US-Daten beflügeln

Stand: 03.08.2009, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Rezession lässt die Anleger immer beherzter zugreifen. Zum Wochenauftakt setzt der Dax seinen Höhenflug der letzten Wochen fort und schließt auf dem höchsten Stand seit Oktober 2008.

Nachdem der Leitindex am Nachmittag zeitweise um mehr als 130 Punkte auf 5.463 Punkte zulegen konnte, beendete er den Abendhandel mit einem Aufschlag von 1,94 Prozent oder 103 Punkten bei 5.438. Auch der Dow Jones Index kletterte bis zum Börsenschluss in Deutschland um gut 100 Punkte auf 9.270.

Ausgelöst wurde die Rally vom neuerlichen Anstieg des US-Einkaufsmanagerindex ISM. Der notiert zwar noch unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten, heißt es in einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Hoffnungen auf ein Durchschreiten der konjunkturellen Talsohle in den kommenden Monaten seien aber berechtigt. Auch die US-Bauausgaben überraschten zu Wochenbeginn mit einem Anstieg positiv.

Dem US-Autobauer Ford ist im Juli in den USA erstmals seit Monaten eine Absatzsteigerung gelungen. Die Verkäufe der US-Marken Ford, Lincoln, Mercury sowie der schwedischen Tochter Volvo stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat insgesamt um 2,3 Prozent auf 165 279 Fahrzeuge. Damit mehren sich die freundlichen Konjunktursignale nach dem beispiellosen Absturz der US-Wirtschaft.

Auch an der Frankfurter Börse können die konjunktursensiblen Aktien der Stahlwerte, sowie die Papiere von Daimler, Linde und Bayer kräftig zulegen. Die mit Abstand größten Kursgewinner sind jedoch die Papiere der Commerzbank.

Banken schieben Märkte an
Die unter staatliche Kontrolle geschlüpfte Commerzbank legt um mehr als fünf Prozent zu, obwohl die Bank, Analysten zufolge, an diesem Donnerstag erneut einen hohen dreistelligen Millionen-Verlust für das zweite Quartal bekanntgeben wird. Auch die Deutsche Bank kommt überdurchschnittlich voran. Angeschoben werden die Titel von den besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen der britischen Bankhäuser HSBC und Barclays. Sie geben den Finanzwerten in ganz Europa einen kräftigen Schub.

Ölpreis über 70 Dollar
Um rund acht Dollar oder 13 Prozent gestiegen sind die Ölpreise seit letzten Donnerstag. Auch heute geht die Rally weiter. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im September kostete gegen Mittag 70,80 US-Dollar. Das waren 1,35 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte um 1,07 Dollar auf 72,77 Dollar.

Auch Euro haussiert
Mit 1,4401 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung wieder so hoch wie zuletzt Anfang Juni. Aus technischer Sicht zeichne sich eine nachhaltige Trendwende zugunsten des Euro ab, stellen die Analysten des Bankhauses Metzler fest.

Metro drückt Arcandor
Der Handelskonzern Metro will unverändert zwei Drittel der Karstadt-Filialen übernehmen - aber nicht um jeden Preis. "Wenn da jemand kommt, der ein paar Milliarden bezahlen will, sind wir sicher nicht dabei", sagte Cordes. Auch brauche Kaufhof Karstadt nicht, betonte Cordes. Doch auch Metro bekommt die Krise zu spüren. Im zweiten Quartal fiel der Umsatz um 3,8 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und Sonderfaktoren sank von 327 auf 307 Millionen Euro. Die Aktie gibt deutlich nach. Auch die Papiere von Arcandor stehen auf der Verkaufsliste.

Linde erwartet nur leichte Besserung
Die Linde-Aktie steigt dagegen deutlich. Dabei sieht der Industriegase-Spezialist kein Ende der Wirtschaftskrise. Es gebe zwar im Gasegeschäft vereinzelt erste Anzeichen für eine leichte Erholung der Nachfrage, sagte Unternehmenschef Wolfgang Reitzle vor Journalisten. "Trotzdem bleibt die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung mit vielen Unsicherheiten behaftet, die Krise ist noch nicht vorbei." Für die zweite Jahreshälfte rechnet er bei einer weiteren Stabilisierung mit einer besseren Geschäftsentwicklung als in den ersten sechs Monaten. Im zweiten Quartal sank das operative Ergebnis von Linde um 13,7 Prozent auf 566 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 17 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro zurück.

Pfleiderer setzt Zinszahlung aus
Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat sich entschieden, die im August fälligen Zinsen für eine Anleihe vorerst nicht zu zahlen, berichtet das Unternehmen am Mittag. Diese Summe von rund 18 Millionen Euro bleibe dem Unternehmen damit als Liquidität erhalten und bedeute für Pfleiderer quasi ein zinsloses Darlehen, sagte ein Sprecher. Die Möglichkeit, die Zinsen nicht zu zahlen, sei in den Konditionen der Anleihe als Option vorgesehen gewesen. Die Aktie legt daraufhin deutlich zu und gehört zu den größten Gewinnern im MDax.

Bosch entfacht Solarfeuerwerk
Die geplante Übernahme von Aleo Solar durch den Autozulieferer Robert Bosch hat den Solaraktien zu kräftigen Kursgewinnen verholfen. Auch führte die Meldung zu Spekulationen über eine Übernahme von Solarworld durch Siemens. Solarworld-Chef Asbeck dementierte zwar umgehend jegliche Verkaufsabsichten, doch der Aktienkurs springt kräftig nach oben. Bosch bietet 9,00 Euro je Aleo-Aktie und will 75 Prozent übernehmen. Am Freitag notierten die Titel noch bei 6,78 Euro. Zuvor hatte Bosch bereits den Solarzellenhersteller Ersol für knapp 120 Millionen Euro übernommen.

Phoenix Solar schürt Hoffnungen
Gute Nachrichten gibt es auch von der Solartechnikfirma Phoenix Solar. Deren Chef, Andreas Hänel, sieht erste Anzeichen, dass sich die stark gefallenen Preisen für Solarmodule stabilisieren. "Wir hören, dass die Preise für Silizium und Wafer stabil sind, zum Teil sogar etwas anziehen", sagte Hänel der "Euro am Sonntag".

Centrotherm bleibt auf der Strecke
An der Centrotherm-Aktie geht die Solar-Rally allerdings vorbei. Merrill Lynch hat die Papiere des TecDax-Mitglieds von "Buy" auf "Neutral" heruntergestuft. Die zuständigen Analysten begründeten ihre Einschätzung mit einem begrenzten Aufwärtspotential der Titel bis zu dem Kursziel von 39 Euro, das die Analysten ausgegeben haben.

Tipp24 verbessert sich
Der Internet-Lottovermittler Tipp24 hat immer ersten Halbjahr seinen Umsatz um 116 Prozent auf 46,6 Millionen Euro verbessert. Das Ebit stieg im Vorjahresvergleich um rund 18 auf 22,7 Millionen Euro. Außerdem wird Jens Schumann, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender, Ende September aus dem Unternehmen ausscheiden.
DE0007847147

OVB-Anleger bleiben gelassen
Laut "Handelsblatt" besteht der Verdacht, dass der gefeuerte Chef des Finanzvertriebs OVB, Michael Frahnert, gemeinsam mit seinem Sohn die Bücher des Unternehmens manipuliert hat. Die OVB-Aktie zeigt sich von dem Vorwurf unbeeindruckt und notiert nahezu unverändert.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin