Marktbericht 20:15 Uhr

Dax fällt unter 8.200 Punkte Verunsicherte Anleger treten auf die Bremse

Stand: 12.06.2013, 20:15 Uhr

Die Angst um ein baldiges Ende des billigen Notenbankgeldes treibt die Aktienmärkte um. Ihnen ist schlichtweg die klare Richtung abhanden gekommen. Auch der Dax macht da keine Ausnahme.

Das deutsche Börsenbarometer hat, wie auch schon am Vortag, erst gegen Sitzungsende Fahrt aufgenommen. Nachdem der Dax gestern überraschend noch die 8200er-Marke übersprungen hatte, war es heute genau umgedreht.

Am Ende verlor der deutsche Leitindex 0,96 Prozent und schloss bei 8.143 Zählern in der Nähe des Tagestiefstandes von 8.122 Zählern. Das Tageshoch lag bei 8.246 Punkten. Nachbörslich ging es leicht abwärts auf 8.133 Punkte.

Süchtig nach Notenbankgeld

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ob sich die Anleger nicht würden entscheiden können, wohin die Reise geht. Dann aber kehrte die Unsicherheit über den weiteren Weg der US-Notenbank Fed zurück und drückte die Kurse.

"Das große Problem ist, dass die Märkte süchtig nach geldpolitischen Stimuli geworden sind", sagte Daniel Kukalj, Analyst bei Close Brothers Seydler. Noch falle es schwer, sich an den möglichen Verlust dieses Sicherheitsnetzes zu gewöhnen, erklärte ein anderer Börsianer. Der Markt blickt daher bereits auf die nächste Fed-Sitzung in der kommenden Woche. "Bis dahin dürfte das Hin- und Her an den Märkten weitergehen", meinte ein Händler.

Aucxh in New York geht es aktuell abwärts. Der Dow gibt aktuell 0,6 Prozent nach.

Euro wieder über 1,33 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1438
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+0,56%

Die Gemeinschaftswährung liegt wieder über der Marke von 1,33 Dollar. Ihr Tagestief erreichte sie zuvor bei 1,3266 Dollar. Die Europäische Zentralbank hat den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3277 (Dienstag: 1,3273) Dollar festgesetzt.

Der zweite Tag der EZB-Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat den Devisenmarkt heute nicht entscheidend bewegt. Dies, obwohl das Gericht eine gewisse Skepsis bezüglich der unbegrenzten Käufe von Staatsanleihen durch die EZB hatte erkennen lassen. Das Urteil darüber, ob die EZB ihr Mandat mit den Käufen wirklich verletzt, wird aber erst in einigen Monaten erwartet.

Heidelbergcement kommt kräftig unter Druck

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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68,50
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-2,62%

Die Aktie des einzigen Baukonzerns im Dax verlor nach einem negativen Analystenkommentar von Morgan Stanley kräftig um 5,1 Prozent und war damit Tagesverlierer. Analysten Yuri Serov stufte das Papier von Kaufen auf Neutral. Bereits am Vortag hatte das Analysehaus Chevreux das Papier herabgestuft.

Rhön-Klinikum mit Kurssprung

Die Rhön-Aktie legte nach Börsenschluss kräftig um über 13 Prozent zu. Wie Aufsichtsratschef Eugen Münch am Abend bekannt gab, kippt das Unternehmen überraschend eine Klausel in der Satzung, nach der für wichtige Entscheidungen im Unternehmen eine Mehrheit von 90 Prozent erreicht werden muss. Die Rhön-Aktie reagierte während des regulären Handels kaum.

Anleihe bremst VW-Aktie aus

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
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-0,50%

Unter Druck blieb auch die VW-Aktie, die ihre Verluste ausbaute. Das Papier verlor gut drei Prozent und rutschte unter die Schwelle von 160 Euro. Der Wolfsburger Autobauer hat eine bis November 2015 laufende Pflichtwandelanleihe mit einem neuen Papier zu gleichen Konditionen um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt.

Zugleich berichtet VW über anhaltende Probleme mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG. In Asien und Ozeanien werden Hunderttausende Fahrzeuge in die Werkstatt gerufen, da das von einem kleinen Roboter gesteuerte System offensichtlich die Klimaverhältnisse in diesem Teil der Welt nicht verkraftet. Allein in China mussten in diesem Frühling schon 384.000 Autos zurückgerufen werden.

Daimler setzt auf Sindelfingen

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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54,92
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-0,67%

Ungeachtet der aktuellen Sparanstrengungen will der Konzern in diesem Jahr eine Milliarde Euro in sein Stammwerk Sindelfingen investieren. Dort soll zukünftig die neue S-Klasse produziert werden. Konzernchef Dieter Zetsche sprach anlässlich des Produktionsbeginnes für das Mercedes-Flaggschiff vom "Kompetenzzentrum der Ober- und Luxusklasse."

Zetsche rechnet damit, dass sich die Produktivität des Unternehmens in der zweiten Jahreshälfte verbessern wird. Dazu soll auch die neue S-Klasse beitragen, von der schon 12.000 Fahrzeuge bestellt sind. In China und den USA beginnt der Verkauf allerdings erst später. Die Daimler-Aktie konnte nicht profitieren und gab in einem schwächeren Gesamtmarkt 2,1 Prozent ab.

Telekom rudert zurück

Das Unternehmen hat erklärt, bei der beschlossenen Tempo-Bremse für Internetsurfer einzulenken und die gedrosselte Geschwindigkeit von angedacht 384 kBit auf 2 MBit pro Sekunde zu erhöhen. Damit reagiere man auf die Sorgen der Kunden, erklärte Marketing-Chef Michael Hagspihl. Kritker sprachen allerdings nur von einem minimalen Zugeständnis. Entscheiden will die Telekom ohnehin erst im Jahr 2016 und sich dabei an den dann herrschenden Marktbedingungen orientieren.

Am Nachmittag beginnt in den USA eine außerordentliche Hauptversammlung des Konkurrenten Sprint Nextel. Dabei geht es um das Übernahmeangebot der japanischen Softbank für die Nummer drei auf dem US-Markt. Sollte Softbank scheitern, könnten sich die Japaner an die US-Tochter der Telekom, T-Mobile USA, heranmachen. Die T-Aktie gab ein Prozent nach.

Zara-Mutter enttäuscht

Die Inditex-Aktie ist nach Aussagen von Firmenchef Pablo Isla deutlich ins Plus gedreht. Isla hatte die Anleger mit der Aussicht auf eine stabile Rendite beruhigt.

Das spanische Unternehmen ("Zara") hat im ersten Quartal allerdings nur dank einer Vielzahl neuer Filialen seinen Umsatz verbessern können. Zwischen Januar und März stiegen die Erlöse um fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Operativ belasteten höhere Kosten durch die Shop-Eröffnungen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von 764 auf 749 Millionen Euro. Analysten hatten etwas mehr erwartet.

Axel Springer verliert Aktionär

Im MDax blieben die Titel von Axel Springer den ganzen Tag unter Druck und waren am Ende sogar Tagesverlierer. Der Anteilseigner Good Media Investment will sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von seiner 2,8-prozentigen Beteiligung an dem Medienkonzern trennen. Mit der Veräußerung der Papiere sei die Deutsche Bank betraut worden. Die 2,77 Millionen Papiere sollen zu einem Preis von 32,18 Euro je Stück angeboten werden.

Vodafone beschert Kabel neuen Preissprung

Ganz anders bei Kabel Deutschland. Erneut aufgeflammte Übernahmefantasien trieben die Aktien des MDax-Unternehmens um über acht Prozent. Wie Insider gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters" erklärten, hat der britische Mobilfunkanbieter Vodafone 81 bis 82 Euro je Aktie geboten. Das Kabel-Management hat das Angebot aber als zu niedrig abgelehnt. Sprecher beider Unternehmen wollten sich nicht äußern.

Airbus beflügelt EADS

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,78
Differenz relativ
+0,17%

Die EADS-Aktie legte im MDax gegen den Trend 1,2 Prozent zu. Grund war offenbar die Vorfreude auf den für Freitag angekündigten Jungfernflug des A350 der Tochter Airbus. DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald wertete diese Nachricht positiv, da der Erstflug etwas eher stattfinde als von ihm erwartet. Der Experte stuft EADS mit "Kaufen" und einem fairen Wert von 51 Euro ein.

Nach Börsenschluss erklärte EADS, dass der Konzern sein US-Umsatzziel von zehn Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020 nicht mehr erreichen werde. Angesichts der Haushaltslage in Washington könne wohl nur eine große Übernahme das Erreichen dieses Ziels ohne die Tochter Airbus noch ermöglichen, erklärte am Mittwoch der bei EADS für Nordamerika zuständige Sean O'Keefe

ProSiebenSat1 legt Stämme und Vorzüge zusammen

Beim Medienkonzern aus dem MDax zeichnet sich der Ausstieg der beiden Finanzinvestoren und Großaktionäre KKR und Permira ab. Stamm- und Vorzugsaktien sollen auf der Hauptversammlung am 23. Juli zusammengelegt werden und auch die Stämme dann an der Börse notiert werden.

Der Anteil der beiden Investoren sinkt dann von 88 auf 44 Prozent. Diese könnten dann mangels anderer Interessenten ihr Restpaket über die Börse abgeben. Zwölf Prozent der Stämme liegen aktuell beim niederländischen Medienhaus Telegraaf. Am Mittwoch schloss die im MDax notierte Vorzugsaktie bei 32,61 Euro. Dies war zwar ein Minus von 0,8 Prozent, das Papier notiert aber trotzdem am Jahreshoch.

Bastei Lübbe bald an der Börse

Jetzt will auch der Publikumsverlag ("Jerry Cotton") Bastei Lübbe den Sprung auf das Börsenparkett wagen. Im Oktober soll es soweit sein. Den Erlös des Börsengangs will der Verlag zum Ausbau des Digitalbereichs verwenden. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ist die Erstnotierung im Prime Standard der Frankfurter Börse geplant. Auch danach wolle Verleger Stefan Lübbe mit etwa 60 Prozent der Aktien weiter das Heft in der Hand behalten.

Neuer Chef bei der Royal Bank of Scotland

Das zu 81 Prozent verstaatlichte Institut wird ab dem Beginn des neuen Jahres von einem neuen Chef geführt. Der aktuell noch amtierende Firmenchef Stephen Hester, der das Instiutut fünf Jahre lang führte, räumt zum Jahresende seinen Stuhl. Er erklärte, es sei vernünftig, die anstehende Reprivatisierung mit einem neuen Gesicht zu begleiten.

Die Bank war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von der britischen Regierung gerettet worden. Für 45,5 Milliarden Pfund - die Royal Bank gilt damit als der größter Sanierungsfall in Europa.

Milliardensegen für Pfizer

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit um das Magenmittel Protonix erhält der US-Multi von seinen Konkurrenten Teva und Sun Pharmaceutical eine hohe Milliardenzahlung. Insgesamt werden 2,15 Milliarden Dollar fällig, wovon Pfizer den Großteil erhält. 774 Millionen Dollar gehen an den japanischen Partner Takeda, mit dem Pfizer das Mittel entwickelt hat.

Der israelische Generika-Branchenprimus Teva, zu dem auch Ratiopharm gehört, hatte 2007 eine Generika-Version von Protonix auf den Markt gebracht und damit nach Ansicht eines US-Gerichtes gegen Schutzrechte verstoßen. Die Pfizer-Aktie legt aktuell knapp 0,4 Prozent zu.

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Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.