Verpatzter Wochenauftakt

Stand: 22.06.2009, 20:02 Uhr

Wachsende Zweifel am baldigen Ende der Wirtschaftskrise haben heute die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Im Sog der Wall Street rutschte der Dax auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Finanzwerte sowie Aktien zyklischer Firmen waren die größten Verlierer.

Commerzbank und Deutsche Bank büßen jeweils fast sieben Prozent ein. Zu groß ist die Befürchtung vieler Anleger, dass die Geldhäuser wegen der steigenden Firmenpleiten auf vielen Krediten sitzen bleiben könnten und deshalb ihre Risikovorsorge kräftig anheben müssen. Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt die drohenden Kreditausfälle der deutschen Banken in den kommenden beiden Jahren auf bis zu 100 Milliarden Euro.

Neben den Finanzwerten müssen auch die Aktien konjunktursensibler Firmen wie MAN, Salzgitter und ThyssenKrupp kräftig Federn lassen. Auch K+S, die bereits in der vergangenen Woche vor sinkenden Gewinnen gewarnt hatten, standen erneut ganz oben auf der Verliererliste. Nur die Aktien von Fresenius können sich ein leichtes Plus bewahren.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem ähnlich hohen Verlust wie die Computerbörse Xetra von gut drei Prozent (-150 Punkte) bei 4.685. Noch kräftiger bergab geht es bei den Technologiewerten: sie verlieren 3,7 Prozent. Auch der MDax büßt 3,5 Prozent ein.

Überfällige Reaktion
"Die Luft ist raus aus dem Ballon", so das Fazit von Chefhändler Oliver Roth von der Close Brothers Seydler Bank. Die Börsianer akzeptierten nun, dass die wirtschaftliche Erholung weit entfernt sei und der deutsche Markt gehe im Einklang mit der US-Börse und den anderen europäischen Märkten nach unten. Die Kursentwicklung zeige, dass in den Handelsräumen nun etwas mehr Realismus Einzug halte. Dies sei die "mehr als überfällige Reaktion" nach der sehr starken und langen Zwischenerholung seit März. Auch der neuerliche Anstieg des ifo-Geschäftsklimas im Juni täusche hierüber nicht hinweg.

Schlechte Nachrichten kamen heute vom Maschinenbau, eine Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft. "Wir befinden uns mitten in der Rezession, und eine Erholung ist für uns gegenwärtig noch nicht absehbar", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Manfred Wittenstein.

Beschleunigt wurde die Talfahrt in Frankfurt zudem vom Kursrutsch an der Wall Street. Der Dow-Jones-Index durchbrach sogar die Schwelle von 8.400 Punkten, und notierte zum Handelsschluss in Deutschland gut zwei Prozent niedriger als am Freitag bei 8.368. Viele Anleger blieben zurückhaltend, nachdem die Weltbank ihre Konjunkturprognosen gesenkt hatte. Die wirtschaftlichen Aussichten seien weiter ungewöhnlich unsicher, erklärte die Bank.

In New York standen die Titel von Apple im Blickpunkt: Das Unternehmen hat zwar über eine Million Geräte des neuesten iPhone-Modells 3GS verkauft, doch Meldungen über eine Leber-Transplantation von Apple-Chef Steve Jobs sorgten für Verunsicherung über den Gesundheitszustand des legendären Firmengründers

Goldman Sachs weiter optimistisch
Goldman Sachs bleibt optimistisch für die Chancen am weltweit größten Aktienmarkt in den USA. "Wir rechnen weiterhin mit positiven Renditen an den US-Börsen - im anhaltend anspruchsvollen Marktumfeld werden aber vor allem die aktiven Portfoliomanager mit ihrer Aktienselektion triumphieren", sagte Kathryn Koch, Investment-Expertin bei der US-Bank.

VW mit Quartalsgewinn?
Auch die Aktien Volkswagen gehören zu den Verlierern. Dabei hat Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch im zweiten Quartal einen Gewinn in Aussicht gestellt. "Wir werden sicherlich mit einem positiven Ergebnis abschließen", sagte Pötsch der Nachrichtenagentur Reuters. Außerdem werde man einen möglichen Kredit an den Großaktionär Porsche prüfen, sofern es eine Anfrage gebe.

Porsche will Kreditantrag nachbessern
Der Sportwagenhersteller Porsche will sich nach der Ablehnung seines milliardenschweren Kreditantrags durch die staatliche Bank KfW noch nicht geschlagen geben. "Die Kreditanstalt für Wiederaufbau will, dass wir nachbessern",
sagte ein Porsche-Sprecher am Montag in Stuttgart. Die Nachbesserung des Antrags auf ein Darlehen über 1,75 Milliarden Euro sei "eher eine Sache von Tagen",

Analysten zweifeln an Daimler-Einstieg bei Porsche
Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält eine Beteiligung von Daimler an Porsche "für zu abwegig, um real zu sein". Daimler fehlten derzeit schlicht die Mittel. Auch andere Analysten fragen sich, von welchem Geld Daimler das bezahlen solle. Daimler schreibe rote Zahlen und habe derzeit höchstens rund zwei Milliarden Euro in der Kasse - in etwa jene Summe, die sich der Stuttgarter Konzern mit einer überraschenden Erhöhung des Kapitals durch den Einstieg des Emirats Abu Dhabi Ende März beschaffte. Zudem verweisen die Experten auch auf kartellrechtliche Bedenken.

HRE erwartet Verluste
Die Hypo Real Estate erwartet für das zweite Quartal des laufenden Jahres Ergebnisbelastungen im hohen dreistelligen Millionenbereich, die aus weiterer Risikovorsorge auf Forderungen und Wertpapiere im Zuge der Finanzkrise und des wirtschaftlichen Abschwungs resultieren. Diese Wertberichtigungen betreffen vor allem Immobilienkredite.

Siemens setzt auf Solarstrom
Während Siemens im vergangenen Geschäftsjahr 19 Milliarden Euro mit dem Verlauf von Solarpanelen umgesetzt hat, will man damit 2011 gut 25 Milliarden erzielen, kündigte Konzernchef Peter Löscher an. Man sehe hier "gigantische Wachstumschancen", von denen Siemens besser als andere profitieren können. Auch bei der Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Lage ist Löscher zuversichtlich. Es bestehe die berechtigte Hoffnung, dass wir uns der Talsohle nähern, sagte er.

Die UBS hat das Kursziel für Siemens von 35,00 auf 40,00 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Sell" belassen.

Arcandor brechen ein
Die Papiere des insolventen Arcandor-Konzerns verlieren weiter. Daran ändert auch das Interesse eines Investors nichts, der 20 der 91 Karstadt-Häuser zu Einkaufszentren umbauen will. Außerdem ist weiterhin die Metro an einer Übernahme interessiert, allerdings nicht um "jeden Preis".

Goldman beflügelt Premiere
Premiere-Aktien gehören zu den wenigen Gewinnern im MDax und legen um knapp sechs Prozent zu. Der Grund ist eine Kaufempfehlung durch die Analysten von Goldman Sachs. Zudem haben sie das Kursziel von 3,30 auf 4,10 Euro nach oben korrigiert. Die Analysten erhöhten auch ihre Schätzungen für das Wachstum der Abonnentenzahlen im zweiten Quartal. Zudem werde sich die neue Preisstruktur positiv auf den Umsatz auswirken, hieß es.

Curanum muss nachbessern
Im SDax stehen die Anteilsscheine des Seniorenheimbetreibers Curanum unter Druck. Nach Angaben des Unternehmens hat die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin Fehler in den Bilanzen für 2005 und 2006 festgestellt. Die müssen nun korrigiert werden. Dadurch fällt das Eigenkapital um 3,4 Millionen Euro niedriger aus.

Aktiensplit bei Delticom
Delticom hat am Montag seinen bereits angekündigten Aktiensplit durchgeführt. Aktionäre erhalten für jede Aktie des Internet-Reifenhändlers drei neue Papiere. Der Kurs hat sich etwa gedrittelt.

Neu im SDax: OVB schwach, Tipp 24 etwas fester
Titel der Finanzvertriebs OVB Holding verlieren am Nachmittag mehr als drei Prozent, und für Aktien des Wettanbieters Tipp 24 geht es um leicht nach oben: Die beiden Papiere notieren seit diesem Montag im SDax. Sie ersetzen die Titel des Damenmodekonzerns Escada und des Immobilienunternehmens Vivacon.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen