Marktbericht 20:02

Dax knapp unter 10.000 US-Daten geben den Bullen neues Futter

Stand: 06.06.2014, 20:02 Uhr

Den zweiten Tag in Folge hat der Dax am Freitag die Schwelle von 10.000 Punkten überschritten, sie aber nicht nachhaltig verteidigen können. Dennoch schließt der Leitindex auf einem neuen Rekordhoch - dank neuer Impulse aus den USA.

Dort hat sich der Stellenaufbau auch im Mai fortgesetzt. Außerhalb der Landwirtschaft wurden 217.000 neue Stellen geschaffen. Das sind zwar rund 1.000 weniger als erwartet, doch sank die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent. Bankvolkswirte hatten mit einer Stagnation bei 6,4 Prozent gerechnet.

Experten wie Ulrich Wortberg von der Helaba sprachen "robusten" Zahlen. Zusammen mit der niedrigen Arbeitslosenquote setze sich die Erholung am Arbeitsmarkt fort. Die amerikanische Notenbank Fed könne also wie geplant ihren Tapering-Prozess fortsetzen.

Auch die Anleger reagierten erleichtert auf die Zahlen. Der Dax übersprang erneut die Schwelle von 10.000 Punkten. Bereits zuvor war der Leitindex in Erwartung positiver US-Zahlen ins Plus gedreht und hatte sich an die magische 10.000-Punkte-Hürde herangerobbt. Unmittelbar nach dem Freudensprung begannen die Kurse wieder unter die 10.000 zu rutschen. Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 9.987,19 Punkten in den Feierabend - so hoch wie nie zuvor. Im Vergleich zur Vorwoche legte er ebenfalls 0,4 Prozent zu

Beginnt jetzt eine Konsolidierungsphase?

Nach Ansicht der Analysten von der LBBW könnte es dem Markt jetzt an Unterstützung für weitere Kursgewinne mangeln. Ob die Maßnahmen der EZB geeigent sind, die Konjunktur besonders in den Südländern anzukurbeln, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. Kurzfristig könnte der Dax jetzt erst einmal konsolidieren. Im Klartext heißt das, dass der Leitindex noch nocht bereit ist, nachhaltig über die 10.000-Punkte-Marke zu klettern. Mittelfristig dürfte der Aktienmarkt von den extrem niedrigen Zinsen weiter profitieren, glauben die Experten.

An der Wall Street sorgen die Arbeitsmarktzahlen ebenfalls für Kurszuwächse. Der Dow Jones-Index markiert ein neues Rekordhoch bei 16.922 Punkten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,49 Prozent höher bei 16.918 Zählern. Bester Wert im Dow waren die Aktien von Goldman Sachs. Unternehmensspezifische Nachrichten gab es nicht. Mit den Beschlüssen der EZB vom Vortag habe sich das Umfeld für Investmentbanken verbessert und das stütze nicht nur die europäischen Institute, sagte ein Händler.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro steigt nach Bekanntgabe der robusten US-Arbeitsmarktzahlen auf ein Tageshoch von 1,3672 Dollar, gibt danach aber wieder etwas ab und notiert bei Börsenschluss bei 1,3635 Dollar. Das sind immer noch fast ein US-Cent mehr als am Vortag. Dabei hatten vor allem die exportorientierten Unternehmen gehofft, die Gemeinschaftswährung werde von der expansiven Geldpolitik der EZB nachhaltig geschwächt.

Commerzbank erneut an der Spitze

Im Dax setzt die zuletzt stark unter Druck geratene Coba-Aktie auch am Freitag ihre Erholung fort und verteidigt ihren Spitzenplatz. Dabei profitiert die inzwischen zu einem Zockerpapier verkommene Aktie neben den EZB-Maßnahmen auch von Gerüchten über ein angebliches Kaufinteresse der französischen Société Générale und der spanischen Santander-Bank. Derlei Spekulationen begleiten die Commerzbank bereits seit bald 20 Jahren, ohne dass sie sich je konkretisiert hätten. Händlern zufolge ist es überraschend, dass überhaupt noch jemand an ein solches Märchen glaubt, zumal aus den Zeilen eines noch jungen und unerfahrenen Blattes. Am Abend dementierte die SocGen jedoch die Übernahmegerüchte.

Deutsche Börse vor Verkauf?

Konkretere Neuigkeiten gibt es zur Deutschen Börse. Die Eschborner erwägen ihre einst mit großem getöse gekaufte US-Tochter ISE loszuschlagen.

Sieben Jahre nach der Übernahme der Derivateplattform habe das Geschäft für Deutschlands größten Börsenbetreiber deutlich an Attraktivität verloren, so ein Insider. Die Aktie kann ihre anfänglichen Kursavancen aber nicht behaupten und notiert nur noch leicht im Plus.

Deutsche Bank will keine Beteiligung an Borussia Dortmund

Dagegen setzen Papiere der Deutschen Bank ihr Talfahrt fort und markieren im Tagesverlauf bei 27,35 Euro ein frisches Zwei-Jahres-Tief. Allerdings werden die Titel ex Bezugsrechte gehandelt. Die Aktie war bereits gestern der mit Abstand größte Dax-Verlierer. Vor allem der schwache Ausblick für das zweite Quartal kam bei den Anlegern gar nicht gut an. Darüber hinaus hatte die Bank verkündet, im Rahmen der Kapitalerhöhung würden die neuen Aktien zu 22,50 Euro angeboten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Gerüchte über einen möglichen Einstieg der Deutschen Bank bei Borussia Dortmund haben sich jedoch nicht bewahrheitet. Am Freitagabend teilte die Bank mit, sie werde zum jetzigen Zeitpunkte keine Beteiligung an dem damnächst im SDax notierten Bundesligisten eingehen.

Osram spart weiter

Aufwärts geht es auch mit der im MDax notierten Osram-Aktie. Nachdem das Unternehmen Ende Mai seine Umsatzprognose für das laufende Jahr gesenkt hatte, kündigt der Vorstand jetzt eine Verschärfung des Sparkurses an."Der Wandel im Lichtmarkt von den traditionellen zu den halbleiterbasierten Produkten hat sich weiter beschleunigt", sagte Vorstandschef Wolfgang Dehen der "Wirtschaftswoche". Auch 2015 würden die Kapazitäten im traditionellen Lichtgeschäft der Marktentwicklung weiter angepasst, so der Osram-Chef. Damit dürften weitere Jobs wegfallen, so der Bericht.

Südzucker zeiteweise auf Vier-Jahres-Tief

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlusslicht im MDax sind dagegen erneut die Südzucker-Aktien. Sie sind am Freitag erstmals seit vier Jahren unter die Marke von 14 Euro gefallen. Die Papiere des Zuckerproduzenten waren Anfang April massiv unter Druck geraten, nachdem das Unternehmen einen fortgesetzten Umsatz- und Ergebnisschwund im laufenden Geschäftsjahr angekündigt hatte. Davor hatten die Aktien noch mehr als 20 Euro gekostet.

BNP: Milliardenstrafe wird zum Politikum

Der Streit zwischen den US-Behörden und der französischen Großbank BNP Paribas wird mehr und mehr zu einem Politikum. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius drohte am Freitag unverhohlen damit, das geplante transatlantische Freihandelsabkommen zu blockieren, sollte der größten Bank des Landes wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße eine überzogene Milliardenstrafe aufgebrummt werden. Damit werden die Warnungen aus Paris immer lauter. "Das Abkommen kann nur auf dem Grundsatz der Gleichheit umgesetzt werden", sagte Fabius dem Radiosender RTL. Dieses Prinzip werde verletzt, wenn die USA gegen ein europäisches Geldhaus mit unverhältnismäßiger Härte vorgingen.

Der Bank of America droht wegen Altlasten aus der Finanzkrise sogar eine Strafe von mindestens zwölf Milliarden Dollar, berichtet das "Wall Street Journal". Die Summe sei zur Beilegung des Verfahrens zum Umgang mit faulen Hypothekenkrediten fällig. Die Bank lehnt einen Kommentar ab.

Air Berlin erhöht Angebot

Im SDax gehören die Air-Berlin-Aktien zu den stärksten Werten. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat im vergangenen Monat ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Durch mehr ganzjährige Verbindungen vor allem auf touristischen Routen und Langstrecken stieg das Angebot um 2,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Sitzplatzkilometer. Trotz leicht steigender Passagierzahlen sank daher im Mai die Auslastung.

Achtung, Dividendenabschlag!

Im TecDax demonstrieren die Aktien von Bechtle und LPKF Stärke. Dabei werden beide Titel heute mit Dividendenabschlag gehandelt. Das gilt auch für die im SDax notierten Titel von MLP und Schaltbau.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q2 detailliert, 8:45 Uhr
London: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone (Industrie, Service, Composite) für September, vorläufig, 09:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer