Verpatzter Wochenstart

Stand: 06.07.2009, 20:05 Uhr

Sorgen um die Konjunktur und Angst vor der bevorstehenden Berichtssaison belasteten den Aktienhandel zum Wochenbeginn. Im späten Parketthandel in Deutschland keimte allerdings ein wenig Hoffnung auf.

Die US-Standardwerte im Dow Jones-Index drehten am Abend kurzzeitig in die Pluszone und verhalfen dem Late-Dax zu kleinen Zugewinnen gegenüber dem Schlussstand im Computerhandel auf Xetra. Dort hatte der Dax auf einem Zehn-Wochen-Tief geendet.

Berichtssaison ante portas

Nach Aussage von Marktteilnehmern mischen sich bei den Anlegern Befürchtungen über die schleppende Konjunkturerholung mit Sorgen um die anstehende Berichtssaison. Am Mittwochabend wird der Aluminium-Konzern Alcoa traditionell den Zahlenreigen im Dow Jones-Index eröffnen.

Am Montagnachmittag hatten Investoren kurzzeitig frohlockt, als ein gestiegener ISM-Service-Index eine Ende der Talfahrt im US-Dienstleistungsgewerbe signalisierte. Doch die Erholung an den Börsen war nur von kurzer Dauer.

Stahlaktien weichgeklopft

Im Dax rangierten neben schwachen Finanztiteln auch Aktien konjunktursensibler Branchen wie Auto- und Stahlwerte unter den größten Kursverlierern. Bei ThyssenKrupp und dem Branchenkonkurrenten Salzgitter dürften sinkende Erwartungen an die Quartalsbilanzen der Unternehmen der Grund für den montäglichen Kursrutsch gewesen sein.

Lufthansa-Aktie mit Solo-Schub
Im Dax gelang es nur der "Kranich"-Aktie, sich deutlich im Plus zu behaupten. Die Aktie profitierte von einem Expertenkommentar. Analysten der Bank of America hatten am Morgen das Kursziel für die Airline-Aktie annähernd verdoppelt und den Wert zum Kauf empfohlen. Anleger spekulieren außerdem darauf, dass die Lufthansa bald ein umfangreiches Sparprogramm bekannt geben wird.

BASF will Synergien heben

Mit dem Gesamtmarkt im Gleichklang verlor die BASF-Aktie am Montag. Das Unternehmen hat mitgeteilt, bei der übernommenen Schweizer Chemiefirma Ciba bis 2013 rund 3.700 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Die Synergien aus der Integration von Ciba auf den Gesamtkonzern werden mit 400 Millionen Euro veranschlagt.

Adidas zapft Kapitalmarkt an
Der Sportartikel-Hersteller hat mit einer Anleihe bei Investoren eine halbe Milliarde Euro eingesammelt. Damit sollen nach Angaben des Unternehmens kurzfristige Kredite abgelöst werden. Die Anleihe mit einem Kupon von 4,75 Prozent sei mehrfach überzeichnet gewesen, hieß es.

EADS top, IVG flop

In der zweiten Reihe deutscher Aktien sorgten Analysten-Einschätzungen für Kursausschläge. Papiere des Luft- und Raumfahrtskonzerns EADS etwa legten mehr als ein Prozent zu, nachdem Merrill-Lynch-Experten die Aktie zum Kauf empfohlen haben. Umgekehrt sorgte eine Abstufung der IVG-Aktie durch Exane für einen Kursrutsch von mehr als sieben Prozent bei dem Titel. Die Analysten befanden, dass der Immobilienkonzern nur geringe Cashflows generiere und hohe Verbindlichkeiten habe.

Rheinmetall mit Auftrag und Kapitalerhöhung
Trotz eines Riesenauftrags ging die Aktie als Verlierer aus dem Montagshandel. Der MDax-Konzern hat von der Bundeswehr einen Auftrag zur Herstellung von 405 Schützenpanzern erhalten, dessen Gesamtwert etwa 3,1 Milliarden Euro beträgt. Am Abend gab das Unternehmen noch bekannt, eine Kapitalerhöhung von 9,2 Millionen Euro durchführen zu wollen.

Tui-Tochter mit Geldspritze?
Das Schifffahrtsunternehmen Hapag Lloyd, Tochter des Reisekonzerns Tui, erhält möglicherweise eine Finanzspritze von seinem Mehrheitsaktionär, einem Hamburger Konsortium. Das berichtete am Montagabend die Nachrichtenagentur Reuters. Wie hoch die Unterstützung für das kriselnde Unternehmen ist, war nicht bekannt.

Hochtief will in Indien hoch hinaus
Auch der Baukonzern hat einen Großauftrag - in Indien - ergattert; doch auch hier blieb die positive Kursreaktion aus. In dem Land wird die Hochtief-Tochter beim Bau eines IT-Parks mitarbeiten, das Volumen des Auftrags liegt bei 165 Millionen Euro.

Freenet will Strato loswerden
Das TecDax-Unternehmen will sich nach dem Verkauf seiner DSL-Sparte auch vom Webhoster Strato trennen. Laut einem Sprecher ist Freenet nicht gezwungen, den Bereich zu verkaufen, wolle sich aber nach Interessenten umschauen. Nach früheren Angaben will Freenet 300 bis 400 Millionen Euro durch den Deal erlösen. Die Aktie verlor am Montag knapp vier Prozent.

GM 2010 wieder an der Börse
Eine "neue" GM könnte nach dem Willen der US-Regierung im kommenden Jahr wieder an der Börse starten. Das erklärte der Sonderbeauftragte der US-Regierung am Montag. Der Autokonzern GM steht seit dem 1. Juni nach seiner Insolvenz unter Gläubigerschutz (Chapter 11l.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr