Versöhnlicher Wochenausklang

Stand: 06.11.2009, 20:05 Uhr

Die Verluste der Vorwoche kann der Dax in dieser Woche zwar nicht ausgleichen, doch es reicht für ein kleines Plus von 1,4 Prozent. Dabei kamen die entscheidenden Impulse weniger von der Zahlenflut der Unternehmen als vielmehr von den US-Konjunkturdaten. Die spielten auch heute wieder eine entscheidende Rolle.

In den USA ist die Arbeitslosenquote im Oktober auf 10,2 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren. Eine böse Überraschung, hatten Ökonomen doch mit einer niedrigeren Quote gerechnet. Die Zahlen sind so schlecht, dass die US-Regierung weitere Konjunkturmaßnahmen erwägt. Seine Regierung prüfe Investitionen in die Infrastruktur und eine Steuersenkung für Unternehmen, sagte Präsident Barack Obama.

Kein Wunder also, dass die Anleger zunächst geschockt reagierten und den Dax auf Talfahrt schickten. Die Korrektur dauerte jedoch nur wenige Stunden. bevor der Dax wieder ins Plus drehte. Einige Anleger sind offensichtlich in den Markt wieder eingestiegen. "Der eine oder andere glaubt offenbar an eine Jahresendrally im Dax und hat die Schwäche zum Einstieg genutzt", sagte ein Börsianer. Der Dax beendet schließlich den Abendhandel mit einem hauchdünnen Plus von knapp vier Zählern bei 5.492. Auch der Dow Jones-Index notiert ganz leicht im Plus und schafft es sogar, die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten zu verteidigen.

Für Zuversicht sorgte dagegen der Finanzinvestor Blackstone. "Wir glauben, dass das Schlimmste hinter uns liegt und es viele Investitionschancen gibt", erklärte Blackstone-Chef Stephen Schwarzman am Abend. Insgesamt hat die Beteiligungsgesellschaft, das seit gut zwei Jahren an der Börse notiert ist, 27 Milliarden Dollar in der Tasche für Akquisitionen. Im dritten Quartal hat Blackstone wieder einen Gewinn erwirtschaftet.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,84
Differenz relativ
+2,13%

Daimler wieder gefragt
Aufwärts geht es auch bei Daimler. Erstmals in diesem Jahr haben die Schwaben im Oktober mit 97.700 Fahrzeugen mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Bei der Kernmarke Mercedes-Benz setzte Daimler mit 88 400 Wagen sieben Prozent mehr ab. «Wir werden diesen positiven Trend in den nächsten Monaten fortsetzen und erwarten für das vierte Quartal einen Absatz über dem Niveau des Vorjahres», sagte Vertriebschef Joachim Schmidt Die Aktie gehört heute zu den wenigen Gewinnern.

AIG fasst wieder Tritt
Der massiv vom Staat gestützte US-Versicherer AIG hat auch im vergangenen Vierteljahr wieder einen Gewinn erwirtschaftet, in Höhe von 455 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte AIG im dritten Quartal einen Verlust von 24,4 Milliarden Dollar gemacht und musste von der Fed vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Den Anlegern gefallen die Zahlen von AIG aber nicht. Der Aktienkurs fiel vorbörslich um mehr als zehn Prozent.

BA beflügelt Lufthansa
British Airways (BA) hat im ersten Halbjahr seinen Verlust verfünffacht - und bei den Anlegern dennoch Jubelstimmung ausgelöst. Für die Zukunft erwartet die Airline nämlich eine Besserung, weil unter anderem beim Passagiergeschäft eine Stabilisierung zu erkennen sei. Das genügte, um die Aktie auf Höhenflug zu schicken. Davon profitierten auch die Titel der Lufthansa. Ein Händler verwies zudem darauf, dass eine Reihe von Lufthansa-Managern Aktien gekauft hatte. "Das ist immer ein positives Zeichen."

Deutsche Börse bietet für Warschau
Die Deutsche Börse steigt in das Rennen um die Warschauer Börse ein. Der Börsenbetreiber hat eine verbindliche Offerte für den von Polen feilgebotenen Mehrheitsanteil abgegeben zu haben. Neben den Frankfurtern zählen noch Nyse Euronext und Nasdaq OMX zu Interessenten. Die Bieterfrist läuft am Freitag aus. Zuvor hatte der Quartalsbericht der Deutschen Börse für Enttäuschung gesorgt.

Hannover Rück bleibt vorsichtig
In Aktien will Deutschlands zweitgrößter Rückversicherer Hannover Rück in diesem Jahr nicht mehr investieren. Allerdings erwartet der Konzern, 2009 zum zweiten Mal seit seiner Gründung mehr als 700 Millionen Euro zu verdienen. Ein solcher Wert sei durchaus erreichbar, sagte Finanzvorstand Roland Vogel. Zuletzt hatte der Vorstand für 2009 gut 600 Millionen Euro Gewinn in Aussicht gestellt.

Zapf unter Vorjahr
Der Puppenhersteller geht davon aus, dass 2009 die Konzernerlöse des Vorjahres von 104,4 Millionen Euro nicht erreicht werden. Ein konkretes Umsatz- und Ergebnisziel nannte Brune. 2008 hatte Zapf noch ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 0,9 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch für 2010 rechnet der Puppenhersteller mit einem anhaltend schwierigen Marktumfeld.

Smartrac erfreut
Der Kauf von Millennium Card's Technology, einer Tochter des israelischen Technologiekonzerns OTI, durch den niederländischen Funktechnik-Anbieter Smartrac hat die Anleger begeistert. Die Aktie springt an die Spitze des TecDax.

Deutsche Bank beflügelt Software AG
Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Software AG nach Quartalszahlen von 65 auf 80 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Das Softwareunternehmen habe eine beeindruckende Margenentwicklung gezeigt, die nachhaltig erscheine, schreiben die Analysten der Deutschen Bank. Da auch die Nachfragefrüher als erwartet wieder steige, sei die Grundlage für ein sehr gutes Jahr 2010 gelegt.

Kuka begeistert
Der Roboterbauer Kuka will mit Hilfe einer Kapitalerhöhung knapp 28 Millionen Euro in die Firmenkasse holen. Dafür soll die Hamburger Berenberg-Bank rund 2,7 Millionen Aktien zu einem Preis von je 10,50 Euro in der kommenden Woche bei Investoren platzieren. "Der Emissionserlös dient der Stärkung der Kapitalbasis der Kuka AG", hieß es. Großaktionär Grenzebach will bei der Kapitalerhöhung nicht mitziehen. Er lässt seinen Anteil von bislang gut 29 Prozent auf unter 27 Prozent verwässern. Die Anleger sind begeistert und hieven die Kuka-Aktie zweistellig ins Plus. Zuvor hatte bereits die UBS Kuka von "Sell" auf "Buy" hochgestuft.

MS hilft ProSiebenSat.1
Im MDax hievt ein Analystenkommentar von Morgan Stanley die Vorzugsaktien von ProSiebenSat.1 an die Index-Spitze. Die Analysten hatten das Kursziel von 12,00 auf 12,50 Euro angehoben und verwiesen in einer Kurzstudie auf eine "klare Verbesserung des Ausblicks".

Und wie geht es den Kleinen?
Einige weniger bekannte Unternehmen erfreuen zum Wochenabschluss ihre Aktionäre. Das Software-Unternehmen Nemetschek hat in den ersten drei Quartalen trotz eines Umsatzrückgangs immerhin die Ergebnismarge in etwa halten können. Das chinesisch-deutsche Unternehmen Asian Bamboo hat von Januar bis September seinen bereinigten Gewinn um 34 Prozent auf 19,4 Millionen Euro verbessert. Die Solar-Fabrik AG berichtet von einer stark steigenden Nachfrage nach Solarmodulen und lässt damit die schwachen Neunmonatszahlen vergessen. Auch die Zahlen der PVA TePla AG, einem Hersteller von Vakuum- und Hochtemperatur-Anlagen, kommen recht gut an.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.