Marktbericht 20:00 Uhr

Zinsspekulationen adé US-Arbeitsmarktdaten befeuern Dax

Stand: 02.09.2016, 20:00 Uhr

Der unerwartet schlechte Arbeitsmarktbericht aus den USA hat bei den Anlegern in Frankfurt die Hoffnung auf unverändert niedrige Zinsen geweckt - und den Aktienmarkt beflügelt.

Der Dax dreht am Nachmittag immer weiter auf und klettert in der Spitze bis auf 10.693 Punkte, 160 Zähler über den Schlusskurs vom Vortag. Vor Veröffentlichung der US-Daten dümpelte das Börsenbarometer bei 10.560 Zählern vor sich hin. Befeuert wurde das Börsenbarometer auch durch einen überraschend schwachen Euro, der Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger macht. Am Ende geht der Dax bei 10.683,82 Zählern aus dem Handel, 1,42 Prozent oder 149,5 Punkte mehr als am Vortag. Damit ergibt sich auf Wochensicht ein Plus von knapp ein Prozent.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Damit feiern die Anleger die Aussicht auf weiter unverändert niedrige Zinsen. Tatsächlich sind die Arbeitsmarktdaten schlechter ausgefallen als erwartet. 151.000 Stellen wurden im August außerhalb der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten geschaffen. Eine robuste Zahl, doch hatten Analysten mit 180.000 neuen Stellen gerechnet.

Wohl keine Zinserhöhung vor dem Jahresende

Dass die amerikanische Notenbank nun erstmal die Füße Still halten wird, glaubt auch Helaba-Experte Ralf Umlauf. "Der Arbeitsmarkt fällt zwar insgesamt solide aus und das Wachstumsszenario scheint damit untermauert zu werden, Zinserhöhungserwartungen für den laufenden Monat dürften dennoch kaum geschürt werden", schreibt er und sieht damit seine Einschätzung, wonach eine Zinserhöhung erst im Verlauf des vierten Quartals wahrscheinlich ist, "per saldo unterstützt".

Händler hatten zuvor erklärt, dass eine Zahl über 200.000 neue Stellen Spekulationen auf einen September-Schritt der Fed angeheizt hätte, während sich bei rund 100.000 neuen Stellen die Erwartungen eines Zinsschritts in Richtung 2017 geschoben hätte. Sie wären eine große Enttäuschung für diejenigen Anleger gewesen, die aufgrund der zuletzt guten Daten auf die Seite der Konjunkturoptimisten gewechselt seien.

Moderate Freude an der Wall Street

Bislang sahen die Anleger die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts der für Ende September bei 24 Prozent. Für Dezember liegt die Quote bei etwas mehr als 50 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Tür für eine baldige Zinserhöhung in den USA zuletzt weit aufgestoßen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch an der Wall Street hat der Arbeitsmarktbericht die Hoffnung auf vorerst weiter extrem günstiges Notenbankgeld genährt. Der Dow Jones Industrial eröffnet rund ein halbes Prozent höher bei 18.518 Punkten, muss im weiteren Verlauf einen Großteil seiner Gewinne wieder abgeben. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow noch 0,2 Prozent höher. Ein Befreiungsschlag nach der Lethargie der vergangenen Tage gelang damit allerdings nicht. Auf Wochensicht zeichnet sich ein Gewinn von etwas mehr als einem halben Prozent ab.

Euro driftet wieder ab

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die US-Arbeitsmarktzahlen haben den Euro am Nachmittag kurz über die Marke von 1,12 Dollar gehoben. Doch das Hoch erwies sich als Strohfeuer. Bis zum Ende des elektronischen Aktienhandels muss die Gemeinschaftswährung ihre Zugewinne wieder vollständig abgeben und bricht bis auf 1,1154 Dollar ein, den tiefsten Stand des Tages. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1193 Dollar fest.

Die Ölpreise können sich von ihren Verlusten der vergangenen Tage deutlich erholen. Brent und WTI setzen zu einer Gegenbewegung an. Der Goldpreis zeigt weiterhin Schwäche. Die Feinunze Gold notiert zuletzt bei 1.319 Dollar 0,4 Prozent höher.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Versorger: Uniper-Börsengang verleiht Flügel

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax sind die Aktien der beiden Versorger RWE und Eon die mit Abstand stärksten Werte. Bei Eon ist nun der Börsengang seiner Kraftwerks-Tochter Uniper auf der Zielgeraden. Die Uniper-Aktien sollen am 12. September zum ersten Mal an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Eon legt 53,3 Prozent der Uniper-Anteile - das sind 195,2 Millionen Aktien - seinen eigenen Aktionären ins Depot. Sie erhalten am Wochenende vor dem 12. September für je zehn Eon-Aktien eine Uniper-Aktie.

HeidelCement und Adidas: Analysten senken den Daumen

Zu den wenigen Verlierern gehören die Papiere von Adidas und HeidelbergCement. Kepler Cheuvreux hat die Papiere herabgestuft auf "Hold". Auch Adidas-Aktien schwächeln. Die Analysten von HSBC senkten ihre Bewertung auf "Hold" von "Buy". Das Kursziel hoben sie auf 162 von 130 Euro an. Nach den kräftigen Kursgewinnen seit Jahresbeginn von rund 65 Prozent sei es Zeit für eine Verschnaufpause, hieß es zur Begründung.

FMC kauft Konkurrenten in Indien

Die Pläne des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC), seine Position in Indien durch eine Übernahme auszubauen, kommen dagegen gut an. Der Konzern erwirbt von einer Investorengruppe eine Beteiligung von 85 Prozent an der indischen Dialysegruppe Sandor Nephro Services. Sandor ist Indiens zweitgrößter Anbieter von Blutwäsche und betreibt mehr als 50 Dialysezentren. Zum Kaufpreis äußerte sich der weltgrößte Dialysekonzern nicht.

Autos: Weniger Neuwagen in den USA, mehr in Deutschland

Gemischt ausgefallene Nachrichten kommen von der Autoindustrie. Während in den USA der Verkaufsboom sich dem Ende zuneigt, steigen die Neuzulassungen in Deutschland weiter an. Im August sank der VW-Absatz in den Vereinigten Staaten um 9,1 Prozent auf rund 29.400 Fahrzeuge und lag damit hinter BMW mit genau 30.500 (minus 7,2 Prozent) und Mercedes/Smart mit etwa 31.900 Autos (plus 2,1 Prozent). Dagegen sind im August in Deutschland deutlich mehr Fahrzeuge verkauft worden als vor einem Jahr: Die Zahl der Neuzulassungen stieg um acht Prozent auf rund 245.000. Größter Gewinner hierzulande ist die Marke VW mit einem Plus von 16,3 Prozent. Auch Mercedes (plus 13,3 Prozent) schnitt gut ab, während die BMW-Neuzulassungen um 4,5 Prozent sanken.

Steinhoff hat einen mächtigen Gegenspieler

Der deutsch-südafrikanische Möbelriese Steinhoff aus dem MDax gerät mit seinen Übernahmeplänen in Großbritannien unter Zugzwang. Der aktivistische Investor Elliott aus den USA hat seine Beteiligung an der britischen Billigkette Poundland auf 24,9 Prozent aufgestockt. Die milliardenschwere Beteiligungsfirma von Paul E. Singer will damit ein höheres Angebot von Steinhoff erzwingen.

Südzucker: Herbe Anschuldigungen

Die drei großen Zuckerhersteller Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen stecken mitten in einer Klagewelle, deren Ende nicht absehbar ist. Heute verhandelt das Landgericht Mannheim die Schadenersatzklage der Goldeck Süßwaren GmbH (Marke Zetti) gegen Südzucker. Es ist eine von mehr als 20 Klagen wegen Preisabsprachen in der Zucker-Branche, die an dem Landgericht anhängig sind.

Rocket Internet schreibt rote Zahlen

Die Startup-Schmiede Rocket Internet hat im ersten Halbjahr, belastet von Sondereffekten, einen Verlust verbucht. Der Fehlbetrag habe 617 Millionen Euro betragen, teilte das Berliner Unternehmen mit. Das Ergebnis sei insbesondere durch Abwertungen bei der Global Fashion Group ("GFG") gemindert worden. Die Aktie bricht um fast zehn Prozent ein.

Samsung: Hilfe, es brennt!

Samsung stoppt den Verkauf seines neuen Smartphones Galaxy Note 7 wegen Akku-Problemen. Die bereits verkauften Handys würden durch neue Geräte ersetzt, teilte der südkoreanische Konzern am Freitag mit. Es werde etwa zwei Wochen dauern, um diese bereitzustellen. Mit dem Umtausch werde in Südkorea am 19. September begonnen. Medienberichten zufolge soll es zu Bränden gekommen sein.

Smith & Wesson profitiert vom US-Waffenboom

Der anhaltende Andrang der Amerikaner auf die Waffenläden lässt beim US-Branchenführer Smith & Wesson die Kassen klingeln. Der Überschuss sprang im vergangenen Quartal von 14,4 auf 32,6 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte um 40 Prozent auf 207 Millionen Dollar. Der Hersteller von Handfeuerwaffen schraubte daraufhin seine Geschäftsziele für das Gesamtjahr hoch.

Verkauft HPE sein Software-Geschäft?

Der amerikanische IT-Konzern Hewlett Packard Enterprise (HPE) will nach Informationen von Insidern sein Software-Geschäft verkaufen. Als Interessent werde der Finanzinvestor Thoma Bravo gehandelt, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag. Derzeit führten die beiden Unternehmen Gespräche. HPE erhoffe sich einen Erlös von acht bis zehn Milliarden Dollar.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr