US-Wirtschaft bremst Dax aus

Stand: 30.07.2010, 20:02 Uhr

Ein Sommermärchen war der Juli nicht. Immerhin konnte der Dax drei Prozent zulegen. Dazu haben die Bankenwerte und gute Quartalszahlen beigetragen. Am Abend dominieren allerdings die Sorgen über die weitere Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft.

Deshalb beendet der Dax den Abendhandel mit leichten Minus von 5,5 Punkten bei 6.141. Im Xetra-Handel war der Index noch um 13 Punkte gestiegen. Zuvor hatten widersprüchliche Daten zur Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft die Märkte auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. Nach einem Absturz am Nachmittag auf 6.059 Punkte (gut ein Prozent) kam es schließlich zu einer Aufholjagd.

Ausgelöst wurde der Absturz von dem überraschend schwachen Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im zweiten Quartal. Danach ist das BIP "nur" noch um 2,4 Prozent gewachsen, nach einem Zuwachs von 3,7 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres. Ökonomen hatten mit einem Plus von 2,5 Prozent gerechnet.

Für eine positive Überraschung sorgte dagegen der Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager. Statt den erwarteten 56,5 Punkten, ist das vielbeachtete Barometer im Juli auf 62,3 Punkte gestiegen. Auch das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima hat sich im Juli nicht ganz so stark eingetrübt wie zuvor berechnet.

"Der Konjunkturindex war deutlich besser als erwartet, das hat die Stimmung gehoben", sagte ein Händler. Zudem zeigten die Daten, dass sich das Verarbeitende Gewerbe in der Region Chicago gegen den zuletzt verbreiteten Trend zur Verlangsamung stellt.

Wall Street dreht ins Minus
Auch an der Wall Street sorgten die Daten für Auftrieb. Der Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte schaffte es kurzfristig sogar ins Plus. Doch dann überwogen wieder die Konjunktursorgen und der Leitindex rutscht erneut ins Minus. Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow Jones gut 65 Punkte auf 10.403.

Derweil ist die Berichtssaison in eine neue Runde gestartet.

Merck & Co belastet
Auch die schwachen Zahlen des amerikanischen Pharmakonzerns Merck lasteten auf dem Markt. Die Übernahme des Wettbewerbers Schering-Plough hat dem Konzern im zweiten Quartal erneut einen Gewinnrückgang eingebrockt. Das Ergebnis pro Aktie ging auf 0,24 Dollar, nach 0,74 Dollar im Vorjahreszeitraum. Vor Sonderposten steigerte der Konzern den Gewinn pro Aktie allerdings auf 0,86 Dollar. Die Aktie gibt um zwei Prozent nach.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,62
Differenz relativ
-1,12%

HeidelbergCement enttäuscht
Die Aktie des Baustoffherstellers ist der schwächste Wert im Dax. Die Zahlen zum zweiten Quartal wurden von Händlern als gemischt bewertet. Sie seien zwar gut, aber nicht gut genug, erklärte ein Aktienhändler.

Die Commerzbank hat die Einstufung für die Aktie von HeidelbergCement nach Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 58,00 Euro belassen. Der Umsatz sei im zweiten Quartal besser als erwartet ausgefallen, das operative Ergebnis habe zugleich im Rahmen seiner Erwartung gelegen, schrieb Analyst Norbert Kretlow. Der Überschuss habe die Prognosen jedoch klar verfehlt.

Ebenso wenig konnte der Rivale aus Frankreich,Lafarge, Kaufgründe liefern. Im Gegenteil: Der weltgrößte Zementhersteller senkte seine Nachfrageprognose. Weltweit werde der Bedarf an Zement in den Lafarge-Märkten 2010 im besten Fall um drei Prozent steigen, im schlimmsten um ein Prozent sinken. Bisher war Lafarge von einem Plus von fünf Prozent ausgegangen.

Samsung warnt vor sinkenden Margen
Dank brummender Geschäfte mit Handys, Fernsehern und Mikrochips verdoppelten die Asiaten im zweiten Quartal fast ihr operatives Ergebnis auf umgerechnet 3,2 Milliarden Euro. Doch rechnet der weltgrößte Hersteller von Speicherchips mit sinkenden Preisen für Chips und Flachbildschirmfernseher und warnt deswegen vor geringeren Wachstumsraten. Für das Gesamtjahr peilt Samsung ein operatives Ergebnis von 12,25 Milliarden Euro an.

Metro erntet Lob
Die Titel des Einzelhandelskonzerns liegen mit einem Plus von 2,3 Prozent an der Spitze der kurzen Liste von Dax-Gewinnern. Der geplante Konzernumbau wird Händlern zufolge von Anlegern mit Wohlwollen aufgenommen. "Die Pläne des Vorstandes kommen gut an," sagte ein Händler. Metro denkt einem Konzernsprecher zufolge über die Auslagerung des Rechnungswesens und der Informationstechnologie nach Osteuropa und Indien nach.

Gea gefällt nicht
Die Aktie des Anlagenbauers Gea ist einer der schwächsten Werte im MDax. Das Unternehmen konnte zwar im zweiten Quartal mehr Aufträge als vor Jahresfrist verbuchen, Umsatz und Gewinn gingen jedoch zurück. Der Preisdruck und Restrukturierungskosten machen Gea zu schaffen. Der Konzern will deshalb zusätzlich bis zu 500 weitere Stellen streichen. Gea erwartet in diesem Jahr den Umsatz stabil zu halten. Im Vergleich mit anderen deutschen Maschinenbauern sei der Ausblick weniger überzeugend, urteilte WestLB-Analyst Achim Henke.

Wacker Chemie ist nicht gut genug
Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern Wacker Chemie hat nach einem Umsatz- und Gewinnschub im zweiten Quartal seine Prognose für 2010 deutlich erhöht. Für 2010 rechnet der Konzern nun mit Umsätzen in der Größenordnung von 4,5 (bisher mehr als vier) Milliarden Euro. Das operative Ergebnis werde das Niveau von 1,06 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 übertreffen. Und wie reagiert die Aktie? Sie ist der zweitgrößte Verlierer im MDax.

ElringKlinger hat hohe Ziele
Überdurchschnittlich abgeben muss auch die Aktie des Autozulieferers ElringKlinger. Dabei schraubt auch diese Firma nach einem überraschend starken zweiten Quartal ihre Geschäftsziele erneut nach oben. Der Konzern rechnet nunmehr mit einem Umsatz von 690 bis 710 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis von 90 bis 95 Millionen Euro.

EADS ruht auf dicken Auftragspolstern
Dagegen schaffen es die Aktien von EADS nach guten Quartalszahlen an die MDax-Spitze. Die Ergebnisse seien besser als erwartet und stimmten zuversichtlich, lobten die Analysten von Nomura und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. EADS hatte außerdem die eigenen Umsatzziele angehoben.

Analysten kritisieren Software AG
Die Aktie der Software AG ist nach negativen Analystenkommentaren den zweiten Tag in Folge einer der schwächsten Werte im TecDax. Thomas Becker von der Commerzbank betonte, das Software-AG-Management müsse einen Gang hochschalten, um ETS auf den Wachstumspfad zurückzuführen. Möglicherweise haben die Umsätze in dieser Sparte ihren Höhepunkt bereits überschritten.

Solarworld erneut unter Druck
Am TecDax-Ende notieren auch die Titel des Solarkonzerns Solarworld. Sie verlieren mehr als vier Prozent, nachdem sie bereits gestern über sechs Prozent eingebüßt haben. "Das hat vor allem charttechnische Gründe", sagte ein Händler. Das Kursziel vieler Analysten sei erreicht worden, was offenbar Verkäufe ausgelöst habe. "Das ist dann einfach mit Gewinnmitnahmen zu erklären, nachdem die Aktie zuletzt so gut gelaufen ist", sagte der Händler. Seit Mitte Juni hatte sie rund 45 Prozent zugelegt.

Fantasie bei Balda
Im SDax dominieren heute die Aktien des Handyausrüsters Balda. Sie legen um mehr als sieben Prozent und setzen sich damit an die Index-Spitze. "Es kann gut sein, dass bei einigen Anlegern Fantasien aufgekommen sind, nachdem Samsung, Sony und Motorola gute Zahlen vorgelegt haben", sagte ein Händler.

Chevron verdient prächtig
Amerikas zweitgrößter Ölkonzern, Chevron, hat im zweiten Quartal dank höherer Produktionsmengen und gestiegener Energiepreise seinen Gewinn auf 5,4 Milliarden Dollar verdreifacht. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 2,70 Dollar - Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 2,44 Dollar je Anteilsschein gerechnet. Der Umsatz habe um 32 Prozent auf 53 Milliarden Dollar zugelegt.

TomorrowFocus überzeugt nicht
Das Konzernergebnis nach Minderheiten des Internetanbieters TomorrowFocus hat sich im zweiten Quartals 2010 auf 2,4 Millionen Euro nach 1,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal (+32,6 Prozent) verbessert. Insgesamt musste das Unternehmen im ersten Halbjahr wegen höherer Marketingaufwendungen, Anlaufkosten und Abschreibungen einen Verlust von 3,4 Millionen Euro verbuchen. Die Aktie reagiert kaum.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier