Versöhnlicher Wochenschluss

Stand: 27.04.2012, 20:11 Uhr

Mit soliden Freitagsgewinnen endete eine für die Investoren intensive Handelswoche doch noch rentabel. Sorgen um die Eurozone wurden erstmal ausgeblendet, da eine Italien-Auktion aus Expertensicht passabel verlief.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent bei 6.801,32 Punkten. "Offenbar sind einige während der Korrektur der vergangenen Wochen zu pessimistisch geworden", sagte ein Marktteilnehmer. Diejenigen, die auf weiter fallende Kurse gewettet hätten, müssten sich nun wieder eindecken, um ihre Verluste zu begrenzen.

Auf Wochensicht rückte der Dax um 0,7 Prozent vor. Mit 13,1 Prozent Plus war die Volkswagen-Aktie der Wochensieger. Metro fiel mit minus 5,3 Prozent am weitesten zurück. Der Late-Dax legte 0,8 Prozent auf 6806,26 Punkte zu. Der Dow Jones lag am Abend rund ein halbes Prozent im Plus.

Italienauktion hebt die Stimmung
Zuvor hatte der Dax sogar im Minus gelegen. Eine Auktion fünf- und zehnjähriger italienischer Anleihen wurde am Markt jedoch positiv aufgenommen und hob die Stimmung.

"Gerade vor dem Hintergrund der Herunterstufung Spaniens ist die Auktion ziemlich gut gelaufen", sagte ING-Analyst Alessandro Giansanti. Dass Italien höhere Zinsen zahlen müsse, sei da keine Überraschung, urteilte auch Luca Cazzulani von der UniCredit. Insgesamt sammelte Italien sammelte 5,95 Milliarden Euro ein, geplant waren 3,75 bis 6,25 Milliarden Euro.

Euro im Aufwind
Nicht ganz überzeigend waren Daten aus den USA: Die Konjunktur hat sich im Startquartal 2012 stärker abgeschwächt als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei von Januar bis März annualisiert um 2,2 Prozent gestiegen, teilte das US-Handelsministerium mit. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs um 2,5 Prozent gerechnet.

"Obwohl sich die US-Wirtschaft im ersten Quartal etwas schwächer als erwartet entwickelt hat, wird die Konjunkturhoffnung durch gute Unternehmensergebnisse gespeist." kommentierte Chefhändler Oliver Roth von CB Seydler.

Der Euro erholte sich ebenfalls ab Mittag und stieg bis auf 1,3270 Dollar. Das war der höchste Stand seit Anfang April. Händler taten sich schwer, die starke Erholung des Euro zu erklären. Sie verwiesen zum einen auf die gute Stimmung an den Aktienmärkten, wo robuste Unternehmenszahlen für Auftrieb sorgten. Zudem nannten sie die leicht enttäuschenden US-BIP-Zahlen als Unterstützung.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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64,50
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-3,21%

Deutsche Börse erobert Dax-Spitze
Im Dax gehen Deutsche-Börse-Aktien an trotz mäßiger Zahlen an der Indexspitze aus dem Handel. Ein Händler sagte, die Zahlen seien nur sehr knapp im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Auch mit ihrer Jahresprognose für den Umsatz ziele die Deutsche Börse nun nur noch auf das untere Ende ihrer bisher anvisierten Spanne ab.

Auch HeidelbergCement und Bayer, die heute ihre Hauptversammlung abhalten, lagen vorne. Münchener Rück notierten heute ex Dividende und waren damit nur optisch der größte Verlierer.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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149,30
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Volkswagen bleibt attraktiv
Nach einer Reihe von Kurszielerhöhungen haben Volkswagen ihre Vortagesgewinne ausgebaut. Die Papiere legten in der Spitze auf 142,05 Euro zu. Seit Donnerstag, als das Unternehmen mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg zu Jahresbeginn überrascht hatte, ist der Kurs um gut zwölf Prozent in die Höhe geschossen. Das Quartalsergebnis habe deutlich über den Erwartungen gelegen und die Aktie sei weiterhin attraktiv bewertet, sagte LBBW-Analyst Frank Biller. JP Morgan, UBS und Credit Suisse erhöhten das Kursziel ebenfalls.

BASF setzt weniger um
Die hohen Rohstoffkosten haben den Ludwigshafenern im Auftaktquartal zu schaffen gemacht. BASF verdiente operativ vor Sondereffekten 2,53 Milliarden Euro, 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das war aber mehr, als Analysten prognostiziert hatten. Der Umsatz kletterte um 6,3 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro, netto blieben 2,41 Milliarden Euro übrig. Im laufenden Jahr werden neue Rekordwerte angepeilt. BASF zahlt eine Dividende von 2,50 Euro.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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52,29
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+0,77%

Daimler fällt zurück
Daimler-Aktien blieben trotz guter Zahlen im Minus. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um fünf Prozent auf 2,13 Milliarden Euro zu. Analysten hatten hingegen mit einem leichten Gewinnrückgang gerechnet. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 27 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben 1,4 Milliarden Euro. Der Konzern bestätigte seine Jahresprognose. Absatz und Umsatz sollen neue Rekordwerte erreichen, das Ebit aber wegen hoher Investitionen nur stagnieren.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,47
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Lufthansa greift durch
Die Lufthansa überlegt, die beiden Töchter Eurowings und Germanwings zusammenzulegen, wie ein Sprecher bestätigte. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung schon von umfangreichen Änderungen im Flugbetrieb berichtet. Danach solle es eine neue Billigfluglinie geben, die außerhalb der großen Hub-Flughäfen Frankfurt und München agieren soll. Das Management hat in Reaktion auf den harten Wettbewerb einen strikten Sparkurs angekündigt, der das Unternehmen um 1,5 Milliarden Euro entlasten soll. An der Börse kommen die Pläne gut an, die Aktie drehte nach Auftaktverlusten ins Plus.

Wacker-Papiere beglücken Investoren
Wacker Chemie führten den MDax mit rund neun Prozent Plus an. Händler verwiesen auf positive Aussagen zum Polysilizium-Geschäft. Laut Vorstandschef Rudolf Staudigl ist fast das gesamte Polysilizium von Wacker bis Ende 2015 unter Vertrag und er zeigte sich optimistisch zum weiteren Geschäftsverlauf. Zudem sieht Staudigl gute Perspektiven für die Photovoltaik. Ein Börsianer sagte: "Die Aktie ist so überverkauft, dass sie förmlich nach positiven Aussagen lechzt." Seit dem Zwischenhoch Anfang Februar hat das Papier zeitweise fast 39 Prozent verloren.

Anleger kaufen Software AG
Obwohl die Quartalszahlen der Darmstädter Softwareschmiede im Rahmen der Analystenschätzungen ausfielen, reagierten die Anleger euphorisch. Die Aktie haussierte und stieg über sechs Prozent. Umsatz und Ergebnis fielen wie erwartet leicht zurück. Die Erlöse sanken um sieben Prozent auf 254 Millionen Euro, das Ebit lag bei 54,8 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte aber bereits im Januar angekündigt, dass das Auftaktquartal im Vergleich zum außergewöhnlich guten Vergleichszeitraum des Vorjahres etwas schwächer ausfallen wird.

Rheinmetall überzeugt nicht
Die Rheinmetall-Aktie fiel zurück, denn die Gewinnerwartungen wurden im ersten Quartal deutlich verfehlt. Wegen Problemen in der Rüstungssparte fiel das Ebit deutlich auf 45 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden noch 77 Millionen Euro verdient, erwartet worden waren im Schnitt gut 63 Millionen Euro. Allerdings lag die Latte hoch, denn im Vorjahreszeitraum waren elf Millionen Euro Sondererträge enthalten. Die Jahresprognose bestätigte das Unternehmen trotzdem.

Magix-Aktie knickt ein
Die angespannte Situation auf dem PC-Markt belaste das Geschäft des Konzerns erheblich, meldete das Magix-Management. Als Folge sei der Konzernumsatz von Oktober 2011 bis März 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 14,8 Millionen Euro gefallen. Der Konzern erwirtschaftete ein negatives Halbjahres-EBIT von 200.000 Euro. Im Vorjahr hatte Magix noch ein Ergebnis in Höhe von 3,2 Millionen Euro vorgelegt. Die Aktie sank um mehr als zehn Prozent.

Sanofi verdient deutlich mehr
Der französische Pharmakonzern, der auch im Auswahlindex CAC 40 enthalten ist, hat im ersten Quartal seinen Nettogewinn um 50 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro deutlich gesteigert. Der Umsatz stieg um 9,4 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Die Zahlen lagen damit im Rahmen der Erwartungen. Die Börse muss sich bei Sanofi, zu dem auch die ehemalige Frankfurter Hoechst AG gehört, wegen auslaufender Patente in der Zukunft aber auf Gewinnrückgänge einstellen.

Hoher Ölpreis hilft Total nicht
Der Mineralölkonzern aus Frankreich hat nämlich trotzdem mit gut drei Milliarden Euro ein Prozent weniger verdient. Trotzdem äußerte sich der Konzern zuversichtlich, man sei mit der Gewinnentwicklung zufrieden. Seinen Umsatz steigerte Total im Berichtszeitraum um elf Prozent auf 51 Milliarden Euro. Als Dividende für das erste Quartal zahlt das Unternehmen 0,57 Euro je Aktie aus.

Was Apple kann...
... kann Samsung auch. Der Smartphone-Boom spülte dem Apple-Konkurrenten aus Südkorea im ersten Quartal ebenfalls einen Rekordgewinn in die Kassen. Der Überschuss stieg auf 5,05 Billionen Won (etwa 3,4 Milliarden Euro) nach 2,78 Billionen Won im Vorjahr. Vize-Firmenchef Robert Yi äußerte sich vorsichtig optimistisch. Vor allem Galaxy-Handys sowie Notebooks aus der gleichen Serie waren gefragt. Mit dem Erfolg der Smartphones konnte der Rückgang im Chip-Geschäft kompensiert werden. Samsung gilt als Weltmarktführer bei Speicherchips und LED-Fernsehern.

Ford in Europa schwach
Angesichts einer gesunkenen Nachfrage in Europa hat Ford im abgelaufenen Quartal deutlich weniger Gewinn gemacht als noch vor einem Jahr. Beim US-Autobauer betrug der Nettoerlös in den vergangenen drei Monaten 1,4 Milliarden Dollar, nach 2,6 Milliarden im Vorjahresquartal. Mit einem Gewinn je Aktie von 0,35 Dollar traf der Konzern allerdings exakt die Prognose der Analysten. In Europa wies Ford einen Verlust vor Steuern von 149 Millionen Dollar aus. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen operativen Vorsteuergewinn in etwa auf dem Niveau von 2011.

Ölpreis hilft Chevron
Der US-amerikanische Ölkonzern Chevron hat seinen Gewinn vor allem dank der hohen Ölpreise gesteigert. Unterm Strich stand im ersten Quartal ein Plus von 4 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar. Der höhere Ölpreis glich eine gesunkene Produktion mehr als aus. Der Umsatz lag bei 59 Milliarden Dollar, nach 58 Milliarden im Vorjahr.

Zynga in roten Zahlen
Der Onlinespiele-Spezialist Zynga ("Farmville") ist im vergangenen Quartal wegen höherer Kosten tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter anderem durch die Vergütung mit Aktien und stark gestiegene Entwicklungsausgaben sammelte sich ein Verlust von 85,35 Millionen Dollar an. Vor einem Jahr hatte es noch ein dünnes Plus von 1,34 Millionen Dollar gegeben. Der Umsatz sprang unterdessen um fast ein Drittel auf knapp 321 Millionen Dollar.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr