US-Daten und Franzosen-Power bremsen Kursrutsch

Notker Blechner

Stand: 26.08.2010, 20:08 Uhr

Die Talfahrt an der Börse ist vorerst gestoppt. Starke Zahlen von französischen Firmen und eine leichte Entspannung am US-Arbeitsmarkt trieben den Dax an. Doch die Anleger bleiben skeptisch, bis zum Abend schmolzen die Kursgewinne wieder größtenteils dahin.

Die schwächelnde Wall Street bremste die Kurserholung: Nach teils deutlichen Kursgewinnen rettete sich der Dax mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent bei 5.912 Punkten aus dem Xetra-Handel. Am Nachmittag hatte der deutsche Leitindex noch 0,7 Prozent im Plus gelegen. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel. Der L-Dax schloss nahezu unverändert bei knapp 5.914 Punkten. Die US-Börsen drehten am Abend wieder ins Minus. Der Dow gab um 0,5 Prozent nach.

Weniger Arbeitslosenhilfe-Anträge in den USA

Neue Daten vom US-Arbeitsmarkt konnten die Anleger nicht überzeugen. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken zwar um 31.000 auf 473.000 und damit stärker als von Experten erwartet. Trotzdem sei die Zahl der Menschen, die einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe stellen, immer noch sehr hoch, meinte ein Aktienstratege in New York. "Der Arbeitsmarkt bewegt sich weiter im Schneckentempo."

Wegen der widersprüchlichen Konjunkturdaten warten die Anleger weiter ab, bevor die nächsten Daten veröffentlicht werden. Am Freitag stehen das endgültige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und die zweite Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal auf der Agenda.

Der Euro profitiert

Der Euro konnte sich etwas erholen, gab aber bis zum Abend wieder einen Teil seiner Gewinne ab. Er übersprang die Marke von 1,27 Dollar, unter die er am Vormittag gefallen war. Der Goldpreis drehte ins Minus und kostete nur noch 1.238 Dollar je Feinunze. Zuvor hatten Gold und Silber ein Zwei-Monats-Hoch erreicht - wegen der ungewissen Konjunkturaussichten in den USA.

Nur in Deutschland herrscht weiter prima Klima. Die Angst vor einem Job-Verlust schwinde, außerdem rechneten viele Haushalte mit einem steigenden Einkommen, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das GfK-Konsumklima erreichte den höchsten Wert seit Oktober 2009.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,10
Differenz relativ
+2,03%

Wird Infineon seine Handychip-Sparte los?
An die Dax-Spitze rückten zum Xetra-Schluss die Aktien von Infineon. Sie gewannen über fünf Prozent. Medienberichten zufolge steht der Halbleiter-Konzern unmittelbar vor dem Verkauf seiner Handy-Sparte an den Chip-Riesen Intel. Infineon verlange 1,5 Milliarden Euro für seine Sparte, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Insiderquellen. Ein Infineon-Sprecher wollte die Spekulationen am Abend nicht kommentieren.

MAN gibt in China Gas

Zu den größten Kursgewinnern zählte die Aktie von MAN mit einem Plus von über drei Prozent. Aussagen von MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen zum China-Geschäft gaben Auftrieb. In Peking stellte er einen Anstieg des Umsatzes im Reich der Mitte auf 600 Millionen Euro in Aussicht - nach 560 Millionen im Vorjahr. "Viele Anleger hatten das nicht auf dem Zettel, daher ist es eine positive Überraschung", sagte ein Händler. Bisher trug das China-Geschäft nur weniger als fünf Prozent zum Gesamtumsatz von MAN bei. Um am China-Boom teilzuhaben, sind die Münchner im vergangenen Jahr beim chinesischen Schwerlaster-Bauer Sinotruk eingestiegen.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,08
Differenz relativ
-0,51%

FMC kauft zu
Ganz hinten auf der Dax-Verliererseite rangierten dagegen die Aktien von Fresenius und der Tochter Fresenius Medical Care (FMC). Sie gaben über ein Prozent nach. Die Anleger sehen offenbar den jüngsten Zukauf von FMC mit Skepsis. Der Dialysespezialist will sich auf dem Gebiet der Heimdialyse verstärken und das globale Peritonealdialyse-Geschäft (PD) von Gambro kaufen.

Versorger leiden weiter
Zu den Kursverlierern zählten erneut die Versorgertitel RWE und Eon. Auf ihrer "Energiereise" zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hart und kündigte Belastungen für die Strom-Branche über die geplante Brennelemente-Steuer hinaus an. Ein Pressebericht schürte Sorgen um Gewinneinbrüche in Milliardenhöhe, die den Versorgern in den nächsten Jahren drohen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,73
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+0,63%

Französischer Tag
Mehrere französische Konzerne überraschten am Donnerstag mit starken Quartalszahlen oder guten Nachrichten. So übertraf die französische Großbank Crédit Agricole mit ihren Zahlen die Erwartungen. Crédit Agricole hat seinen Gewinn nahezu verdoppelt auf 379 Millionen Euro. Analysten hatten mit 100 Millionen weniger gerechnet. Das trieb die Bankentitel an, darunter auch die Papiere der Deutschen Bank. Das Frankfurter Geldinstitut hat derweil die Bieter für die Tochter BHF-Bank aussortiert. Laut Finanzkreisen sind angeblich die französische BNP Paribas und die Schweizer Bank Julius Bär ausgeschieden, im Rennen ist offenbar noch die liechtensteinische LGT Bank.

L'Oreal putzt sich heraus

Auch L'Oreal konnte glänzen: Die Franzosen steigerten im ersten Halbjahr ihr operatives Ergebnis und ihren Gewinn um satte 21 Prozent. Der Ausblick des weltgrößten Kosmetikherstellers klang ebenfalls vielversprechend. Die Aktien von L'Oréal machten einen kräftigen Sprung nach oben, zogen aber die Papiere von Henkel nur leicht mit. Die Titel von Beiersdorf gaben hingegen nach.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
136,20
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-0,07%

Michelin macht Conti stark
Schließlich sorgte Michelin für Zuversicht bei den Autozulieferern. Eine positive Analystenstudie hievte die Aktie nach oben und riss Conti mit. Auch die anderen deutschen Autozulieferer legten kräftig zu, allen voran Elring Klinger mit einem Plus von über vier Prozent. Händler verwiesen auf eine gute Präsentation des Unternehmens auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt.

Fielmann-Aktie auf Höchststand
Ein neues Rekordhoch erreichte die Aktie von Fielmann im MDax mit 64,40 Euro. Deutschlands größte Optikerkette litt zwar im zweiten Quartal unter der geringen Nachfrage nach Sonnenbrillen, erfüllte aber die Erwartungen der Börsianer und stellte einen höheren Brillen-Absatz für das Gesamtjahr in Aussicht. Auch Umsatz und Gewinn sollen über den Vorjahreswerten liegen.

Großauftrag treibt Gea an
Gea-Titel stiegen um fast vier Prozent und belegten im MDax einen vorderen Platz. Der Maschinenbau-Konzern hat einen Großauftrag im Energiesegment erhalten. Das sei eine gute Nachricht, kommentierte ein Marktteilnehmer. Zudem notiere die Aktie derzeit unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Sollte die Aktie diesen wieder nach oben durchbrechen, sei weiter Luft nach oben.

CTS Eventim verdient gut
Der Ticketvermarkter CTS Eventim hat im ersten Halbjahr mehr verdient als im Vorjahrszeitraum. Der Nettogewinn kletterte auf 19,3 Millionen Euro - nach 18.,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2009. Die übrigen Zahlen hatte CTS bereits vor einer Woche vorgelegt. Die CTS-Aktie schloss 0,5 Prozent höher.

Air Berlin setzt auf das zweite Halbjahr
Die Fluggesellschaft Air Berlin hält trotz Turbulenzen im ersten Halbjahr an der Jahresprognose fest. Für 2010 strebt die Airline weiterhin ein Betriebsergebnis (Ebit) über dem Vorjahresniveau von 28,5 Millionen Euro an. In den ersten sechs Monaten litt Air Berlin unter den Aschewolke-bedingten Flugausfällen und dem kalten Winter. Der Betriebsverlust (Ebit) stieg auf knapp 127 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch 92 Millionen Euro betragen. Der bekräftigte Ausblick beruhigte die Anleger, die Aktien legten um zwei Prozent zu.

IKB bleibt tiefrot
Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB rutschte derweil noch tiefer in die roten Zahlen. In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres 2010/11 stand unter dem Strich ein Verlust von 135,2 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte der Verlust nur 16,3 Millionen Euro betragen. Das höhere Minus begründete IKB unter anderem mit Kursverlusten bei langfristigen Anlagen.

Arques-Ex-Chef erobert Macht zurück
Auf der Hauptversammlung von Arques ist es zum Putsch gekommen. Die frühere Führungsspitze der Beteiligungsfirma entmachtete den amtierenden Vorstand und brachte das Unternehmen wieder unter ihre Kontrolle. Ex-Vorstandschef Peter Löw und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Michael Judis zogen in den Aufsichtsrat wieder ein. Löw wurde zum neuen Aufsichtsratschef gewählt. Nun droht ein Rechtsstreit, weil sich die Ex-Manager angeblich heimlich und damit rechtswidrig mit dem US-Fonds Oppenheimer verbündet hätten. Dadurch könnte der geplante Verkauf der Tochter Gigaset ins Wanken geraten.

CineMaxx im 3-D-Fieber
3-D-Filme haben der Kinokette CineMaxx dank höherer Ticketpreise einen kräftigen Schub gegeben. Im ersten Halbjahr steigerten die Hamburger den Umsatz um 18 Prozentauf 1091,4 Millionen Euro, der Gewinn kletterte auf 5,2 Millionen Euro - nach einem Mini-Überschuss von 200.000 Euro im Vorjahreszeitraum. Während die deutschen Kinos einen Besucherrückgang erlitten, konnte CineMaxx die Zahl der Besucher konstant halten. Die Aktien der Kinokette gaben um rund zwei Prozent nach. Sie waren allerdings im Vorfeld bereits stark gelaufen.

WMF-Küchengeräte im Ausland begehrt
Auf Wachstumskurs befindet sich auch wieder der Küchengerätehersteller WMF. Dank des anziehenden Exportgeschäfts steigerten die Schwaben den Umsatz um drei Prozent. Vor allem Kaffeemaschinen von WMF waren gefragt. Im Heimartmarkt schrumpfte der Konzernumsatz allerdings um zehn Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um ein Drittel auf 13 Millionen Euro.

iQ Power verspricht erneut Break-Even
Am Abend legte der Autobatterien-Hersteller iQ Power seine Halbjahreszahlen vor. Demnach stiegen die Umsätze auf drei Millionen Euro. Der Verlust lag fast ebenfalls so hoch - bei 2,4 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Zug mit einem Verlust von 2,8 Millionen Euro. Im Hinblick auf erste Einnahmen aus den Beteiligungen in Asien und Nordamerika versprach der Vorstand den Break-Even für das vierte Quartal. Wegen des verspäteten Verkaufsstarts in den USA muss iQ Power allerdings seine Umsatz-Jahresprognose revidieren. Die Aktien stiegen im späten Parketthandel leicht - auf dem Pennystock-Niveau von 0,116 Euro.

Ahold wächst kräftig
Aus den Niederlanden präsentierte der Einzelhändler Ahold starke Zahlen. Die Erlöse stiegen im zweiten Quartal um knapp elf Prozent auf 7,13 Milliarden Euro - auch dank des Zukaufs der US-Supermarktkette Ukrop's. Das operative Ergebnis legte um fast 18 Prozent auf 347 Millionen Euro zu. Ahold-Aktien waren gefragt. Die Metro-Titel konnten davon jedoch nicht profitieren. Sie verloren leicht.

Schwellenländer haben Durst auf Diageo-Spirtuosen
Dagegen hat der Spirituosen-Hersteller Diageo mit seinem verhaltenen Ausblick enttäuscht. Diageo erwartet für das laufende Jahr lediglich einen Gewinn von über zwei Prozent. Das ist weniger als Konkurrent Pernod Ricard in Aussicht gestellt hat. Die Aktien gaben um zwei Prozent nach. Der Durst auf Hochprozentiges in Schwellenländern ließ im ersten Halbjahr den Umsatz von Diageo um zwei Prozent steigen.

Anleger bejubeln Erfolge von Ajax und Tottenham
Der Einzug in die Gruppenphase der Champions League trieben die Aktien der Fußball-Vereine Ajax Amsterdam und Tottenham Hotspurs nach oben. Die Titel des niederländischen Altmeisters Ajax Amsterdam kletterten um rund neun Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 7,40 Euro. Die Champions League beschert Extra-Einnahmen von mindestens 25 Millionen Euro. Die Aktien des britischen Klubs Tottenham Hotspurs stiegen um 3,5 Prozent. Tottenham hat sich erstmals für die europäische Fußball-Königsklasse qualifiziert.

Schnappt sich Dell doch noch 3Par?
Aus den USA gab es Neues zur Übernahmeschlacht um den US-Speicherspezialisten 3Par. Das Unternehmen hat die aufgestockte Offerte von Dell angenommen. Dell bietet 1,6 Milliarden Dollar oder 24,30 Dollar je Aktie für 3Par. Hewlett-Packard hat für 3Par 30 Cent je Aktie weniger auf den Tisch gelegt.

Toyota ruft eine Million Corollas zurück
Eine neuerliche Hiobsbotschaft verbreitete am Abend der japanische Autobauer Toyota. Die Japaner müssen in Nordamerika erneut über eine Million Autos wegen Motoraussetzern zurückrufen. Betroffen seien die Kompaktmodelle Corolla und Corolla Matrix von 2005 bis 2008. Wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten hatte zuvor Toyota bereits mehr als acht Millionen Autos zurückrufen müssen. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass viele Unfälle von den Autofahrern verschuldet wurden.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr