Marktbericht 15:00 Uhr

Marktbericht positiv
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Strohfeuer oder Wende? Zollhoffnungen wie Doping für die Börse

Stand: 18.01.2019, 15:00 Uhr

Nähern sich die USA und China im Zollstreit doch noch an? Es gibt neue Hoffnung und schlagartig ist die miese Stimmung zur Jahreswende wie weggefegt. Aber kommt es zwischen Washington und Peking wirklich zum Durchbruch?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Genau darauf setzen die Anleger zum Wochenausklang und treiben den Dax zunächst über die Marke von 11.000 Punkte und danach immer weiter. In der Spitze ist der deutsche Leitindex bisher bis auf 11.159 Punkte beziehungsweise über zwei Prozent gestiegen. Ein Niveau, das er auch am Nachmittag behauptet. Auch die Vorbörse in New York tendiert freundlich.

"Der Dax nimmt zum Wochenschluss noch einmal richtig Fahrt auf", sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Online-Broker CMC Markets. "Jetzt könnte die Frankfurter Börse nach oben durchstarten."

Kommen China und Amerika doch noch zusammen?

Die Marktreaktion zeigt, wie herausragend das Handelsstreit-Thema zwischen den beiden Wirtschaftsgiganten für die Weltbörsen ist. Sogar Brexit-Ängste, die keineswegs von der Agenda verschwunden sind, treten heute zurück.

B5-Moderatorin Margit Siller
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B5 Börse 14.15 Uhr: Wochenendspurt im Dax

Hintergrund der überraschenden Aktien-Euphorie ist ein Artikel des angesehenen "Wall Street Journal", das sich auf einen Insiderbericht stützt. Danach habe Finanzminister Steven Mnuchin vorgeschlagen, US-Einfuhrzölle auf chinesische Produkte aufzuheben. Zwar dementierte ein Ministeriumssprecher den Bericht, die Anleger bleiben aber trotzdem in Kauflaune. Ein Durchbruch im Zollstreit würde das derzeit wohl größte Risiko für die Weltwirtschaft entschärfen.

Aber ganz ohne Wasser im Wein geht es nicht. Denn zu oft sind sich die Streithähne bisher in die Haare geraten. Entsprechend hoch ist daher das Rückschlagspotenzial. Realistisch betrachtet dürfte es sich wohl eher um ein ganz zartes Hoffnungspflänzchen handeln - ein Silberstreif am Horizont ist es aber allemal und es zeigt sich, was für ein Potenzial im Markt steckt, wenn die Bullen denn losgelassen werden.

Fast nur Gewinner auf dem Kurszettel

Die Gewinne sind heute breit untermauert. Im 30 Werte umfassenden Dax gibt es derzeit gar keinen Verlierer und sogar im mit 60 Mitgliedern doppelt so stark bestückten MDax liegt nur die Biotech-Aktie Morphosys im Minus. Ein seltenes Bild. Wirecard führen den Dax an, Beiersdorf kämpfen am Indexende mit der Nulllinie und sind derzeit einziger Kandidat für einen Tagesverlust. Im MDax gehört unter anderem Dax-Absteiger Commerzbank zu den größten Gewinnern und legt über fünf Prozent zu.

Euro bei 1,14 Dollar leicht besser

Die Gemeinschaftswährung kämpft derzeit mit der Marke von 1,14 Dollar und steht damit leicht höher als am Mittag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1396 Dollar festgesetzt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Am Nachmittag erwartet der Devisenmarkt noch Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung in den USA für den Dezember. Auch die erste Umfrage zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den Januar steht auf der Agenda. Hinzu kommen noch Ansprachen einiger Fed-Mitglieder, unter anderem von Patrick Harker, dem Fed-Chef von Philadelphia. Zuletzt hatte Fed-Chef Jerome Powell eine langsamere Gangart im Zinszyklus der Fed angekündigt nach vier Zinserhöhungen im Jahr 2018.

Das britische Pfund gab einen Teil seiner Gewinne vom Vortag wieder ab. Premierministerin Theresa May führt derzeit Gespräche mit der Opposition, um einen EU-Austritt ohne Vertrag zu verhindern. Am Montag soll sie im Parlament ihren "Plan B" vorstellen.

Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen nennt die Situation für Investoren "frustrierend". Es lasse sich aktuell nicht absehen, wie der "Plan B" May aussehen könnte. Damit bleibe auch "vollkommen unklar", wie es auf dem Weg zum Brexit und damit für das Pfund weitergehen solle.

Ölpreise ziehen an, Gold sieht weiter gut aus

Die sich abzeichnende Entspannung im Handelsstreit beflügelt auch die Ölpreise. Die Preise für Brent und WTI ziehen deutlich an. Ängste vor einer Konjunkturdelle und damit einer nachlassenden Öl-Nachfrage infolge des Handelsstreits werden gedämpft.

Die steigenden Aktienkurse und die nachlassende Risikoaversion der Anleger drücken auf den Goldpreis. Der Preis für die Feinunze Gold gibt leicht nach auf 1.281 Dollar. Die mittelfristigen Perspektiven für das gelbe Edelmetall sind allerdings weiterhin gut, der Aufwärtstrend intakt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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BASF: Grünes Licht aus Brüssel

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die EU-Kommission hat die Übernahme des Polyamidgeschäfts der belgischen Solvay durch BASF genehmigt. Die Kommission gab dem 1,6 Milliarden Euro schwerem Deal am Freitag unter Auflagen grünes Licht. Die von den beiden Konzernen angebotenen Zugeständnisse beseitigten die wettbewerbsrechtlichen Bedenken, teilte die Behörde mit. Dazu gehörten anderem der Verkauf von Solvay-Produktionsanlagen in Frankreich, Polen und Spanien an einen einzigen Käufer, die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmen sowie langfristige Lieferverträge über das wichtige Nylon-Vorprodukt Adiponitril.  | mehr

Hellofresh liefert Umsatzüberraschung

Im SDax haussiert die Hellofresh-Aktie. Der Kochbox-Versender hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz währungsbereinigt um 41 Prozent auf knapp 1,28 Milliarden Euro verbessert. Das Unternehmen selbst hatte ein Plus von 32 bis 37 Prozent in Aussicht gestellt. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf 54 bis 58 Millionen Euro - das war deutlich weniger als der Markt erwartet hatte.  | mehr

Übernahmefantasie bei Metro

Metro-Aktien schieben sich an die MDax-Spitze. Dies nach Insiderberichten, dass der tschechische Braunkohle-Milliardär und Großaktionär Daniel Kretinsky und sein Partner Patrik Tkac an einem Finanzierungspaket zum Kauf weiterer Anteile arbeiten. Bis März solle ein Konzept vorliegen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber "Reuters".

Kretinsky hät 7,3 Prozent an Metro und hat eine Option für weitere 15,2 Prozent aus dem Haniel-Fundus. Auch am Elektronikhändler Ceconomy ist Kretinski beteiligt, so dass am Ende ein Anteil von mehr als 30 Prozent stehen könnte. Dies würde ein Übernahmeangebot auslösen und heizt an der Börse natürlich die Fantasie an.

Derweil treibt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Ermittlungen gegen Manager des Handelsriesen Metro wegen des Verdachts auf Insiderhandel und Marktmanipulation voran. Die Behörde geht dem Verdacht im Zusammenhang mit der Aufspaltung der alten Metro nach.

Wacker Chemie: Obenauf trotz Gewinnwarnung

Der MDax-Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) unter Erwartungen eingefahren: Das Ebitda fiel auf 930 Millionen Euro. Ursprünglich war das Unternehmen von einem Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich ausgegangen.

Wacker Chemie begründete die Senkung mit noch nicht erhaltenen Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Werk in Charleston m Bundesstaat Tennessee in den USA. Die Wacker-Chemie-Aktie gehört dennoch zu den größten Kursgewinnern im MDax.

Shop Apotheke: Apotheken-Widerstand ebbt ab

Die Aussicht auf ein Ende des Widerstands von Apotheken gegen den Online-Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln treibt den Kurs der Shop Apotheke an. Das Papier gehört zu den größten Gewinnern im SDax. Nach monatelangem Widerstand sind Deutschlands Apotheker unter Umständen bereit, den Fortbestand des Versandhandels mit verschreibungspflichtiger Arznei zu akzeptieren.

S&T will Aktien zurückkaufen

Der österreichische IT-Dienstleister S&T will eigene Aktien zurückkaufen. Dafür wollen die Linzer bis zu 30 Millionen Euro in die Hand nehmen. Die maximale Stückzahl liegt bei zwei Millionen respektive drei Prozent des Grundkapitals. An der Börse kam das gut an, die S&T-Aktie war Tagessieger im TecDax und legte 7,5 Prozent zu.

Citigroup sieht K+S wieder besser

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Eine Hochstufung von "Sell" auf "Neutral" durch die Citigroup lässt am Freitag den Kurs von K+S kräftig steigen. Das Papier steht zwischenzeitlich an der Spitze des MDax.

Die Papiere hatten eine lange Durststrecke hinter sich: Vom Hoch von Mitte Mai bei 25,86 Euro waren sie bis Ende November um mehr als 40 Prozent auf 14,61 Euro eingebrochen. Seitdem haben sie sich wieder auf Kurse oberhalb von 16 Euro stabilisiert, heute legt der Kurs sogar über 17 Euro zu. Produktionsausfälle wegen niedriger Flusspegel hatten den Kurs im extrem trockenen Sommer 2018 stark belastet.

Ryanair warnt schon wieder

Der irische Billigflieger Ryanair hat seine Jahresgewinnprognose auf 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro gesenkt. Zuvor hatte Unternehmenschef Michael O'Leary noch 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Als Grund für die Gewinnwarnung führte Ryanair den Preisdruck im Winter an. Die Investmentbanken JPMorgan und Barclays senkten daraufhin ihre Kursziele deutlich.  | mehr

Salesforce setzt stärker auf Europa

Der SAP-Rivale Salesforce.com fokussiert sich künftig stärker auf Europa. Die Zahl der Mitarbeiter in Irland werde in den nächsten fünf Jahren um 1.500 erhöht und damit mehr als verdoppelt, teilte der Cloud-Pionier am Freitag mit. Bisher sind etwa 1.400 Menschen für den US-Konzern in Dublin tätig. Zugleich werde im Norden der irischen Hauptstadt ein neuer Standort errichte

"Europa ist die am schnellsten wachsende Region für Salesforce und Irland hat großen Anteil an unserem Erfolg", sagte Salesforce-Manager Miguel Milano. Viele internationale Firmen haben ihren europäischen Hauptsitz in Irland - auch, um von der vergleichsweise niedrigen Unternehmenssteuer von 12,5 Prozent zu profitieren.

American Express verspielt Kredit

Der Kreditkartenanbieter American Express hat dank ausgabefreudiger Kreditkartenkunden im vierten Quartal an sich gute Geschäfte gemacht. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um acht Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar zu. Unter dem Strich ergab sich ein Gewinn von 2,0 Milliarden Dollar. An der Wall Street war mit noch stärkeren Zahlen gerechnet worden. Die Aktie verlor nachbörslich 2,3 Prozent.  | mehr

Netflix: Neuer Rekord, na und!?

Der US-Streamingdienst wächst im Rekordtempo. Im vierten Quartal 2018 konnte er 8,8 Millionen neue Abonnenten anlocken und damit einen Rekord aufstellen – weltweit sind es nun 139 Millionen. Der Umsatz sei um 27 Prozent auf 4,19 Milliarden Dollar gestiegen, teilte das Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Anleger hatten allerdings noch mehr erwartet. Die Aktie fiel im nachbörslichen US-Handel um 3,8 Prozent.  | mehr

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Netflix: Vom Video-Verleih zum Weltkonzern Die Eroberung der Fernsehwelt

Netflix-Gründer Reed Hastings

Visionär Reed Hastings
Netflix gibt es schon seit 1997. Damals war es noch üblich, sich Filme in einer Videothek auszuleihen. Reed Hastings, ein Software-Programmierer und Geschäftsmann, kam die Idee einer bequemeren Alternative: Ein Online-Filmverleih, über den man Videokassetten und DVDs ausleiht, ohne in den Laden gehen zu müssen.

Tagestermine am Mittwoch, 23. Januar

Unternehmen:
Zur Rose: Umsatz-Zahlen 2018, 07:00 Uhr
ASML: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr
Barry Callebaut: Q1 Umsatz, 07:00 Uhr
Ahold Delhaize: Q4 Umsatz, 07:00 Uhr
Burberry: Q3 Trading Update, 08:00 Uhr
United Technologies: Q4-Zahlen, 12:55 Uhr
Procter & Gamble: Q4-Zahlen, 13:00 Uhr
Kimberly-Clark: Q4-Zahlen, 13:30 Uhr
Abbott Laboratories: Q4-Zahlen, 13:45 Uhr
Comcast: Q4-Zahlen
Texas Instruments: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Ford Motor: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: Außenhandel im Dezember, 00:50 Uhr
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan, 03:30 Uhr
Frankreich: Geschäftsklima im Januar, 08:45 Uhr
USA: FHFA-Index für November, 15:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone im Januar, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Fitch Ratings: 2019 Credit Outlook Veranstaltung
WEF: Fortsetzung des World Economic Forum in Davos (bis 25. Januar)