Marktbericht 20:02 Uhr

Hoffnung auf Notenbankgeld Versöhnliches Monatsende

Stand: 30.09.2014, 20:02 Uhr

Der Dax hat sich im September nicht von der Stelle bewegt - trotz der herben Verluste in den letzten Tagen. Am Dienstag sorgt die Hoffnung auf weitere Geldspritzen durch die Notenbanken sogar für steigende Kurse. Doch die Lage bleibt fragil.

Der Dax legt am Dienstag eine Achterbahnfahrt hin. Erst rauf, dann wieder runter und schließlich, befeuert von der Wall Street, wieder rauf. Dabei klettert der Leitindex in der Spitze um 0,8 Prozent auf 9.495 Punkte, bevor es in der Schlussauktion zu Gewinnmitnahmen kommt, die die Kurse wieder etwas abbröckeln lassen.

Am Ende geht der deutsche Leitindex 0,55 Prozent oder 51 Punkte höher aus dem Handel bei 9.474 Zählern. Damit schafft das Börsenbarometer auf Monatssicht ein Mini-Plus von 0,04 Prozent. Das dritte Quartal aber schloss das Börsenbarometer mit einem Minus von 3,65 Prozent ab.

Auch an der Wall Street bleibt die Lage labil. Der Dow Jones-Index steigt nach enttäuschenden US-Konjunkturzahlen auf 17.145 Punkte, muss seine Gewinne im weiteren Verlauf aber wieder abgeben. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,2 Prozent im Minus bei 17.036 Punkten.

Hoffen auf die Notenbanken

Offenbar haben die Anleger dies- und jenseits des Atlantiks die schwachen US-Konjunkturdaten zum Anlass genommen, auf eine weitere geldpolitische Stützung der Konjunktur von Seiten der Notenbanken zu setzen.

Tatsächlich ist der Index für das US-Verbrauchervertrauen im September mit 86,0 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Mai gesunken. Volkswirte hatten nach revidiert 93,4 Punkten im August nun mit 92,5 Punkten gerechnet. Keine gute Nachricht also für eine Volkswirtschaft, die zu 70 Prozent durch den heimischen Konsum angekurbelt wird.

Auch in Europa blicken die Anleger wieder Richtung EZB, nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass die Teuerungsrate im Euroraum im September auf 0,3 Prozent gesunken ist. Ökonomen hatten mit einer unveränderten Rate von 0,4 Prozent gerechnet.

Bei den Anleger steigt nun die Hoffnung nach weiteren unkonventionellen Maßnahmen der EZB. Dessen Chef, Mario Draghi, hat bereits in der Vorwoche weitere expansive Maßnahmen in Aussicht gestellt, falls die Eurozone in die Deflation abdriften sollte. Noch gilt dieses Szenario als eher unwahrscheinlich, ist die schwache Inflation doch vor allem dem Rückgang der Erdölpreise zu verdanken. Dennoch wird erwartet, dass die Notenbank auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag Details zu ihrem angekündigten Kaufprogramm von ABS-Wertpapieren bekannt gibt.

Euro zeitweise unter 1,26 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1514
Differenz relativ
+0,50%

Die Abschwächung des Euro gegenüber dem Dollar hat sich am Dienstag weiter beschleunigt. Zeitweise sank die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2570 Dollar. Bei Börsenschluss notiert der Euro bei 1,2614 Dollar. Grund für die Euro-Schwäche ist die Erwartung, dass die EZB ihre Geldschleusen möglicherweise noch weiter öffnen muss, um die drohende Deflation im Euroraum zu bekämpfen.

Ebay bald ohne Paypal

Ebay: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,20
Differenz relativ
-7,93%

Lange hat sich Ebay gegen den Druck von Investoren gesträubt, doch nun soll der Bezahldienst Paypal doch ausgegliedert werden. Im nächsten Jahr sollen sich die Wege trennen. Zwei alleinstehende Firmen zu schaffen, sei der beste Weg, die Wachstumsmöglichkeiten zu nutzen. Der bisherige Ebay-Chef John Donahoe wird seinen Posten verlieren. Neuer Chef wird Devin Wenig, bislang Präsident von Ebay Marketplaces. Die Ebay-Aktie macht einen Sprung um fast sieben Prozent.

Infineon abgestraft

Bei den Einzelwerten im Dax hält Infineon die rote Laterne. Das Research-Haus Kepler Cheuvreux hat angesichts hoher Investitionen des Chipherstellers seinen Margen- und Gewinnprognosen für die Geschäftsjahre 2014/15 sowie 2015/16 gesenkt und das Kursziel für den Wert von 8,50 auf 8,00 Euro gesenkt.

VW & Co im Schlepptau von Ford

Auch die Autowerte müssen abgeben. Grund ist eine Gewinnwarnung von Ford. Der kann wegen zahlreicher Rückrufaktionen sowie Absatzeinbrüchen in Russland und Südamerika seine Ertragsziele in diesem Jahr nicht erreichen. Die Aktie bricht um mehr als sieben Prozent ein. Im Schlepptau verlieren die Anteile von Volkswagen, Daimler, Conti und BMW überdurchschnittlich.

Cobank bekommt Lob von Macquarie

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,66
Differenz relativ
+0,12%

Zu den stärksten Werten im Dax gehört dagegen die Commerzbank. Das Papier war am Montag heftig unter Druck geraten, weil der Bank neue Strafzahlungen aus den USA drohen. Trotzdem hat die Investmentbank Macquarie ihre Einstufung für Commerzbank anlässlich neuer Vorwürfe wegen angeblich zu lascher Geldwäsche-Kontrollen auf "Outperform" belassen, mit einem Kursziel von 14 Euro. Die Chancen stünden gut, dass die Bank die daraus resultierenden Belastungen sofort in den Griff bekomme, meint Analyst Patrick Lee.

Bilfinger beflügelt

Im MDax sind die Bilfinger-Aktien die mit Abstand größten Gewinner. Grund ist die kräftige Aufstockung der Anteile des schwedischen Investors Cevian auf mehr als 25 Prozent. Ein Händler rechnet allerdings nicht mit einer Übernahme. Cevian dürfte die Beteiligung weiter als Finanzinvestition sehen und maximal knapp 30 Prozent anstreben.

Rhön-Klinikum darf Milliarden ausschütten

Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum ist einen Schritt weiter. Das MDax-Mitglied darf 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf von 40 Kliniken ausschütten. Die Ausschüttung soll über einen Aktienrückkauf und den Einzug der gekauften Aktien erfolgen. Die Riebeck-Brauerei von 1862 AG und die Rheintex Verwaltungs AG hatten gegen den Plan geklagt und stimmten nun einem entsprechenden Vergleichsvorschlag des zuständigen Gerichts zu.

VTG koppelt an

Die VTG-Aktie gewinnt prozentual zweistellig. Der Eisenbahnwaggonvermieter übernimmt den Konkurrenten AAE - Ahaus Alstätter Eisenbahn Holding AG. Durch diesen Kauf steigert VTG die Zahl seiner Waggons von über 50.000 auf rund 80.000. Der Großaktionär von AAE erhält VTG-Aktien aus einer Kapitalerhöhung und hält nach der Transaktion 26 Prozent der VTG-Aktien. Außerdem erhält AAE weitere 15 Millionen Euro in bar.

Zalando ist bereit für die Börse

Der Internet-Versandhändler bringt seine Aktien für 21,50 Euro je Stück an die Börse. Damit liegt das Unternehmen im oberen Drittel der Preisspanne, die von 18,00 bis 22,50 Euro je Aktie reichte. Zalando nimmt damit brutto 605 Millionen Euro ein. Den Ausgabepreis trotz der hohen Nachfrage nicht am oberen Ende der Spanne festzulegen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagte ein Zalando-Sprecher. Erster Handelstag ist der morgige Mittwoch.

Tele Columbus plant IPO

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus strebt ebenfalls an die Börse. Dadurch will das Unternehmen brutto mindestens 300 Millionen Euro reinholen. Das IPO soll noch im dritten Quartal im Prime Standard erfolgen.

Balda macht mehr Umsatz

Die Balda AG hat im Geschäftsjahr 2013 / 2014 ihren Umsatz um 17,7 Prozent auf 70,5 Millionen Euro gesteigert - dank der erstmaligen Konsolidierung der US-Gesellschaften. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und vor Sondereinflüssen stieg von 1,8 Millionen Euro auf 4,0 Millionen.

lg

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier