Marktbericht 20:02

Milliardenverlust der Deutschen Bank belastet Verpatzter Wochenstart

Stand: 20.01.2014, 20:02 Uhr

Eine enttäuschende Jahresbilanz der Deutschen Bank und schwache Konjunkturdaten aus China haben dem deutschen Aktienmarkt den Start in die Woche vermiest. Vor allem bei den Finanzwerten gab es am Montag deutliche Verluste.

Der Dax kann seine anfänglichen Verluste von gut einem halben Prozent auf 9.672 Punkte bis zum Handelsschluss aber teilweise wieder wettmachen und schließt bei 9.716 Punkten, 27 Zähler oder 0,3 Prozent weniger als am Freitag.

Insgesamt verlief der Handel äußerst ruhig, weil in den USA die Börse wegen des Martin Luther King Days geschlossen blieb und auch von Unternehmensseite - mit Ausnahme der Deutschen Bank - keine neuen Zahlen vorgelegt wurden.

Positive Überraschungen erwartet

Die Anleger suchten aktuell nach einer Bestätigung des Laufs in Richtung 10.000 Punkte, meint Jens Klatt vom Broker FXCM. Bleibe diese in Form einer voranschreitenden Erholung an der Konjunkturfront und zudem steigender Unternehmensgewinne aus, dann komme es schnell zu Gewinnmitnahmen.

Christian Henke vom Broker IG zeigt sich dennoch optimistisch für die weitere Entwicklung im Dax. Wegen der enormen Liquidität am Markt herrsche weiter ein "Anlagenotstand" bei den Investoren. Marktteilnehmer suchten nach den Rekorden der jüngsten Zeit nach Gründen für eine Korrektur - die dann aber wiederum für einen Einstieg genutzt würden, sagte Marktstratege Christian Henke vom Broker IG.

Trotz enttäuschender Geschäftszahlen einiger großer europäischer Firmen wie Deutsche Bank oder Royal Dutch Shell erwarten die Analysten von Goldman Sachs für die Bilanzsaison insgesamt eher positive Überraschungen. "Ein Großteil davon geht darauf zurück, dass die Markterwartungen an die Ergebnisse deutlich gesenkt wurden, während das konjunkturelle Umfeld weitgehend unverändert geblieben ist."

Einen solchen Grund habe die Deutsche Bank mit ihren Zahlen geboten. Zudem enttäuschte die chinesische Konjunktur: Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um 7,7 Prozent - das war das zweite Jahr in Folge so langsam wie Ende der 90er Jahre.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1456
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Der Kurs des Euro hat sich am Montag unter der Marke von 1,36 Dollar festgesetzt. Der Handel verlief ruhig - in den USA blieben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen und in der Eurozone wurden keine wichtigen Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Am Nachmittag stand die Gemeinschaftswährung wenig verändert bei 1,3561 Dollar.

Ernüchterung im Bankenviertel

Größter Belastungsfaktor im Dax ist am Montag allerdings der überraschende verkündete Milliardenverlust der Deutschen Bank im vergangenen Jahr. Laut Händlern entpuppen sich vor allem die Aussagen mit Blick auf das laufende Jahr als "Problem": "Wir erwarten, dass 2014 ein Jahr mit weiteren Herausforderungen und ihrer disziplinierten Bewältigung sein wird", warnten die Co-Chefs Jain und Fitschen. "Wir sind jedoch zuversichtlich, unsere für 2015 gesetzten Ziele zu erreichen." Derweil halten viele Analysten der Deutschen Bank die Stange.

Die Papiere des deutschen Branchenprimus rutschen um 5,4 Prozent ab und sind damit der mit Abstand schwächste Wert im Dax. In ihrem Fahrwasser geht es auch für Commerzbank-Aktien steil nach unten. Ein Händler sagte, dass auch bei der Commerzbank Sorgen vor einer überraschend frühen Vorlage der Zahlen die Runde machten. Im MDax gehört die Aktie der Aareal Bank zu den schächsten Werten.

Lanxess mit Analysten-Malus

Zu den großen Verlierern im Dax zählen auch Aktien von Lanxess. Die Investmentbank Nomura hatte den Titel in einer Chemie-Branchenstudie auf "Reduce" herabgestuft. Für K+S ist Nomura-Analyst Patrick Lambert indes positiver gestimmt: Er stufte Papiere des Düngemittelhersteller auf "Neutral" hoch. Der K+S-Aktie hilft das nur kurzzeitig.

Defensiv ist Trumpf

Am Markt sind vor allem defensive Titel gefragt, allen voran die Fresenius-Familie. Besser als der Markt waren auch die Aktien von Eon und der Deutschen Telekom. Nach Presseinformationen verhandeln die Bonner mit dem japanischen Kommunikationskonzern Softbank über einen Verkauf der Tochter T-Mobile US.

Bayer macht mit Algeta ernst

Auch Bayer gehört zu den Gewinnern. Das Unternehmen hat die milliardenschwere Übernahmeofferte für die norwegische Pharmafirma Algeta offiziell auf den Weg gebracht. Die Aktionäre des Krebsspezialisten haben nun vom 20. Januar bis zum 24. Februar um 9.00 Uhr Zeit, das Angebot von 362 Kronen je Aktie (rund 43,40 Euro) in bar anzunehmen.

Elliott stockt bei Celesio auf

Der amerikanische Hedgefonds Elliott hat seine Beteiligung am Pharmahändler Celesio trotz dessen gescheiterter Übernahme weiter aufgestockt. Die US-Beteiligungsgesellschaft hält inzwischen allein in Aktien 24,08 Prozent an Celesio, wie aus Stimmrechtsmitteilungen des Stuttgarter Unternehmens am Montag hervorgeht. Zuletzt hatte Elliott demnach weniger als 20 Prozent der Aktien gehalten. Dazu kommen nun Wandelanleihen, die Elliott weitere 7,93 Prozent der Anteile an Celesio sichern könnten. Bislang hatten die Amerikaner inklusive Wandelanleihen 22,7 Prozent an Celesio gehalten.

ElringKlinger verfehlt Gewinnziel

Der Autozulieferer ElringKlinger aus dem MDax hat im vergangenen Jahr seine Gewinnziele verfehlt. 2014 werde der Umsatz unter Ausklammerung von Währungseffekten um fünf bis sieben Prozent zulegen, teilte das Unternehmen am Montagabend mit.

Metro-AR stützt IPO-Pläne in Russland

Der Aufsichtsrat des Handelskonzerns Metro stimmte am Montag den Plänen zu, das russische Großhandelsgeschäft noch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an die Börse zu bringen. Die Metro plant nach eigenen Angaben, bis zu 25 Prozent der Anteile an der Londoner Börse zu platzieren. Mit einem Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro und rund 70 Standorten ist Metro Cash & Carry Russland mittlerweile zu einem der größten Wachstumstreiber innerhalb der Metro Group avanciert. Die Aktie kann davon aber letztlich nicht profitieren.

Wincor Nixdorf am MDax-Ende

Schwächster Wert im MDax sind die Papiere von Wincor Nixdorf. Dabei war die Aktie am Morgen auf 55,58 Euro geklettert, den höchsten Stand seit Mai 2011. Der Geldautomatenhersteller hat trotz Umsatzeinbußen zu Beginn seines Bilanzjahres 2013/14 mehr verdient. "Wincor Nixdorf bleibt in der Spur", urteilte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einem Kommentar.

Nordex verliert Rückenwind

Im TecDax ist die Nordex-Aktie bis zum Handelsende der größte Verlierer. Der mit dem November-Hoch (14,42 Euro) eingeleitete Abwärtstrend wird damit konsequent fortgeschrieben. Händler begründeten dies mit den Ökostrom-Plänen des neuen Bundeswirtschafts- und Energieministers Sigmar Gabriel.

Jefferies beflügelt Dialog

Dagegen steht die Aktie von Dialog Semiconductor weit oben auf den Kauflisten der TecDax-Anleger. Die amerikanische Bank Jefferies hat das Kursziel auf 19,35 Euro angehoben. Zudem gab Dialog eine Kooperation mit Qualcomm bekannt. Ziel ist es, die Akkuladegeschwindigkeit von Smartphones zu verbessern.

SMA Solar bekräftigt Umsatz-Ausblick

Ins Minus gedreht ist die SMA-Solar-Aktie. Auf einem Investorentag bestätigte der Solar-Zulieferer den Umsatzausblick für 2014: Man rechne weiterhin mit Erlösen von 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro. Seine anfänglichen Kursgewinne muss die SMA-Aktie bis zum Nachmittag aber wieder abgeben.

Bilfinger punktet mit Stellenstreichungen

Zu den stärksten Werten im MDax gehjört dagegen Bilfinger. Der Industriedienstleister und Baukonzern streicht bundesweit rund 800 Verwaltungsstellen. Allein in München sollen etwa 250 Stellen wegfallen, so Bilfinger-Chef Roland Koch. Damit konkretisierte er seine im September angekündigten Sparziele.

Peugeot weiter auf Abwegen

Aktien von Peugeot PSA Citroen sind am Montag massiv unter Druck geraten. Der strauchelnde französische Autobauer hat 2013 in Europa so wenig Autos verkauft wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Absatz brach um 7,3 Prozent ein auf 1,63 Millionen Wagen. Zudem steht der Konzern vor einer Kapitalerhöhung, die auch einen Eintritt des franzsösischen Staates zur Folge haben dürfte.

Anheuser-Busch und der Bierdurst der Asiaten

Auch dieser ausländische Titel sollte im Auge behalten werden: Anheuser-Busch Inbev. Der weltweit führende Brauerei-Konzern kauft den südkoreanischen Konzern Oriental Brewery von den Finanzinvestoren Affinity Equity Partners und KKR zurück und baut damit seine Position auf dem stark wachsenden asiatischen Markt aus. Der Kauf hat einschließlich Schulden ein Volumen von 5,8 Milliarden Dollar.

lg

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"