Verschnaufpause

Lothar Gries

Stand: 21.04.2008, 20:01 Uhr

Enttäuschende Quartalszahlen aus den USA und extrem niedrige Umsätze haben heute die Märkte ins Minus gedrückt. Wie es in den nächsten Tagen weitergeht hängt erneut von Amerika ab.

Der Dax verringerte im Abendhandel seine Verluste auf nur noch 46 Punkte auf 6797 Zähler. Im elektronischen Handel waren es noch 56 Punkte weniger. Im Laufe des Nachmittags rutschte der Index zeitweise noch tiefer ins Minus, bei allerings extrem niedrigen Umsätzen. Auch an der New Yorker Wall Street gaben die Aktien etwas nach.

Für Verstimmung sorgten vor allem die enttäuschenden Quartalszahlen der Bank of America. Der Gewinn ist in diesem Zeitraum um mehr als 75 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar eingebrochen. Analysten hatten ein deutlich besseres Ergebnis erwartet. In der Folge verloren auch die Finanztitel an den europäischen Märkten. Im Dax büßte Schwergewicht Allianz mehr als zwei Prozent ein und zog damit den gesamten Index nach unten. Im MDax gerieten die Papiere der Aareal Bank unter Druck. Kräftig abgeben mussten auch die Aktien von Daimler und vor allem Infineon.

Größter Gewinner sind die Aktien des Pharmakonzerns Merck. Sie steigen um 1,8 Prozent, nachdem eine positive Studie über das Krebsmittel Erbitux bekannt wurde. Danach soll das Medikament die Überlebensszeit von Lungenkrebspatienten verlängern.

In der zweiten Reihe musste vor allem die Aktie des angeschlagenen Flugzeugmotorenbauers Thielert einen Kurseinbruch von über zwölf Prozent verbuchen. Auch die im TexDax notierten Papiere von Freenet verlieren trotz Meldungen über eine angebliche Einigung bei der Übernahme von Debitel kräftig.

Ölpreis mit neuem Rekord

Der Ölpreis ist zum Wochenbeginn erneut auf einen Rekordstand gestiegen. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI kletterte am Montag auf bis zu 117,40 Dollar. Händler führten den jüngsten Preisanstieg auf Befürchtungen zurück, dass es in wichtigen Förderländern zu Lieferengpässen kommt.

Siemens-Vorstand optimistisch
Siemens-Vorstand Heinrich Hiesinger sieht den von ihm betreuten Industrie-Sektor trotz der Finanzmarktkrise auf Kurs. «Wir sehen keinerlei Abschwächung im Auftragseingang», sagte Hiesinger am Abend auf der Hannover Messe. «Es läuft rund.» Hiesingers Sektor Industrie steht mit einem Umsatz von 40 Milliarden Euro für die Hälfte des Siemens-Geschäfts

RWE zeitweilig auf Jahrestief
Die Aktien des Versorgers sind heute zeitweilig über 1,2 Prozent auf ein neues Jahrestief von 73,64 Euro gefallen. "Da wirkt nach, dass RWE an British Energy interessiert sein soll und es einen Bieterkampf geben könnte. Da werden die Aktien erst mal gemieden", sagte ein Händler. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen sieben Unternehmen an British Energy interessiert sein. Auch Eon gaben 0,9 Prozent ab. Seit Jahresbeginn sind die RWE-Papiere 22,3 Prozent gefallen.

Oracle prozessiert weiter gegen SAP
Der US-Softwarekonzern Oracle hat seine Klage gegen den deutschen Konkurrenten SAP ausgeweitet. Oracle wirft SAP in einer erneuerten Klageschrift weitere Patentrechtsverletzungen vor. SAP hatte bereits teilweise eingeräumt, dass die Tochtergesellschaft Tomorrow Now mehrfach verbotenerweise Oracle-Supportdaten heruntergeladen zu haben. Oracle wirft SAP nun vor, diese Downloads seien nur ein Teil eines "illegalen Geschäftsmodells" bei Tomorrow Now. Die SAP-Aktie verliert 0,7 Prozent.

Tui will sich rasch von Hapag Lloyd trennen
Der Reise- und Schifffahrtskonzern TUI will den Verkauf seiner Tochter Hapag-Lloyd möglichst schnell über die Bühne bringen. Ende Mai oder Anfang Juni werde das Unternehmen Kontakt zu Interessenten aufnehmen, erklärte der TUI-Vorstand am Montag in einem offenen Brief an die Aktionäre. TUI-Vorstandschef Michael Frenzel will sich persönlich um die Abspaltung kümmern. Diese habe "höchste Priorität". Als Berater hat sich TUI die Deutsche Bank, Citigroup und Greenhill an Bord geholt. Der Reise- und Schifffahrtskonzern TUI will seine Tochter Hapag-Lloyd möglichst schnell verkaufen. Ende Mai oder Anfang Juni werde Tui mit Interessenten Kontakt aufnehmen. Vorstandschef Michael Frenzel werde sich persönlich um die Angelegenheit kümmern, erklärte der TUI-Vorstand in einem offenen Brief an die Aktionäre. Die Aktie notiert leicht im Minus.

Karstadt-Schwäche drückt Arcandor
Die Warenhauskette Karstadt hat angeblich ihre Gewinnziele verfehlt. Der Spiegel berichtet, dass die zum MDax-Konzern Arcandor gehörende Kette nicht den angepeilten Gewinn von 148 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr erreichen werde. Vielmehr seien nun von 110 Millionen Euro die Rede. Arcandor teilte am Morgen mit, dass alle drei Geschäftsbereiche "gut" und zum Teil über Plan liefen. Die Aktie verliert mehr als 1,7 Prozent.

MTU bekommt Millionenaufträge
Der im MDax notierte Triebwerkhersteller MTU Aero Engines hat für April frische Aufträge im Wert von 117 Millionen Euro bekannt gegeben. Mehrere Fluglinien hätten beim Triebwerkskonsortium International Aero Engines insgesamt 218 Triebwerke des Typs V2500 für Flugzeuge des Typs Airbus A-320 bestellt, teilte MTU mit. Der Konzern ist mit 11 Prozent am V2500 beteiligt. Die Aktie verliert trotz des Auftrages 1,2 Prozent.

QSC an TecDax-Spitze
Die Aktien des im TecDax notierten Breitbandanbieters QSC legen um mehr als 15 Prozent zu. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte QSC-Finanzvorstand Markus Metyas gesagt, der Konzern liege dank der Entwicklung im ersten Quartal für 2008 bereits deutlich über Plan. Die Ziele für 2008 seien aber auch sehr vorsichtig gewesen.

Zoff um Debitel
Der Internetdienstleister Freenet hat die schnelle Übernahme des Konkurrenten Debitel gefordert. Der Freenet-Aufsichtsrat habe den Vorstand gebeten, die offenen Punkte bezüglich des Debitel-Kaufs zu klären, damit der Aufsichtsrat darüber entscheiden könne. Meldungen, denen zufolge die Übernahme bereits in trockenen Tüchern sei, wurden nicht bestätigt. Die Aktie verliert über sechs Prozent.

Börsengang von Media Markt vertagt
Der Handelskonzern Metro hat einem schnellen Börsengang seiner Elektronikmärkte Media Markt und Saturn eine Absage erteilt. Der IPO müsse nicht unbedingt innerhalb der kommenden zwei, drei Jahre erfolgen, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes der Financial Times Deutschland. Der Börsengang könne aber den strategischen Spielraum für die grenzüberschreitende Konsolidierung schaffen. Es gebe jedoch derzeit keinen akuten Druck, Wettbewerber zu übernehmen, sagte Cordes weiter. Die Dax-Aktie fällt um 0,5 Prozent.

Fresenius kauft in Indien zu
Der Gesundheitskonzern Fresenius verstärkt sich durch die Millionenübernahme des indischen Arzneimittelherstellers Dabur Pharma im Geschäft mit intravenös verabreichten Medikamenten. Fresenius übernehme über die Tochter Fresenius Kabi die Mehrheit an Dabur Pharma, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Die Aktie verliert.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier