Verlustserie gestoppt

Detlev Landmesser

Stand: 16.01.2009, 20:30 Uhr

Sieben Tage Verluste, und was jetzt? Am Freitag präsentierten sich die Börsen vor allem ratlos. Am Ende blieb wenigstens ein kleines Plus. Ein Spektakel boten einmal mehr die Bankaktien.

An der Wall Street ging die zunächst freundliche Tendenz in eine Achterbahnfahrt über. Die US-Investoren waren hin- und hergerissen zwischen der neuerlichen Multi-Milliarden-Rettungsaktion für die Bank of America und den dramatischen Quartalsverlusten dieser mittlerweile größten US-Bank sowie ihrer Rivalin Citigroup. Nach frühen Gewinnen gerieten die beiden Banktitel kräftig unter Druck. In London stürzte die Aktie der Barclays Bank um ein weiteres Viertel ab, weil sich dort keine Staatshilfen abzeichneten.

Zu den Bankensorgen kamen neue schwache US-Konjunkturdaten. Im Dezember sank die amerikanische Industrieproduktion mit 2,0 Prozent zum Vormonat stärker als erwartet. Volkswirte hatten nur mit minus 0,8 Prozent gerechnet. Gleichzeitig sanken die US-Verbraucherpreise im Dezember auf Monatssicht um 0,7 Prozent. Damit war die angegebene Jahresinflation 2008 mit 0,1 Prozent die niedrigste seit 50 Jahren. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima stützte ein wenig. Der Januar-Wert stieg überraschend von 60,1 auf 61,9 Punkte.

Bis zum Abend war denn auch keine klare Tendenz der US-Börsen auszumachen. Wegen des "Martin Luther King Day" am Montag wird die Wall Street drei Tage in Folge geschlossen bleiben. Dem Dax blieb nach sieben Verlusttagen in Folge zum Handelsende nur noch ein bescheidenes Plus. Der L-Dax schloss 0,1 Prozent höher bei 4.356,69 Punkten.

Wechselbad für Infineon

Beispielhaft für das Tagesgeschehen war der Kursverlauf der Infineon-Aktie. Diese kletterte zunächst beflügelt vom Quartalsbericht des weltgrößten Chipkonzerns Intel an die Dax-Spitze, nur um dann mit einem Minus von 16,1 Prozent ans Dax-Ende zu stürzen. Einem Händler fiel dazu nur ein, das Unternehmen sei eben "krank".

Post- und Commerzbank rutschen weiter ab
Die Aktie der Postbank fiel den dritten Tag in Folge auf ein Rekordtief. Der Dax-Titel gab weitere 10,1 Prozent auf 8,65 Euro ab. Damit hat die Aktie in der abgelaufenen Woche 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Einen unmittelbaren Anlass für die erneuten Kursverluste konnten Händler nicht nennen. Sie sprachen von Nachwehen des neuverhandelten Einstiegs der Deutschen Bank:

Auch die Commerzbank-Aktie stand erneut unter Druck. Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärte zu den milliardenschweren Staatshilfen, diese könne man sich leisten. Die vom Bund bereitgestellten Hilfen müssten zwar mit neun Prozent verzinst werden. Nach Steuern liege die Verzinsung aber nur bei 4,5 Prozent.

Nochmal zehn Milliarden für die HRE?
Gegen Mittag sickerten auch Details über die neuen Staatshilfen für die Hypo Real Estate durch. Die angeschlagene Immobilienbank bekommt offenbar mindestens weitere zehn Milliarden Euro. Derzeit liefen Gespräche über eine Beteiligung des Bundes in Höhe "von bis zu oder mehr als 33 Prozent", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Otto Bernhardt, der Nachrichtenagentur AFP. Der Staat und einige Banken hatten der HRE schon im Herbst mit 50 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und sie vor dem Aus bewahrt. Zudem haben die Münchner Garantien des staatlichen Hilfsfonds SoFFin in Höhe von 30 Milliarden Euro für die Ausgabe von Anleihen erhalten.

Sorgen um Tui
Die Tui-Aktie wurde ans Ende des MDax durchgereicht. Grund waren Medienberichte, wonach der Verkauf der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zu scheitern droht. So habe sich die Royal Bank of Scotland (RBS) aus dem Bankenkonsortium zurückgezogen, das mit einem Darlehen von 750 Millionen US-Dollar den Kauf von 29 Schiffen von Tui finanzieren solle. Dagegen bekräftigte die zur Übernahme von Hapag-Lloyd gebildete Investorengruppe, sie halte an dem Kauf fest.

Haniel steht zu Celesio
Die Industriellen-Familie Haniel hat ihren Anteil an Europas größtem Pharmahändler Celesio 2008 ausgebaut. Die Beteiligung von Haniel habe zum Jahresende bei 55,81 Prozent gelegen, das seien 2,91 Prozentpunkte mehr als vor Jahresfrist, teilte das Unternehmen mit. Die Celesio-Aktie drehte nach der Nachricht ins Plus. Das MDax-Papier hatte im vergangenen Jahr unter Gerüchten gelitten, dass Haniel seinen Anteil reduzieren könnte.

Interessenten für HeidelCement
Die Aktie von HeidelbergCement setzte ihre Erholung an der MDax-Spitze fort. Laut dem "Wall Street Journal" interessieren sich Finanzinvestoren für den Baustoffkonzern. Unter anderem prüfe Goldman Sachs eine Beteiligung an dem Merckle-Unternehmen. Die US-Bank werde möglicherweise mit der Texas Pacific Group (TPG) zusammenarbeiten. Allerdings befinde sich der ganze Prozess in einem sehr frühen Stadium, so die Finanzzeitung.

Gute Nachrichten von SGL
Die Aktie der SGL Group gewann 4,2 Prozent. Der Kohlenstoff-Spezialist hat im abgelaufenen Jahr etwa 1,6 Milliarden Euro umgesetzt. "Wir werden am oberen Ende der Zielspanne herauskommen", bestätigte eine Konzernsprecherin am Freitag. SGL hatte 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro angestrebt. Zudem hatte Goldman Sachs den MDax-Titel von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 17 auf 20 Euro erhöht. Der Aktienkurs berücksichtige inzwischen die Unsicherheit über die Preis- und Volumenentwicklung, hieß es zur Begründung.

Hat Freenet einen Käufer gefunden?
Einer der stärkeren TecDax-Titel war Freenet. Händler berichteten von dem Gerücht, Freenet habe einen Käufer für seine DSL-Sparte gefunden. Als Kaufpreis wurden 525 Millionen Euro genannt. "Ich halte dieses Gerücht allerdings nicht für sonderlich glaubwürdig. Erst ist der Kurs gestiegen und dann kam die Spekulation. Das klingt sehr nachgereicht", sagte ein Börsianer.

Frisches Geld für MPC
Im SDax erholte sich die Aktie von MPC Capital um 9,3 Prozent. Die Großaktionäre Corsair, MPC Holding und Oldehaver wollen dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung in zwei Schritten 48,5 Millionen Euro Eigenkapital zuführen. Damit werde ein "erheblicher Beitrag zur Sicherung und Stärkung der Marktposition" von MPC geleistet, erklärte der Vorstand. Die Krise an den Finanzmärkten hat das Geschäft des Anbieters von Schiffs- und Immobilienfonds schwer getroffen.

Takkt stagniert
Der Versandhändler für Büromöbel, Takkt, hat sein Umsatzziel im vergangenen Jahr nicht erreicht. Statt um etwa zwei Prozent seien die Erlöse nur um 0,7 Prozent gewachsen. Der SDax-Titel konnte sich am Freitag dennoch im Plus halten: Takkt will zehn Prozent der eigenen Aktien für je 7,90 Euro zurückkaufen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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