Marktbericht 20:15

Dax im Rückwärtsgang Verschnaufpause am Aktienmarkt

Stand: 23.04.2014, 20:15 Uhr

Nach der Rally vom Vortag gibt der Dax einen Teil der Kursgewinne wieder ab. Uneinheitliche Quartalszahlen aus Amerika haben die Anleger wieder auf den Boden zurückgeholt. Trotzdem, die alten Höchststände bleiben in Reichweite.

Am Ende büßte der deutsche Leitindex 0,58 Prozent ein und schloss bei 9.544 Punkten. Damit konnte der Index die Kursmarke von 9.600 Zählern nicht behaupten. Den ganzen Tag über hat der Dax darum gekämpft, konnte aber nur kurz beim Tageshoch von 9.607 Zählern die Nasenspitze über die Marke heben, die er erst gestern zurückerobert hatte.

Vor allem am Nachmittag ging es nach durchwachsenen US-Unternehmens- und Konjunkturdaten abwärts. Trotzdem bleibt das Allzeithoch bei 9.794 Punkten weiter in Reichweite. "Der Dax scheint nach der fulminanten Aufwärtsbewegung vom Vortag nun zunächst Luft holen zu wollen", fasste Analyst Gregor Kuhn von IG Markets die Lage zusammen. Auch nachbörslich gab es keine Trendwende, der L/E-Dax schloss bei 9.549 Punkten.

Sorgen um Frankreich nehmen zu

Auch die positiv ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone sorgten nicht für frische Impulse. Allerdings verstärkten schwache Daten aus Frankreich, Deutschlands größtem Handelspartner, zusammen mit weiter latent militanten Meldungen aus der Ukraine die Sorgen der Anleger.

Das Konjunkturbarometer der französischen Einkaufsmanager für April ging auf 50,5 Stellen von 51,8 Punkten zurück. Angesichts der recht guten Zahlen in den vorangegangenen Monaten seien die aktuellen Daten enttäuschend, sagte Analyst David Madden vom Brokerhaus IG Markets. "Sie zeigen, wie fragil die französische Konjunktur wirklich ist. Die Kluft zwischen Frankreich und Deutschland wächst."

Portugal ist wieder da, russische Anleihen werden verschmäht

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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Börse 20.15 Uhr

Am Anleihemarkt feierte Krisenland Portugal derweil nach drei Jahren am Tropf der internationalen Geldgeber sein Comeback. Zehnjährige Anleihen im Volumen von 750 Millionen Euro wurden zu 3,575 Prozent erfolgreich platziert. Der Zinssatz habe damit so niedrig gelegen wie zuletzt 2006, sagte Filipe Silva von der Banco Carregosa. Russische Staatsanleihen finden derweil keine Abnehmer.

Eine wöchentliche Auktion von auf Rubel lautenden russischen Staatsanleihen mit neunjähriger Laufzeit musste abgebrochen werden, da es keine Gebote zu akzeptablen Preisen gab. Dies teilte das Finanzministerium in Moskau mit. Bereits in den Wochen zuvor hatte Russland erfolglos versucht, sich frisches Geld an den Märkten zu beschaffen. Experten erklärten den aktuellen Fehlschlag mit den Folgen der Ukraine-Krise. "Solange die geopolitischen Risiken bestehen, bleibt die Nachfrage gering", kommentierte Experte Sergey Batasov von der Unicredit.

Wall Street ohne klaren Trend

Die New Yorker Börse steht heute ganz im Zeichen neuer Quartalszahlen, denn gleich mehrere Schwergewichte haben ihre Bücher geöffnet. Aber der Markt zeigt sich nach der durchwachsen ausgefallenen Zahlenflut insgesamt zugeknöpft. Die Standardwerteindizes Dow Jones und S&P 500 verbuchen leichte, die Technologiebörse Nasdaq mäßige Verluste.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.098,73
Differenz relativ
-2,01%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.599,86
Differenz relativ
-1,86%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
6.910,66
Differenz relativ
-2,26%

Die Zahlen solcher Schwergewichte wie AT&T, Boeing, Procter & Gamble oder Dow Chemical boten Licht und Schatten. Während Boeing und Amerikas größtes Chemieunternehmen Dow Chemical überzeugten, wurden die Zahlen vom Konsumgüterriesen Procter & Gamble und AT&T negativ aufgenommen. Beim Telefonriesen enttäuschte nach Händlerangaben vor allem, dass die Schätzung für das Ergebniswachstum nicht angehoben wurde. Das Papier ist aktuell schwächster Wert im Dow Jones. Nach Börsenschluss stehen vor allem mit Facebook und Apple zwei wichtige Trendsetter für die Börse auf der Agenda.

Hinzu kommen noch schwache Konjunkturzahlen. So fiel der Absatz von Eigenheimen im März deutlich schwächer aus als erwartet. Die Zahl sank im März gegenüber dem Vormonat um 14,5 Prozent auf eine Jahresrate von 384.000 Einheiten. Das ist der schwächste Wert seit acht Monaten und der zweite Rückgang in Folge. Experten hatten mit 450.000 Einheiten gerechnet.

Zudem hat sich die Stimmung in der Industrie im April leicht eingetrübt. Der vom privaten Marktforschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel von 55,5 Punkten im Vormonat auf 55,4 Punkte. Hier waren 56,0 Punkte prognostiziert worden.

Euro legt zu

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1306
Differenz relativ
-0,46%

Am Devisenmarkt kann der Euro sein Tageshoch bei 1,3855 Dollar zwar nicht verteidigen, behauptet sich aber nach den Daten der europäischen Einkaufsmanager vom Vormittag auf hohem Niveau und weiter über der Marke von 1,38 Dollar. Vor allem aus Deutschland kamen trotz der Ukraine-Krise überzeugende Daten. "Die Konjunkturerholung in der Eurozone ist in vollem Schwung", kommentierte Experte Marco Valli von der UniCredit.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3834 Dollar fest nach 1,3817 Dollar am Vortag.

Adidas an der Dax-Spitze

Unter den Dax-Werten waren vor allem Adidas gefragt, die 1,12 Prozent zulegten. Allerdings war der Kurs in diesem Quartal bisher kräftig gefallen. Für die Papiere gibt es widersprüchliche Analystenkommentare. Während die US-Großbank JPMorgan jüngst ihr Kursziel von 92 Euro und ihre Kaufempfehlung bestätigte, stuft Warburg Reserarch das Papier auf "Verkaufen" herunter mit einem fairen Wert von nur 68 Euro.

Die Allianz-Aktie gab den Großteil ihrer Gewinne wieder ab und schloss nur leicht im Plus. Zuvor konnte das Papier von einer Hochstufung durch Equinet von "Hold" auf "Accumulate" profitieren, das Kursziel wurde von 130 auf 140 Euro angehoben. Die Aktien seien attraktiv bewertet, hieß es. Auch K+S und Commerzbank waren gesucht. Größte Verlierer waren zyklische Aktien wie Autowerte, aber auch Siemens.

Negatives Signal von Amgen

Ein Dämpfer für die zuletzt so prächtige Stimmung im Pharma-Sektor kam jedoch am Dienstagabend nach US-Börsenschluss. Der weltgrößte Biotechkonzern Amgen musste im ersten Quartal einen Gewinneinbruch von 25 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Dollar verschmerzen. Die Aktie liegt aktuell an der Nasdaq deutlich im Minus.

Auch die im TecDax notierte Morphosys-Aktie gab nach, BB Biotech hielten sich hingegen. Im Dax behaupten sich Bayer und Merck etwas besser als der Gesamtmarkt.

Bayer träumt von "Big in Japan"

Bayer machte überdies mit dieser Meldung auf sich aufmerksam: Der Arzneimittelhersteller will sein Geschäft im weltweit zweitgrößten Pharmamarkt Japan ausbauen und hat dort eine weitere Zulassung für sein neues Mittel Adempas gegen Lungenhochdruck beantragt. Bayer traut dem Präparat weltweite Jahresumsätze von mehr als 500 Millionen Euro in der Spitze zu.

Deutsche Börse kauft in Irland zu

Der Börsenbetreiber aus dem Dax baut das Geschäft seiner Tochter Clearstream aus. Für einen nicht genannten, zweistelligen mittleren Millionenbetrag kaufen die Frankfurter dem irischen Finanzdienstleister Citco sein Verwahrgeschäft für Hedgefonds ab. Clearstream gilt innerhalb des Konzerns derzeit als größter Wachstumsbereich. Börsenchef Reto Francioni will die Abhängigkeit des Unternehmens vom Börsenhandel reduzieren.

Aixtron und Osram leiden

Im TecDax blieben Papiere von Aixtron bis zum Schluss unter Druck und gehörten zu den größten Tagesverlierern. Der US-Leuchtdiodenhersteller Cree hatte zuvor mit seinem Quartalszahlen und dem schwachen Ausblick negative Impulse für die Lichtbranche ausgesendet. Diesem Sog konnten sich auch Aktien von Osram im MDax nicht entziehen, sie hatten bereits am Vortag deutlich unter den schwachen Zahlen von Philips in der Lichtsparte gelitten.

Talanx-Aktie jetzt auch in Warschau gelistet

Talanx: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,86
Differenz relativ
-0,86%

Talanx-Chef Herbert Haas kündigte anlässlich der Aufnahme des Handels an der polnischen Börse an, weiter wachsen zu wollen. In Polen, wo zuletzt die beiden Gesellschaften Warta und TU Europa übernommen worden waren, erwartet er ein "solides einstelliges Wachstum".

Zukünfig will Talanx in jedem Land, in dem man vertreten sei, mindestens die Nummer fünf werden, erklärte Haas. In Polen ist man, gemessen an den Prämien, bereits die Nummer zwei. Zukünftig will Haas in Mexiko und der Türkei den Marktanteil ausbauen. In Brasilien sei man Nummer sechs. Die Investoren zeigten sich jedoch unbeeindruckt, die Aktie verlor ein halbes Prozent.

Catoil weiter im Rally-Modus

Im SDax zog die Catoil-Aktie nach Quartalszahlen an, konnte ihr Tageshoch am Ende aber nicht behaupten. Die österreichische Ölbohrfirma Firma, deren Aktien aber in Deutschland notiert sind, hat mit dem Zahlenwerk für das abgelaufenen Geschäftsjahr 2013 die Analystenprognose von 45 Millionen Euro klar übertroffen.

Grenkeleasing auf gutem Weg

Auch die Aktie von Grenkeleasing gehörte nach vorläufigen Quartalszahlen zu den großen Gewinnern im SDax. Der Leasingspezialist sei auf einem guten Weg zu den bestätigten Jahreszielen, kommentierte die Commerzbank. Grenkeleasing hat seinen Überschuss im Vergleich zum Vorjahresquartal um 26 Prozent auf rund 14,5 Millionen Euro steigern können.

Air Berlin extrem volatil

Im Kleinwerteindex waren Air Berlin im Blick, die lange Zeit kräftig zwischen einem Plus von sieben bis neun Prozent schwankten. Am Ende legte die Aktie aber nur gut zwei Prozent zu. Börsianer fanden keine Erklärung für die anfängliche Rally, allerdings hatte das Papier zuletzt stark verloren.

Aktuell droht die angedachte Zusammenarbeit zwischen Großaktionär Etihad und der maroden italienischen Alitalia zu scheitern. Darüber berichtet die italienische Presse. Die solvente Fluglinie vom Golf kauft sich bei bedrängten Konkurrenten ein, um deren Streckennetz zu übernehmen und damit weiter zu wachsen.

GSW-Aktionäre müssen sich bescheiden

Die noch acht Prozent freien Aktionäre von GSW sollen nach einer am Mittwoch bekannt gegebenen Einigung beider Gesellschaften 2,33 Deutsche Wohnen-Aktien und eine Garantiedividende von 1,40 Euro erhalten. Das Angebot liegt damit unter dem vom Herbst, als 2,55 Deutsche-Wohnen-Aktien geboten worden waren. Die GSW-Aktie legte zu.

Ericsson muss Federn lassen

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Ericsson hat wegen eines schwachen Geschäfts in Nordamerika und Japan im ersten Quartal einen Dämpfer erhalten. Dass der Nettoüberschuss nach Minderheiten um gut drei Viertel auf 2,1 Milliarden Kronen sprang, ist vor allem Sondereffekten geschuldet. Ericsson-Aktien kamen kräftig unter Druck. Auch die Papiere des Konkurrenten Nokia, der am 29. April seine Zahlen präsentieren wird, gaben nach.

Michelin bekommt den starken Euro zu spüren

Der französische Reifenhersteller und Continental-Konkurrent Michelin hat im ersten Quartal wegen der Stärke der Gemeinschaftswährung weniger umgesetzt. Nach Börsenschluss berichteten die Franzosen über einen um 2,4 Prozent auf 4,76 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz.

Operativ lief es aber nicht schlecht, die Zahl der verkauften Reifen stieg um 3,4 Prozent und ohne die negativen Währungseffekte wären die Erlöse um 2,2 Prozent gestiegen. Außer in Osteuropa habe sich die Lage überall verbessert, hieß es. Man rechne weiter mit einem Absatzplus von drei Prozent in diesem Jahr.

Schoeller-Bleckmann kauft eigene Aktien zurück

Der österreichische Ölfeldausrüster will ab dem 30. April bis zum 21. Oktober 2016 bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen. Kurz nach der heutigen Hauptversammlung teilte das Unternehmen mit, von einer entsprechenden Ermächtigung Gebrauch machen zu wollen. Mit den Papieren können Beteiligungsprogramme für Mitarbeiter oder andere Beteiligungskäufe finanziert werden.

rm

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr