US-Zinsentscheid sorgt noch für Bewegung

Robert Minde

Stand: 25.01.2012, 20:01 Uhr

Lange Zeit kämpfte der Dax am Nachmittag, um sich ins Plus vorzuarbeiten. Nachbörslich folgten die Kurse dann nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank der steigenden Wall Street.

Nach der Entscheidung der US-Notenbank, länger als bisher geplant an ihrer Nullzinspolitik festzuhalten, zogen die Kurse nachbörslich an. Der L/E-Dax stieg auf 6,443 Punkte. Der reguläre Xetra-Schlusskurs lag nahezu unverändert bei 6.421 Zählern. Die Börse folgte damit der freundlichen Tendenz der US-Märkte. Aktuell steht der Dow Jones-Index 0,4 Prozent im Plus, nachdem er zur Eröffnung noch im Minus gelegen hatte. Auch die anderen Indizes legen zu, die Technologiebörse Nasdaq steht sogar 1,1 Prozent höher.

Am Handelstag selbst war der Index nur kurz angesprungen, nachdem der Ifo-Index im Januar zum dritten Mal in Folge gestiegen war und auch besser ausgefallen war als erwartet. "Die deutsche Wirtschaft hält sich einfach famos.", sagte Robert Halver von der Baader Bank. Das Tageshoch lag bei 6.456 Punkten, im Tief notierte der Index bei 6.366 Zählern.

Sollten die Wall Street ihre freundliche Tendenz halten können, bestehen Chancen, dass der Dax morgen die Marke von 6.400 Punkten überspringen kann, an der er im Moment festhängt. "Den nunmehr sechsten Tag in Folge pendelt der deutsche Leitindex um die Marke von 6400 Zählern und beißt sich bis dato an der hier gelegenen Widerstandsregion die Zähne aus", kommentierte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Der MDax legte 0,6 Prozent auf 9825 Punkte zu und der TecDax gewann 0,5 Prozent auf 739 Zähler.

Belastungsfaktor Griechenland
Allerdings bleibt das Thema Griechenland ein Dauerbrenner und sorgt dafür, dass den Börsianern weiter Sorgenfalten auf der Stirn stehen. Wann kommt endlich eine tragfähige Lösung zustande? Knackpunkt bei den Verhandlungen, wer wie viel bezahlt scheint immer mehr die EZB zu sein. Sie hält nach Schätzungen zwischen 40 und 45 Milliarden Euro nominal griechische Staatsanleihen. Das bringt die Währungshüter, auch die nationalen Notenbanken sind betroffen, unter gehörigen Druck.

Wall Street tendiert freundlcih
Vor dem Zinsentscheid der Fed tendieren die führenden US-Börsen uneinheitlich. Während an der Nasdaq die Kurse anziehen, stehen Dow Jones und S&P-500-Index moderat im Minus. Die Märkte blicken neben den Bilanzberichten auf die Zinssitzung der Fed und auch auf die Rede von Präsident Obama vor dem Kongress zur Lage der Nation.

Der Euro wackelt
Der Euro bleibt auch im späten Geschäft unter der Marke von 1,30 Euro. Die Anleger bleiben trotz eines gut ausgefallenen deutschen Ifo-Index skeptisch. "Anfang der Woche hatte man noch gedacht, dass es bald konkrete Beschlüsse in Bezug auf Griechenland gibt", sagte Währungsstratege Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. "Jetzt bekommt man immer mehr mit, dass die Griechen nicht auf Kurs sind." Neue Impulse werden am Devisenmarkt nach der heuteigen Zinsentscheidung der US-Notenbank erwartet.

Beiersdorf behauptet die Pole-Position
Im Dax verteidigt die Aktie des Nivea-Herstellers Beiersdorf ihren Tagessieg und steigt dabei um 3,4 Prozent auf 45,43 Euro. Aktionäre begrüßen offenbar den Konzernumbau bei dem Unternehmen, das im abgelaufenen Jahr deswegen allerdings mit 431 Millionen Euro ein Viertel weniger verdient als 2010. Doch dies übertraf die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg organisch um 2,1 Prozent auf 5,63 Milliarden Euro.

SAP mit starkem Ausblick
SAP hat am Morgen einen positiven Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr und darüber hinaus gegeben. Finanzvorstand Werner Brandt sieht SAP auf dem "besten Weg, bis 2015 unser Umsatzziel von 20 Milliarden Euro zu erreichen". Das Software-Unternehmen hatte bereits am 13. Januar vorläufige Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr präsentiert. Die Aktie, die lange Zeit im Minus stand, drehte am Schluss leicht 0,25 Prozent ins Plus.

Siemens trotzdem schwächer
Die Siemens-Aktie wurde am Mittwoch mit einem Dividendenabschlag von drei Euro je Aktie gehandelt. Insgesamt stand ein Minus von 3,87 Euro oder fünf Prozent auf der Anzeigetafel. Dazu dürfte auch eine Analystenstimme beigetragen haben. Der Titel wurde von Analysten von Kepler von "buy" auf "hold" zurückgestuft.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hiobsbotschaft für die Deutsche Post
Die Deutsche Post soll nach dem Willen der EU-Kommission bis zu einer Milliarde Euro an den Staat zurückzahlen. Nach Ansicht der Kommission sei aus einer Kombination regulierter Preise sowie Subventionen für Pensionszahlungen im Zuge der Privatisierung der Post in den neunziger Jahren eine illegale Beihilfe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro entstanden.

Die Post wehrt sich gegen die Entscheidung und kündigt eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof an. Dies sei auch mit der Bundesregierung abgestimmt, erklärte das Unternehmen. Die Aktie reagiert mit Abschlägen auf die Meldung und gehört mit einem Minus von 2,2 Prozent zu den Tagesverlierern im Dax.

Deutsche Börse: Entscheidung am 1.Februar
Die EU-Kommission will sich in einer Woche zur geplanten Fusion mit der New York Stock Exchange äußern. "Ohne Zweifel wird am 1. Februar eine Entscheidung fallen", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaqin Almunia am Mittwoch in Brüssel. Almunia ist gegen einen Zusammenschluss. Es gilt nach Presseinformationen als wenig wahrscheinlich, dass die 27 EU-Kommissare der Fusion ihren Segen erteilen.
Die Aktie war heute allerdings gefragt und schloss 1,6 Prozent besser.

Solarwerte wieder unter Druck
Der Ausverkauf bei Solaraktien geht weiter. Q-Cells-Aktie setzen nach dem gestrigen Insolvenzantrag ihre Talfahrt fort. Am Nachmittagging der Verkaufsdruck jedoch zurück und die Aktie machte im TecDax den größten Teil ihrer Verluste wieder wett. Eng wird es auch für das Solarunternehmen Conergy. Der Konzern hat 2011 höhere Verluste geschrieben als befürchtet. Nach vorläufigen Zahlen liegt das Betriebsergebnis bei minus 80 bis 85 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitgeteilt hat. Bislang war Conergy von minus 50 bis 55 Millionen Euro ausgegangen.

Schneller als bisher geplant will die Bundesregierung zudem die Fördersätze für die Erzeugung von Sonnenergie kürzen. Wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte, soll bereits zum 1. April eine Gesetzesänderung in Kraft treten, bisher war die nächste Überprüfung der Fördersätze für Anfang Juli angedacht. Der zubau soll nach Angaben des Ministers dabei auf ein vernünftiges Maß begrenzet werden, ohne die Solarindustrie abzuwürgen. Vor allem der zubau auf großen Freiflächen solle eingedämmt werden. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt.

Aus Europa
Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson musste heute kräftig Federn lasen, die Aktie verlor14 Prozent. Im abgelaufenen Quartal hat das Unternehmen mit umgerechnet 466 Millionen Euro ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreicht, das nur gut der Hälfte der Erwartungen der Experten entspricht.

Auch Novartis-Aktien wurden verkauft. Der Schweizer Pharmariese hat im abgelaufenen Jahr einen um sieben Prozent rückläufigen Gewinn auf 9,25 Milliarden Dollar erreicht. Probleme gab es vor allem mit geplanten neuen Medikamenten. Die Dividende für 2011 soll dennoch leicht auf 2,25 Franken je Aktie erhöht werden.

Die italienische Großbank Unicredit, zu der auch die deutsche Hypovereinsbank gehört, will eigene Schuldverschreibungen zurückkaufen. Die Papiere notieren aktuell deutlich unter ihrem Nennwert, die Bank will zwischen 50 und 81 Prozent des Nominalwertes bieten. Damit könnte ein Gewinn von bis zu 490 Millionen Euro erzielt werden. Unicredit will mit dem Geld ihr Eigenkapital auffüllen.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Aus den USA
Blendende Ergebnisse meldete der Computerkonzern Apple. Die Kultmarke mit dem Apfel hatte am Vorabend dank des rasanten Verkaufs seiner iPads und iPhones einen Umsatzanstieg um 73 Prozent auf 46 Milliarden Dollar gemeldet. Auch der Gewinn von 13 Milliarden Dollar lag weit über den Analystenprognosen. Apple-Aktien steigen zur Stunde kräftig um 6,7 Prozent.

Keine Überraschungen hingegen gab es hingegen beim Triebwerkhersteller United Technologies. Das Unternehmen hat im vierten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis die Erwartungen zwar erfüllt, die Anleger zeigen der Aktie aber die kalte Schulter. Der Kurs fällt leicht 0,2 Prozent.

Flugzeugbauer Boeing berichtete seine Quartalszahlen sowie über einen Großauftrag aus Norwegen, zusammen mit dem europäischen Konkurrenten Airbus. Die Zahlen waren besser als erwartet, allerdings enttäuschte Boeing die Börse mit seinem Ausblick für 2012. Die Aktie fällt drei Prozent.

Aktien der beiden Fluglinien Fluglinien Delta Air Lines und US Airways sind nach überraschend guten Zahlen stark gesucht. Beide Unternehmen berichteten über eine gute Nachfrage und schrieben trotz steigender Spritpreise und einem schwierigen Branchenumfeld schwarze Zahlen. Delta verdiente 425 Millionen Dollar, die kleinere US Airways 18 Millionen. Zuletzt hatte der große Rivale American Airlines sogar Insolvenz anmelden müssen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"