Marktbericht 20:02 Uhr

Dax gewinnt 267 Punkte an einem Handelstag Versöhnlicher Ausklang einer Chaoswoche

Stand: 17.10.2014, 20:02 Uhr

Wer hätte das gedacht. Nach seinem spektakulären Absturz am Mittwoch und Donnerstag kommt es am letzten Handelstag der Woche zu einer ebenso unerwarteten wie kräftigen Gegenbewegung.

Dem Dax beschert der Freitag einen versöhnlichen Wochenausklang, klettert der Leitindex doch um 3,12 Prozent oder 267 Punkte auf 8.850 Zählern - das größte Tagesplus seit 18 Monaten. Damit beendet der Leitindex eine dreiwöchige Verlustserie und verzeichnet auf Wochensicht sogar einen kleinen Gewinn von 0,70 Prozent.

Ist die Korrektur damit vorbei? Experten wollen weitere Rückschläge in Richtung der nächsten Unterstützungszone bei 8.000/8.150 Zählern nicht ausschließen, sollten auch die US-Märkte wieder schwächeln. Danach sieht es zumindest am Freitag nicht aus.

Kursgewinne auch in New York

Befeuert wurden die Kurse von überraschend guten Konjunkturdaten aus den USA. Nachdem sich am Donnerstag bereits abgezeichnet hatte, dass das Geschäftsklima in der Region Philadelphia besser ist als befürchtet, kamen am Freitag weitere positive Signale hinzu, zunächst vom Immobilienmarkt. So wurden mehr Bauvorhaben begonnen als erwartet.

Für einen zusätzlichen Kursschub sorgte am Nachmittag der überraschend kräftige Anstieg des US-Verbrauchervertrauens. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima stieg von 84,6 Punkten im Vormonat auf 86,4 Zähler, den höchsten Wert seit sieben Jahren. Der Anstieg habe positiv überrascht und dürfte dafür sorgen, dass die zuletzt aufgekommenen Wachstumssorgen in den Vereinigten Staaten nicht weiter zunehmen, schrieb Analyst Johannes Jander von der Landesbank Helaba.

Folglich ziehen die Kurse an der Wall Street wieder an. Der Dow Jones-Index startet mit einem deutlichen Plus in den Handel und baut seine Gewinne rasch aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der amerikanische Leitindex 1,46 Prozent oder 235 Punkte höher bei 16.355.

Notenbanker helfen

Neben den guten Konjunkturdaten befeuerten auch diverse Aussagen von Notenbankern die Kurse. Bereits am Donnerstag hatte Fed-Mitglied James Bullard den Aktienmärkten mit seinen Aussagen auf die Sprünge geholfen, das Anleihekaufprogramm der Fed müsse nicht zwingend im Oktober enden. Interessant ist das vor allem, weil Bullard bislang als Verfechter einer härteren Linie galt.

Nun stünden wieder Fed-Maßnahmen zur Debatte, einem Überschwappen der Konjunkturschwäche aus der Eurozone vorzubeugen, sagten Händler. Eine Rede von Fed-Chefin Janet Yellen brachte am Freitag keine Bewegung in den Markt. Sie hatte sich nicht wie erhofft zur Geldpolitik oder zur heimischen Wirtschaft geäußert.

Entspannung ist auch auf dem europäischen Anleihemarkt zu spüren. So ist am Freitag die Rendite der zehnjährigen griechischen Papiere von über 9,0 auf 7,8 Prozent gefallen. Die Anleihen anderer südeuropäischer Staaten, allen voran die von Italien, die im Sog der griechischen Titel nachgegeben hatten, gingen am Freitag ebenfalls auf Erholungskurs.

Euro wieder unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1312
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Der Euro gerät bis zum Börsenschluss am Freitag wieder unter Druck und fällt unter die Schwelle von 1,28 Dollar, auf 1,2750 Dollar. Am Vormittag war der Euro noch bis auf 1,2837 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,2823 (Donnerstag: 1,2749) Dollar festgesetzt. Experten erklären die Kursverluste mit den gute US-Konjunkturdaten.

GE und Morgan Stanley machen Hoffnung

Ein gut laufendes Industriegeschäft hat General Electric (GE) auch im dritten Quartal mehr Gewinn eingebracht. Von Juli bis Ende September kletterte der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft um drei Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Der Umsatz verbesserte sich um ein Prozent auf 36,2 Milliarden Dollar, was etwas weniger war als die Analysten im Schnitt erwartet hatten. Beim Gewinn lag GE hingegen über den Erwartungen. Was bei den Anlegern besonders gut ankommt: Im abgelaufenen Quartal stieg das Volumen der Neubestellungen um 22 Prozent. Noch freudiger reagieren die Anleger auf die Quartalszahlen der Wall-Street-Bank Morgan Stanley: Weil der Überschuss um 87 Prozent auf 1,65 Milliarden Dollar zulegte und alle Erwartungen übertraf, zogen die Aktien im vorbörslichen New Yorker Handel um knapp sechs Prozent an.

Fresenius vor Milliardenübernahme?

Dank der Erholung an der Wall Street und besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten machen auch die Aktien der in den USA aktiven Fresenius-Familie einen Freudensprung von über fünf Prozent. Sie sind damit die stärksten Werte im Dax. Zudem gibt es Spekulationen, dass Fresenius an der Übernahme des Geschäfts mit medizinischer Ernährungen des Lebensmittelkonzerns Danone verhandelt. Kaufpreis: zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Eine offizielle Bestaätigung dafür gab es nicht.

Autoaktien holen auf

Überdurchschnittlich zulegen können auch die Autowerte Conti und VW. Auf dem europäischen Automarkt wurden im September mit gut 1,2 Millionen Fahrzeugen 6,4 Prozent mehr als vor einem Jahr zugelassen, wie der Branchenverband Acea am Freitag mitteilte. Damit stieg der Absatz den 13. Monat in Folge. Unter den deutschen Herstellern konnte Volkswagen mit plus 6,7 Prozent am stärksten zulegen. Daimler weitete seinen Absatz um 5,2 Prozent aus. BMW verbuchte dagegen ein Minus von 1,0 Prozent.

Außerdem wurde bekannt, dass das Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen in China 563.600 Autos wegen technischer Probleme zurückrufen muss. Betroffen sind Fahrzeuge des Modells New Sagitar, das Schwestermodell des VW Jetta. Bei den Fahrzeugen könne es zu Problemen mit der Hinterachse kommen. Außerdem werden 17.500 importierte Beetle wegen des gleichen Problems in die Werkstätten gerufen.

RIB Software: Hoffnung auf mehr

Zu den stärksten TecDax-Werten gehören die Papiere von RIB Software. Spekulationen auf eine Prognoseanhebung helfen dem Wert. Händler verwiesen auf ein Gespräch von Finanzvorstand Michael Sauer mit Bloomberg. Darin habe der Manager eine mögliche Prognoseanhebung für 2014 ins Spiel gebracht. Hintergrund sei ein Großauftrag der Deutschen Bahn. RIB hoffe nun auf Folgeaufträge. Kurszuwächse von bis zu 11 Prozent schaffen auch die Papiere von Nemetschek und Bechtle.

Telefonica Deutschland streicht Hunderte Stellen

Nur leicht zulegen können dagegen die Papiere des Mobilfunkanbieters Telefonica Deutschland. Das im TecDax notierte Unternehmen setzt nach der vollständigen Übernahme von E-Plus den Rotstift an. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Unternehmenskreisen erfuhr, sollen in den nächsten Jahren 1.600 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Die Mitarbeiter wurden am Freitag über die Pläne informiert. Derzeit hat das Unternehmen insgesamt 9.100 Stellen. Betroffen von dem Abbau sind unter anderem die Standorte Düsseldorf und München.

Jenoptik weiter auf Talfahrt

Nicht profitieren von der kräftigen Erholung im TecDax können die Aktien von Jenoptik. Die Papiere des Technologiekonzerns verlieren bis zu vier Prozent. Nach einem pessimistischen Geschäftsausblick am Mittwochabend waren die Aktien bereits tags zuvor zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit April 2013 abgesackt, auf den sie nun wieder zulaufen. Der Strom negativer Analystenkommentare reißt nicht ab. Am deutlichsten fiel der Schritt von Commerzbank-Analyst Dennis Schmitt aus, der seine Empfehlung revidierte und die Aktie nun nur noch als Halteposition einstuft.

Rheinmetall: BNP senkt Daumen

Bergab geht es auch mit der Aktie von Rheinmetall. Sie ist der schwächste Wert im MDax, nachdem die französische Investmentbank Exane BNP Paribas den Wert von "Outperform" auf "Neutral" herabgestuft und das Kursziel von 55 auf 39 Euro zurückgenommen hat. Der zuständige Analyst ist wegen der politischen Risiken und der nicht vorhersehbaren Entscheidungen der Bundesregierung zu Rüstungsexporten weniger positiv gestimmt.

TAG kauft sich zurück

Kräftig zulegen können dagegen die Papiere von TAG. Das Immobilienunternehmen kauft eigene Aktien zu je 9,30 Euro zurück. Das MDax-Mitglied hatte im September bekanntgegeben, bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zurückzukaufen. TAG hatte pro Aktie 8,35 bis 9,35 Euro geboten. Offerten, die über dem Rückkaufpreis gelegen hätten, seien von der Gesellschaft nicht angenommen worden.

Freudensprung bei Deutsche Forfait

Mehr als verdoppeln können sich zeitweise die Aktien der Deutschen Forfait AG. Das Unternehmen ist von der Sanktionsliste des amerikanischen Finanzministeriums gestrichen worden. Damit kann das Unternehmen seine Geschäftstätgkeit wieder in vollem Umfang aufnehmen. Allerdings sind durch die Unbrechung des Geschäfts in den vergangenen Monaten Verluste entstanden. Sowohl die Gläubiger als auch die Aktionäre sollen nun offenbar Geld zuschießen.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr