Versöhnliches Jahresende

Detlev Landmesser

Stand: 28.12.2007, 20:36 Uhr

Am letzten Handelstag des Jahres machte der Dax die Jahresendrally perfekt. Der deutsche Leitindex schloss komfortabel über der 8.000-Punkte-Marke, und damit unweit seines bisherigen Höchststandes.

Trotz der unsicheren Lage im Atomwaffenstaat Pakistan drehte der Dax eine Stunde vor Handelsende um 14:00 Uhr ins Plus.

Seinen Rekordstand hatte der Dax am 13. Juli mit 8.151,57 Punkten erreicht. Bei einem Jahresschlussstand von 8.067,32 Zählern hat der Standardwerteindex in diesem Jahr satte 22,3 Prozent zugelegt und damit sogar noch etwas stärker als im Jahr zuvor. Andere europäische Börsenplätze wie London (plus vier Prozent) oder Paris (plus zwei Prozent) sehen da viel blasser aus. Auch die großen US-Indizes bringen es nur auf ein Plus im mittleren einstelligen Bereich. Allerdings war es für die deutschen Nebenwerte ebenfalls ein deutlich schwierigeres Jahr.

Während der gesamten Sitzung hatte der Mord an der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto auf der Stimmung gelastet. Die Unruhen in Pakistan hielten auch am Freitag an. Inzwischen erwägt die pakistanische Regierung, die für den 8. Januar geplanten Parlamentswahlen zu verschieben.

Die Ereignisse in Pakistan ließen den US-Ölpreis zeitweilig auf ein Dreimonatshoch von 97,79 Dollar je Barrel und den Euro über 1,47 Dollar steigen.

Häusermarkt-Daten belasten Wall Street

An der Wall Street fielen die Kurse im Verlauf des Freitagshandels wieder zurück. Zunächst hatte der aktuelle Einkaufsmanageridex der Region Chicago, der von 49,7 Punkten auf 56,6 Punkte kletterte, für Aufatmen gesorgt. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten im Schnitt 52,6 Punkte erwartet.

Der jüngste Einbruch auf dem US-Häusermarkt war dann aber doch wieder zu viel für die Optimisten. Mit einem Rückgang von neun Prozent auf einen Wert von 647.000 brachen die Verkäufe neuer Häuser im November noch stärker ein als befürchtet. Die Zahl für Oktober wurde zudem von bisher 728.000 auf 711.000 nach unten revidiert.

Die Aktie der Citigroup, die zunächst den ganzen US-Markt gezogen hatte, fiel ebenfalls zurück. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" prüft der Finanzriese den Notverkauf von Sparten und Konzerntöchtern im Wert von bis zu zwölf Milliarden Dollar. Tags zuvor hatte noch eine Studie von Goldman Sachs auf den Banktiteln gelastet, die allein für die Citigroup einen Abschreibungsbedarf von fast 19 Milliarden Dollar ausmachte.

Infineon Jahres-Schlusslicht...
Mit minus 1,1 Prozent war die Infineon-Aktie schwächster Dax-Titel. Auch auf Jahressicht hält der Chiptitel die rote Laterne im Dax. Der Kurs sackte binnen zwölf Monaten von knapp elf auf gut acht Euro ab.

... Deutsche Börse Top-Performer
Über satte Kursgewinne konnten sich im abgelaufenen Jahr die Investoren freuen, die ihr Geld in die Aktien der Deutschen Börse und von Volkswagen steckten. Mit einer Investition in die Aktie des Börsenbetreibers konnten sie ihren Einsatz über zwölf Monate fast verdoppeln. Die Aktie gewann 90 Prozent und verwies damit die VW-Aktie auf Platz zwei, die gut 80 Prozent hinzugewann.

Telekom will weniger Regulierung
Mit 8,7 Prozent Jahres-Plus, die Dividende von 0,72 Euro nicht eingerechnet, kann auch die vielgeschmähte T-Aktie ein ordentliches Jahresergebnis vorweisen. Der Ex-Monopolist nutzte das Jahresende für einen Vorstoß gegen die seit zehn Jahren bestehende Öffnung des Telekommarkts und forderte Lockerung der Regulierung. "Beim weiteren Umbau des Telekommunikationsmarktes in Deutschland muss die Regulierung mehr Augenmerk auf die Sicherung von Arbeitsplätzen richten", erklärte ein Konzernsprecher.

Bei der Lösung der drängenden Probleme in Inland sieht sich die Telekom indessen auf dem richtigen Weg. "Wir haben in Deutschland unsere Herausforderungen sehr konsequent angepackt, uns dem Konflikt gestellt, inzwischen verlieren die Wettbewerber Marktanteile an uns", sagte Vorstandschef René Obermann der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe). Er unterstrich das Ziel eines Marktanteils von mindestens 40 Prozent im wichtigen DSL-Geschäft, das 2007 übertroffen werde. Zugleich räumte der Top-Manager ein, dass die Einnahmeausfälle aus dem Verlust von traditionellen Telefonanschlüssen damit kurzfristig nicht zu kompensieren sei.

FDA genehmigt Fresenius-Präparat
Einer der besten Dax-Titel war Fresenius Medical Care. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte die Blutvolumen-Ersatzlösung Voluven der Tochter Fresenius Kabi genehmigt. Das Mittel sei genau so effektiv und sicher wie das Produkt Hespan des US-Anbieters Abbott Laboratories, erklärte die FDA am Donnerstagabend. Händler bewerteten die Nachricht als leicht positiv. Voluven sei bereits in mehr als 80 Ländern weltweit zugelassen. Allerdings weise Fresenius die Umsätze mit Voluven nicht gesondert aus.

Conti sieht VDO-Synergien höher
Die Conti-Aktie schaffte es nach einem schwachen Start ins Plus. Der Autozulieferer will nach der Übernahme von VDO Standorte zusammenlegen. "Wir haben jetzt 200 Standorte weltweit, und man muss sich sicher hier und da fragen, ob man die alle braucht", sagte Vorstandschef Manfred Wennemer der "Börsen-Zeitung". Er kündigte zudem an, dass das ursprünglich angepeilte Synergiepotenzial voraussichtlich übertroffen wird. "Wir haben gesehen, dass wir die 170 Millionen Euro mit ganz großer Sicherheit erreichen werden. Deshalb wären wir sehr enttäuscht, wenn wir bei 170 Millionen Euro stehen bleiben würden."

Sparkassen plädieren für Kapitalschnitt bei IKB
Jetzt sollen die Eigentümer ran: Die Sparkassen-Finanzgruppe plädiert für einen Kapitalschnitt bei der angeschlagenen IKB. "Nach meinem Verständnis ist bei einer Aktiengesellschaft auch die Verantwortlichkeit der Aktionäre gefordert, wenn es Probleme dieser Art und Dimension gibt", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, der "Börsen-Zeitung" (Samstag) auf die Frage nach einem Kapitalschnitt. Bei der IKB sei ein Teil der Eigentümer, abgesehen von der mit rund 38 Prozent beteiligten KfW, "bisher von Konsequenzen verschont geblieben".

Audis neuer A4 über Erwarten gefragt
Der Ingolstädter Autobauer Audi hat für sein neues Mittelklassemodell A4 bislang 33.000 Bestellungen registriert. "Die vorliegenden Aufträge und die hervorragende Resonanz bei Kunden und Medien haben alle unsere Erwartungen übertroffen", sagte Vertriebsvorstand Ralph Weyler. Als Modell mit den traditionell höchsten Absatzzahlen spiele der A4 eine besondere Rolle für die Ziele der Volkswagen-Tochter. Der A4 ist die achte Auflage des Audi-Mittelklassemodells. Der Vorgänger hatte sich nach Firmenangaben 2,2 Millionen Mal verkauft.

Lintec hofft wieder auf Wachstum
Der sächsische IT-Dienstleister Lintec sieht sich nach umfassender Restrukturierung auf dem richtigen Kurs und erwartet für 2008 erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen. Für 2008 sei er "realistisch optimistisch", sagte Lintec-Chef Thomas Goletz. Lintec war nach Jahren als gefeierter Börsenstar des Ostens 2001 in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und deshalb Anfang 2007 mit der österreichischen Computerfirma Chiligreen fusioniert.

Alitalia redet jetzt mit Air France-KLM
Die Aktie von Alitalia legte in Mailand am Nachmittag um rund acht Prozent zu. Die italienische Regierung genehmigte exklusive Gespräche zwischen der maroden Airline und der Fluggesellschaft Air France-KLM.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr