US-Konjunktur treibt Dax &Co

von Lothar Gries

Stand: 05.12.2007, 20:01 Uhr

Unerwartet gute Arbeitsmarktdaten aus den USA und die damit verbundene Hoffnung auf anhaltend stabiles Wachstum haben die europäischen Aktienmärkte heute in die Höhe getrieben. Morgen steht wieder die Zinspolitik im Mittelpunkt.

Die erneute Adents-Rally am deutschen Aktienmarkt hat sich auch am Abend fortgesetzt. Der Dax beendete den Handel mit einem Kursplus von 128 Zählern bei 7941 Punkten. Auslöser der prächtigen Stimmung waren vor allem die unerwartet robust ausgefallenen Arbeitsmarktdaten aus den USA. Den Angaben zufolge hat die amerikanische Wirtschaft im November 189.000 Arbeitsplätze geschaffen, dreimal mehr als erwartet. Gleichzeitig stieg die Produktivität um 6,3 Prozent, während Analysten nur mit einer Verbesserung von 5,7 Prozent gerechnet hatten. Damit wurde die Sorge vor einer möglichen Rezession in den USA erst einmal gedämpft.

Zudem setzten einige Investoren auf eine Zinssenkung der Bank of England am Donnerstag. Von der Europäischen Zentralbank (EZB), die ebenfalls am Donnerstag tagt, wird hingegen kein Zinsschritt erwartet. Anders in Amerika, wo Experten auf der nächsten Sitzung der Notenbank Fed am kommenden Dienstag mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik rechnen.

Deutsche bank-Chef Josef Ackermann warnte jedoch vor zu großer Euphorie. Er warnte vor Problemen an den Finanzmärkten in den nächsten Wochen, da viele Banken zum Jahresende keine Risiken eingehen wollten und Liquidität horteten.

Größter Gewinner im Dax war der Halbleiterhersteller Infineon, nachdem bekannt wurde, dass die Preise für so genannte DRAM-Speicherchips wieder anziehen. Das werteten Analysten als einen weiteren Hinweis dafür, dass nun ein Boden gefunden sei. In den kommenden Monaten hätten die Preise zudem ein Steigerungspotenzial von 50 bis 100 Prozent. Im TecDax setzte sich der Windradhersteller Nordex mit einem Plus von 11,5 Prozent an die Spitze, nachdem bekannt wurde, dass der Anlagenbauer Turbinen für den ersten kommerziellen Windpark vor der deutschen Küste liefern wird.

Deutsche Börse feiert Rekordhoch

Gesucht waren nach einer Empfehlung von Morgan Stanley auch die Aktien der Deutschen Börse, die um 4,6 Prozent auf ein neues Allzeithoch von knapp133 Euro kletterten. Die US-Bank hatte am Morgen ihr Kursziel für den Börsenbetreiber auf 145 (122) Euro angehoben. Die Deutsche Börse profitiert auch von einem Zeitungsbericht, demzufolge ihre Tochter Eurex im großen Stil auf den Stromhandelsmarkt drängt. Dazu führe die Eurex intensive Gespräche mit Strombörsen in Skandinavien und Osteuropa über eine Kooperation, so die "Financial Times Deutschland".

Neue Investoren bei Premiere?
Erneute Gerüchte um den Einstieg neuer Investoren haben die Aktien des Bezahlsenders Premiere um über fünf Prozent klettern lassen. Zwischenzeitlich gehörten die Titel sogar zu den größten Kursgewinnern im Mdax. Den Spekulationen zufolge wollen Highlight Communications und Leo Kirch 15 Prozent an dem Sender kaufen. Premiere wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Bayer entgeht EU-Strafe
Dank einer frühen Beichte in Brüssel kommt der Chemie-Riese Bayer um eine Strafe von 201 Millionen Euro für die Beteiligung an einem Kautschuk-Kartell herum. Bayer hatte als erster der beteiligten Konzerne die Karten auf den Tisch gelegt. Demnach hatten die Deutschen von 1993 bis 2002 mit fünf weiteren internationalen Konzernen den Markt für Chloropren-Kautschuk untereinander aufgeteilt und feste Preise vereinbart. Die Gesamtbuße beträgt 243,2 Millionen Euro.

Opec lässt Förderquoten unverändert
Die Opec wird trotz der hohen Ölpreise ihre Produktion vorerst nicht erhöhen. Eine Konferenz der 13 OPEC-Staaten in Abu Dhabi entschied am Mittwoch, trotz der Preissteigerungen der vergangenen Monate sei auf dem Markt kein Mangel zu erkennen, der eine Aufstockung der Produktion rechtfertigen würde. Die jüngsten Preisschwankungen seien in erster Linie das Ergebnis von Spekulation und der Entwicklung auf den Finanzmärkten. Die Ölpreise kletterten wieder auf 90 Dollar pro Barrel.

Gegenwind für RWE-Chef
Der neue RWE-Chef Jürgen Großmann stößt laut "Financial Times Deutschland" bei seinem ersten strategischen Großprojekt auf Widerstand aus dem Vorstand. Dabei gehe es um die zukünftige Struktur des Energiekonzerns. Vor allem die Leiter der beiden wichtigsten Konzernsparten hätten Widerspruch angemeldet. Die Aktie steigt trotzdem.

Im MDax lief es für die Anteilsscheine von Pfleiderer, Bilfinger Berger und Hochtief hervorragend. Händler verwiesen bei letzterem auf einen Auftrag mit einem Volumen von 650 Millionen US-Dollar aus Dubai und Abu Dhabi für die australische Hochtief-Tochter Leighton. Deutliche Abschläge nach den Kursgewinnen der letzten tage musste lediglich Kali + Salz verbuchen.

Tognum mit China-Fantasie
Der Dieselmotorenhersteller Tognum will seine Geschäfte in China ausbauen. Zusammen mit der China North Industries Group Corporation (Norinco) sollen ab 2009 Motoren für den Einsatz in Schiffen, Minenfahrzeugen und Notstromaggregaten gebaut werden. Die Tognum-Aktie profitiert.

Douglas mit großen Plänen
Die Parfümeriekette Douglas Holding will in Deutschland durch zusätzliche Übernahmen wachsen. "Wir möchten gern weitere Parfümerien dazukaufen, wenn sich passende Gelegenheiten bieten", sagte der Vorstandsvorsitzende Henning Kreke der Tageszeitung "Die Welt". Ziel sei es, die Zahl der Parfümerie-Filialen von derzeit 440 auf 500 zu erhöhen.

EOP mit Ergebnisrückgang
Der Biokraftstoffhersteller EOP hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 seinen Umsatz um 72 Prozent auf 18,1 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank allerdings von plus 0,4 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 0,6 Millionen Euro. Außerdem denkt das Unternehmen über einen Börsengang seiner österreichischen Tochter Abid nach.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr