US-Arbeitsmarkt bremst Dax aus

Stand: 03.12.2010, 20:02 Uhr

Knapp 1,5 Prozent hat der Dax in dieser Woche zugelegt. Doch den Sprung über die Marke von 7.000 Punkten hat er erst einmal verpasst. Schlechte Jobzahlen aus den USA sorgten am Nachmittag für einen kräftigen Dämpfer.

Auch am Abend kann sich der Dax der Enttäuschung über den anhaltend schwachen Arbeitsmarkt nicht entziehen. Das Börsenbarometer schließt nahezu unverändert bei 6.952, rund sechs Punkte höher als gestern. An der Wall Street notiert der Dow Jones-Index dagegen weiter im Minus bei 11.343 Punkten, 18 weniger als gestern.

In den USA wurden im November statt eines erwarteten Zuwachses von 140.000 Stellen nur 39.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das sorgte für einen Rückschlag auf dem Weg des Dax zur 7000er Marke. "Eigentlich ist ganz klar, dass der Markt die 7000 Punkte sehen will", sagte ein Händler. "Aber mit solchen Daten an einem Freitagnachmittag ist das nicht zu schaffen." Denn vor einem Wochenende kommt es auch meist zu Gewinnmitnahmen.

Darunter leiden vor allem die Aktien von HeidelbergCement, die einen Großteil ihrer gestrigen Gewinne wieder abgeben müssen. Aber auch Adidas und Allianz stehen auf der Liste der Verlierer weit oben.

Als Profiteur der schwachen US-Daten erwies sich der Euro; die Gemeinschaftswährung kletterte zeitweise wieder über 1,34 Dollar.

Für eine leichte Entspannung ist es auch auf dem Anleihemarkt gekommen. Die Risikoaufschläge für die Anleihen der Krisenstaaten zurück, die Rendite bei spanischen Papieren war so gering wie seit Ende November nicht mehr. Auch Portugal kam deutlich günstiger weg. Grund waren die Aufkäufe durch die Europäische Zentralbank.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,61
Differenz relativ
+0,70%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
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+1,23%

Volkswagen fährt allen davon
Größter Kursgewinner im Dax ist erneut die Aktie von Volkswagen. Sie hat allein in den letzten vier Wochen rund 30 Prozent zugelegt. Händler führen den heutigen Kursgewinn auf einen Bericht der Bild-Zeitung zurück, die gemeldet hat, dass im Stammwerk Wolfsburg die Werksferien über die Weihnachtsfeiertage wegen der guten Auftragslage verkürzt werden sollen.

Gegen den Trend zulegen kann auch die Aktie von Daimler. Der Autobauer hat mit seiner Kernmarke Mercedes-Benz einen neuen Novemberrekord verbucht. Die Auslieferungen stiegen weltweit um 18,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 105.200 Stück - das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Die Prognose, im Gesamtjahr mit Mercedes-Benz Pkw mindestens zehn Prozent zu wachsen, werde erfüllt, teilte das Unternehmen mit.

Deutsche Börse hat Expansionspläne
Deutlich im Plus notiert auch die Aktie der Deutschen Börse. Börsianer verweisen auf einen Bericht der Agentur "Bloomberg", wonach sich der Frankfurter Börsenbetreiber in Gesprächen über eine Kooperation mit den beiden größten russischen Börsen Micex und RTS befindet. Demnach sollen russische Aktienwerte künftig in beiden Ländern gelistet werden. Das würde das Handelsvolumen in Frankfurt erhöhen. Teil der Verhandlungen soll auch ein gegenseitiger Austausch von Anteilen sein.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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104,10
Differenz relativ
+2,42%

SAP bleibt gelassen
Der Softwarehersteller SAP rechnet trotz des zugegebenen Diebstahls von Oracle-Software und einer milliardenschweren Entschädigungszahlung in den USA nicht mit schlechteren Geschäften. "Die möglichen Folgen des Rechtsstreits können wir gut finanzieren", sagte Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe der "Süddeutschen Zeitung". SAP ändere deshalb weder die Strategie noch die Prioritäten. Auch habe er keine Angst, dass SAP Marktanteile in den USA verlieren könnte. "Mein Eindruck ist: Die Kunden haben das ganze Theater inzwischen satt", sagte Snabe. Die SAP-Aktie steht heute auf der Gewinnerseite.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
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+1,60%

Deutsche Bank bekräftigt Ziele
Die Deutsche Bank hat ihre Ziele im Privatkundengeschäft weiter fest im Blick. Zusammen mit der neuen Tochter Postbank würden hier mittelfristig Einnahmen von mehr als zehn Milliarden Euro angepeilt, bekräftigte Spartenvorstand Rainer Neske heute in einer Präsentation. Vor Steuern sollten mehr als drei Milliarden Euro verdient werden. Ohne den Zukauf sollte es im kommenden Jahr nur die Hälfte sein. Viele Analysten hatten sich zuletzt skeptisch gezeigt, was die Gewinnaussichten für die Postbank betrifft.

Aurubis-Werk teilweise dicht
Der Kupferproduzent Aurubis hat die Konzentratverarbeitung in seinem Hamburger Werk gestoppt. Grund sei ein Schaden am Schwebeschmelzofen, der ersten Stufe der Konzentratverarbeitung, teilte die Kupferhütte am Mittag mit. Die Reparatur werde voraussichtlich zwei Wochen dauern. Die Auswirkungen auf den Konzentratdurchsatz und die Schwefelsäureproduktion seien noch nicht genau zu beziffern. Die im MDax notierte Aktie rutscht ab.

Q-Cells setzt Höhenflug fort
Papiere von Q-Cells gewinnen auch heute kräftig dazu. China erwägt offenbar, in den nächsten fünf Jahren bis zu 1,5 Billionen Dollar unter anderem in führende Anbieter erneuerbarer Technologien zu setzen. "Diese Nachricht treibt definitiv wichtige Spieler wie Q-Cells", sagte ein Händler. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Aktie um mehr als zwölf Prozent zugelegt.

Deutz rauschen in die Tiefe
Papiere von Deutz sind nach einer Platzierung durch die UBS um knapp zehn Prozent eingebrochen. Laut Händlern wurden die Aktien zu 5,30 Euro platziert. Dem Unternehmen zufolge verkaufte Same Deutz-Fahr 20 Prozent seiner bisher gehaltenen 45 Prozent an dem Motorenhersteller über ein beschleunigtes Bookbuilding. Da dadurch der Streubesitz von Deutz allerdings deutlich gestiegen ist, haben laut dem Börsianer auch die Chancen für einen späteren Aufstieg in den MDax rapide zugenommen.

Gerry Weber auf gutem Weg
Das Modeunternehmen Gerry Weber kann von guten Geschäften berichten. Das Unternehmen hat für die Frühjahr- /Sommerkollektion des kommenden Jahres knapp 23 Prozent mehr Aufträge erhalten. Die Aktie profitiert.

Balda weiter gefragt
Noch steiler bergauf geht es mit den ebenfalls im SDax notierten Aktien des Handyausrüsters Balda. Grund ist, wie schon in den vergangenen Wochen, der Höhenflug des taiwanesischen Touchscreen-Herstellers TPK, an dem Balda mit 16,1 Prozent beteiligt ist.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen