Verdiente Rast

Detlev Landmesser

Stand: 08.02.2007, 20:21 Uhr

Am Donnerstag musste die Börse der atemlosen Rally der Vortage Tribut zollen. Für den MDax war der Tag historisch, wozu auch ein spektakuläres Comeback beitrug.

Zum ersten Mal in seiner elfjährigen Geschichte stieg der Index der 50 wichtigsten Aktien aus der zweiten Reihe vorübergehend über die 10.000-Punkte-Marke. Der L-Dax schloss 0,5 Prozent tiefer bei 6.884,69 Punkten.

Wie erwartet, ließ der Rat der Europäischen Zentralbank den Leitzins auf seiner heutigen Sitzung unverändert bei 3,5 Prozent. Auf der nachfolgenden Pressekonferenz ließ es EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nicht an Signalen für die bereits erwartete Leitzins-Erhöhung am 8. März fehlen: Zum einen gebrauchte er die Schlüsselformulierung, die Währungshüter wahrten "starke Wachsamkeit" mit Blick auf die Inflationsentwicklung, zum anderen erklärte er, die EZB werde "entschieden und zeitnah handeln".

So viel Klarheit wird an der Börse eigentlich geschätzt. Dennoch weitete sich das Tagesminus am Nachmittag noch aus. Händler begründeten das mit Gewinnmitnahmen und fehlenden Impulsen aus den USA.

Denn auch dort überwogen bis zum Abend die Minuszeichen. Dabei waren die jüngsten Zahlen der US-Konzerne nicht übel. Der Getränkeriese PepsiCo hat seinen Gewinn im vierten Quartal 2006 wie erwartet gesteigert und will im laufenden Jahr weiter zulegen. Auch die Aktie von Walt Disney konnte kaum von den besser als erwarteten Quartalszahlen profitieren.

MAN im Rampenlicht

Am deutschen Aktienmarkt stand wieder einmal MAN im Mittelpunkt des Interesses. Zeitungsberichte, wonach VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech auch den Vorsitz des Kontrollgremiums bei MAN anstrebt, beflügelten den Dax-Titel. Dahinter standen Spekulationen, dass eine Dreier-Hochzeit zwischen MAN, Scania und der Lkw-Sparte bei VW doch bald bevorstehen könnte. Zudem hatten einige Analysten den Dax-Titel mit Empfehlungen versehen.

Siemens droht Ärger in Norwegen
Die Siemens-Aktie geriet im Verlauf stärker unter Druck. Dem Technologiekonzern steht in neuer Ärger ins Haus, diesmal aus Norwegen. Die dortige Wettbewerbsbehörde hat am Mittwoch Büros der Siemens-Sparte Gebäudetechnik untersucht, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Es gehe um angebliche Absprachen im Brandschutzsektor. Siemens kooperiere mit den Behörden. Erst vor wenigen Wochen hatte die EU-Kommission Siemens wegen Kartellabsprachen im Energieverteilungssektor eine Rekordstrafe von knapp 420 Millionen Euro aufgebrummt.

Premiere macht den Stallone
Das Comeback der Woche ist wohl Premiere gelungen. Der MDax-Titel schoss um fast 20 Prozent nach oben, und verhalf dem Index damit über die 10.000er-Marke. Die Anleger feierten einen Kooperationsvertrag mit dem Konkurrenten Arena, durch den Premiere die Fußball-Bundesliga wieder über Satellit und einige Kabelnetze senden kann. Das Unternehmen setzte die Jahresprognosen gleich für 2008 und 2009 nach oben. Die Investoren sahen dabei auch über Verluste 2006 hinweg.

Immobilien wieder "in"
Die Aktie von Patrizia Immobilien im MDax legte um rund 3,3 Prozent zu. Experten sehen die gesamte Branche derzeit wieder im Aufwind. Anleger schauten wieder vermehrt auf die Titel, sagte Sal. Oppenheim-Analyst Kai Klose am Donnerstag. Auch die Aktie von Colonia Real Estate im SDax gewann mehr als drei Prozent.

Hannover Rück: Prämien-Zenit überschritten
Das Papier der Hannover Rück gab 0,6 Prozent ab. Das Geschäft für den weltweit viertgrößten Rückversicherer wird wie für die gesamte Branche schwieriger. Nur ein deutlicher Anstieg der Bruttoprämien in Deutschland verhalf der Hannover Rück zu einer erfolgreichen Neuverhandlungsrunde mit ihren Kunden. Bei der Erneuerungsrunde zum 1. Januar stiegen die Bruttoprämien in Deutschland um 16 Prozent. Weltweit stiegen sie nur um zwei Prozent. Die Phase, in der die Rückversicherer gegenüber den Erstversicherern hohe Preise durchsetzen konnten, habe ihren Zenit überschritten, räumte Vorstandschef Wilhelm Zeller ein. Das Jahr 2006 war gemessen an Großschäden wie Stürmen und Flugzeugabstürzen anders als die Jahre zuvor glimpflich verlaufen. Hohe Schäden ziehen in der Regel höhere Preise nach sich.

Buyout-Gerüchte um Epcos
Größter der nur drei Gewinner im TecDax war die Epcos-Aktie. Am Markt kursierten Gerüchte, bei dem Anbieter passiver Bauelemente sei ein "Leveraged Buyout", eine fremdfinanzierte Übernahme geplant. Nach den zuletzt vorgelegten, schwachen Zahlen sei die darauf folgende Kurskorrektur nun offenbar abgeschlossen.

Solarwerte im Schatten
Angesichts wieder deutlich fallender Ölpreise hatten die Solar-Unternehmen im TecDax am Donnerstag das Nachsehen. Solarworld, Ersol, Conergy, Solon und Q-Cells verloren zwischen 4,2 und 5,1 Prozent. Q-Cells hatte am Morgen bekannt gegeben, das Emissionsvolumen seiner Wandelanleihe aufgestockt zu haben. Die hohe Nachfrage nach der Anleihe habe dies möglich gemacht. Inklusive der Mehrzuteilungsoption könnten nun bis zu 492,5 Millionen Euro erlöst werden.

Zoff bei Cewe Color
Bei dem von Hedge-Fonds bedrängten Fotoentwickler Cewe Color geht es weiter rund. Nach Firmenangaben hat das Aufsichtsratsmitglied Sebastian Freitag seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Freitag habe als Interessenvertreter der amerikanischen Fonds und Cewe-Großaktionäre M2 Capital und K Capital in dem Gremium gesessen, teilte Cewe Color mit. M2 Capital hat Vorstand und Aufsichtsrat Versagen vorgeworfen und will eine Sonderdividende von mindestens fünf Euro je Aktie erzwingen. Nach Darstellung von Cewe Color agiert M2 Capital hier gemeinsam mit K Capital.

Marseille bei guter Gesundheit
Der Pflegeheim-Betreiber Marseille Klinkien hat Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 gesteigert. Die Erlöse legten von 103,3 auf 107,8 Millionen Euro zu. Das Ergebnis kletterte von 5,8 auf 7,0 Millionen Euro. Für den weiteren Geschäftsjahresverlauf stellte das Unternehmen aus dem Prime Standard eine Beschleunigung des Umsatz- und Ergebniswachstums in Aussicht.

... Syskoplan auch
Trotz der Trennung von seinem Auslandsgeschäft hat der IT-Dienstleister Syskoplan im vergangenen Jahr seinen Umsatz gesteigert. Dieser stieg 2006 auf 45,2 Millionen Euro, nachdem 2005 inklusive des Auslandsgeschäfts noch 41,8 Millionen Euro erzielt worden waren. Unter dem Strich blieben dem Gütersloher Unternehmen 2,2 nach 1,3 Millionen Euro 2005. Wie bereits in den beiden Jahren zuvor sollen die Aktionäre davon 26 Cents je Aktie abbekommen. Syskoplan bietet vor allem deutschen Großunternehmen Zusatzleistungen für SAP-Produkte an.

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