Verschnaufpause vor dem Verfallstermin

Stand: 17.12.2009, 20:05 Uhr

Durchwachsene US-Konjunkturdaten, unverständliche Aussagen zu neuen Richtlinien für die Banken sowie das Desaster bei der Citigroup haben die Anleger verunsichert. Der Dax beendet den Handel gut ein Prozent tiefer als gestern.

Händler sprechen von einem langweiligen Tag mit so gut wie keinen Unternehmensnachrichten. Nach der Rekordjagd von gestern als der Dax über die Schwelle von 5.900 Punkten geklettert ist, habe er heute eine Verschnaufpause gebraucht. Udo Becker von der Privatbank Merck Finck rechnet aber mit Blick auf das Jahresende mit weiter steigenden Kursen. Am morgigen Freitag dürfte das Handelsgeschehen dann ganz im Zeichen des großen Verfallstages, dem sogenannten Hexensabbat stehen.

Einige Händler rechnen sogar mit einem Sprung des Leitindex über die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Punkten. Wegen der positiven Entwicklung der vergangenen Monate müssten sich die Anleger eindecken, die auf fallende Kurse gewettet hatten.

Steiniger Weg
Heute wurde der Dax vor allem von den schwachen Finanzwerten belastet. Sie müssen einen Großteil ihrer gestrigen Gewinne wieder abgeben. Grund ist die Aussicht auf eine Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften. Auch die misslungene Kapitalerhöhung der Citigroup hat die hiesigen Bankwerte unter Druck gesetzt.

Für Enttäuschung sorgten auch die neuesten amerikanischen Konjunkturdaten. Sie sind zwar besser ausgefallen als erwartet und an der Erholung der amerikanischen Wirtschaft gibt es auch keine Zweifel. Aber der Weg aus der Krise bleibt steinig und langwierig. Das zeigt ein Blick auf die in der letzten Woche wieder gestiegene Zahl der amerikanischen Arbeitslosen.

Kein Wunder also, dass der Dax heute mit Verlusten schließt. Im Abendhandel verliert der Leitindex 1,05 Prozent und fällt auf 5.835. Auch an der New Yorker Wall Street geht es bergab. Bei Handelsschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index gut 100 Punkte niedriger bei 10.334.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,45
Differenz relativ
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Citigroup entpuppt sich als Ladenhüter
Der Verkauf von Citigroup-Anteilen im Wert von fünf Milliarden Dollar ist abgeblasen. Grund ist die Bauchlandung des Instituts bei seiner gigantischen Kapitalerhöhung über insgesamt 20 Milliarden Dollar: Die Bank musste ihre Aktien mit einem unerwartet hohen Rabatt anbieten, um Käufer zu finden. Mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung will die Citigroup Regierungshilfen zurückzahlen, um etwa die strengen Boni-Regeln abzustreifen.

Händler waren entsetzt über das geringe Interesse der Anleger an Citigroup-Papieren und warfen dem Management gravierende Fehler vor. An der Wall Street brachen die Aktien des Konzerns um mehr als sechs Prozent ein.

Commerzbank größter Verlierer im Dax
Gestern noch größter Gewinner, führt die Commerzbank heute die Liste der Verlierer an. Die Aktie schafft es aber, die Marke von sechs Euro zu verteidigen. Grund für dieses Kurs-Jojo sind widersprüchliche Aussagen über die künftige Berechnung des Eigenkapitals der Banken. Klar ist jedoch, dass die Commerzbank im kommenden Jahr frisches Kapital braucht.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,49
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-0,40%

Deutsche Bank bietet für Rohstoffhändler
Die Deutsche Bank will nach einem Pressebericht mit der Übernahme des Rohstoff-Händlers RBS Sempra ihr Investmentbanking ausbauen. Die Frankfurter seien einer der aussichtsreichsten Bieter für die Tochter der angeschlagenen Royal Bank of Scotland, berichtet die «Financial Times» auf ihrer Website. Das Geschäft könnte rund drei Milliarden Dollar schwer werden, hieß es unter Berufung auf Banker. Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte keinen Kommentar dazu abgeben. Die Aktie gibt 2,3 Prozent ab und ist damit drittgrößter Verlierer im Dax.

Fedex-Ausblick enttäuscht
Dem US-Paketdienst Fedex setzt die Wirtschaftskrise offenbar stärker zu gedacht. Zwar konnte sich die Nummer zwei auf dem US-Markt nach UPS im abgeschlossenen zweiten Quartal dank einer anziehenden Nachfrage im Ausland sowie Kosteneinsparungen besser schlagen als von Analysten erwartet. Die Aussichten des Konzerns für das laufende dritte Quartal liegen aber deutlich unter den Markterwartungen. Die Fedex-Aktie verliert am Abend knapp fünf Prozent.

Dax vor neuer Gewichtung
Aktien von Bayer und BASF stehen heute auf der Verliererseite. Grund sind die neuen Index-Gewichtungen der Deutschen Börse zum 21. Dezember. Die endgültige Gewichtung wird zwar erst auf Basis der Xetra-Schlusskurse vom morgigen Freitag ermittelt, doch bereits heute hat die Börse mitgeteilt, dass sich das Gewicht beider Konzerne im Dax um rund 0,17 Prozent verringern dürfte. Dagegen steigt das Gewicht von Eon wieder auf 10 Prozent, von 9,48.

Zum Anpassungstermin findet auch ein Indexwechsel statt: Teleplan wird in das Kleinwertesegment SDax aufgenommen. Die Aktie von MPC verlässt den Index.

Mehr Verlierer als Gewinner im MDax
Auch im MDax haben heute viele der Gewinner von gestern auf die Verliererseite gewechselt. Dazu gehören die Aktien der Aareal Bank, die gestern um mehr als sechs Prozent in die Höhe sprangen. Auch HeidelbergCement müssen ihre Gewinne von gestern wieder abgeben Größter Verlierer sind jedoch Tui mit 4,8 Prozent. Dagegen profitiert die Aktie von EADS von einer Heraufstufung durch Bernstein. Die Analysten sind der Ansicht, dass der Markt für Verkehrsflugzeuge seinen Tiefpunkt erreicht hat und verbesserten ihre Empfehlung von "Market Perform" auf "Outperform". Auch die Papiere des Motorenherstellers Tognum gehören heute zu den größten Gewinnern des Index.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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181,00
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+1,51%

Wirecard wird gelobt
Die Berenberg Bank hat das Kursziel für die Aktien von Wirecard von 10,50 auf 11,50 Euro angehoben und das Kursziel auf "Buy" belassen. Auch die Commerzbank lobt die Aktie des Gewinnspielabwicklers. Die Übernahme des in Singapur ansässigen Online-Zahlungsabwicklers E-Credit Plus unterstreiche die führende Marktposition von Wirecard, schrieb Analyst Lars Dannenberg in einer Studie vom Donnerstag. Auch unter strategischen Gesichtspunkten sei der Deal sinnvoll und stärke die Position des Zahlungsabwicklers in Asien.

Solarwerte auf Talfahrt
Solarwerte hingegen verbuchen hingegen überwiegend Verluste. Und das trotz einer recht guten Umsatzprognose des amerikanischen Solarunternehmens First Solar. Möglicher Belastungsfaktor: Die Amerikaner rechnen immer noch mit einem Überangebot an Solarmodulen.

Stratec ist optimistisch
Die Biotecfirma erwartet in diesem Jahr wie prognostiziert ein Umsatzwachstum zwischen 20 Prozent und 30 Prozent (entspricht 73,2 Millionen Euro bis 79,3 Millionen Euro) sowie einer Ebit-Marge zwischen 18,5 Prozent und 19,5 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2010 erwartet Stratec Umsatzerlöse in einer Bandbreite von 96 Millionen bis 102 Millionen Euro. Vier wesentliche Entwicklungsprogramme sowie der zunehmende Umsatzanteil mit Verbrauchsmaterialien und Ersatzteilen ermöglichen weiteres Wachstum der Ebit-Marge.

Euro weiter runter
Der Kurs des Euro ist deutlich gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4343 (Mittwoch: 1,4560) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6972 (0,6868) Euro. Der Dollar profitiert von den Äußerungen der Fed am Vorabend, die Börsianer als optimistischer aufgefasst hatten. Auch die finanziellen Probleme Griechenlands stellen nach Ansicht der Händler eine Belastung für den Euro dar.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen