Marktbericht 20:02 Uhr

Aussicht auf Zinswende in den USA Versöhnliches Ende einer turbulenten Woche

Stand: 25.09.2015, 20:02 Uhr

Ein deutliches Signal von US-Notenbankchefin Janet Yellen für eine Zinserhöhung in diesem Jahr hat die Anleger am Ende einer vom Abgas-Skandal bei Volkswagen geprägten Woche besänftigt.

Der Dax legte am Freitag um 2,77 Prozent oder 260 Punkte auf 9.689 Zähler zu. Auf Wochensicht steht der deutsche Leitindex aber 2,3 Prozent tiefer. Am Nachmittag kletterten die Kurse sogar auf 9.745 Punkte, gut 320 Zähler über dem Schluss vom Vortag, musste im weiteren Verlauf einen Teil seiner Gewinne aber wieder abgeben. Die Vorzüge von VW beendeten den Handel 4,3 Prozent tiefer und weiteten ihre Verluste nach der Nominierung von Matthias Müller als Nachfolger von Martin Winterkorn ihre Verluste sogar noch aus. Trotzdem hat sich der Leitindex von seinem Jahrestief wieder etwas entfernt, was auf stabilere, vielleicht sogar steigende Kurse in der kommenden Woche hoffen lässt.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Befeuert wird der Dax am Freitag in erster Linie von der Kehrtwende der US-Notenbank Fed. Deren Chefin, Janet Yellen, stellte in einer Rede am Abend doch noch eine Zinserhöhung in diesem Jahr in Aussicht - und sagte damit genau das, was der Markt hören wollte. "Die Anleger betrachten die Bereitschaft zu einer Zinswende als ein Zeichen für das Vertrauen der Geldpolitiker in die Stärke der heimischen Wirtschaft.

Tatsächlich deuten die jüngsten Konjunkturdaten auf eine anhaltend robuste Konjunktur in den Vereinigten Staaten hin. So ist das BIP im zweiten Quartal noch kräftiger gewachsen als erwartet, nämlich um 3,9 Prozent, statt der prognostizierten 3,7 Prozent. Auch hat sich die von der Uni Michigan gemessene Stimmung der Verbraucher weniger stark abgekühlt als befürchtet.

Steigende Kurse auch an der Wall Street

"Der Markt würde die Zinserhöhung freudig begrüßen", betonte ein Aktienhändler. "Es wäre der erste Schritt auf dem Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik." Außerdem könnten dann die endlosen Diskussionen um den Zeitpunkt der Zinswende endlich ad acta gelegt werden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch an der Wall Street kommt die Rede von Janet Yellen gut an. Der Dow Jones-Industrial-Index gewann im frühen Geschäft 1,21 Prozent auf 16.396,91 Punkte. Bei Börsenschluss in Frankfurt am abend kann der Leitindex seine Gewinne etwas ausbauen und notiert 231Punkte (1,4 Prozent) höher bei 16.432.

Euro deutlich schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist wegen der Hinweise auf bald steigende US-Zinsen unter Druck geraten. Der Dollar war deswegen zu vielen Währungen auf dem Vormarsch. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostet die europäische Gemeinschaftswährung 1,1172 Dollar, nachdem es am Donnerstag noch bis zu knapp 1,13 Dollar gewesen waren.

Infineon und Telekom mit guten Aussichten

Bei den Einzelwerten sind Infineon und Deutsche Telekom an die Dax-Spitze geklettert. Die nach dem VW-Abgasskandal zunehmende Fokussierung auf Emissionsverringerungen dürfte die Nachfrage nach Halbleiterprodukten ankurbeln, erwartet Janardan Menon vom Analysehaus Liberum. Zudem könnte auch die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen und Elektroautos steigen, was besonders für den stark auf den Automobilsektor fokussierten Infineon-Konzern positiv sei. Die Telekom-Aktie profitiert von einer Studie von Goldman Sachs. Dessen Analyst Tim Boddy hält einen Kursanstieg auf 18,30 Euro für möglich.

BMW- und Daimler-Anleger atmen auf

Auch die Aktien von BMW und Daimler können einen Teil ihrer gestrigen Verluste wieder wettmachen. Die Zeitschrift "Auto Bild", deren gestriger Vorabbericht über erhöhte Abgaswerte bei BMW-Autos die Aktien der Münchner auf Talfahrt geschickt hatte, stellte heute klar, man verfüge über keine Einzelheiten, die die Überschreitungen erklären könnten. Derweil hat Daimler der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit rechtlichen Schritten gedroht. Das Unternehmen weist die Behauptung der DUH, bei Mercedes-Dieselfahrzeugen womöglich auch die Abgasmessung manipuliert zu haben, auf das Schärfste zurück, erklärte der Autobauer am Freitag.

VW: Warten auf den neuen Chef

Schwächster Wert im Dax mit einem Abschlag von 4,3 Prozent ist dagegen die VW-Aktie. Bis zum Börsenschluss war die Aufsichtsratssitzung noch nicht beendet, wurde also noch kein Nachfolger von dem bisherigen Vorstandschef Winterkorn benannt. Bis dahin gilt der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller als Favorit. Vermutlich werden die Aufseher auch noch eine Reihe anderer Personalentscheidungen treffen.

Nike zieht auch Adidas in Form

Auch Adidas-Aktien sprinten heute davon. Grund sind die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des amerikanischen Konkurrenten Nike. Die Nike-Aktie stieg nachbörslich in New York um acht Prozent. Anleger in Deutschland gehen davon aus, dass auch Adidas gute Geschäftszahlen vorlegen wird.

K+S: Börse spekuliert auf Übernahme

Gut im Rennen liegt zudem die Aktie von K+S. Ein Händler verwies auf einen Bloomberg-Bericht. Demnach hat der Finanzinvestor Acatis Investment seine Beteiligung an dem Dünger- und Salzproduzenten auf 0,45 Prozent aufgestockt. Der geschäftsführende Gesellschafter von Acatis, Hendrik Leber, sehe die K+S-Aktie als unterbewertet an und halte eine erneute Übernahmeofferte des kanadischen Düngerkonzerns Potash für möglich.

Hella leuchtet wieder

Vor einer Woche hat der Autozulieferer Hella die Anleger mit einem gekappten Gewinnziel geschockt. Doch am heutigen Freitag können sich die Aktionäre nicht beschweren: Im stark erholten Branchenumfeld und nach endgültigen Quartalszahlen springen die Titel um 6,65 Prozent in die Höhe. Damit erobert der MDax-Neuling den ersten Platz im Index der mittelgroßen Werte

Erholung auch im SDax

Im SDax legen die Titel von VTG und Ströer kräftig zu. Damit machen die beiden Papiere ihre Vortagesverluste wieder wett. Ströer kündigte an, die Dividende um 50 Prozent auf 60 Cent je Aktie zu erhöhen. Zudem trauen die Analysten von Jefferies der Ströer-Aktie einen Anstieg auf 63 Euro zu. Ströer und VTG gehören in diesem Jahr zu den stärksten Werten im SDax und haben Analysten zufolge ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Blackberry tut sich schwer

Die Trendwende beim Smartphone-Pionier Blackberry lässt trotz höherer Software-Umsätze auf sich warten. Im zweiten Quartal brachen die Erlöse um 46,5 Prozent auf 490 Millionen Dollar ein. Ohne Sonderposten betrug der Verlust 66 Millionen Dollar. Jetzt bringt der Konzern erstmals ein Telefon mit dem Google-Betriebssystem Android heraus.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz