Versöhnliches Ende nach Wechselbad

von Detlev Landmesser

Stand: 08.06.2007, 20:35 Uhr

Nur weil an der Wall Street im Verlauf die Stimmung drehte, endete die turbulente Woche versöhnlich. Der L-Dax schloss nach einer wahren Achterbahnfahrt 0,78 Prozent höher.

Mit 7.630,45 Punkten schloss der Index aber immer noch fast 400 Punkte niedriger als noch vor einer Woche.

Den ganzen Tag über hatte sich die herrschende Nervosität vor allem in Zinssorgen artikuliert. "Der Zinserhöhungszyklus in der Euro-Zone ist intakt. Das bremst natürlich die Aktienmärkte", meinte ein Marktteilnehmer. In den USA seien zudem die Spekulationen auf sinkende Zinsen inzwischen weitgehend verschwunden. Mehrere US-Notenbanker hatten zuletzt verstärkt auf Inflationsgefahren hingewiesen.

An der Wall Street machte sich aber im Verlauf Zuversicht breit, was zum einen an guten Unternehmensdaten, etwa erfreulichen Quartalszahlen von National Semiconductor und Umsatzzahlen von McDonald's lag. Außerdem unterbrach der US-Rentenmarkt seine Talfahrt, was die Renditen wieder sinken ließ. Derzeit sorgt man sich an der Wall Street auch um höhere Zinskosten für Fusionen und Übernahmen, die zuletzt die US-Märkte beflügelt hatten.

Zuvor hatten die aktuellen Handelsbilanzdaten aus den USA die Zinssorgen genährt. Das Außenhandelsdefizit im April ging unerwartet stark zurück. Der Fehlbetrag verringerte sich auf 58,50 Miliarden Dollar von revidiert 62,39 Milliarden Dollar im März.

Höhere US-Zinsen machen auch den Dollar tendenziell wieder attraktiver, was den Euro unter Druck setzte. Mit zeitweise 1,3321 Dollar erreichte die Gemeinschaftswährung den niedrigsten Stand seit Anfang April.

Kein Tag für Finanzwerte

Am Aktienmarkt belastete die Sorge um steigende Leitzinsen vor allem die Finanztitel. "Steigende Zinsen sind Gift für Banken und Immobilienfinanzierer", sagte ein Händler. Die Aktien der Allianz und von Hypo Real Estate standen unter Druck.

Noch stärker verlor die Münchener Rück-Aktie. Der Chef-Wissenschaftler des Rückversicherers Peter Hoeppe befürchtet, dass die Hurrikan-Saison im Atlantik in diesem Jahr heftiger ausfällt als normalerweise. Er rechnet damit, dass die Summe der versicherten Schäden den Durchschnittswert der vergangenen sieben Jahre von 20 Milliarden Dollar übertreffen wird.

SAP-Aktie robust
Gegen den Trend stemmte sich erneut die SAP-Aktie. Da die neue Mittelstands-Software auf ein bislang nicht bedientes Marktsegment zugeschnitten sei, werde die Nachfrage nach bestehenden Software-Lösungen dadurch nicht gedrückt, hatte Vertriebschef Leo Apotheker am Donnerstagabend im kalifornischen Palo Alto gesagt.

Goldman mag Eon
Stärkster Dax-Titel war aber Eon. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Papier auf die "Conviction Buy List" gesetzt und das Kurziel mit 130 Euro bestätigt. Die angekündigte neue Unternehmensstrategie sei ein wichtiger Wendepunkt für den Versorger, schrieb die zuständige Analystin.

Im Dax standen zudem Autotitel in den Fokus. BMW präsentierte seine Mai-Absatzzahlen. Der Münchener Autokonzern hat sieben Prozent mehr Autos verkauft als im Mai 2006. Bei DaimlerChrysler sorgte ein Zeitungsbericht für Bewegung. Die Mercedes-Pkw-Gruppe peilt angeblich bis 2009 eine Verdoppelung ihrer operativen Umsatzrendite an. Dann solle die Gewinnmarge der Markengruppe von Mercedes-Benz, Smart und Maybach 9,4 Prozent betragen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Stellenabbau bei EADS
Die Aktie von EADS gab ihre anfänglichen Gewinne ab. Die EADS-Tochter Airbus plant angeblich den Abbau von rund 3.300 Stellen in Toulouse. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf ein internes Dokument. Außerdem sollen im Rahmen des Sanierungsplans "Power8" 2.317 Stellen in Hamburg, 1.095 im britischen Filton, 334 im spanischen Getafe und 865 an anderen französischen Standorten wegfallen. Ein Airbus-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren.

Freenet bleibt am Ball
Im TecDax konnte die Freenet-Aktie nur zeitweise von einem Pressebericht profitieren, wonach sich der Telefonanbieter nach der gescheiterten Übernahme von Talkline für weitere Akquisitionen bereit halte. Auch nach der geplanten Sonderdividende von sechs Euro habe Freenet noch genug Handlungsspielraum für Investitionen, sagte Vorstandschef Eckhard Spoerr der "Welt".

Viele Bewerber für EM.TV-Sparte
Im SDax verlor die Aktie von EM.TV über drei Prozent. Unternehmenschef Werner Klatten hat zwar in einem Zeitungsinterview von zahlreichen Kaufinteressenten für seine Unterhaltungssparte gesprochen. Doch vielleicht waren Anleger skeptisch, ob auch der Kaufpreis erzielt werden kann, zu der das Unternehmen in der Bilanz steht.

H&R Wasag meldet Sonderertrag
Das Papier von H&R Wasag verringerte seinen Tagesverlust, nachdem der Spezialchemiekonzern einen außerordentlichen Ertrag von 15 Millionen Euro aus dem Verkauf seiner Sprengstoffaktivitäten gemeldet hatte. An dem Ertrag will das SDax-Unternehmen seine Aktionäre mit einem Bonus von zehn Cent pro Aktie beteiligen, womit die Dividende für das zurückliegende Geschäftsjahr 70 Cent erreichen soll. Die Aktionäre sollen darüber auf der Hauptversammlung am 19. Juli entscheiden.

Gerresheimer vor Milliardenemission
Die Aktien des Verpackungsspezialisten Gerresheimer kommen am Montag zu 40 Euro an die Börse. Der Ausgabepreis liegt damit in der unteren Hälfte der von 37 bis 45 Euro gehenden Preisspanne. Insgesamt seien 25,3 Millionen Aktien angeboten worden, teilte Gerresheimer am Freitag mit. Das Emissionsvolumen liegt einschließlich der Mehrzuteilungsoption bei rund einer Milliarde Euro. Davon sollen der Gesellschaft brutto etwa 456 Millionen Euro zufließen. Damit übertrumpft der Pharma-Zulieferer den bisher größten Börsengang des Jahres von Versatel im April deutlich.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr