Verpatzter Wochenstart

Stand: 30.08.2010, 20:03 Uhr

Das gute Kursplus der Wall Street am vergangenen Freitag hat den Dax am Montag nur kurzzeitig beflügelt. Trotz guter amerikanischer Konjunkturzahlen übernahmen die Pessimisten am Nachmittag das Ruder und sorgten für Kursverluste.

0,7 Prozent verlor der Dax am Montag und schaffte es nur mit Mühe, die Marke von 5.900 Punkten zu halten. Am Morgen noch hatte dem Leitindex nur noch knapp 25 Punkte zur 6.000-Punktemarke gefehlt, bis wieder einmal die schwache Kursentwicklung an der Wall Street jede Erholungstendenz zunichte machte.

Dabei hätten die Anleger in New York durchaus Anlass zu frischem Optimismus gehabt. Nicht nur hatte der amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke am Freitag erklärt, die Notenbank werde auch weiterhin alles unternehmen, um die Wirtschaft zu stützen. Auch die Konsumausgaben stiegen im Juli um unerwartet kräftige 0,4 Prozent. Dennoch verliert der Dow Jones mehr als ein halbes Prozent. Händler sagten, erst müsse es positive Signale vom amerikanischen Arbeitsmarkt geben, bevor der Binnenkonsum sich nachhaltig erhole. Außerdem waren die zeitgleich mit den Konsumdaten veröffentlichten Einkommenszahlen etwas schlechter als erwartet.

Der TecDax immerhin schloss mehr als ein Prozent fester. Dies hatte er vor allem dem klaren Kursgewinn bei Smartrac zu verdanken, dem Spezialisten für kabellose Funktechnik. Die amerikanische Investmentfirma One Rquity will Smartrac für 20 Euro je Aktie übernehmen, dieses Angebot hatte einen Kursanstieg von 16,6 Prozent zur Folge.

Defensives oben, Versorger hielten sich
Im Dax tendierten an diesem schwachen Montag vor allem die konjunkturfesten defensiven Werte stabil, während die zyklischen Aktien teilweise deutlich verloren. Die Papiere der Versorger Eon und RWE schnitten beide recht passabel ab. Hier wurde ein Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Begründung genannt. Sie hatte sich für eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke von 10 bis 15 Jahren ausgesprochen.

Neues von der Übernahmefront
Neben dem Kaufangebot für Smartrac gab es auch an diesem Montag reichlich Nachrichten aus dem globalen Übernahmezirkus. Im Dax verkaufte Infineon wie erwartet seine Handychipsparte an den amerikanischen Konzern Intel. Die Aktie schloss deutlich schwächer, weil Analysten beim Kaufpreis (1,4 Milliarden Dollar) mit mehr gerechnet hatten.

Weitere Milliardenübernahmen respektive -angebote gab es in Frankreich und Südkorea. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventi legte am Sonntag ein 18,5 Milliarden Dollar schweres Kaufangebot für den amerikanischen Biotechnologiekonzern Genzyme vor. Eine erfolgreiche Übernahme meldete der südkoreanische Stahlproduzent Posco, immerhin der drittgrößte Stahlhersteller der Welt. Für umgerechnet 2,2 Milliarden Euro habe man sich die Mehrheit am heimischen Handelsunternehmen Daewoo International gesichert, teilte Posco mit.

Mordaschow will mehr Tui
Die Tui-Aktie im MDax setzte sich mit einem Kursgewinn von 5,1 Prozent an die Index-Spitze. Anleger reagierten auf die Nachricht, dass die S-Group Travel Holding ihren Anteil an Tui aufstocken will. Die Holding, die dem russischen Oligarchen Alexej Mordaschow gehört, will ihren Tui-Besitz auf über 25 Prozent ausbauen. Damit hat Mordaschow die Sperrminorität im Blick.

Hochtief baut Windpark
Der ebenfalls im MDax notierte Baukonzern Hochtief wird gemeinsam mit einer belgischen Firma einen Windpark in der Ostsee errichten. Der Auftrag für den Energiekonzern EnBW habe ein Volumen von 382 Millionen Euro, teilte Hochtief mit. Der Windpark, der Strom für 340.000 Haushalte produzieren wird, soll bereits 2013 ans Netz gehen. Auch die Hochtief-Aktie schloss gestärkt.

Gute und weniger gute Prognosen
Hugo Boss und Deutsche Wohnen haben mit neuen Geschäftsprognosen für das laufende Jahr ihre Aktionäre beglückt. Doch nur die Hugo Boss-Prognose kam bei den Anlegern gut an. Die Modefirma aus dem MDax erwartet, dass das Umsatzwachstum im zweiten Halbjahr Fahrt aufnehmen werde. Die im SDax notierte Immobilienfirma Deutsche Wohnen hob immerhin die Gewinnprognose an, und konnte im ersten Halbjahr die Einnahmen aus Wohnungsverkäufen auf 96 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Die Anleger nehmen jedoch ihre Gewinne mit, die Deutsche Wohnen-Aktie verlor 2,2 Prozent.

Noch zwei Bilanzen
Der im SDax notierte Ölfelddienstleister Catoil hat im zweiten Quartal seinen Überschuss auf 8,5 Millionen Euro verdreifachen. Der Umsatz lag mit 61,3 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert. Das Lasertechnikunternehmen LPKF Laser & Electronics hat im ersten Halbjahr Gewinn und Umsatz deutlich gesteigert und seine Prognose für angehoben. Während der Umsatz um zwei Drittel auf 37 Millionen Euro stieg, kletterte das Ebit auf 8 Millionen Euro. LPKF hob angesichts voller Auftragsbücher die Umsatzprognose für 2010 auf 68 Millionen Euro an.

Curasan darf verkaufen
Die Aktie des Medizintechnikkonzerns Curasan war am Montag gefragt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat ein in Europa bereits zugelassenes Knochenaufbaumaterial namens Cerasorb auch für den Vertrieb in den USA zugelassen. Die Aktie stieg um fast fünf Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"