USA funken dazwischen

Stand: 31.01.2012, 19:54 Uhr

Der beschlossene EU-Fiskalpakt hob die Stimmung, die aktuellen Daten der US-Wirtschaft sorgten im Anschluss für einen Dämpfer. Aber dennoch erlebten die Investoren einen famosen Januar.

Der Dax legte zum Jahresstart im Januar mit 9,5 Prozent fast zweistellig zu - die Investoren dürften sich über die nachgeholte Jahresendrally freuen, selbst wenn der deutsche Leitzindex zuletzt in der Nähe der 6.500-Punkte-Marke festgenagelt zu sein scheint. Der Dax rettete am Dienstag ein kleines Plus über die Ziellinie, aber die Marke von 6.500 Punkten hat nicht gehalten. In der vergangenen Woche hatte er immerhin zweimal über dieser Hürde geschlossen.

Mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent erreichte der deutsche Leitindex 6.458,91 Punkte. Seinen Tageshöchststand hatte der Index bei 6.533,22 Zählern markiert, der Late Dax stieg um Prozent auf Punkte. In den USA lag der Dow Jones am Abend leicht im Minus.

"Breiter Seitwärtskanal"
Ob die starke Phase jetzt zu Ende ist? Experten schließen das zumindest nicht aus: "Nach dem starken Auftakt ins neue Jahr erwarten wir kurzfristig eine Rückkehr der Unsicherheit. Die vorhandenen Risiken sollten dann wieder adäquat von den Investoren wahrgenommen werden und die Kurse in einen breiten Seitwärtskanal wechseln", prognostiziert Heinz-Gerd Sonnenschein, Analyst bei der Postbank.

Zunächst lief aber alles im Sinne der Anleger: Das Ergebnis des EU-Gipfels fand freundlichen Beifall, die Aussicht auf das in den kommenden Tagen zu erzielende Ergebnis der Verhandlungen in Griechenland verlor den Schrecken und es herrschte Zuversicht. "Europas Börsen haben von positiv aufgefassten Ergebnissen des EU-Gipfels profitiert", sagte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets.

Aufwärtstrend trotzdem robust
In die falsche Richtung bewegte sich nach Ansicht der Anleger dann die US-Konjunktur: Die von den Experten geschürten Erwartungen an die heutigen Wirtschaftsdaten erwiesen sich als Luftnummer: Das Verbrauchervertrauen des Conference Board trübte sich überraschend ein und fiel von 64,8 auf 61,1 Punkte. Fachleute hatten im Schnitt sogar auf 68,0 Punkte getippt.

Ebenso überrascht wurden Analysten und Investoren vom Stimmungsindex der Chicagoer Einkaufsmanager. Er verpasste mit 60,2 Punkten die Vorstellungen der Fachleute ebenfalls recht signifikant - sie glaubten an einen Anstieg auf 63,0 Punkte.

Postbank-Fachmann Heinrich Bayer warnte jedoch vor zu viel Pessimismus: "Der Indikator liege mit 60,2 Punkten weiter auf einem hohen Niveau." Werte von über 60 Punkten wiesen nach seiner Einschätzung üblicherweise auf einen robusten Aufwärtstrend hin.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger zufrieden mit ThyssenKrupp
Die Dax-Spitze belegte der Stahlkonzern ThyssenKrupp. Das Unternehmen hat nach Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung den Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum perfekt gemacht. Der Bereich wird nach Angaben des Unternehmens mit 2,7 Milliarden Euro bewertet, mehr als zunächst erwartet. Bis 2015 soll es grundsätzlich keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Goldman-Analyse hilft HeidelCement
Auch die Titel von HeidelbergCement waren besonders beliebt. Sie wurden von der Investmentbank Goldman Sachs zum einem der bevorzugten Aktien im Bausektor erkoren, das Kursziel wurde leicht auf 43 Euro angehoben. Der deutsche Zementmarkt wird in diesem Jahr voraussichtlich auf der Stelle treten. 2012 werde die Zementnachfrage bei einem weiterhin positiven Konjunkturverlauf mit rund 28 Millionen Tonnen stabil bleiben, teilte der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) mit.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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HSBC sieht bei Coba Kurspotenzial
Die Commerzbank-Aktie wird bei ihrem Kursgewinn von 2,3 Prozent von einem Analystenkommentar der HSBC gestützt. Die Experten setzen ein Kursziel von drei Euro, das Papier notiert derzeit bei 1,84 Euro.

Kurssprung bei Gigaset
Das Nachfolgeunternehmen der Beteiligungsgesellschaft Arques hat im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die Aktie des Telefonherstellers Gigaset reagierte euphorisch und belegte im TecDax die Spitzenposition. 2011 hat Gigaset 36 Cents je Aktie verdient, nach einem Verlust von 3,45 Euro je Anteilsschein 2010. Der Umsatz schrumpfte durch die Abspaltung von Unternehmensteilen von einer Milliarde auf 521 Millionen Euro.

Wirecard fällt zurück
Der Internet-Zahlungsdienstleister aus dem TecDax hat im vierten Quartal operativ (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda) 26,2 Millionen Euro verdient. Das lag nur 0,2 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis und leicht unter den Analystenerwartungen. Der Umsatz legte im Quartal um 20 Prozent auf 92,3 Millionen Euro zu. Die Aktie schloss unter Vortagesniveau.

GfK sinkt ans Index-Ende
Die Aktie des Marktforschungsunternehmens fiel um knapp drei Prozent. Der GfK-Umsatz ist im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 1,37 Milliarden Euro gewachsen. Wie die GfK am Morgen mitteilte, konnte das operative Renditeziel von 14,3 Prozent nicht ganz erreicht werden - die operative Umsatzrendite lag bei 13,7 Prozent. In absoluten Zahlen erreichte das operative Ergebnis (vor Zinsen und Steuern) 188 Millionen Euro, ein Plus von drei Prozent.

Pfizer senkt Prognose
Beim weltgrößten Pharmakonzern Pfizer brechen nach dem Patentverlust für das umsatzstärkste Medikament Lipitor schwierige Zeiten an. Im laufenden Geschäftsjahr werde der Umsatz von 67,4 Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf 60,5 bis 62,5 Milliarden Dollar zurückgehen, teilte das Unternehmen mit. Im vierten Quartal 2011 übertraf Pfizer beim bereinigten Gewinn die Markterwartungen. Der Konzern setzte im Schlussquartal 16,7 Milliarden Dollar um, ein Minus von vier Prozent.

Härtere Zeiten für Eli Lilly
Der Pharmakonzern Eli Lilly erwirtschaftete im abgelaufenen vierten Quartal 2011 je Aktie einen Überschuss von 0,77 Dollar bei Umsätzen von 6,05 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit Erlösen von 5,9 Milliarden gerechnet. Enttäuschend ist, dass Eli Lilly für sein bisheriges Top-Medikament Zyprexa zur Behandlung der Schizophrenie in diesem Jahr von einem Umsatzeinbruch von mehr als drei Milliarden Dollar ausgeht. Nach Ablauf des Patentschutzes steht Zyprexa inzwischen in den USA im Wettbewerb mit den billigeren Kopien der Generikahersteller.

UPS unter Zustelldruck
Der US-Paketdienst UPS hat so gut zu tun wie noch nie. Im vierten Quartal 2011 beförderte der Konkurrent der Deutschen Post mehr als 1,1 Milliarden Sendungen - ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wegen Weihnachten sind in dem Quartal besonders viele Pakete und Briefe unterwegs. Der Umsatz verbesserte sich in der Folge um 6 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar. Konzernchef Scott Davis sprach von "Rekordzahlen".

Milliardengewinn bei Exxon Mobil
Im vierten Quartal stieg der Gewinn des Ölkonzerns um 1,6 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar. Es war der niedrigste Quartalsgewinn im vergangenen Jahr, Exxon lag nur knapp über den Erwartungen von Analysten. Der Umsatz erhöhte sich um 16 Prozent auf 121,6 Milliarden Dollar. Ölkonzerne profitierten weltweit von dem Preisanstieg, litten jedoch zeitgleich unter der schwächeren Konjunktur.

Mattel-Aktie steigt
Dank eines insgesamt gut laufenden internationalen Geschäfts konnte der Spielzeughersteller Mattel den Gesamtumsatz um ein Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Dollar steigern (1,7 Mrd Euro). Der Gewinn verbesserte sich dank Einsparungen um 14 Prozent auf unterm Strich 371 Millionen Dollar. Die Aktie legte deutlich zu.

Enel übertrifft Prognosen
Der größte italienische Versorger Enel hat im abgelaufenen Jahr mehr verdient als von Analysten erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 1,1 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten mit 17,3 Milliarden Euro gerechnet. Der Schuldenstand des Unternehmens lag zum Jahresende bei 44,6 Milliarden Euro, nach 44,9 Milliarden Euro Ende 2010. Enel gehört zu den europäischen Versorgern mit der höchsten Schuldenlast. Eine Zwischendividende für das Jahr 2012 schloss Enel aus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr