US-Banken spielen heile Welt

Detlev Landmesser

Stand: 12.03.2009, 20:34 Uhr

Jetzt hat auch die größte Bank der USA erklärt, sie habe in den ersten zwei Monaten Gewinne geschrieben. Das verlieh den ohnehin gut aufgelegten US-Börsen neuen Schub.

Der L-Dax kletterte daraufhin auf 3.980,55 Punkte, ein Plus von 2,3 Prozent. Die großen US-Indizes liegen zur Stunde um drei bis vier Prozent im Plus. Nach den Chefs von Citigroup und JP Morgan erklärte nun auch Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis, seine Bank habe zu Jahresanfang profitabel gearbeitet. Sie benötige auch keine weiteren Staatshilfen.

Schon zuvor hatte der amerikanische Einzelhandelsumsatz im Februar die Märkte beflügelt, da er mit minus 0,1 Prozent deutlich weniger schrumpfte als befürchtet. Zudem stufte die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bonitätsnote für den Industriegiganten General Electric zwar von "AAA" auf "AA+" zurück, beließ ihren Ausblick aber auf "stabil". Damit kam GE glimpflicher als erwartet davon, und beflügelte den gesamten US-Markt.

Zunächst hatten enttäuschende Unternehmensdaten und die trübe Kunde, dass der US-Hypothekenkonzern Freddie Mac weitere 30,8 Milliarden Dollar frisches Geld braucht, den Dax um bis zu 2,9 Prozent abstürzen lassen.

Ölpreis schnellt nach oben

Mit einem Sprung von rund zehn Prozent meldete sich der Ölpreis zurück. Am Abend notierte leichtes US-Öl knapp unter der Marke von 47 Dollar pro Barrel. Neben den US-Einzelhandelsdaten führten Händler die Erwartung weiterer Produktionskürzungen der Opec an. Auch der Euro probte am Abend den Aufstand und überschritt zeitweise die Marke von 1,29 Dollar.

K+S unter Erwartungen
Der Aktie von K+S wurden die Zahlen des Düngemittelherstellers nicht verziehen. Der Dax-Titel lag mit einem Minus von 7,4 Prozent am Indexende. Der Kasseler Konzern hat im vergangenen Jahr zwar seinen Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert, aber die Prognosen verfehlt. Außerdem soll das Geschäft im laufenden Jahr schwächer laufen.

Heftiger Gewinneinbruch bei BMW
BMW hat das Jahr 2008 mit äußerst schwachen Zahlen abgeschlossen und die Prognosen erheblich verfehlt. Das Ergebnis vor Steuern brach um 90 Prozent auf 351 Millionen Euro ein, der Umsatz fiel um fünf Prozent auf 53,2 Milliarden Euro. Allein im vierten Quartal sackten die Erlöse um fast ein Fünftel ab. BMW reduziert die Dividende von 1,06 Euro auf 0,30 Euro. Der Dax-Titel verlor zwischenzeitlich über elf Prozent, schaffte es dann aber doch noch ins Plus.

VW sieht Hoffnungsschimmer
Volkswagen leidet wie BMW unter der Absatzflaute, aber VW leidet auf vergleichsweise hohem Niveau. In den ersten beiden Monaten des Jahres gingen die Auslieferungen im Jahresvergleich zwar deutlich zurück, aber mit 15 Prozent deutlich geringer als im Gesamtmarkt. Das Jahr 2008 beendete der Autobauer mit einem Rekordergebnis von 6,3 Milliarden Euro, der Umsatz stieg um 4,5 Prozent auf 113,8 Milliarden Euro. Konzernchef Winterkorn sagte, VW wolle zu den Gewinnern der Krise gehören. Bereits jetzt beginne der Konzern, von gesunkenen Einkaufs- und Logistikkosten zu profitieren.

Ciba-Übernahme durch BASF genehmigt
Wie erwartet, erlaubte die EU-Kommission dem weltgrößten Chemiekonzern BASF die Übernahme des Schweizer Spezialchemiekonzerns Ciba. Allerdings musste BASF den Verkauf von Unternehmensteilen zusagen, um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen. Zu den Geschäften, die verkauft werden müssen, gehört die BASF-Produktion der Chemikalie Dimethylaminoethylacrylat in Ludwigshafen. Die Übernahme kostet BASF nach früheren Angaben rund 3,8 Milliarden Euro.

Gea erstaunlich robust
Die Gea-Aktie stieg an die MDax-Spitze. Der Maschinenbauer sieht sich von der Absatzflaute in der Branche etwas weniger betroffen. Der Auftragsrückgang in den ersten zwei Monaten des Jahres sei mit 20 Prozent deutlich geringer ausgefallen als der Branchendurchschnitt von minus 42 Prozent, teilte Gea mit. 2008 schloss der MDax-Konzern mit einem Umsatzanstieg von 6,7 Prozent auf mehr als fünf Milliarden Euro sowie einem um ein Viertel besseren Ergebnis von rund einer halben Milliarde Euro ab. Für 2009 erwartet Gea allerdings weniger Umsatz und Gewinn.

Kuka streicht die Dividende
Kuka hat das Jahr 2008 mit einem deutlich geschrumpften Gewinn beendet und will deshalb keine Dividende zahlen. Im vergangenen Jahr ging das Nettoergebnis auf 30,6 Millionen Euro nach 117,9 Millionen im Vorjahr zurück. Anfang Februar hatte der Roboterbauer mitgeteilt, auch der Umsatz sei rückläufig gewesen. Für 2009 erwartet der MDax-Konzern zudem eine deutlich niedrigere Nachfrage.

Gildemeister streicht jeden siebten Arbeitsplatz
Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister hat sich zu dem Geschäft für den Jahresbeginn 2009 geäußert. Der MDax-Konzern nannte keine konkrete Zahlen, deutete aber an, dass Umsatz und Auftragseingang deutlich unter den Vorjahreswerten lagen. Das Vorsteuerergebnis werde allerdings positiv ausfallen, teilte Gildemeister mit. Für das Gesamtjahr rechnet die Gesellschaft mit sinkenden Erlösen. Wegen der Krise will Gildemeister in diesem Jahr jeden siebten Arbeitsplatz streichen.

HeidelbergCement unter Druck
Die Aktien des Zementkonzerns HeidelbergCement rutschte mit minus 9,1 Prozent ans MDax-Ende. Die Analysten der UniCredit haben ihr Kursziel von 31 Euro auf 24 gesenkt.

Aixtron plant für 2009 positives Ergebnis
Der im TecDax notierte Chipanlagenbauer Aixtron hat das vergangene Jahr mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg beendet. Nach Angaben der Firma stieg das Ebit um fast zwei Drittel auf 32,5 Millionen Euro, der Umsatz erreichte 274,4 Millionen Euro und übertraf die Analystenprognose leicht. Im vierten Quartal setzte Aixtron 82,3 Millionen Euro um, auch dies war mehr als erwartet. Für 2009 wagt die Firma keine konkrete Prognose, rechnet allerdings mit einem positiven Betriebsergebnis.

Jungheinrich weniger profitabel
Jungheinrich hat das vergangene Jahr mit einem neuen Rekordumsatz beendet, aber schon in der zweiten Jahreshälfte die sich eintrübende Nachfrage gespürt. Während der Umsatz 2008 um sieben Prozent auf 2,15 Milliarden Euro stieg, sank das operative Ergebnis um 13 Prozent auf 122 Millionen Euro. Der Gabelstaplerhersteller will daher die Dividende leicht senken. Für 2009 gab das SDax-Unternehmen keine Prognose ab.

Arques halbiert Ergebnis
Die Aktie von Arques konnte im Abendhandel von der Jahresbilanz der Beteiligungsgesellschaft profitieren. Wie erwartet, hat die Wirtschaftskrise das Geschäft verhagelt. Das operative Ergebnis (Ebitda) halbierte sich in etwa auf 105 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 5,5 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Ursprünglich hatte Arques Erlöse von mehr als sechs Milliarden Euro und ein Ebitda von 275 Millionen in Aussicht gestellt, die Ziele im Jahresverlauf aber nach unten schrauben müssen. Die Abschreibungen bei seinen Beteiligungen bezifferte Arques auf bis zu 125 Millionen Euro. Die kurzfristigen Schulden lägen bei 40 Millionen Euro, die liquiden Mittel bei 142 Millionen. Ein Nettoergebnis nannte Arques nicht, Details soll es erst Ende April geben.

Deutz baut Vorstand um
Der Motorenhersteller Deutz verkleinert seinen Vorstand von vier auf drei Mitglieder. Die beiden Vorstandsmitglieder Karl Huebser (62) und Helmut Meyer (59) schieden in gegenseitigem Einvernehmen zum 31. März aus dem Vorstand aus, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Zugleich werde Margarete Haase zum Finanzvorstand ab dem 1. April berufen.

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