Marktbericht 20:02

Dax halbiert Verluste US-Arbeitsmarkt verhindert Schlimmeres

Stand: 03.07.2013, 20:02 Uhr

Belastet von der Angst vor einem erneuten Aufflammen der Schuldenkrise haben deutsche Aktien am Mittwoch erneut Kursverluste verbucht. Der Dax sackte am Vormittag um mehr als zwei Prozent ab, konnte aber nach unerwartet guten Statistiken vom US-Arbeitsmarkt den Verlust im späten Handel halbieren. Hilfe kam auch von der Wall Street.

Am Ende geht der deutsche Leitindex bei 7.829 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 81 Zählern oder 1,02 Prozent. Im Abendhandel kann der Dax seine Verluste sogar noch weiter reduzieren auf 0,59 Prozent. Schützenhilfe bekomen die hiesigen Kurse von der Wall Street, wo der Handel wegen des morgigen Feiertages in den USA bereits um 19 Uhr unserer Zeit endete. Der Dow Jones-Index dreht nach anfänglichen Schwächen ins Plus und schließt 0,4 Prozent höher bei 14.988.

Dabei kamen aus den USA widersprüchliche Daten. Die dortigen Firmen haben im Juni zwar mehr Jobs geschaffen als erwartet. Im Privatsektor entstanden 188.000 neue Stellen, wie die private Arbeitsvermittlung ADP am Nachmittag mitteilte. Die Stimmung der US-Einkaufsmanager ist im Juni aber unerwartet von 53,7 Punkten im Vormonat auf 52,2 Zähler gesunken.

Weiter Hoffnung auf steigende Kurse

Belastet wurde der Dax im Tagesverlauf vor allem von neuen Befürchtungen um eine Rückkehr der Euro-Finanzkrise, wegen der Regierungskrise in Portugal und erneuten Haushaltsproblemen in Griechenland. Die heftigen Turbulenzen an den portugiesischen Kapitalmärkten sorgten für zusätzliche Verunsicherung. Hinzu kommen die Unruhen in Ägypten und der in der Folge kräftig gestiegene Ölpreis. Auch um China sorgen sich die Anleger: Die Einkaufsmanagerindizes lieferten weitere Hinweise auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Noch ist die Hoffnung auf wieder steigende Kurse nicht vorbei. "Zwischen 7.400 und 7.600 Zählern verläuft eine wichtige Unterstützungszone, die sich aus der 200-Tagelinie, dem Aufwärtstrend aus dem Jahr 2011 und den Tiefständen aus dem Mai zusammensetzt. Entscheidend ist, ob diese Zone hält - wenn nicht, würde sich die Lage deutlich verschlechtern", urteilt Sophia Wurm, technische Analystin der Commerzbank.

Da mittlerweile auch das Chartbild einiger Einzelwerte im DAX angekratzt aussehe, erscheine eine starke Gegenbewegung nach oben für die kommenden Tage eher unwahrscheinlich. Dennoch: Solange die Unterstützungszone halte, sei der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.

Die Rückkehr der Schuldenkrise belastete den ganzen Tag auch den Kurs des Euro. Am Abend klettert die Gemeinschaftswährung aber wieder knapp über die Marke von 1,30 Dollar.

Commerzbank hält wieder die rote Laterne

Heftig nach unten geht es vor allem mit der Commerzbank. Sie rauscht um über fünf Prozent in die Tiefe und fällt auf ein neues Rekordtief. Auch die Papiere des heimischen Branchenprimus Deutsche-Bank verlieren überdurchschnittlich. Grund ist neben der Schuldenkrise auch eine Abstufung der Kreditwürdigkeit durch S&P, von "A+" auf "A". Die starke Konzentration auf das schwankungsanfällige Investmentbanking der deutschen Bank sieht S&P mit Sorge. Trotz des kräftig erhöhten Eigenkapitals seien die Risiken gestiegen. Derweil setzt der drohende Flubegleiterstreik bei der Tochter germanwings die Aktie der Lufthansa unter Druck.

Erneuter Sieg für die Telekom

Im Streit um angebliche irreführende Angaben im Prospekt der Telekom anlässlich des zweiten Börsengangs hat das Bonner Unternehmen erneut einen Sieg errungen. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) wies heute eine weitere Schadenersatzklage von gut 16.000 Privatanlegern ab. Ein Fehler im Prospekt der Telekom anlässlich des zweiten Börsengangs habe nicht festgestellt werden können, so das Gericht. Anlegeranwalt Andreas Tilp kündigte an, gegen das Urteil in der nächsten Instanz vorzugehen - das ist der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

SMA schrumpft weiter

Im TecDax gehört die SMA Solar-Aktie zu den wenigen Gewinnern. Das Kasseler Unternehmen streicht noch mehr Jobs als im Juni nagekündigt. Der Wechselrichterproduzent will bis Ende kommenden Jahres in Deutschland schrittweise 700 Vollzeitstellen abzubauen. Dies entspreche rund 800 Mitarbeitern, da auch Teilzeitkräfte betroffen seien. Bereits im letzten herbst waren 500 Arbeitsplätze weggefallen. Ende 2014 werde SMA Solar hierzulande noch über 3.000 Vollzeitstellen verfügen.

Celesio feuert Vorstandschef

Im MDax stürzt die Aktie des Pharmahändlers Celesio um 6,86 Prozent ab. Der Aufsichtsrat des von der Haniel-Familie dominierten Unternehmens hat heute Vorstandschef Markus Pinger mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Die Vorstandsaufgaben werden kommissarisch durch das Vorstandsmitglied Marion Helmes wahrgenommen. Sie ist ab sofort Sprecherin des Vorstands.

Rhön erzürnt Großaktionäre

Bergab geht es auch mit der Aktie des Klinikbetreibers Rhön. Die Großaktionäre Asklepios und B. Braun drohen mit rechtlichen Schritten gegen eine Satzungs-Änderung, die Rhön auf den Weg gebracht hatte. Durch sie soll eine Übernahme des Unternehmens erleichtert werden. Rhön hatte kurz vor einem Kauf durch Fresenius gestanden, dieser hatte aber die damals noch erforderliche Mehrheit von 90 Prozent der Aktien nicht erreicht.

Annington-Absage belastet Immo-Aktien

Immobilienwerte im MDax und SDax büßen überdurchschnittlich ein, nachdem der Immobilienkonzern Deutsche Annington seinen Börsengang abgesagt hat. Die "anhaltend ungünstigen Marktentwicklungen" seien der Grund, so die Eigentümer mit dem Mehrheitseigner Terra Firma an der Spitze. Für die Aktien hatten sich vor dem IPO in einer Preisspanne von 18 bis 21 Euro nicht genügend Interessenten gefunden.

Heideldruck: Wandelanleihe setzt Aktie unter Druck

Im SDax verliert die Aktie des Druckmaschinen-Herstellers Heidelberger Druck mehr als fünf Prozent. Grund ist eine Wandelanleihe, mit der sich das Unternehmen frisches Kapital besorgen will. Laut Analysten wird das Ergebnis des Unternehmens durch die Anleihe um rund zehn Prozent verwässert.

Ölpreise ziehen weiter an

Die Krise in Ägypten strahlt am Mittwoch auf den Ölpreis aus. Die Notierungen für ein Barrel der Nordseesorte WTI kletterten erstmals seit eine Jahr wieder über die Marke von 100 Euro, derzeit kostet es sogar 101,17 Dollar. Öl der Nordsee-Sorte Brent notiert bei 104,80 Dollar.

lg

Dax-Chart realtime

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Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
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Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr