US-Daten bringen etwas Zuversicht

Stand: 26.04.2012, 20:01 Uhr

Eine Flut von Quartalsergebnissen und die geplante Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius haben die Anleger am Donnerstag in Atem gehalten. Doch erst überraschend starke US-Immobiliendaten sorgen im Dax für steigende Kurse.

In der Spitze steigt der Leitindex bis auf 6.750 Punkte, 46 Zähler mehr als gestern. Am Ende geht der Dax mit einem Plus von gut einem halben Prozent aus dem Handel, bei 6.740 Punkten, dem dritten Tagesplus in Folge.

Dabei war der Dax am Morgen noch mit leichten Abschlägen in den Handel gestartet. Und am Nachmittag hatten schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten den deutschen Leitindex kurzzeitig bis auf 6.642 Punkte in die Verlustzone gedrückt. In der weltgrößten Volkswirtschaft waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche höher als erwartet ausgefallen.

Dem stand allerdings ein Anstieg bei den noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufen von 4,1 Prozent im März gegenüber. Damit stand der Index auf dem höchsten Niveau seit April 2010. Volkswirte waren von einem deutlich geringeren Plus in Höhe von lediglich einem Prozent ausgegangen. "Der Häusermarkt hat seine Talsohle erreicht", sagte ein Investmentstratege. Dax und Dow drehten daraufhin ins Plus.

Die latente Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise verhinderte aber größere Kursgewinne. "Beim Thema Europa bin ich auf der Hut", sagte Aktienstratege Peter Garnry von der Saxo Bank. "Es liegt noch eine Menge Leid vor uns."

Auch die US-Börsen verbuchen wegen der überraschend starken Immobiliendaten moderate Gewinne. Der Dow Jones Industrial notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,8 Prozent höher bei 13.192 Punkten. Im Mittelpunkt der Anleger standen aber vor allem die zahlreichen Quartalsberichte in- und ausländischer Konzerne.

ExxonMobil enttäuscht
Für Enttäuschung sorgte der US-Ölkonzern ExxonMobil. Er hat im ersten Quartal trotz der höheren Ölpreise weniger verdient als vor einem Jahr. Der Nettogewinn sank auf 9,5 Milliarden Dollar von 10,65 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen vor New Yorker Börsenbeginn mit. Die Produktion in Öläquivalenten sank um mehr als fünf Prozent. Exxon-Aktien geben 1,5 Prozent nach und sind damit einer der schwächsten Werte im Dow.

Der europäische Rivale Royal Dutch Shell hatte für denselben Zeitraum einen Gewinnanstieg von elf Prozent ausgewiesen. Zudem sollen die Anleger mit 43 Cent je Aktie eine um einen Cent erhöhte Dividende erhalten.

Dow Chemical schrumpft
Auch der US-Chemiekonzern Dow Chemical hat zum Jahresauftakt weniger verdient. Der Gewinn des BASF-Konkurrenten ging auf 412 Millionen Dollar zurück, nach 625 Millionen Dollar im ersten Quartal des Boom-Jahres 2011. Aufwendungen für Restrukturierungen hätten den Überschuss gedrückt, teilte der Konzern heute mit. Der Umsatz blieb mit 14,7 Milliarden Dollar nahezu auf Vorjahresniveau. Triebfeder war insbesondere das Agrochemiegeschäft (Pflanzenschutzmittel). Analysten hatten einen niedrigeren Gewinn aber etwas höhere Umsätze erwartet. Die Aktie verliert.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,56
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+1,14%

VW rollt an die Spitze
Kräftig voran geht es dagegen mit der Aktie von Volkswagen. Sie klettert um knapp neun Prozent, nach dem der Konzern im ersten Quartal Umsatz und Gewinn erneut überdurchschnittlich steigern konnte. Analysten hatten wegen der hohen Investitionen in die Produktion mit einem deutlichen Gewinnrückgang gerechnet, doch der operative Profit kletterte im ersten Quartal um zehn Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um mehr als ein Viertel auf 47 Milliarden Euro zu.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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62,72
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+0,21%

Bayer macht Freude
Auch Bayer-Papiere reagieren erfreut auf gute Quartalszahlen. Gestützt durch einen umsatzträchtigen Pflanzenschutz-Bereich (Crop Science) hat Bayer erstmals mehr als zehn Milliarden Euro in einem Quartal geschafft hat. Der Umsatz kletterte um mehr als die Hälfte auf 1,05 Milliarden Euro.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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52,28
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-1,40%

Fresenius will Rhön
Mit Verlusten reagieren die Anleger auf die Ankündigung des Gesundheitskonzerns Fresenius den Klinik-Betreiber Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Dies entspricht einem Aufschlag von 50 Prozent auf den Mittwochskurs, was der Rhön-Aktie einen Kurssprung von 44 Prozent beschert. Auch die Fresenius-Papiere drehen schließlich deutlich ins Plus.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,71
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+1,30%

Deutsche Bank mit Baustellen
Die letzten Quartalsergebnisse der Bank unter Vorstandschef Josef Ackermann kommen an der Börse schlecht an, die Aktie sinkt um 2,75 Prozent und ist damit der größte Verlierer im Dax. Der Bankenriese hat mit 1,4 Milliarden Euro im Auftaktquartal zwar weniger verdient als im Vorjahreszeitraum, aber deutlich mehr als im vierten Quartal 2011, als die Bank vorbörslich sogar ins Minus gerutscht war. Belastet wurde das Konzernergebnis mit 257 Millionen Euro durch den Verkauf des Pharmaunternehmens Actavis. Fortschritte macht die Bank aber bei der Eigenkapitalausstattung. Eine Kapitalerhöhung, die mancher Beobachter befürchtet, schloss Finanzchef Stefan Krause erneut aus.

MüRü ist durchfinanziert
Dagegen kann die Aktie der Münchener Rück 1,8 Prozent zulegen. Der Rückversicherer hat im ersten Quartal bereits den gesamten Jahresgewinn 2011 übertroffen: Er lag bei 750 Millionen Euro. Die Dividende für 2011 will der Konzern auf dem bisherigen Gewinn belassen. Und frisches Kapital brauchen die Münchner auch nicht. Bis 2017 sei man durchfinanziert, versichert MüRü-Chef Bomhard.

Ähnlich freundlich reagiert die Aktie von Beiersdorf. Der Konzern will an seinem Ergebnisziel für 2012 festhalten. Danach sollen sowohl der Umsatz als auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2012 wachsen.

Potash drückt K+S
Zu den größeren Verlierern im Dax gehört dagegen die Aktie von K+S. Damit reagieren die Anleger auf die enttäuschenden Zahlen des weltgrößten Düngemittelherstellers Potash. Der in den ersten drei Monaten des Jahres 33 Prozent weniger verdient als im Vorjahr. Als Gründe nannte das Unternehmen gesunkene Umsätze und ein geringeres Produktionsvolumen. Damit verfehlte Potash die Erwartungen der Analysten.

Erleichterung nach Aixtron-Zahlen
Im TecDax hat die Aktie des LED-Spezialisten Aixtron die Index-Spitze erklommen. Anleger gehen offenbar davon aus, dass die Quartalergebnisse den Tiefpunkt der Entwicklung darstelle. Die UBS hat die Einstufung der Aktie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 12,50 (Kurs: 13,46) Euro belassen. Die Umsatz- und Ergebniskennziffern seien schwächer als erwartet ausgefallen, schreibt Analyst David Mulholland. Immerhin habe sich der Auftragseingang weniger schlecht als befürchtet entwickelt.

Qiagen lässt die Kasse klingeln
Nur mäßig voran geht es mit der Aktie des Biotech-Unternehmens Qiagen aus dem TecDax. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal seinen Gewinn um elf Prozent auf 54,8 Millionen Dollar gesteigert. Deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Um zwölf Prozent stieg der Umsatz, der 295,4 Millionen Euro erreichte.

Boss fällt trotzdem
Zu den größten Verlierern im MDax gehört die Aktie von Hugo Boss, obwohl das in den ersten drei Monaten seinen Umsatz um 13 Prozent auf 607 Millionen Euro gesteigert. Ebenfalls zweistellig, um 14 Prozent, ging es mit dem Überschuss auf 95 Millionen Euro bergauf.

Fielmann öffnet die Schatulle
Nur mäßig voran geht es mit der Aktie von Fielmann. Aktionäre sollen aber eine um 10 Cent auf 2,50 Euro steigende Dividende erhalten. Im ersten Quartal hat das MDax-Unternehmen wieder mehr Brillen verkauft, der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 271,5 Millionen Euro. Das Nettoergebnis stieg auf 33,6 Millionen Euro.

Praktiker überwindet Talsohle
Um mehr als zehn Prozent in die Höhe und damit an die SDax-Spitze springt die Aktie des angeschlagenen Baumarktkonzerns Praktiker. Erstmals seit zweieinhalb Jahren legte der Quartalsumsatz im Heimatmarkt wieder zu, vor allem dank kräftiger Zuwächse der Konzerntochter Max Bahr. "Die Talsohle dürfte hinter uns liegen", erklärte Vorstandschef Thomas Fox.

USA zeigt Takkt den Weg
Starke Geschäfte in den USA halten den Möbelversandhändler Takkt aus dem SDax auf Kurs. Insgesamt stieg der Umsatz des auf Büromöbel, Lager- und Hotelausstattung spezialisierten Unternehmens im Auftaktquartal um 4,4 Prozent auf 223 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte auf 39,8 von 36,6 Millionen Euro. Damit schlug sich Takkt etwas besser, als Analysten prognostiziert.

Und sonst?
Mobotix, ein Anbieter von Videosicherheitssystemen hat im ersten Halbjahr des Jahres seinen Umsatz um 17 Prozent gesteigert. Mit einem Ebit von 9,5 Millionen Euro konnte eine Marge von 23 Prozent realisiert werden. Das Ergebnis nach Steuern legte um 16 Prozent auf 6,7 Millionen Euro zu.

Das Technologieunternehmen Mühlbauer hat im ersten Quartal zwar einen Umsatzrekord von 207,5 Millionen Euro erreicht, doch wegen hoher Forschungsausgaben sank das Ebit um 26 Prozent auf 28,1 Millionen Euro.

Die Greiffenberger-Gruppe hat 2011 neue Rekordzahlen erwirtschaftet. Danach ist der Umsatz um 11,9 Prozent auf 156,6 Millionen Euro gestiegen. Der Konzernjahresüberschuss kletterte von 1,8 Millionen Euro auf 2,5 Millionen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"