Verbraucher hieven Dax ins Plus

Stand: 25.05.2012, 20:00 Uhr

Neue Sorgen um Spanien haben den Dax am Freitag kräftig durchgeschüttelt und immer wieder ins Minus gedrückt. Doch am Ende sorgt die überraschend gute Laune der Verbraucher doch noch für ein Fünkchen Hoffnung.

Es ist vor allem das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen, das die Sorgen der Anleger um eine Eskalation der Schuldenkrise für einen Moment in den Hintergrund treten lässt. Tatsächlich ist der Index im Mai um 2,9 auf 79,3 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2007 gestiegen. Analysten hatten mit 77,8 Zählern gerechnet. Wie aus der Erhebung hervorgeht, zeigten sich die Konsumenten optimistischer über die Lage am Arbeitsmarkt.

Das genügte zu einer leichten Erholung des deutschen Leitindex um 0,38 Prozent auf 6.340 Punkte. Damit verbucht der Dax auf Wochensicht ein Plus von 1,10 Prozent. Das französische Verbrauchervertrauen war im Mai auf den höchsten Wert seit Ende 2010 gestiegen. Zudem hatte der Marktforscher GfK von einer stabilisierten Stimmung unter den deutschen Verbrauchern gesprochen. Dennoch lasteten die Sorgen um die europäische Schuldenkrise weiter auf dem Markt.

Wegen immer neuer Sorgen um Spanien, wo die autonome Region Katalonien, die ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet, 13 Milliarden Euro frisches Kapital braucht, war der Dax am Nachmittag zeitweise in die Verlustzone gerutscht und fand erst bei 6.279 Punkten seinen Boden.

Dow im Minus
Dagegen hat die Furcht vor einer Verschärfung der Schuldenkrise in der Euro-Zone die US-Börsen auch zum Wochenausklang fest im Griff. Vor allem die anhaltenden Spekulationen über die Zukunft Griechenlands belasteten den Markt, sagten Händler. Trotz des positiven Verbrauchervertrauens verharrt der Dow Jones-Index im Minus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,4 Prozent im Minus bei 12.484 Punkten. Auch der Euro kann sich nicht erholen. Er notiert bis zum Handelsschluss bei 1,251 Dollar und damit fast ein Cent niedriger als am Morgen.

Derweil wurde bekannt, dass die vier größten Volkswirtschaften der Eurozone im Ringen um einen Ausweg aus der Schuldenkrise den Schulterschluss suchen. Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien planen nach Angaben der Bundesregierung dazu ein Gipfeltreffen. Es liefen derzeit die Absprachen für einen Termin, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittag in Berlin.

Bankia wird zum Milliardengrab
Die Sanierung der angeschlagenen Großbank Bankia soll den spanischen Staat mehr als 23 Milliarden Euro kosten. Wie die staatliche Nachrichtenagentur EFE am Freitag unter Berufung auf Finanzkreise berichtete, will das teilverstaatlichte Geldinstitut die Madrider Regierung um eine weitere Finanzhilfe von 19 Milliarden Euro bitten. Dies sehe ein Sanierungsplan vor, den die Bank der Regierung vorlegen werde. Das Unternehmen hatte vor zwei Jahren bereits 4,5 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds erhalten.

Zudem hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Einstufung für fünf spanische Banken erneut gesenkt, nachdem sich die Agentur die Institute bereits Ende April als Folge der Abstufung Spaniens vorgeknöpft hatte. Nur Santander und BBVA bleiben verschont. Sie behielten ihr Rating von Ende April bei, das bei "BBB+" beziehungsweise "A-" liegt.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank empfiehlt Siemens
Siemens-Aktien profitieren kräftig von einer positiven Analystenstudie. Die Anteile an dem Elektrokonzern sind der stärkste Wert im Dax. Analyst Peter Reilly von der Deutschen Bank sieht einen guten Einstiegspunkt gekommen und rät nun zum Kauf der Siemens-Aktie. Er hob sein Kursziel von 80,00 auf 85,00 Euro an. Der Fokus dürfte sich nach einer Phase negativer Nachrichten nun wieder auf die Profitabilität richten. Wie schon 2008 könnte sich ein Einstieg bei sehr schlechter Stimmung für die Aktien und angesichts der geplanten Kostensenkungen bei Siemens lohnen.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Post gefällt
Auch die Aktie der Post kann überdurchschnittlich zulegen. Grund ist auch hier eine Studie der Deutschen Bank. Sie empfiehlt das Papier zum Kauf, hat aber das Kursziel bei 17,00 Euro belassen. Der gestrige Investorentag sei ausgesprochen positiv gewesen und stimme zuversichtlich, schrieb Analyst Andy Chu. Er sieht seine Kaufempfehlung gestärkt. Das Management handele genau richtig, indem es den Fokus auf organisches Wachstum lege und realistische Ziele setze. Zudem sei die Aktie preiswert.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Telekom ex Dividende
Kräftig bergab, um zeitweise acht Prozent, geht es mit der T-Aktie, die heute mit einem kräftigen Dividendenabschlag gehandelt wird und am Dax-Ende steht. Das Unternehmen hat 0,70 Euro ausgeschüttet. Ebenfalls ex Dividende werden Solarworld aus dem TecDax (0,09 Euro) sowie Salzgitter aus dem MDax (0,45 Euro) gehandelt.

VW-Gerüchte bei SGL
Im MDax gehört die SGL-Aktie zu den stärksten Werten und legt um rund zwei Prozent zu. Der "Platow-Brief" berichtet über angebliches Interesse von VW, den Anteil aufzustocken. VW hält gut acht Prozent am Hersteller von Graphitprodukten.

Praktiker braucht noch mehr Geld
Ans SDax-Ende gerutscht ist die Aktie des Baumarktkonzerns Praktiker. Das Unternehmen will zur Finanzierung seines Sanierungsprogramms mehr neue Aktien ausgeben als bisher angekündigt. Das Unternehmen schlug der Hauptversammlung in seiner Einladung am Freitag vor, die Ausgabe von bis zu 57 Millionen neuen Anteilsscheinen zu genehmigen. Damit sollten brutto 60 Millionen Euro erlöst werden, hieß es. Zuletzt hatte Praktiker eine Kapitalerhöhung lediglich aus bereits genehmigtem Kapital angekündigt - demnach kann das Unternehmen 25 Millionen neue Aktien ausgeben, ohne die Anteilseigner gesondert zu fragen.

Gesco öffnet die Schatulle
Ins Plus gedreht ist dagegen die Aktie der Beteiligungsfirma Gesco aus dem SDax. Sie hat im vergangenen Geschäftsjahr dank florierender Geschäfte im Fahrzeug- und Maschinenbau Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn verbucht. Daran sollen die Aktionäre mit einer um 45 Prozent höheren Dividende von 2,90 Euro je Aktie beteiligt werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen