Verpatzter Wochenstart

Lothar Gries

Stand: 05.11.2007, 20:00 Uhr

Der zusätzliche Milliardenverlust der US-Bank Citigroup hat am Montag für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Immer wieder kursierten Spekulationen über neue Verluste auch bei europäischen Banken, von denen viele diese Woche ihre Quartalszahlen vorlegen. Den Auftakt macht morgen die Commerzbank.

Die Sorgen um das Ausmaß der Kreditkrise in den USA und die Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben am Montag die Märkte überschattet. Der Dax beendete den Abendhandel mit einem Verlust von 59 Zählern oder 0,75 Prozent auf 7797 Punkte. Schlusslichter waren erneut die Banken. Deutlich unter Druck geriet vor allem die Postbank, die um 4,7 Prozent zurückfielen. Zu den Tagesverlierern gehörten aber auch die Versicherungs- und Finanzkonzerne Münchener Rück und Allianz. Experten erwarten, dass die Allianz im dritten Quartal einen kräftigen Gewinnrückgang verbucht hat. Probleme soll es vor allem bei der Dresdner Bank gegeben haben. Dagegen dürften die morgen erwarteten Zahlen der Commerzbank keine börsen Überraschungen enthalten, auch wenn die Subprime-Krise mit mehr als den bisher erwarteten 80 Millionen Euro zu Buche schlägt. Derweil warnte der britische Finanzminister Alistair Darling davor, die Probleme der Citigroup überzubewerten. "Ich denke, dass wir da durchkommen", sagte er.

Dabei gab es am Montag auch postive Meldungen. Am Nachmittag wurde bekannt, dass sich das Wachstum im amerikanischen Dienstleistungssektor im Oktober beschleunigt hat. Der Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) kletterte auf 55,8 Zähler, nach 54,8 im September. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang gerechnet. Mit einem Stand von über 50 Zählern signalisiert der Index jedoch weiter eine expandierende Geschäftstätigkeit des Sektors, der 80 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht. Der in normalen Zeiten viel beachtete Index verpuffte jedoch wirkungslos.

Umbaupläne lassen Siemens steigen

Die Aktien des Elektronikkonzerns lagen mit einem Plus von zeitweise mehr als zwei Prozent an der Dax-Spitze. Der angekündigte Umbau des Konzerns sowie der bevorstehende Verkauf des Autozulieferers VDO sorgen für Auftrieb. Auch die am Donnerstag erwarteten Quartalszahlen dürften gut ausfallen. Das ist auch bitter nötig, hat Siemens seit dem Amtsantritt seines derzeitigen Chefs Peter Löscher vor drei Monaten doch mehr als zehn Milliarden Euro Börsenwert verloren. Allein der Schock der kostspieligen Dade-Behring-Übernahme Ende Juli kostete den Konzern rund 15 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung.

Bayer will Kosten senken
Ebenfalls im Plus notierten die Aktien von Bayer. Dabei wird die Ankündigung honoriert, in der Kunststoffsparte binnen drei Jahren Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe vorzunehmen. Dagegen verpufft die Meldung wonach Bayer sein umstrittenes Herzmittel Trasylol vom US-Markt nehmen will.

Arcandor dementiert Gewinnwarnung
Der Einzelhandels- und Touristikkonzern Arcandor ist Gerüchten über eine Gewinnwarnung entgegengetreten. Vielmehr hat der Konzern im dritten Quartal ein gutes Geschäft verbucht. Der Vorstand erwarte ein operatives Ergebnis deutlich über Vorjahr, verlautete am Montag. Die Zahlen zum Rumpfgeschäftsjahr sollen am 18. Dezember veröffentlicht werden. Die Aktie verliert 2,5 Prozent.

Altana optimistisch für 2008
Der Spezialchemiekonzern rechnet nach einem prozentual zweistelligen Ergebnisplus bis Ende September und der Anhebung des Ausblicks auch im kommenden Jahr mit einer Fortsetzung des Wachstumstrends. "Wir haben in allen vier Geschäftsbereichen ein dynamisches Wachstum gesehen und erwarten auch 2008 ein gutes Jahr", sagte Vorstandschef Matthias Wolfgruber. Die Aktie gehört zu den wenigen gewinnern im Mdax.

MüRü enttäuscht die Anleger
Der Rückversicherer hat Belastungen von 150 Millionen Euro durch die Hypothekenkrise mit den Quartalszahlen am Montag vermeldet und die Subprime-Krise damit nach eigenen Angaben bewältig. Im dritten Quartal hat das Unternehmen einen deutlichen Gewinnanstieg nach Steuern auf 1,21 Milliarden Euro verzeichnet. Analysten zeigten sich zufrieden mit dem Zahlenwerk, obwohl beim operativen Ergebnis ein Rückgang um 13 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu Buche schlug. Die Aktie verliert dennoch 1,9 Prozent, wohl auch, weil der Konzern keine deutliche Anhebung der Dividende in Aussicht stellt.

IKB kommen später
Die in Schieflage geratene Mittlstandsbank hat die Vorlage ihrer Zahlen für das am 30. September beendete zweite Geschäftsjahr um zwei Wochen verschoben. Die Zahlen sollen nun am 30. November vorgelegt werden, teilte die Bank am Montag mit. Ursprünglich war die Veröffentlichung am 15. November vorgesehen. Die Aktie verliert 1,7 Prozent.

Stellenabbau bei GPC Biotech
Das Biotechunternehmen muss nach dem herben Rückschlag seines Krebsmittels Satraplatin die Zahl seiner Mitarbeiter verringern. "Es ist völlig klar, dass man leider nicht mit voller Mannstärke weiter machen kann", sagte ein Firmensprecher am Montag. Wieviele Stellen gestrichen werden, steht noch nicht fest. Weitere Informationen zur Zukunft der Firma sollen am Donnerstag mit den Quartalszahlen veröffentlicht werden. Die Aktie steigt um mehr als sieben Prozent.

Indexverlierer Solarworld
Dagegen gehören Aktien von Solarworld zu den größten Kursverlierern im TecDax. Das Unternehmen hat im dritten Quartal sowohl Umsatz- und Gewinnprognosen verfehlt. Da half es auch nicht, dass die Prognose für das laufende Jahr bestätigt wurde. Der Umsatz stieg zwischen Juli und Ende September um 14 Prozent auf 164,6 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war um 67 Prozent auf 44,3 Millionen Euro gestiegen.

Leoni weiter auf Kurs
Trotz deutlich besser als erwarteter Quartalszahlen haben auch die Papiere des Automobilzulieferers ins Minus gedreht. Leoni hat im dritten Quartal seinen Überschuss um 25 Prozent auf 27,8 Millionen Euro gesteigert, der Umsatz legte um 10,5 Prozent auf 593,3 Millionen Euro zu. Beide Werte lagen deutlich über den Analystenerwartungen.

EADS macht neue Sorgen
Mit einem Minus von fast vier Prozent gingen die Aktien der Airbus-Mutter EADS aus dem Handel. Der Konzern hat wegen zusätzlicher Kosten für seinen Militärtransporter A400M seine Gewinnprognose für 2007 zunächst ausgesetzt. Das Unternehmen erwartet für den A400M zusätzliche Ausgaben von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro, davon alleine eine Milliarde Euro bei der Tochter Airbus.

Cash.Life-Verlust beschert Kurgewinne
Scheinbar verkehrte Welt: Die Aktie des Finanzdienstleister aus dem SDax steigt um über sechs Prozent. Dabei hat Cash-Life im dritten Quartal einen Verlust von 4,7 Millionen Euro hinnehmen müssen. Im Vorjahresquartal hatte der Fehlbetrag bei 1,1 Millionen Euro gelegen. Vor allem Zinsderivate des Konzerns, mit denen sich die Firma gegen Zinsschwankungen absichert, hätten zum höheren Verlust geführt. Nach Händlerangaben sind die negativen Nachrichten aber nach der Gewinnwarnung aus der vergangenen Woche im Kurs "eingepreist" gewesen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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