US-Daten verderben die Party

Robert Minde

Stand: 14.02.2012, 20:02 Uhr

Sorgen um Griechenland und durchwachsene Vorgaben aus New York bescheren dem Dax einen moderaten Tagesverlust. Die Anleger haben ihr Pulver trocken gehalten. Nachbörslich ging es weiter bergab.

Weitere abwärts ging es nach Xetra-Schluss mit den Aktienkursen, nachdem Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker das für Mittwoch angesetzte EU-Finanzministertreffen überraschend abgesagt hat. Der L/E-Dax verlor weitere 14 Punkte und schloss bei 6.714 Punkten.

Er habe von den griechischen Parteien nicht die erforderlichen Zusicherungen über die Umsetzung des Sparprogramms erhalten, teilte Juncker am Abend mit und rief statt des geplanten Treffens eine Telefonkonferenz ein. Pleitekandidat Griechenland sollte seine neuen Sparversprechen schwarz auf weiß abgeben, ehe die Euro-Länder am Mittwoch über die Freigabe des zweiten Hilfspaket über 130 Milliarden Euro beschließen. Eine Lücke von 325 Millionen Euro im geforderten Sparplan ist jedoch noch offen.

Ein stetiges Auf und Ab
Es war zuvor ein wechselhafter Handelstag mit Licht und Schatten gewesen, bei dem es letztlich unter dem Strich aber nicht viele Änderungen gab. Am Ende des Xetra-Handels stand der deutsche Leitindex 0,16 Prozent tiefer und schloss bei 6.727 Punkten nur wenig verändert. Auch MDax und TecDax schlossen leicht Minus, lediglich im Kleinwerteindex SDax gab es ein leichtes Kursplus von einem Viertel Prozent. Im Tageshoch stand der Index bei 6.788, im Tief bei 6.698 Zählern. "Die Aktienmärkte sind gut gelaufen, deshalb nimmt so mancher Anleger die Gewinne erst einmal mit", vermutet etwa Matthias Präger von der Baader Bank.

Sowohl Bullen als auch Bären kamen aber trotzdem auf ihre Kosten. Überraschend gut steckte der Markt am Morgen die Rückstufung von sechs europäischen Ländern durch die Ratingagentur Moody's weg. Ein unerwartet gut ausgefallener ZEW-Konjunkturindikator hatte ebenso für eine Trendwende gesorgt wie die gelungene Platzierung italienischer Staatsanleihen.

US-Daten belasten
Allerdings sorgten schwächere US-Konjunkturdaten erneut für einen Umschwung. Die wichtigen Einzelhandelsumsätze tendierten mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent schwächer. Prognostiziert war ein Zuwachs von 0,7 Prozent. Ohne Autos allerdings fiel der Zuwachs mit einem Plus von 0,7 Prozent etwas höher aus als erwartet. Die Einfuhrpreise lagen im Januar mit einem Plus von 0,3 Prozent etwas über den Erwartungen von plus 0,2 Prozent.

Die Wall-Street reagiert mit Kursverlusten auf die Daten. Der Dow-Jones-Index verliert zur Stunde 0,5 Prozent, der S&P-500-Index steht 0,6 Prozent tiefer.

Deutsche Börse Top, Infineon Flop
Spitzenreiter im Dax waren die Anteilsscheine der Deutschen Börse, die um 2,5 Prozent zulegten. Nach dem Scheitern der Fusion mit der NYSE hat der Börsenbetreiber seinen Aktionären eine Sonderdividende von 1,00 Euro in Aussicht gestellt, zusätzlich zur regulären Dividende von 2,30 Euro. Auch RWE waren nach positiven Analystenkommentaren gefragt.
Tagesverlierer waren mit einem Minus von 4,2 Prozent Infineon, nachdem der Insolvenzverwalter der ehemaligen Tochter Qimonda dem Unternehmen eine Rechnung über 1,7 Milliarden Euro präsentiert hat. Er wirft dem Münchner Konzern schwere Fehler bei der Ausgliederung des Speichergeschäftes vor. Auch ThyssenKrupp gaben nach schwachen Unternehmenszahlen vier Prozent ab. Im MDax waren die Aktien des Bezahltsenders Sky mit einem Minus von fünf Prozent Tagesverlierer.

Euro wieder unter Druck
Der Euro hat am späten Nachmittag seine Talfahrt fortgesetzt und kämpft aktuell um die Marke von 1,31 Dollar. Noch am Vormittag war die Gemeinschaftswährung nach guten ZEW-Daten in Deutschland über die Marke von 1,32 Dollar gestiegen.
Händler führten die jüngsten Kursverluste auf die anhaltenden Sorgen um die Zukunft Griechenlands zurück: "Griechenland bleibt das alles beherrschende Thema."

Rentenmarkt: Deutsche Anleihen bevorzugt
Deutsche Staatsanleihen waren derweil wieder gesucht. Der Bund-Future weitet am Nachmittag nach schwachen US-Konjunkturdaten seine Gewinne aus. Kursverluste mussten hingegen französische Papiere hinnehmen. Frankreich will diese Woche neue anliehen mit Laufzeiten bis 2027 im Volumen von zehn Milliarden Euro an den Markt bringen. Zehnjährige Titel rentieren aktuell bei 2,97 Prozent und damit gut 100 Basispunkte höher als deutsche Bundesanleihen.

MAN überzeugt
Um 0,7 Prozent ging es voran mit der Aktie von MAN. Der Bus- und LKW-Bauer hat 2011 Umsatz und Gewinn wie erwartet zweistellig gesteigert. Das Auftragseingangsvolumen erreichte 17,1 Milliarden Euro und damit zwei Milliarden mehr als im Vorjahr. Im wichtigen Geschäftsfeld LKW geht MAN für das Jahr 2012 allerdings von einem unveränderten Niveau des Jahres 2011 aus. In Brasilien wird der Absatz wegen der Umstellung auf die Abgasnorm Euro V rückläufig sein.

Merck doch ohne Erbitux?
Enttäuscht reagieren die Anleger auf die Aussage des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck aus Darmstadt. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Erbitux für die Behandlung von Lungentumoren zugelassen werde, bei unter 50 Prozent, zitiert die "Financial Times Deutschland" einen Merck-Mitarbeiter auf einer Veranstaltung mit Analysten von JP Morgan. Erbitux ist der zweitwichtigste Umsatzträger der Pharmasparte des Unternehmens.

Aurubis dämpft Hoffnungen
Kursrückgänge verzeichnet auch die Aktie von Aurubis. Der führende europäische Kupferkonzern hat nach einem kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung im ersten Quartal die Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr 2011/12 (Ende September) erneut gedämpft. Der seit Januar amtierende neue Konzernchef Peter Willbrandt stellte deshalb weiter nur ein "zufriedenstellendes" Gesamtjahresergebnis in Aussicht. Aussagen aus der Vorwoche bei der Vorlage von Eckdaten wurden damit bestätigt.

Tui-Deal in trockenen Tüchern
Bewegung gab es bei Tui. Nach der Stadt Hamburg bestätigte auch der Reisekonzern am Abend, dass man sich über einen Verkauf von Anteilen der Reederei-Tochter Hapag-Lloyd geeinigt habe.
Die Tui-Aktie hatte schon zuvor von der Aussicht auf eine Einigung profitiert, so dass sie nicht auf die Nachricht reagierte. Morgen findet in Hannover die Hauptversammlung statt.

Anleger feiern Carl Zeiss Meditec
Um mehr als sieben Prozent nach oben ging es dagegen mit der Aktie des Medizintechnikanbieters Carl Zeiss Meditec aus dem TecDax. Die Firma ist mit einem Wachstum von 13,5 Prozent in das Geschäftsjahr 2011/12 (Stichtag 31.12.2011) gestartet. Das Unternehmen erzielte im ersten Quartal einen Umsatz in Höhe von 210 Millionen Euro, nach 185 Millionen im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich auf 28,3 Mio. Euro nach 24 Millionen im Vorjahr. Auch für die weiteren Monate zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich.

Leoni rutscht ab
Der Kabel- und Bordnetz-Spezialist hat 2011 dank einer hohen Nachfrage aus der Automobil- und Investitionsgüterbranche so viel umgesetzt und operativ verdient wie noch nie. Zudem ist das Unternehmen mit Blick auf das laufende Jahr optimistisch. Der Umsatz soll 2012 auf 3,8 bis 4,0 Milliarden Euro zulegen. Analysten hatten bisher einen Erlös von rund 3,8 Milliarden Euro erwartet. Die Anleger nahmen trotzdem Gewinne mit, die Aktie verlor im MDax 2,8 Prozent.

Patrizia bekommt Wohnungen
Die Aktie von Patrizia legt im SDax 1,7 Prozent zu. Das Augsburger SDax-Unternehmen entschied den sechsmonatigen Bieterwettkampf mit einer Offerte über gut 1,4 Milliarden Euro zum Kauf von 21.000 Wohnungen, wie die LBBW nach einer Aufsichtsratssitzung in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Den gewaltigen Kaufbetrag finanziert das Unternehmen allerdings mit insgesamt elf Partnern, die meisten davon sind Versicherungen.

SAG Solarstrom verfehlt das Gewinnziel
Die im Regulierten Markt in Frankfurt notierte Aktie des Freiburger Solaranlagenbauers SAG Solarstrom AG tendiert am Mittag weiter schwach. Das Papier verliert über sieben Prozent nachdem das Unternehmen zuvor erklärt hatte, dass man das anvisierte 2011er-Eregbnisziel nicht erreichen werde. Dieses Ebit-Ziel lag bisher zwischen 16 und 18 Millionen Euro. Nunmehr heißt es nur noch, dass es deutlich positiv ausfallen werde. Der Umsatz werde hingegen wie geplant zwischen 260 und 280 Millionen Euro liegen.

Hamborner Reit erhöht die Dividende
Gute Nachrichten für die Aktionäre des auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Unternehmens. Die Dividende für 2011 wird um drei auf 40 Cent angehoben. Das operative Ergebnis, das in der für die Branche maßgeblichen Ergebnisgröße FFO abgebildet wird (Funds from Operations), stieg um 32 Prozent auf 16 Millionen Euro, avisiert war ein Zuwachs von 30 Prozent. Netto blieben 7,9 Millionen Euro in der Firmenkasse und damit 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Hamborner hat bundesweit Einzelhandels-, Büro- und Praxisflächen im Portfolio. Die Miet- und Pachterlöse stiegen im vergangenen Jahr um 29 Prozent auf 32,2 Millionen Euro, der Leerstand sank auf 1,3 (1,8) Prozent.

Apple knackt 500-Dollar-Marke
Erstmals in ihrer Geschichte hat die Aktie von Apple am Montag über der Marke von 500 Dollar geschlossen. Sie gewann an der Wall Street im Tagesverlauf 1,86 Prozent hinzu und war am Abend 502,60 Dollar wert. Erst im vergangenen Juli hatte das Papier die 400-Dollar-Marke geknackt, wodurch Apple sich hinsichtlich seines Börsenwerts vor den US-Ölgiganten ExxonMobil schob. Grund für den Anstieg der Aktie am Montag war die baldige Markteinführung einer neuen Version des iPad. Aktuell hat die Aktie das Niveau behauptet. An der Wall-Street steht liegt der Kurs zur Stunde bei über 503 Dollar.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"