Verschnaufpause zum Wochenstart

Stand: 11.05.2009, 20:02 Uhr

Der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen ist zum Stillstand gekommen. Es sind vor allem die Tricksereien bei den Stresstests amerikanischer Banken sowie Horrormeldungen aus der Stahlbranche, die zu Gewinnmitnahmen führen.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Abschlag von 1,3 Prozent, gut 63 Punkte, bei 4.867. Größter Verlierer sind die Aktien der Commerzbank, die nach den rasanten Kursgewinnen in den letzten Monaten, 6,7 Prozent abgeben. Auch die konjunktursensiblen Werte wie MAN, Metro oder ThyssenKrupp büßen überdurchschnittlich ein.

Auch an der Wall Street überwiegt die Skepsis. der Dow-Jones-Index der Standardwerte rutscht am Abend um 116 Punkte auf 8.457 ab. Grund für die trübe Stimmung ist die Kritik an den Ergebnissen der Stresstests amerikanischer Banken. Tatsächlich soll der Finanzbedarf der 19 untersuchten Geldhäuser deutlich höher liegen als ausgewiesen. Die Ergebnisse seien schön gefärbt, monieren Kritiker. Die Rede ist von einer großen Beruhigungspille für die Märkt.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge haben die US-Banken den zunächst von der Regierung in Washington diagnostizierten Kapitalbedarf heruntergehandelt. Nach Morgan Stanley und Wells Fargo kündigten am Nachmittag auch die Institute U.S. Bancorp, Capital One Financial Corp und BB&T Corp die Ausgabe neuer Aktien an, um sich frisches Kapital zu besorgen.

Auch die optimistischen Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vermochten die Stimmung nicht aufzuhellen. Er sagte, die Weltwirtschaft sei zwar nach wie vor in schwierigem Fahrwasser, ein Wendepunkt in der seit gut zwei Jahren andauernden Krise sei aber erreicht. Die Weltwirtschaft befinde sich in der Nähe des Wendepunktes, einige Länder hätten diesen bereits überschritten, so Trichet. Es gebe inzwischen auch ermutigende Meldungen aus dem Finanzsektor.

GM fordert Geld aus Deutschland
General Motors hat von der Bundesregierung Hilfen für seine deutsche Tochter Opel gefordert. Die deutsche Regierung müsse bei der Finanzierung helfen, erklärte GM-Chef Fritz Henderson am Nachmittag. Das Europageschäft benötige dringend Finanzierungshilfen, fügte er hinzu. Über die Zukunft seiner Europasparte will der Konzern laut Henderson kurz vor Ende des Monats entscheiden.

SAP will unabhängig bleiben
Der Software-Hersteller SAP hat seinen Willen bekräftigt, ein unabhängiges Unternehmen bleiben zu wollen. Die Kunden glaubten, dass es das beste wäre, wenn SAP unabhängig bleibe, sagte Co-Vorstandschef Leo Apotheker am Abend in New York. Apotheker übernimmt im kommenden Monat allein das Ruder bei SAP, dem größten Anbieter für Unternehmens-Software vor dem US-Konzern Oracle . Zuvor hatten an der Börse erneut Gerüchte die Runde gemacht, Microsoft oder IBM könnten sich SAP einverleiben. Die Aktie legt um 2,85 Prozent zu und ist damit der größte Gewinner im Dax.

Commerzbank-Tochter muss sparen
Die Eurohypo gehört noch nicht zu den Instituten auf dem Weg der Besserung. Die Commerzbank-Tochter muss in den nächsten Jahren Kosten sparen und ihr Portfolio der Immobilienfinanzierung deutlich zurückfahren. Ab Ende 2011 sollen rund 110 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Das Portfolio soll bis Ende 2012 von derzeit 79 Milliarden auf rund 60 Milliarden Euro eingedampft werden.

Arcandor stürzen ab
Die Aktie des Handelskonzerns ist mit Abstand der größte Verlierer im MDax. Grund ist die unsichere Finanzlage und Äußerungen der Konzernspitze vom Wochenende, denen zufolge Arcandor den Staat um Garantien bittet. Man wolle einen Antrag in Berlin stellen, so ein Konzernsprecher. Zudem hat Arcandor die Veröffentlichung seiner Quartalszahlen um einige Tage verschoben, was zu einer weiteren Verunsicherung führt. Das Unternehmen braucht bis Mitte Juni rund 900 Millionen Euro.

BMW dementiert
BMW hat einem Bericht des Handelsblatts widersprochen, demzufolge die Gespräche mit Daimler über die Entwicklung gemeinsamer Motoren beendet worden seien. Man spreche weiter mit dem Konkurrenten Daimler, sagte dagegen ein Sprecher von BMW. Dabei gehe es um verschiedene Themenfelder. Aktien der beiden Autokonzerne BMW und Daimler fallen überdurchschnittlich.

Leoni erwartet Belastungen
Auf den Nürnberger Draht-, Kabel- und Bordnetzspezialisten Leoni kommen in diesem Jahr hohe Belastungen zu. "Im ersten Quartal lagen die Belastungen bei fünf Millionen Euro", sagte Finanzvorstand Dieter Belle während einer Telefonkonferenz. "In den Quartalen zwei bis vier wird das mehr werden." Die Firma hat im ersten Quartal einen massiven Umsatzeinbruch erlebt und muss im laufenden Jahr 150 bis 180 Millionen Euro sparen. Wegen der Absatzkrise in der Automobilindustrie bilanzierte Leoni einen Ebit-Verlust von 45,6 Millionen Euro. Die Aktie verliert deutlich.

Hapag Lloyd-Verlauf rettet Tui
Nur dank des Verkaufs der Logistiktochter Hapag-Lloyd konnte das Touristikunternehmen Tui im ersten Quartal einen Gewinn von 415 Millionen Euro verbuchen. Großaktionär Fredriksen, der knapp 17 Prozent der TUI-Anteile hält, ist der Auffassung, dass der Konzern im Zuge des Hapag-Verkaufs Informationspflichten verletzt hat. Die Tui-Aktie gehört zu den größten Verlierern im MDax.

K+S herabgestuft
Aktien des Düngemittelherstellers K+S leiden unter einer Neubewertung durch Morgan Stanley. Die Analysten nahmen die Bewertung mit "Underweight" und einem Kursziel von 40 Euro auf. Auch die UBS beurteilt K+S eher negativ. Die Experten senkten ihr Rating von "Buy" auf "Neutral". Die Aktie verliert etwa 3,5 Prozent. Andere Experten halten die Beurteilung für zu negativ und verwiesen auf einen erwarteten Auftrag aus China.

Intercell hofft auf Impfstoff
Nach 4,2 Millionen Euro Verlust vor einem Jahr bilanzierte das österreichische Biotechunternehmen Intercell im ersten Quartal 8,2 Millionen Euro Miese, der Umsatz schrumpfte von 8,6 auf 5,4 Millionen Euro. Intercell begründete die schwache Bilanz mit gestiegenen Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Die Firma erwartet allerdings deutlich steigende Umsätze. Hoffnungsträger ist ein Impfstoff gegen japanische Enzephalitis. Vor allem deshalb legt die Aktie mehr als zwei Prozent zu.

Epigenomics mit mehr Verlust als Umsatz
Das Biotech-Unternehmen Epigenomics hat im ersten Quartal 1,24 Millionen Euro Umsatz erzielt, knapp ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der operative Verlust sank zwar deutlich, lag aber mit 2,31 Millionen Euro immer noch deutlich über den Erlösen. Das Biotech-Unternehmen konnte einige Erfolge mit Partnern aus der Pharma-Branche melden. So wurde eine Entwicklungspartnerschaft für einen Darmkrebsbluttest mit dem Partner Sysmex unterzeichnet. Ein bestehender Lizenzvertrag mit Quest Diagnostics wurde erweitert.

StatoilHydro leidet unter Ölpreis
Der norwegische Ölkonzern StatoilHydro hat, wie die anderen großen internationalen Ölkonzerne auch, das erste Quartal mit einem kräftigen Gewinnrückgang beendet. Das operative Ergebnis schrumpfte um etwa ein Drittel auf umgerechnet vier Milliarden Euro. StatoilHydro verwies auf den niedrigen Ölpreis und Währungsschwankungen.

L'Oreal gibt sich optimistisch
Der weltgrößte Kosmetikkonzern L'Oreal rechnet damit, dass die Krise keine lang andauernden Folgen für den Kosmetikmarkt haben wird. "Ich mache mir keine großen Sorgen", sagte L'Oreal-Chef Jean-Paul Agon der "FAZ". 2010 soll es wieder aufwärts gehen. Für 2009 sieht der Beiersdorf-Konkurrent zumindest keinen Rückgang des Geschäftes.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen