US-Wirtschaftsdaten enttäuschen

Stand: 27.01.2012, 19:58 Uhr

Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal so stark gewachsen wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Doch den Anlegern ist das nicht und sie nehmen Gewinne mit. Wie ein Damoklesschwert lastet zudem der ungelöste Griechenland-Konflikt über den Märkten.

Dass die Ratingagentur Fitch am Freitagabend die Kreditwürdigkeit von fünf Ländern der Eurozone herabstuft, darunter Italien und Spanien, wird von den Märkten nur mit einem müden Schulterzucken registriert. Mit wachsender Ungedulf warten die Anleger in Europa dagegen auf eine Einigung der privaten Gläubiger Griechenlands mit der Regierung in Athen.

Hoffnung auf einen kurz bevorstehenden Durchbruch bei den Gesprächen hat dem Dax am Freitag erneut Auftrieb gegeben. Das Börsenbarometer stieg im Tagesverlauf bis auf 6.574 Punkte, nachdem EU-Währungskommissar Olli Rehn den baldigen Abschluss der Gespräche in Aussicht gestellt hatte. Am Abend verlautete aus griechischen Regierungskreisen, dass bis Sonntagabend eine Einigung angestrebt werde.

Am frühen Nachmittag erhält der Dax dann aber einen ersten Dämpfer. Die Quartalszahlen der beiden US-Unternehmen Ford und Procter & Gamble sind enttäuschend ausgefallen. Ins Minus rutscht der Leitindex dann nach der Veröffentlichung der endgültigen Wachstumszahlen des US-BIP im vierten Quartal.

Das Bruttoinlandsprodukt legte in den USA im vierten Quartal mit einem Plus von 2,8 Prozent zwar kräftig zu, Analysten hatten aber mit einer drei vor dem Komma gerechnet. Die Entwicklung des privaten Konsums sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, schrieb Helaba-Analystin Viola Stork. Insgesamt habe die US-Wirtschaft zum Ende des vergangenen Jahres aber eine erfreuliche Wachstumsbeschleunigung vollzogen.

Wall Street ebenfalls leichter
Dennoch rutscht der Dax in der Spitze bis auf 6.484 Punkte ab. Am Ende des elektronischen Handels notiert der deutsche Leitindex 0,4 Prozent schwächer bei 6.511 Punkten. Auch im Abendhandel kommt es zu leichten Gewinnmitnahmen. Der Dax behauptet sich jedoch über der Marke von 6.500 Punkten.

Gewinnmitnahmen prägen auch das Geschehen an der Wall Street. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,6 Prozent tiefer als gestern bei 12.650 Punkten.

Der Euro kann sich bei Börsenschluss wieder deutlich von seiner Schwächephase erholen und klettert am Abend über die Schwelle von 1,32 Dollar.

Procter muss Milliarden abschreiben
Beim US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble ist der Gewinn wegen der Schwäche seines Friseurgeschäfts sowie hoher Rohstoffpreise eingebrochen. Von Oktober bis Dezember schmolz der Überschuss um knapp die Hälfte auf 1,7 Milliarden Dollar zusammen. Verursacht wurde der Rückgang durch Abschreibungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar, die Procter auf sein Geschäft mit Friseurprodukten und Zubehör vornehmen musste. Für das Gesamtjahr senkte der Konzern zudem seine Gewinnschätzungen und begründete dies mit Währungseffekten. Die Aktie gibt nach.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,64
Differenz relativ
+0,65%

Ford drückt Autowerte
Der Gewinneinbruch des US-Autobauers Ford im vierten Quartal hat auch die Aktien der europäischen Autobauer unter Druck gesetzt. Volkswagen, Daimler und BMW gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Ford musste wegen hoher Materialkosten sowie Verlusten in Europa und Asien einen Gewinnrückgang verbuchen. Der Konzern wies am Freitag vor US-Börsenbeginn für das vierte Quartal ein operatives Ergebnis von 1,1 Milliarden Dollar aus, etwa 200 Millionen Dollar weniger als vor Jahresfrist. Pro Aktie verdiente Ford mit 20 Cent fünf Cent weniger als von Analysten im Schnitt erwartet. Die Ford-Aktie verliert kräftig.

Ford hat auch die Papiere von Fiat ausgebremst. Die Titel des italienischen Herstellers gaben bis zu 4,4 Prozent nach und waren damit größter Verlierer im europäischen Branchenindex.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,32
Differenz relativ
-0,14%

Lufthansa kommt gut an
Dagegen gehört die Aktie der Lufthansa zu den Favoriten im Dax. Damit reagieren die Anleger auf die am Donnerstagabend erzielte Einigung mit einem Großteil der Beschäftigten auf eine Gehaltserhöhung um 3,5 Prozent rückwirkend zu ersten Januar. Dass die Gewerkschaft des Flugpersonals dieses Angebot bisher ablehnt spielt an der Börse zunächst keine Rolle.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,87
Differenz relativ
-0,14%

Anleger entdecken RWE neu
Auch die Papiere von RWE legen zu. "Der Sektor war bereits am Vorabend in Amerika sehr stark, und es ist gerade eine Rotation aus den zuletzt sehr starken Finanzwerten heraus in die vernachlässigten Versorger zu beobachten", fasste ein Marktteilnehmer die Lage zusammen. Ein weiterer Händler verwies auf eine positive RWE-Studie von Cheuvreux vom Vortag, in der Analyst Sebastian Kauffmann die Marktbedenken über fallende Strompreise wegen sinkender Kosten für CO2-Emissionen für übertrieben hält.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,22
Differenz relativ
+0,08%

HeidelbergCement am Dax-Ende
HeidelbergCement sind mit minus 2,4 Prozent der schwächste Wert im Dax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen bei den Aktien des Baustoffzulieferers, fundamental gebe es nichts Neues. Seit dem Zwischentief Ende November stehen immerhin mehr als fünfzig Prozent Plus zu Buche. Zudem leidet die Aktie unter den Herabstufung durch die Bank Natixis.

Adva runter, Gigaset rauf
Im TecDax gehören die Papiere von Adva zu den schwächsten Werten. Als Belastungsfaktor für die Titel des Glasfaserkabel-Spezialisten sahen Händler den enttäuschenden Ausblick für das erste Geschäftsquartal, den der Netzwerkausrüster Juniper Networks am Vortag nach Börsenschluss vorgelegt hatte. Dessen Aktien hatten daraufhin nachbörslich acht Prozent an Wert eingebüßt.

Dagegen sind die Aktien von Gigaset mit plus 8,6 Prozent an die TecDax-Spitze gesprungen. Händler verwiesen auf eine Musterdepotaufnahme in einem Börsenmagazin.

Balda will TPK versilbern
Der angeschlagene Medizintechnik-Produzent Balda aus dem SDax will den auf Eis gelegten Verkauf von Anteilen am taiwanischen Touchscreen-Hersteller TPK in diesem Jahr über die Bühne bringen. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte sich Aufsichtsratschef Michael Naschke am Freitag im Reuters-Interview aber nicht festlegen. "Es wird ein überraschender Verkauf sein, damit kein Druck auf den Aktienkurs der TPK entsteht."

Verhaltenes Wachstum bei Starbucks
Verhaltenen Beifall erhält die Kaffeehauskette Starbucks für ihre Jahreszahlen. Umsatz und Gewinn konnten 2011 nur durch den Anstieg der Läden gesteigert werden. Und im Kaffee verwöhnten Europa wuchs die Kaffekette deutlich schwächer als im Rest der Welt.

Amgen kauft zu
Der weltgrößte Biotechnologie-Konzern Amgen rechnet für das laufende Jahr mit einem starken Absatz seiner Medikamente. Dabei setzt das kalifornische Unternehmen unter anderem auf neue Arzneien gegen Knochenschwund sowie Krebs. Amgen-Chef Kevin Sharer will das Geschäft zudem durch die milliardenschwere Übernahme des kleineren US-Rivalen Micromet weiter ausbauen. Durch den Zukauf des ursprünglich deutschen Unternehmens, das seine Forschung nahe München betreibt, soll auch die Marktstellung in Deutschland verbessert werden. Für den Zukauf, der noch im ersten Quartal abgeschlossen werden soll, will Amgen 1,16 Milliarden Dollar hinblättern. Die Amgen-Aktie notiert im vorbörslichen US-Handel knapp ein Prozent höher.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)