Verheerende Bilanz

Stand: 31.05.2012, 19:58 Uhr

Auch am letzten Tag des Monats scheinen viele Anleger der Börsenweisheit "Sell in May - and go away" gefolgt zu sein. Der Dax geht jedenfalls ernuet mit Verlusten aus dem Handel und weist die schlechteste Mai-Bilanz seit seiner Entstehung auf.

Im abgelaufenen Monat haben der deutsche Leitindex 7,3 Prozent, der spanische Ibex 13, das italienische Börsenbarometer Mib zwölf und der französische CAC40 6,1 Prozent verloren. Auf Jahressicht gesehen liegt von den fünf führenden Indizes der Eurozone nur noch der Dax im Plus.

Auch am Donnerstag gibt der Leitindex weiter nach und schließt 0,3 Prozent niedriger bei 6.264 Punkten, nachdem er bereits am Mittwoch 1,8 Prozent verloren hatte.

Im Tagesverlauf ist der Dax sogar bis auf 6.208 Punkte eingebrochen. Dass die Verluste am Ende doch relativ gering ausfallen, ist nur einer überraschenden Erholung unmittelbar vor Handelsende und in der Schlussauktion geschuldet.

Börsianer machen für die Kursverluste die Euro-Schuldenkrise verantwortlich. Dabei missfällt ihnen vor allem die Zerstrittenheit der verantwortlichen EU-Politiker. "Man hat den Eindruck, diese Leute hätten noch nicht begriffen, wie brenzlig die Lage ist", kritisiert Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Die Börsen in New York haben am Donnerstag keine klare Richtung gefunden. Zunächst hatten die schlechten Wirtschaftsdaten an der Wall Street für Ernüchterung gesorgt. Nach einem Medienbericht, demzufolge der Internationale Währungsfonds erwägt, einen Rettungskredit für das krisengeschüttelte Spanien aufzulegen, machten die Börsen die Verluste aber fast vollständig wett. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow aber wieder 0,2 Prozent niedriger bei 12.397 Zählern.

Schleppende US-Konjunktur
Ausgelöst wurde die Eintrübung am Nachmittag von der schlechter als erwartet ausgefallenen US-Einkaufsmanager-Index in der Region Chicago. Er sank von 56,2 Punkten im Vormonat auf 52,7 Zähler im Mai und erreichte damit den tiefsten Wert seit September 2009. Zudem ist dies der dritte Rückgang in Folge. Volkswirte hatten hingegen mit einer leichten Aufhellung der Stimmung auf 56,8 Punkte gerechnet.

Zuvor hatten bereits schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen vom US-Arbeitsmarkt die Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben des privaten Arbeitsvermittlers ADP sind im Mai in den USA außerhalb der Landwirtschaft 133.000 neue Jobs entstanden - 15.000 weniger als erwartet worden war. Auch die Zahl der wöchentlich erfassten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegt mit 383.000 über den Erwartungen von 370.000.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,19
Differenz relativ
+0,62%

Metro gefällt erneut
Eindeutiger Favorit im Dax ist den zweiten Tag in Folge die Aktie des Handelskonzerns Metro. Sie profitiert vom Verkauf ihrer Beteiligung in Großbritannien sowie von der überraschend guten Konsumlaune der Deutschen. Den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge sind die Umsätze im Einzelhandel im April gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent gestiegen. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,92
Differenz relativ
+0,86%

SAP empfohlen
Auch SAP gehört zu den Gewinner im Leitindex. Grund ist eine Kaufempfehlung der Schweizer Großbank UBS. Sie hat dies mit den Chancen durch die geplante Übernahme des amerikanischen Cloud-Spezialisten Ariba begründet. Dadurch sei mit höheren Renditen zu rechnen. Davon profitiert auch die Darmstädter Software AG, der zweitgrößte deutsche Unternehmenssoftware-Anbieter.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,28
Differenz relativ
-0,98%

Deutsche Bank ohne Ackermann
Die Aktie der Deutschen Bank ist ebenfalls begehrt. Der scheidende Chef Josef Ackermann hat auf der Hauptversammlung noch einmal seine eigene Bilanz gelobt, seine Nachfolger aber auf schwierige Zeiten eingestimmt. "Insbesondere die konjunkturelle Lage, die Schuldensituation und mangelnder Reformwille in einigen Ländern der Eurozone geben Anlass zur Sorge", sagte der Schweizer auf seiner letzten Hauptversammlung in Frankfurt.

Thyssen und HeidelCement leiden
An der Spitze der Liste der Verlierer stehen die alten Bekannten ThyssenKrupp und HeidelbergCement. Die Furcht vor einer sich eintrübenden Konjunktur sowie eine negative Studie der Investmentbank Morgan Stanley zu HeidelbergerCement sind die Ursache für die heutige Schwäche dieser beiden Aktien.

UBS mag Deutsche Wohnen
Größter Kursgewinner im MDax ist erneut die Aktie des Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen. Die Schweizer Großbank hat das Kursziel nach der angekündigten Übernahme von Baubecon auf 12,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Seine Schätzungen für den FFO - eine wichtige operative Kennzahl für Immobiliengesellschaften - habe er nach oben revidiert, schrieb Analyst Howard Lesser.

EADS: kein Bonus für "Major Tom
Im Minus beendet die im MDax notierte Aktie von EADS den Handel. Bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern ersetzt der bisherige Airbus-Chef Thomas Enders ("Major Tom") den Franzosen Louis Gallois an der Spitze, der nun altersbedingt den Posten räumt. Enders' bisheriger Vize, der Franzose Fabrice Brégier, rückt an die Airbus-Spitze nach.

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,09
Differenz relativ
-0,20%

Nordex im Aufwind
Im TecDax legen die Aktien von Nordex um mehr als sechs Prozent zu und sind damit der gefragteste Werte in dem Index. Händler verwiesen auf eine weitere Verschärfung des Handelskriegs zwischen den USA und China um alternative Energien. Hiervon könnte Nordex wegen seiner Aktivitäten in den USA etwas profitieren, meinten Händler. Die Aktie hat innerhalb eines Jahres mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt, nachdem sie zuvor bereits abgestürzt war.

Strabag gibt sich zuversichtlich
Abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Baukonzerns Strabag. Die Firma hält trotz eines höheren Verlusts im ersten Quartal an ihrer Prognose fest und erwartet im laufenden Jahr ein Vorsteuerergebnis von über 300 Millionen Euro. Das ist weniger als die 335 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Telefonica will O2 an die Börse bringen
Der spanische Telekomkonzern Telefonica bereitet einen möglichen Börsengang seiner Tochter O2 Deutschland vor. Wegen der hohen Schuldenlast und des schwachen Geschäfts auf dem Heimatmarkt Spanien könnte auch das gut laufende Geschäft in Lateinamerika an die Börse gehen. Sollte es zum Gang aufs Parkett kommen, wäre es wohl einer der größten Börsengänge in Deutschland seit vielen Monaten. Die Aktie ist leicht im Plus.

Thomas Cook tiefrot
Kräftig abwärts geht es mit der Aktie des angeschlagenen Reiseveranstalters Thomas Cook. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/2012 stürzte das Unternehmen wegen höherer Kosten und immenser Abschreibungen tief in die roten Zahlen. Bis Ende März fiel vor Steuern ein Verlust von 713 Millionen Pfund (891 MillionenEuro) an und damit 165 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)