sein wird. Die Bank arbeitet dort oft mit externen Vermögensverwaltern zusammen, die Bindungen wurden aber reduziert. Wie auch die Deutsche Bank will sich die Credit Suisse vom schwankungsanfälligen Investmentbanking unabhängiger machen und durchläuft derzeit einen schmerhaften Umbauprozess. Der Aktienkurs ist ebenfalls drastisch gefallen. Der Quartalsbericht folgt am 3. November.

Auch Disney und Microsoft an Twitter interessiert

Neben Google und Salesforce sind nach US-Medienberichten auch Walt Disney und Microsoft am schwächelnden Kurznachrichtendienst interessiert. Ein Verkauf von Twitter dürfte in den nächsten 30 bis 45 Tagen über die Bühne gehen, berichtete der TV-Sender CNBC.

Amex erhöht die Dividende

American Express: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,40
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+0,26%

Der Kreditkarten-Anbieter American Express will mehr Geld an seine Aktionäre ausschütten. Die Quartalsdividende solle um gut 10 Prozent auf 32 Cent je Aktie steigen, teilte American Express am Dienstag mit. Damit trifft das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Zudem kündigte der Kreditkarten-Anbieter an, bis zu 150 Millionen eigene Aktien zurückzukaufen. Der Kurs des American-Express-Papiers legte zu Handelsbeginn an der Wall Street um fast ein Prozent zu.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr