Verdiente Rast

Detlev Landmesser

Stand: 27.03.2009, 20:46 Uhr

Nach sieben Tagen im Plus war eine Kursreaktion des Dax überfällig. Angesichts dessen, dass die Krise weiter auf Hochtouren läuft, war der Rücksetzer am Freitag durchaus moderat.

Der L-Dax ging mit 4.192,16 Punkten ins Wochenende. Dem Leitindex bleibt ein Wochenplus von über drei Prozent. Seit seinem Tief am 9. März legte der Dax sogar um gut 16 Prozent zu.

Auch die Wall Street litt unter Gewinnmitnahmen. Diesmal konnte US-Präsident Barack Obama den Markt nicht stützen. Sein Treffen mit Spitzenvertretern der Bankbranche brachte keine kurstreibenden Ergebnisse. Nach Angaben von JP Morgan-Chef Jamie Dimon verlief das Gespräch schleppend - was die Bankentitel weiter unter Druck brachte. Selbst die Mitteilung, dass Obama am Montag das langfristige Rettungskonzept für die Autobauer vorstellen will, half nur den üblichen Verdächtigen wie General Motors.

Erholungstrend noch intakt

"Wir haben hier auf monatlicher Basis eine der größten Rallys aller Zeiten gesehen. Jetzt ist die Luft raus und vor dem Wochenende sind die Anleger nervös - sie nehmen ihre Gewinne lieber mit." fasste ein Aktienhändler die Lage zusammen.

Was nicht ausschließt, dass die Zuversicht bald wieder die Oberhand gewinnt. Denn die kurzfristigen Aufwärtstrends der wichtigsten Aktienindizes blieben von dem Rücksetzer unberührt.

US-Konsumklima stabil
Das wichtigste Konjunkturdatum des Tages war der von der Uni Michigan erhobene Konsumklimaindikator. Dieser stieg nach der zweiten Schätzung im März von 56,3 auf 57,3 Punkte, während Volkswirte mit einer Bestätigung der Erstschätzung von 56,6 Punkten gerechnet hatten. Die Analysten der Postbank nannten das aktuelle Niveau jedoch weiter "besorgniserregend". "Auch nach der Anpassung liegt der Index nur marginal über seinem Rekordtief aus dem November", kommentierten die Experten.

Euro fällt zurück
Der Euro geriet am Vormittag heftig unter Druck und fiel um über zwei US-Cent auf Kurse unter 1,33 Dollar. Zum Teil machten Devisenhändler Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dafür verantwortlich, der vor den Folgen für die Gemeinschaftswährung gewarnt hatte, wenn einzelne Mitglieder den Stabilitätspakt nicht ernst nehmen. Dazu kamen Spekulationen darüber, wie weit die EZB der Fed nacheifern wird, um die Konjunktur zu stützen.

Fakten von der Commerzbank
Wieder verblüffte die Commerzbank-Aktie mit einem kräftigen Plus. Diesmal gab es wenigstens zählbare Fakten, die die Anleger zu Käufen animierten. Man habe schon mehr als die Hälfte des für dieses Jahr nötigen Refinanzierungsbedarfs von 20 Milliarden Euro abgedeckt, so die Commerzbank. Den Umfang der "toxischen" Papiere gab die Bank mit 15,5 Milliarden Euro an, bei der Tochter Dresdner Bank seien es 39,9 Milliarden Euro. Diese werden nun in eine interne "Bad Bank" ausgelagert, die die Papiere separat abwickeln soll.

ThyssenKrupp-Umbau beschlossene Sache
Die auf der heutigen Aufsichtsratssitzung gefassten Beschlüsse konnten der ThyssenKrupp-Aktie nicht nach oben helfen. Das Kontrollgremium segnete den tiefgreifendsten Konzernumbau seit der Fusion vor zehn Jahren ab. Die Zahl der Konzernsparten soll von fünf auf zwei reduziert werden. Mehrere Vorstandsposten sollen wegfallen. Die Neugliederung soll Einsparungen von jährlich 500 Millionen Euro bringen.

Verwirrung um Siemens-Prognose
Der Siemens-Aktie hielt sich dank zuversichtlicher Aussagen von Finanzchef Joe Kaeser besser als der Markt. Die Ergebnisprognose von bis zu 8,5 Milliarden Euro gelte weiterhin, sagte der Manager. Analysten hätten zuletzt eher mit einem operativen Ergebnis von 6,5 bis 7,5 Milliarden Euro gerechnet. Allerdings hieß es später aus Siemens-Kreisen, der Vorstand werde die Prognose Ende April unter die Lupe nehmen.

Bonitätsnote von Metro wackelt
Schwächster Dax-Titel war Metro mit einem Verlust von fünf Prozent. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) prüft eine Herabstufung des Metro-Kreditratings. Damit würde die Refinanzierung des Handelskonzerns teurer werden.

Gerüchte drücken Adidas
Die Adidas-Aktie hatte mit Gerüchten zu kämpfen. Laut Händlern belasteten Spekulationen darüber, dass Adidas wegen der schwachen Nachfrage in Asien eine Gewinnwarnung ausgeben werde. Adidas wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Praktiker kann Anleger beruhigen
Mit 11,2 Prozent Plus war Praktiker einer der gefragtesten Titel im MDax. Auch Praktiker blieb auf seiner Bilanzpressekonferenz eine genaue Prognose schuldig, doch die allgemein gehaltenen Aussagen stimmten die Anleger zufrieden. Das Geschäft werde sich vorübergehend deutlich abschwächen, man strebe aber "auch bei rückläufigen Umsätzen ein angemessenes Ergebnis (Ebita) an", so der Baumarktkonzern. Dabei wolle Praktiker an der "Kostenbasis" arbeiten.

Unicredit mag Stada wieder
Noch besser schnitt die Stada-Aktie ab. Die Analysten der Unicredit hatten auf den jüngsten Kursverfall mit einer Anhebung ihrer Anlageempfehlung von "Hold" auf "Buy" reagiert.

Fuchs will Stellen abbauen
Die Vorzugsaktie von Fuchs Petrolub gab leicht nach. Die Geschäftsentwicklung in den beiden ersten Monaten 2009 sei "in hohem Maße unbefriedigend" verlaufen, klagte das MDax-Unternehmen. Im Gesamtjahr 2009 dürften sich Umsatz und Ergebnis verringern. Der Schmierstoffhersteller reagiert mit einem Personalabbau. Weltweit soll jeder zehnte Mitarbeiter der insgesamt gut 3.800 Mitarbeiter gehen.

United Internet kräftig erholt
Im TecDax fiel vor allem die Aktie von United Internet auf, die um bis zu 17,3 Prozent zulegte. Marktteilnehmer wussten keinen konkreten Grund dafür anzugeben, nachdem der Internetkonzern gestern eine tiefrote Bilanz veröffentlicht hatte. Vielleicht half dem Titel, dass auch die Aktie der Sorgen-Beteiligung Freenet deutlich an Wert gewann.

Singulus-Aktie driftet ab
Die Aktie des Anlagenbauers Singulus konnte nach Vorlage der endgültigen Zahlen nur vorübergehend profitieren. Der Jahresverlust von 49,3 Millionen Euro lag am unteren Ende der Analystenerwartungen. Das TecDax-Unternehmen hofft auf eine Geschäftsbelebung im zweiten Halbjahr und setzt unter anderem auf das Solargeschäft. Doch gerade hier herrscht mittlerweile ein scharfer Wettbewerb.

Aareal fährt Achterbahn
Die Aktie der Aareal Bank schaffte dagegen das Kunststück, einen zwischenzeitlichen Verlust wieder wettzumachen. Der im SDax notierte Immobilienfinanzierer zeigte sich nach dem Erhalt von Staatshilfen zuversichtlich, die anhaltende Finanzkrise ohne große Blessuren zu überstehen. Auch für das vierte Quartal wies die Bank einen Gewinn aus.

Kampa baut wieder
Der Betrieb des insolventen Fertighaus-Herstellers Kampa läuft wieder an. Die Bezahlung der rund 750 Mitarbeiter sei bis Ende Mai gesichert, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schreiber mit. Dann soll voraussichtlich die Insolvenz eröffnet werden. Dabei gebe es Vorgespräche mit mehreren potenziellen Investoren, sagte Schreiber, der den Kampa-Aktionären allerdings wenig Hoffnung machte: "Eine Werthaltigkeit der Aktien ist im normalen Insolvenzverfahren nur wahrscheinlich, wenn vorab sämtliche Gläubiger voll befriedigt sind. Leider tritt dieser Fall selten auf."

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat