Marktbericht 20:02 Uhr

Trotz gemischter US-Arbeitsmarktdaten Versöhnlicher Wochenausklang

Stand: 07.02.2014, 20:02 Uhr

In den USA sind im Januar deutlich weniger neue Jobs entstanden als erwartet. Weil die Arbeitslosenquote trotzdem sank, atmeten die Märkte rasch auf und der Dax setzte seine tags zuvor gestartete Erholung fort. Ist die Talfahrt an den Börsen jetzt gestoppt?

Die Gefahr, dass der Dax in den kommenden Tagen doch noch einmal die 9.000 Punkte testet, sei weiterhin gegeben, warnt Jens Klatt von DailyFX. Denn erst mit der Rückkehr der Chinesen nach ihrer freien Woche werde sich zeigen, wie die Erholung zum Ende dieser Woche zu werten ist.

Am Freitag schloss der nach einem nervösen Handelsverlauf knapp ein halbes Prozent (0,49 Prozent) höher bei 9.302 Punkten. Im Wochenverlauf hielt er sich damit nach seiner Berg- und Talfahrt letztlich stabil mit minus 0,05 Prozent. Auch an der Wall Street legen die Kurse zu. Der Dow Jones Index war trotz enttäuschender US-Arbeitsmarktzahlen freundlich in den Handel gestartet und weitete im Handelsverlauf seine Gewinne weiter aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex 0,9 Prozent höher bei 15.769 Punkten.

Tatsächlich ist der Arbeitsplatzaufbau in den USA im Januar deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Statt 185.000 neuen Jobs wurden lediglich 113.000 neue Stellen geschaffen. Grund ist vor allem der heftige Wintereinbruch zu Beginn des Monats. Dennoch ging die Arbeitslosenquote auf 6,6 Prozent zurück und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

Fed steht bereit

Dass die Anleger dennoch nicht in Panik verfielen hat auch mit beruhigenden Aussagen von Richard Fisher zu tun. Der Präsidenten der regionalen Notenbank von Texas und Mitglied im Gouverneursrat der Fed in Washington, sagte die Arbeitsmarktdaten seien durch die heftige Kältewelle im Januar verzerrt. Zudem könne die Notenbank Fed bei Bedarf jederzeit ihre Wertpapierkäufe anpassen, sprich die Drosselung aussetzen, wenn es einen Schock für die Wirtschaft gäbe.

Am Vormittag hatte die Entschdiung des Bundesverfassungsgerichts die Prüfung der umstrittenen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) dem obersten EU-Gerichtshof zu überlassen, die Märkte kurz ins Wanken gebracht. Allerdings gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass wichtige Teile der EZB-Strategie im Kampf gegen die Schuldenkrise von einem Gericht gekippt werden. In vielen europäischen Ländern hat die Klage vor den Karlsruher Richtern ohnehin nur Kopfschütteln ausgelöst, als ob man die Rettung der Eurozone Juristen überlassen könne.

Euro knapp über 1,36 Dollar

Der Euro hat am Freitag stark geschwankt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Krisenmanagement der EZB sowie US-Arbeitsmarktdaten sorgten für heftige Kursbewegung. Am Nachmittag stieg die Gemeinschaftswährung bis auf 1,3642 Dollar und stand damit fast einen Cent höher als am Morgen. Bei Börsenschluss notiert der Euro bei 1,3608 Dollar.

Arcelor befeuert Thyssen

Aktien von ThyssenKrupp haben sich nach zuversichtlichen Aussagen des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal bis an die Dax-Spitze geschoben, nachdem Arcelor einen günstigen Ausblick für das operative Geschäft und den Stahlmarkt gegeben hat. Das vierte Quartal war allerdings erneut von einem Verlust - 1,2 Milliarden Dollar - geprägt. Beim Umsatz erreichte das Unternehmen mit 19,9 Milliarden Dollar ebenfalls nicht ganz die Analystenschätzungen.

Charttechnik hilft Lanxess auf die Sprünge

Angetrieben von einem charttechnischen Ausbruch sind Lanxess-Aktien auf ein Dreimonatshoch gesprungen. Die Aktie sei nach längerem Kampf nun über die 200-Tage-Linie und damit auf ein Drei-Monats-Hoch gesprungen, was Anschlusskäufe auslöse, so ein Kommentar aus dem Handelssaal. Auch ein Kommentar der UBS unterstütze die aktuell positive Stimmung für Lanxess, ergänzte ein weiterer Händler. Die Experten der Schweizer Großbank rechneten mit einer Reduktion der Angebotsüberhänge und damit der Lagerbestände bei Butadienen.

Daimler: Zetsche redet Aktie hoch

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Daimler-Aktie gehört erneut zu den Spitzenwerten im Dax. Nach den überraschend guten Geschäftszahlen vom Donnerstag gab es eine Wortmeldung von Chef Dieter Zetsche, der die Profitabilität von Daimler in China 2014 deutlich erhöhen will. Händler verweisen außerdem auf Medienberichte, wonach Zetsches Vertrag 2015 verlängert werden soll.

Lufthansa hat neuen Chef

Eine ausgemachte Sache ist nun auch die Berufung von Passage-Chef Carsten Spohr auf den Chefposten bei der Lufthansa, die Aktie ist einer der stärksten Werte im Dax.

Hugo Boss enttäuscht

Im MDax ist die Aktie des Modekonzerns Hugo Boss ans Index-Ende gerutscht. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 565 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielt. Vor allem dank eines starken Schlussquartals stieg der Umsatz um vier Prozent auf 2,43 Milliarden Euro. Boss will im laufenden Jahr stärker wachsen als die gesamte Branche, in China schwächt sich laut Vorstand-Chef Claus-Dietrich Lahrs die Kauflaune aber inzwischen etwas ab.

Alles gut bei Villeroy & Boch

Um mehr als vier Prozent aufwärts geht es dagegen mit Villeroy & Boch aus dem SDax. Der saarländische Keramikhersteller Villeroy & Boch blickt nach einem außerodentlich guten Jahr 2013 optimistisch in die Zukunft. Bei nahezu konstantem Umsatz stieg das operative Ergebnis (Ebit) im Geschäftsjahr 2013 um gut fünf Millionen Euro oder 17 Prozent auf 36 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Das Konzernergebnis legte um 63 Prozent auf 24 Millionen Euro zu. Bei Umsatz und operativem Ergebnis peilt das Unternehmen für 2014 eine Steigerung von etwa fünf Prozent an. Die im SDax notierte Aktie legt zu.

Grenkeleasing gefällt

Grenke: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Aktie des ebenfalls im SDax notierten Leasing-Unternehmens Grenkeleasing steigt kräftig. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr den Nettogewinn um elf Prozent auf 47 Millionen Euro gesteigert. Das Zinsergebnis des Leasing-Spezialisten lag um 17 Prozent höher bei 130,5 Millionen Euro. Grenkeleasing will eine Dividende von einem Euro je Aktie ausschütten.

Apple investiert Milliarden in eigene Aktien

Aufwärts geht es auch mit der Apple-Aktie. Der iPhone-Hersteller hat nach eigenen Angaben eigene Aktien im Wert von 14 Milliarden Dollar zurückgekauft. Man sei vom Kursrückgang von acht Prozent nach Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen überrascht gewesen, so Tim Cook am Vorabend. Mit dem Rückkauf will Apple Vertrauen in die eigene Aktie stärken. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Unternehmen damit Anteile im Wert von 40 Milliarden Dollar gekauft.

News Corp und LinkedIn enttäuschen

Weniger gut läuft es für den Medienkonzern News Corp. Der musste im zweiten Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 2,24 Milliarden Dollar hinnehmen. Das operative Ergebnis sank um 13 Prozent auf 255 Millionen Dollar. Und beim Karrierenetzwerk LinkedIn fehlt es an weiterer Wachstumsfantasie. Der Umsatz im Schlussquartal 2013 stieg zwar um die Hälfte auf 447 Millionen Dollar. Die Steigerung der Nutzerzahl im Quartal um 18 Millionen auf nunmehr 277 Millionen konnte aber ebenso wenig mit den Erwartungen des Marktes mithalten wie der Ausblick des Unternehmens.

lg

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