Verlustreicher Wochenausklang

Stand: 04.05.2012, 20:02 Uhr

Bereits in der ersten Woche macht der Mai seinem schlechten Ruf alle Ehre. Die nachlassende Dynamik am US-Arbeitsmarkt, zunehmende Konjunkturängste und die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Griechenland haben den Dax tief ins Minus gedrückt.

Im Lauf des Nachmittags verliert der Leitindex zeitweise mehr als zwei Prozent und fällt auf 6.546 Punkte, nachdem er am Donnerstag noch bei fast 6.700 Punkten geschlossen hatte. Am Ende büßt der Leitindex 1,99 Prozent oder 133 Punkte ein und schließt bei 6.561 Zählern. Auch der Euro gerät unter Druck und rutscht am Abend sogar unter die Marke von 1,31 Dollar.

"Es gibt einfach zu viele Unsicherheiten, deshalb haben sich die Anleger vom Markt verabschiedet", sagte ein Händler. Tatsächlich ist die Zahl der Beschäftigten außerhalb der US-Landwirtschaft im April nur um 115.000 gestiegen, nach einem Plus von 120.000 Stellen im Vormonat. Experten hatten mit dem Aufbau von 170.000 neuen Stellen gerechnet. Die Stundenlöhne stagnierten (Vormonat: plus 0,2 Prozent).

"Die Dynamik am US-Arbeitsmarkt lässt nach", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Da zudem das Lohnwachstum moderat bleibt, geben die Zahlen keinen Rückenwind für den Konsum." Die Ausgaben der Verbraucher sind aber die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Zuvor hatte bereits der Einkaufsmanagerindex der Dienstleistungsbranche der Euro-Zone für Enttäuschung gesorgt. Er sank im April auf 46,9 Stellen von 49,2 Punkten im März. Die Erstschätzung hatte bei 47,9 Zählern gelegen.

Verunsicherung vor den Wahlen
Für Nervosität unter den Anlegern sorgen auch die am Wochenende anstehenden Wahlen. Am Markt wird damit gerechnet, dass der Sozialist François Hollande in der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen als Sieger hervorgeht. Für noch größere Unsicherheit sorgen die Wahlen in Griechenland. Dort könnte eine europakritische Regierung an die Macht kommen.

Kein Wunder, dass auch an der Wall Street die Kurse ins Rutschen gekommen sind. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 1,2 Prozent im Minus bei 13.050 Punkten.

Eon und HeidelbergCement am Dax-Ende
Größter Kursverlierer im Dax ist die Aktie von Eon. Sie wird heute ex-Dividende gehandelt. Zudem leidet sie unter der nachlassenden Konjunktur, die auch die Strompreise in Deutschland unter Druck gebracht hat.

Mehr als sechs Prozent muss auch die Aktie von HeidelbergCement abgeben. Dabei hatte der Titel am Morgen unter dem Eindruck der guten Zahlen des französischen Konkurrenten Lafarge noch zugelegt. Letztlich sorgen aber Konjunktursorgen für fallende Kurse.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
212,10
Differenz relativ
+1,29%

Linde macht misstrauisch
Auch die Linde-Aktien geben nach. Dabei ist der Industriegase-Spezialist und Anlagenbauer dank der weiter großen Nachfrage in Asien und Amerika mit einem Plus bei Umsatz und Gewinn ins Jahr gestartet. Linde setzt angesichts des hoffnungsfrohen Auftakts zum Trotz auch in den kommenden Monaten auf wachsende Geschäfte, bleibt aber misstrauisch: "Nach wie vor bestehen jedoch große Unsicherheiten über die Nachhaltigkeit und Intensität des Wirtschaftswachstums", sagte Vorstandschef Wolfgang Reitzle am Freitag vor rund 2.000 Aktionären in München. Das kommt bei den Anlegern schlecht an.

Wacker Chemie: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,70
Differenz relativ
+1,21%

Wacker Chemie ganz schwach
Die Aktien des Spezialisten für Siliziumprodukte, Wacker Chemie, verbilligen sich um gut sechs Prozent und sind damit der zweitschwächste Wert im MDax, nach den Papieren von Hannover Rück. Die Krise der Solarindustrie hat den Wacker-Gewinn im ersten Quartal binnen Jahresfrist um drei Viertel auf 40 Millionen Euro einbrechen lassen. Auch wenn die Prognosen für die Quartalszahlen teilweise noch schlechter gewesen seien, sei der deutliche Margen-Einbruch in der Polysilizium-Sparte doch eine große Belastung, sagte ein Börsianer.

Lange Schatten über Centrotherm
Angeführt wird die Liste der Verlierer im TecDax von der Centrotherm-Aktie. Sie rauscht um fast 18 Prozent in den Keller. Kein Wunder, macht doch die Solarkrise dem angeschlagenen Maschinenbauer weiter kräftig zu schaffen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres brach der Umsatz auf 82,5 Millionen Euro ein, nach 189,3 Millionen Euro vor einem Jahr. Damit rutschte Centrotherm mit fast 43 Millionen in die Verlustzone, nach einem positiven Ergebnis von 17,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Finanzvorstand Thomas Riegler sprach von der "bisher schwersten Krise" der Branche.

Evonik drückt Gigaset
Gut zehn Prozent verliert die Aktie des Telefonherstellers Gigaset. Grund ist eine Klage des Chemiekonzerns Evonik. Der will vom Nachfolger der Beteiligungsgesellschaft Arques vor einem Schiedsgericht die Zahlung von zwölf Millionen Euro erstreiten. Dabei geht es um Vertragsverletzungen nach dem Verkauf des Chemiespezialisten Oxxynova. Das Unternehmen habe zwar erklärt, dass es im Jahresabschluss 2011 eine angemessene Risikovorsorge getroffen habe, doch der Ausgang des Rechtsstreits bleibe ein Unsicherheitsfaktor, sagte ein Börsianer.

Morphosys überzeugt nicht mehr
Leicht im Minus schließt auch die Aktie des ebenfalls im TecDax notierten Biotechnolgieunternehmens Morphosys. Die Firma ist im ersten Quartal wie erwartet in die roten Zahlen gerutscht. Im Vorjahr hatte der Antikörper-Spezialist wegen hoher Meilensteinzahlungen des Schweizer Pharmariesen Novartis noch ein Plus von 27,5 Millionen Euro ausgewiesen.

Swiss Re stützt MüRü
Die guten Geschäfte des weltweit zweitgrößten Rückversicherers, Swiss Re, im ersten Quartal stützen die Aktie des weltgrößten der Branche, Münchener Rück. Die Schweizer haben im ersten Quartal deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. Das Unternehmen erzielte einen Gewinn von 1,14 Milliarden Dollar, während Experten im Schnitt lediglich mit 663 Millionen Dollar gerechnet hatten. Geholfen hat dem Unternehmen wie bereits Branchenprimus, dass Großschäden ausblieben und die Geschäfte an den Kapitalmärkten gut liefen.

BNP Paribas überrascht positiv
Die größte französische Bank hat vor allem dank eines Beteiligungsverkaufs den Gewinn über erwarten um 9,6 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro gesteigert. Der Verkauf des Anteils am Immobilienunternehmen Klepierre brachte der Bank 1,5 Milliarden Euro ein. Der Schuldenschnitt für Griechenland kostete das Institut rund 3,5 Milliarden Euro. Bankchef Jean-Laurent Bonnafe gab sich aber gelassen und erklärte, die Bank werde bis zum Sommer ausreichend kapitalisiert sein.

Air France-KLM: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,01
Differenz relativ
-0,02%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,14
Differenz relativ
-0,13%

Auch Air-France-KLM tief rot
Auch Lufthansa-Konkurrent Air-France-KLM bekommt die hohen Ölpreise zu spüren und rutscht trotz gestiegener Umsätze tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Minus im ersten Quartal von 368 Millionen Euro, fast genau so viel wie im Vorjahr. Die ohnehin gebeutelten Aktionäre müssen heute einen weiteren Kursabschlag hinnehmen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,76
Differenz relativ
+0,49%

Alstom enttäuscht
Der französische Anlagenbauer und Siemens-Konkurrent Alstom hat die Anleger mit seinen Jahreszahlen (per Ende März) enttäuscht. Der für die Gesellschaft relevante Anteil des Gewinns am Umsatz lag bei 7,1 Prozent und damit am unteren Ende des Zielkorridors zwischen sieben und acht Prozent. Der Umsatz fiel um fünf Prozent auf 19,9, das Ebit schrumpfte um zehn Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Im Ausblick äußerte sich das Management jedoch nicht zuletzt aufgrund des hohen Auftragsbestandes optimistisch.

Facebook will zwölf Milliarden Dollar einsammeln
Facebook gab am Abend weitere Einzelheiten zum geplanten Börsengang bekannt. Danach sollen insgesamt 11,8 Milliarden Dollar eingesammelt werden. 337,4 Millionen Aktien sollen ausgegeben werden, die Preisspanne liegt zwischen 28 und 35 Dollar. Die Gesamtbewertung würde danach am oberen Ende 100 und am unteren Ende immer noch 77 Milliarden Dollar betragen. Damit wäre Facebook das wertvollste Internet-Unternehmen, das jemals an die Börse gekommen ist. Bereits am Montag soll die Roadshow für den Börsengang beginnen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"